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Partner mit depression - trennung? sorry, langer text

6. November 2009 um 13:47

hallo,

ich bin neu hier und wende mich einfach mal an die allgemeinheit, da ich im moment buchstäblich den wald vor lauter bäumen nicht mehr sehe.

ich habe meinen partner - er kommt aus einem anderen eu-land - vor drei jahren kennengelernt. die gemeinsamen ziele waren schnell gefunden: in seinem heimatland leben (da sich liebe und dessen sprache ich beherrsche), jobs für uns beide, familie. er begann damals mit 29 erstmals eine ausbildung. ich habe mich natürlich gefragt, warum er das so spät erst angeht (war lange arbeitslos), aber dachte eben, dass mancher halt etwas zeit braucht um rauszufinden, wohin die reise geht.

wir kehrten dann doch noch einmal nach deutschland zurück, da ich hier eine befristetet tätigkeit bekam und er es auch gut fand, die sprache zu lernen. es war aber klar, dass wir in seinem land leben möchten. weil es dort nicht so einfach ist jobs zu finden, habe ich mir eine selbständige tätigkeit als redakteurin und übersetzerin aufgebaut, um ortsunabhängig leben zu können, studienschulden abbezahlt etc. ich habe wirklich gekämpft wie ein tiger, um aus denkbar schlechten ausgangsbedingungen (er arbeitslos, ich nach'm studium, medienbranche, nur praktika, zwei länder etc.) erstmal die rahmenbedingungen zu schaffen, auf denen diese beziehung eine zukunft haben kann.

anfang des jahres wurde mir dann bewusst, wie allein ich mit diesem kampf bin. mein partner konnte sich plötzlich für nichts entscheiden, schob alles auf später, wann immer was konkret werden sollte - wann ziehen wir denn nun um? wollen wir dieses jahr ein kind und später umziehen oder umgekehrt? - wurde ich vertröstet. ein gespräch über "zukunft" war gar nicht mehr möglich. er wollte ursprünglich ein praktikum in seinem heimatland machen und sich nach einer wohnung umschauen, beides wurde dann auf unbestimmte zeit von ihm verschoben.

aus diesen und anderen zeichen konnte ich irgendwann schließen, dass mein partner depressiv ist. ich bin mit einem depressiven vater aufgewachsen und weiß daher, wie sich das äußert: die antriebslosigkeit, die unmotivation und unlust auf alles, gedrückte stimmung, appetit- und schlaflosigkeit. mein partner fühlte sich auch selbst unwohl mit seiner beschlussangst und fing eine psychotherapie an, die ihn allerdings noch mehr runtergezogen hat, wie das bei analysen gerne mal der fall ist. seit monaten hängt er nun wirklich in einem tiefen loch.

inzwischen gibt es irgendwie kaum noch eine grundlage für ein gemeinsames leben. neuen wohnort und kind macht er von einem potentiellen job abhängig, nach dem er aber aufgrund seiner depression gar nicht sucht. auf die frage, was er denn will, ob er überhaupt noch das will, worüber wir gesprochen haben oder etwas anderes, kann er nicht antworten, weder ja noch nein zu irgendwas sagen. ich weiß, dass ich ihn mit meinem bedürfnis nach antworten immoment überfordere, aber manchmal bin ich auch nur ein mensch.

ich weiß, dass das alles mit der krankheit zu tun hat, und es wäre sicher nicht fair, jemanden in dieser situation zu verlassen. aber inzwischen fühlt sich mein leben an wie auf dauer-standby. ich warte auf seine entscheidungen, von denen er sagt, er könne "nicht nein sagen, aber eben auch nicht ja". dazu sei noch gesagt, dass ich meine selbständigkeit unerfüllend finde und sie nur mache, weil ich damit in sein land ziehen und/oder eben auch ein kleines kind besser betreuen kann. wenn nun nichts davon wahr wird - und so fühlt es sich gerade an - dann würde ich entweder in teilzeit nebenher ein aufbaustudium machen oder mich wieder bewerben. das alles schiebe ich also auch auf, und es fühlt sich an, als würde mein leben damit immer mehr auch seiner depression untergeordnet.

ich muss damit rechnen, dass er auch nie "ja" zum kind sagen kann. ich werde bald 30 und möchte eine familie. würde er klar "nein" sagen, so könnte ich mir überlegen, ob ich mir die partnerschaft trotzdem vorstellen kann und auf eine familie verzichte - oder versuche, einen partner zu finden, mit dem ich das verwirklichen kann. so aber "kann er nicht ja sagen, aber das heißt ja auch nicht nein." das höre ich mir seit zweieinhalb jahren an und habe angst, dass es genauso auch noch jahre weitergehen wird - bis es zu spät für mich ist. ich kann mir gut vorstellen, dass er wirklich "nein" meint und es nur aus angst, dass ich mich dann trenne - was passieren kann, aber nicht muss - nicht sagt.

ich merke, wie all das auch meine gefühle für ihn auffrisst, und seit wochen denke ich nun erstmals tatsächlich über trennung nach. ich habe deshalb ein schlechtes gewissen, aber versteht ihr, wie ich das mit dem stand-by-leben meine? ich möchte mich einfach beruflich, menschlich, persönlich weiterentwickeln, aber die depression meines partners lässt keine form der weiterentwicklung zu, weder für ihn noch für uns. wenn ich etwas verändern möchte, muss ich es allein tun.

ich habe ihm jetzt eine paartherapie angeboten, die ich als last ressort sehe, um vielleicht wieder eine gemeinsame grundlage zu finden. ich würde einfach nur gerne hören, ob jemand das kennt, ob jemand schonmal über trennung von einem depressiven partner nachgedacht hat (egal, wie gemein das jetzt klingt), oder sich sogar getrennt hat. ich bin sehr traurig, weil ich dachte, mit ihm will ich alt werden - aber so wie jetzt kann und will ich nicht leben.

kennt jemand so eine situation? würde mich so gern mit jemand austauschen...

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6. November 2009 um 14:03

Ja
mein mann leidet auch an depressionen. allerdings war uns/ihm das lange gar nicht bewusst. denn plötzlich wollte er ausbrechen, ein neues leben beginnen, sich wieder spüren. schließlich hat er mich dann verlassen und eine beziehung begonnen. mit dem resultat, dass alles noch viel schlimmer wurde. es lag also gar nicht am "langweiligen" alltag sondern an ihm selbst. flucht funktionierte also nicht...
also kam er irgendwann mehr oder weniger zurück und seitdem ist auch mein leben auf standby. depressive können keine entscheidungen treffen. du wirst lange warten können... die wissen nicht was sie wollen, wie es weitergehen kann und soll. und triffst du eine entscheidung, wird auch diese für ihn nicht die richtige sein...
ich glaube schritt 1 : phychoterapeut, der kann auch medikamente verschreiben um überhaupt erstmal aus dem dauerfrust rauszukommen und dann erst
therapie. ich weiß nur das depressionen heilbar sind, aber unbehandelt nicht weggehen.
bevor du ihn verlässt, könntest du wenigstens noch versuchen ihn zum arzt zu kriegen. aber zum richtigen!
viel glück!

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6. November 2009 um 22:30

Meine Sicht der Dinge...
Liebe Ronja, ich neige selber zu Depressionen. Seit mein Mann sich getrennt hat geht es mir besser. Klingt bescheuert und es nicht so, dass ich nicht viel heule und wütend bin, aber ich glaube er hat mich in dieser Krankheit stabilisiert. Seit er weg ist, bin ich für mein Leben wieder selber zuständig und muß selber handeln.Und es geht auch. Ich weiß wie das Zusammenleben mit psychisch kranken Menschen ist. und warum willst du auf deine eigenen Wünsche und Träume verzichten, bloß um den Rest deines Lebens Krankenschwester zu spielen? Mag sein, dass das jetzt sehr hart klingt. Aber du hast auch nur ein Leben und warum willst du dies als Samariter verbringen. Wäre vielleicht was anderes, wenn er sich auf Medis einstellen ließe. Aber er scheint da ja auch kein Interesse zu haben. Eine reine Psychotherapie reicht bei schweren Depressionen aus meiner Sicht nicht aus. Allerdings gibt es Erkrankungen die man trotz Medikamenten nicht in den Griff bekommt.Wünsche dir Kraft für die schwere Entscheidung, Friedje

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13. November 2009 um 8:19
In Antwort auf saki_12766103

Ja
mein mann leidet auch an depressionen. allerdings war uns/ihm das lange gar nicht bewusst. denn plötzlich wollte er ausbrechen, ein neues leben beginnen, sich wieder spüren. schließlich hat er mich dann verlassen und eine beziehung begonnen. mit dem resultat, dass alles noch viel schlimmer wurde. es lag also gar nicht am "langweiligen" alltag sondern an ihm selbst. flucht funktionierte also nicht...
also kam er irgendwann mehr oder weniger zurück und seitdem ist auch mein leben auf standby. depressive können keine entscheidungen treffen. du wirst lange warten können... die wissen nicht was sie wollen, wie es weitergehen kann und soll. und triffst du eine entscheidung, wird auch diese für ihn nicht die richtige sein...
ich glaube schritt 1 : phychoterapeut, der kann auch medikamente verschreiben um überhaupt erstmal aus dem dauerfrust rauszukommen und dann erst
therapie. ich weiß nur das depressionen heilbar sind, aber unbehandelt nicht weggehen.
bevor du ihn verlässt, könntest du wenigstens noch versuchen ihn zum arzt zu kriegen. aber zum richtigen!
viel glück!

So ist es bei mir zur Zeit
Das erinnert mich ja irgendwie total an meine Geschichte.. Ich habe die Vermutung das mein Freund oder vielmehr Exfreund ebenfalls an Depressionen leidet, doch davon möchte er nichts hören. Es fing alles damit an das er Antriebslos wurde, Panikattaken vor Krankheiten bekommen hat und sich zurückgezogen hat. Er war bereits beim Arzt und hat dort Tabletten erhalten die ihn aber nicht geheilt haben sondern nur für 2 Wochen alles vergessen lassen haben.
Er fing dann an sehr viel Zeit mit einer Arbeitskollegin zu verbringen und vernachlässigte mich bis er irgendwann sagte das er für mich nichts empfindet und das wohl die ganzen vier Jahre nicht hat. Das war ein richtiger Schlag in die Magengegend.
Nun trifft er sich häufig mit ihr und ist an dem Punkt an dem er ausziehen will und im Inneren fest davon überzeugt ist, dass sie die richtige ist und er sich sicherlich auch ne Beziehung mit ihr vorstellen kann. Ich denke es ist bei ihm einfach dieses Gefühl vom neuen und er denkt damit kann er seine Vergangenheit vergessen. Manchmal denke ich mir das ich mir die ganzen Symptome wohl bloß einrede doch die sind so eindeutig.. Jemand der eine Beziehung beendet verhält sich einfach anders..
Konntest du ihm das denn einfach alles so verzeihen?? Nach wievielen Wochen, Monaten kam er denn zurück?

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13. November 2009 um 18:00
In Antwort auf irja_12337940

So ist es bei mir zur Zeit
Das erinnert mich ja irgendwie total an meine Geschichte.. Ich habe die Vermutung das mein Freund oder vielmehr Exfreund ebenfalls an Depressionen leidet, doch davon möchte er nichts hören. Es fing alles damit an das er Antriebslos wurde, Panikattaken vor Krankheiten bekommen hat und sich zurückgezogen hat. Er war bereits beim Arzt und hat dort Tabletten erhalten die ihn aber nicht geheilt haben sondern nur für 2 Wochen alles vergessen lassen haben.
Er fing dann an sehr viel Zeit mit einer Arbeitskollegin zu verbringen und vernachlässigte mich bis er irgendwann sagte das er für mich nichts empfindet und das wohl die ganzen vier Jahre nicht hat. Das war ein richtiger Schlag in die Magengegend.
Nun trifft er sich häufig mit ihr und ist an dem Punkt an dem er ausziehen will und im Inneren fest davon überzeugt ist, dass sie die richtige ist und er sich sicherlich auch ne Beziehung mit ihr vorstellen kann. Ich denke es ist bei ihm einfach dieses Gefühl vom neuen und er denkt damit kann er seine Vergangenheit vergessen. Manchmal denke ich mir das ich mir die ganzen Symptome wohl bloß einrede doch die sind so eindeutig.. Jemand der eine Beziehung beendet verhält sich einfach anders..
Konntest du ihm das denn einfach alles so verzeihen?? Nach wievielen Wochen, Monaten kam er denn zurück?

Na dann lass ihn doch mal...
...ausprobieren, ob die andere wirklich so viel toller ist. warscheinlich eher nicht. meiner hatte anfänglich totale oberenegie entwickelt, alles so neu und aufregend....
das flaute ziemlich schnell ab, ca nach 3 monaten stand er das erstmal wieder vor der tür, dann flakerte aber intervallmäßig ein jahr lang die neue leidenschaft bei der anderen immer mal wieder auf, bis er kapiert hat, dass ER das problem hat und das das nichts mit den frauen zu tun hat.
naja dann ist er total in sich zusammengefallen, kein kontakt zu freunden, gewichtsabnahme...
langsam geht es wieder bergauf, er wohnt jetzt auch alleine.
verzeihen konnte ich, vergessen nicht......

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26. März 2017 um 11:57
In Antwort auf maarja_11897971

Meine Sicht der Dinge...
Liebe Ronja, ich neige selber zu Depressionen. Seit mein Mann sich getrennt hat geht es mir besser. Klingt bescheuert und es nicht so, dass ich nicht viel heule und wütend bin, aber ich glaube er hat mich in dieser Krankheit stabilisiert. Seit er weg ist, bin ich für mein Leben wieder selber zuständig und muß selber handeln.Und es geht auch. Ich weiß wie das Zusammenleben mit psychisch kranken Menschen ist. und warum willst du auf deine eigenen Wünsche und Träume verzichten, bloß um den Rest deines Lebens Krankenschwester zu spielen? Mag sein, dass das jetzt sehr hart klingt. Aber du hast auch nur ein Leben und warum willst du dies als Samariter verbringen. Wäre vielleicht was anderes, wenn er sich auf Medis einstellen ließe. Aber er scheint da ja auch kein Interesse zu haben. Eine reine Psychotherapie reicht bei schweren Depressionen aus meiner Sicht nicht aus. Allerdings gibt es Erkrankungen die man trotz Medikamenten nicht in den Griff bekommt.Wünsche dir Kraft für die schwere Entscheidung, Friedje

Danke, das ist toll, mal von einem betroffenen selbst zu lesen. Falls Du das liest,- wie geht es Dir inzwischen?

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