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Passive Aggression

15. September 2007 um 10:01

Hallo, ich bin neu hier und brauche bitte Eure Meinung zu meinem Problem. Ich war 15 Jahre verheiratet, ehe ich mich von meinem Exmann, von dem ich vier Kinder habe, trennte. Er hatte Tendenzen zu einer passiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung (das weiß ich aber erst seit kurzem). Das ist 3 Jahre her. Seitdem lebe ich mit meinen Kindern alleine, was viel Arbeit bedeutet, zumal ich berufstätig bin. Inzwischen hatte ich zwei ca. 1-jährige Beziehungen, die zweite ist eben dabei, in die Brüche zu gehen. Wieder ist es ein passiv-aggressiver Mann, diesmal extremer ausgeprägt. Jeder, der dieses Phänomen kennt, weiß, daß ich viel verzichtet und gelitten habe, um diese Beziehung zu diesem Mann, den ich nach wie vor liebe, aufrecht zu erhalten. Meine Frage ist nun, welche Gründe es haben könnte, daß ich immer zu denselben Männern greife? Welches Muster (womöglich aus meiner Kindheit) mag dahinterstecken? Von diesen Männern höre ich immer denselben Vorwurf: sie hätten das Gefühl, mir immer zwei Schritte hinterher zu sein, sie meinen, sie könnten mir nicht genügen. Das ist Quatsch, aber ich muß es wohl akzeptieren, wenn sie es so empfinden. Ich habe das Buch "Warum Männer mauern" gelesen, finde aber keine zufriedenstellenden Antworten. Liegt es nur daran, daß ich den Typus der "Retterin" verkörpere (was ich abstellen will), den sie zwar wollen, aber nicht verkraften? Oder brauche ich auch eine Therapie, um eine dauerhafte Beziehung führen zu können, in der ich auch glücklich bin? Danke für Eure Antworten.

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15. September 2007 um 11:47

Hallo!
Hatte selber schon mal mit einem agressiven Mann zu tun, bzw war sogar mit ihm verheiratet. Du fragst warum du diesen Typ Mann anziehst...Das hab ich mich damals auch gefragt, aber die Antwort gibst du dir ja bereits ja z.T. selber. "Liegt es daran, dass ich den Typus Retter verkörpere, den sie zwar wollen, aber nicht verkraften?" Ich denke ja.
Ich hab mich mit diesem Mann nie als Opfer gefühlt. Anfangs hab ich mich viel stärker gefühlt als er, dachte meinem Grundwissen der Trivialpsychologie könne ich ihm helfen aus diesem Strudel herauszukommen. Irgendwann ist die Sache so ausgeartet, dass ich mich nur noch schuldig gefühlt hab...zu starr, zu statisch um noch handeln zu können und alles hat in einem tiefen Loch aus Resignation geendet aus dem ich es geschafft habe von selber irgendwie wieder rauszukommen, allerdings erst viel später.
Du fragst ob du eine Therapie brauchst...Ich würde wohl eher sagen, die beiden Männer hätten eine gebraucht. Es spricht nichts dagegen der Typus "Retterin" zu sein allerdings gut portioniert mit dem nötigen Egoismus und Altruismus. Ich weiß nicht wieviel in dir kaputt gegangen ist aber vielleicht würde die ein Gespräch und der Gedankenaustausch mit anderen betroffenen Frauen gut tun. Mir hats damals sehr geholfen.
Ob die Gründe in der Kindheit liegen...Ich denke schon. Mit 6 Jahren war ich (bzw.musste ich) die "Retterin" und "Trösterin" meiner Mutter (sein), hatte immer einen riesiegen Gerechtigkeitssinn, wollte immer die "Welt verbessern"...Das ist zum Teil noch immer so, aber heute verfüge ich über den nötigen Selbsterhaltungstrieb und weiß wann genug ist.

Hab vor ein paar Tagen hierzu einen Beitrag hier gelesen von einer Frau in einer ähnlichen Situatin. Hier mal der Link

http://forum.gofeminin.de/forum/separation/__f2800-_separation-Passiv-Aggressiv-jetzt-bin-ich-es-auch.-html

Ich wünsch dir alles Gute, tut mir leid dir nicht wirklich helfen zu können
Andrea

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15. September 2007 um 13:01

Hi!
Was genau heisst passiv-agressiv? Würde mich interessieren, ob das gleiche für meinen Mann gilt, da er Wutausbrüche hat und sich nicht beherrschen kann.Könntest du es mit Beispiele erklären.
Danke.
Mietsu

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15. September 2007 um 13:52
In Antwort auf mietsu

Hi!
Was genau heisst passiv-agressiv? Würde mich interessieren, ob das gleiche für meinen Mann gilt, da er Wutausbrüche hat und sich nicht beherrschen kann.Könntest du es mit Beispiele erklären.
Danke.
Mietsu

Gerne!
Den passiv-aggressiven Menschen zeichnet aus, daß er in seiner Vergangenheit hängen geblieben ist. Sein Gefühlsleben ist so zerbrechlich, er fürchtet sich so sehr vor Zurückweisung, daß er sich durch Gleichgültigkeit und Selbsttäuschung vor der Welt schützen muss. Dazu bedient er sich mehrerer Mittel. Er macht Versprechungen, die er nur zögerlich oder gar nicht einhält. Macht man ihn darauf aufmerksam, fühlt er sich herabgesetzt und reagiert mit Ablehnung. Er ist nicht imstande, seine Fehler zuzugeben und lädt die Schuld durch geschickte Argumentation bei seinem Partner ab, er fühlt sich als Opfer und durch beinahe jede Aussage persönlich angegriffen. Mit allen möglichen Ausreden enthält anderen Informationen, Bestätigung oder Liebe vor.Sie benehmen sich, als ob sie auf niemanden Rücksicht nehmen müssen und bemühen sich nicht um die Partnerschaft. Ich persönlich hatte oft das Gefühl, emotional zu verhungern. Dabei streitet er alles ab und stellt mich als hysterische Frau dar. Er ist ein Genie im Ignorieren von Tatsachen und bedient sich häufig der Lüge. Eine seiner rücksichtslosesten Eigenschaften ist es, sich nicht an Verabredungen zu halten und stets zu spät zu kommen. Zweideutige Aussagen, widersprüchliche Botschaften und Unentschlossenheit dienen dazu, seine Persönlichkeit zu verwischen, sich nicht greifbar zu machen. Wenn man diese Eigenschaften an ihm offen anspricht, reagiert der passiv-aggressive Mann mit Schmollen und Rückzug oder verbalem Angriff und Provokationen. Mit diesem ganzen Getue versucht er, seine Unsicherheiten und Ängste zu verbergen. Der Schlüssel zu seiner Persönlichkeit ist die Angst, aus der seine Aggression entspringt.
Ich hoffe, Dir mit dieser Erklärung weitergeholfen zu haben, die weitgehend aus dem Buch "Wenn Männer mauern" von Scott Wetzler stammt.
Liebe Grüße

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15. September 2007 um 13:58
In Antwort auf andrea210880

Hallo!
Hatte selber schon mal mit einem agressiven Mann zu tun, bzw war sogar mit ihm verheiratet. Du fragst warum du diesen Typ Mann anziehst...Das hab ich mich damals auch gefragt, aber die Antwort gibst du dir ja bereits ja z.T. selber. "Liegt es daran, dass ich den Typus Retter verkörpere, den sie zwar wollen, aber nicht verkraften?" Ich denke ja.
Ich hab mich mit diesem Mann nie als Opfer gefühlt. Anfangs hab ich mich viel stärker gefühlt als er, dachte meinem Grundwissen der Trivialpsychologie könne ich ihm helfen aus diesem Strudel herauszukommen. Irgendwann ist die Sache so ausgeartet, dass ich mich nur noch schuldig gefühlt hab...zu starr, zu statisch um noch handeln zu können und alles hat in einem tiefen Loch aus Resignation geendet aus dem ich es geschafft habe von selber irgendwie wieder rauszukommen, allerdings erst viel später.
Du fragst ob du eine Therapie brauchst...Ich würde wohl eher sagen, die beiden Männer hätten eine gebraucht. Es spricht nichts dagegen der Typus "Retterin" zu sein allerdings gut portioniert mit dem nötigen Egoismus und Altruismus. Ich weiß nicht wieviel in dir kaputt gegangen ist aber vielleicht würde die ein Gespräch und der Gedankenaustausch mit anderen betroffenen Frauen gut tun. Mir hats damals sehr geholfen.
Ob die Gründe in der Kindheit liegen...Ich denke schon. Mit 6 Jahren war ich (bzw.musste ich) die "Retterin" und "Trösterin" meiner Mutter (sein), hatte immer einen riesiegen Gerechtigkeitssinn, wollte immer die "Welt verbessern"...Das ist zum Teil noch immer so, aber heute verfüge ich über den nötigen Selbsterhaltungstrieb und weiß wann genug ist.

Hab vor ein paar Tagen hierzu einen Beitrag hier gelesen von einer Frau in einer ähnlichen Situatin. Hier mal der Link

http://forum.gofeminin.de/forum/separation/__f2800-_separation-Passiv-Aggressiv-jetzt-bin-ich-es-auch.-html

Ich wünsch dir alles Gute, tut mir leid dir nicht wirklich helfen zu können
Andrea

Vielen Dank...
...für die Antwort. Austausch ist ungemein hilfreich. So langsam zweifle ich wirklich an meinem Verstand, obwohl ich im Grunde nicht glaube, besonders neben der Spur zu sein... Er versteht es einfach immer wieder im Gespräch, alles auf mich zu schieben und es klingt auch noch plausibel. Argumentativ komme ich einfach nicht gegen ihn an....

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15. September 2007 um 16:59
In Antwort auf krista_12360808

Vielen Dank...
...für die Antwort. Austausch ist ungemein hilfreich. So langsam zweifle ich wirklich an meinem Verstand, obwohl ich im Grunde nicht glaube, besonders neben der Spur zu sein... Er versteht es einfach immer wieder im Gespräch, alles auf mich zu schieben und es klingt auch noch plausibel. Argumentativ komme ich einfach nicht gegen ihn an....

Passiv-Aggressiv,
von dieser Definition habe ich bisher noch nicht gehört, aber es klingt für mich ausgesprochen einleuchtend.

Ich höre mich immer wieder: Bitte sprich mit mir, lauf doch nicht weg, hör mir mal zu... und dazu seine Antworten: Du bist zu laut, ich hab keine Zeit, siehst Du nicht, daß Du gerade störst ...

Eigentlich tut er nichts böses und ich komme mir jedesmal wie eine Idiotin vor. Es ist wie Aggression pur, sieht aber definitiv nicht so aus.

Ablehnung könnte man das auch nennen, wenn da nicht immer wieder die Situation wäre, als ob niemals etwas passiert ist.

Das ist mal ein Input, der mich sehr zum Nachdenken anregt.

Viel Glück für Dich


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