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OT: Verwitweter Vater

26. Februar 2016 um 10:01

Hallo,

ich bräuchte mal bitte ein paar Denkanstöße zu einer verfahrenen Situation.

Wegen einer Gehirntumor-Operation war meine Mutter 20 Jahre lang halbseitig gelähmt. Nach seiner Pensionierung hat sich mein Vater um sie gekümmert. Soweit er es zuließ, haben wir ihn dabei unterstützt. Nun ist meine Mutter im vergangenen Sommer an einem Rezidiv gestorben. Seither hat mein Vater keinen Spaß mehr am Leben. Er nimmt zwar rege am Sozialleben teil, hat viele Freunde, meine Kinder und ich besuchten ihn ein Mal pro Woche und telefonieren täglich. Doch eine Situation vergangenes Wochenende macht deutlich, wie er wirklich tickt.

Wir bemerkten Sprach- und Wortfindungsstörungen und überredeten ihn, in die Klinik zu gehen. Das war schon ein Problem, da bei meiner Mutter einiges schief gegangen und Krankenhaus seither ein rotes Tuch für meinen Vater ist. Tatsächlich wurde eine TIA festgestellt, ein "kleiner" Schlaganfall, der behandlungsbedürftig ist. Doch mein Vater warf mir vor, ihm mit der Bitte, in die Klinik zu gehen, "ganz schön was eingebrockt zu haben". Am Montag entließ er sich selbst ohne abschließende Diagnose und Therapievorschlag. Ich sagte ihm klar meine Meinung dazu. Wir hatten 20 Jahre lang einen Pflegefall in der Familie. Wenn sich sowas in Zukunft vermeiden lässt, sollte man das tun. Dazu stehe ich auch jetzt noch, selbst wenn ich vielleicht zu deutliche Worte gewählt habe.

Auf jeden Fall ist mein Vater jetzt beleidigt. Wir telefonieren nach wie vor täglich, aber er beantwortet nur Fragen, mehr nicht. Eine Einladung am Wochenende zum Essen hat er genauso abgelehnt wie ein klärendes Gespräch. Nun meine Frage: Wie soll ich mich weiter verhalten? Zurückziehen und ihn schmollen lassen? Weiter jeden Tag anrufen, mich normal benehmen und darauf hoffen, dass er irgendwann wieder normal wird? Ich weiß jetzt und akzeptiere, dass er keine Lust mehr hat zu leben udn werde mich nicht mehr einmischen. Aber nach allem, was in den vergangenen Jahren passiert ist, haben wir alle kaum mehr Kraft für dieses Theater jetzt.

Ich bin für jeden Tipp dankbar. Vielen Dank fürs Lesen!

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26. Februar 2016 um 11:09

Der Mann...
...hatte einen Schlaganfall. Da ich keine Ärztin bin, musste ich ihn wohl oder übel ins Krankenhaus "abschieben". Ich nenne das Fürsorge. Aber da scheinen die Meinungen auseinander zu gehen.

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26. Februar 2016 um 11:13

Danke...
...für Deine Meinung. Du hast recht und ich werde mich hüten, mich nochmal einzumischen. Aber auch der übrige Umgang mit ihm ist schwierig, da er "bockig" ist und offenbar keinen Kontakt geschweige denn uns sehen will. Damit kann ich nicht umgehen...

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26. Februar 2016 um 11:19

Viel machen kannst du leider nicht.
Aber ich würde ihm sagen, dass du Angst um ihn hast und ihn nicht verlieren möchtest. Meist redet man ja nicht direkt von seinen Gefühlen, aber vielleicht wirkt es in diesem Fall mehr auf ihn ein. Zumindest im Nachgang wird es in seinem Kopf sein.
Ansonsten lass ihn erst mal schmollen und warte ab. Er ist jetzt sauer, aber das wird schon wieder besser werden.
Es ist sein Leben, aber hauptsache du bist für ihn da.

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26. Februar 2016 um 11:29
In Antwort auf sfsp

Viel machen kannst du leider nicht.
Aber ich würde ihm sagen, dass du Angst um ihn hast und ihn nicht verlieren möchtest. Meist redet man ja nicht direkt von seinen Gefühlen, aber vielleicht wirkt es in diesem Fall mehr auf ihn ein. Zumindest im Nachgang wird es in seinem Kopf sein.
Ansonsten lass ihn erst mal schmollen und warte ab. Er ist jetzt sauer, aber das wird schon wieder besser werden.
Es ist sein Leben, aber hauptsache du bist für ihn da.

Er weiß...
...dass wir uns alle Sorgen um ihn machen, ich habe ihm das mehrfach gesagt. Seine Enkel und ich haben ihn an dem Tag in der Klinik nicht allein gelassen, ständig war jemand bei ihm. Wir haben einen sehr engen Zusammenhalt, deshalb ist das, was jetzt abgeht, so schwer für mich. Danke für Deine Worte!

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26. Februar 2016 um 11:38
In Antwort auf krista_12360808

Danke...
...für Deine Meinung. Du hast recht und ich werde mich hüten, mich nochmal einzumischen. Aber auch der übrige Umgang mit ihm ist schwierig, da er "bockig" ist und offenbar keinen Kontakt geschweige denn uns sehen will. Damit kann ich nicht umgehen...

Lasst ihn
erst einmal in Ruhe. Ich denke, er muss erst einmal mit seiner eigenen Situation fertig werden. Er hat jahrelang seine Frau gepflegt, er wurde gebraucht, das war anstrengend ... jetzt droht er derjenige zu werden, der Hilfe benötigt ... da muss bei ihm zunächst ein Umdenkungsprozess stattfinden. Er möchte wohl auch niemanden zur Last fallen...
Er sollte wissen, das ihr für ihn da seid, ohne dass ihr euch aufdrängt und er das Gefühl bekommt, nichts mehr alleine auf die Reihe zu bekommen.

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26. Februar 2016 um 11:52
In Antwort auf sweetwater5

Lasst ihn
erst einmal in Ruhe. Ich denke, er muss erst einmal mit seiner eigenen Situation fertig werden. Er hat jahrelang seine Frau gepflegt, er wurde gebraucht, das war anstrengend ... jetzt droht er derjenige zu werden, der Hilfe benötigt ... da muss bei ihm zunächst ein Umdenkungsprozess stattfinden. Er möchte wohl auch niemanden zur Last fallen...
Er sollte wissen, das ihr für ihn da seid, ohne dass ihr euch aufdrängt und er das Gefühl bekommt, nichts mehr alleine auf die Reihe zu bekommen.

Wie meinst Du
"in Ruhe lassen"? Bisher habe ich mit meinen Eltern täglich telefoniert. Eine Angewohnheit, die aus der Erkrankung meiner Mutter resultierte. Soll ich das jetzt mal lassen? Oder weiter anrufen und nur kein Treffen mehr vorschlagen?

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26. Februar 2016 um 13:35
In Antwort auf krista_12360808

Wie meinst Du
"in Ruhe lassen"? Bisher habe ich mit meinen Eltern täglich telefoniert. Eine Angewohnheit, die aus der Erkrankung meiner Mutter resultierte. Soll ich das jetzt mal lassen? Oder weiter anrufen und nur kein Treffen mehr vorschlagen?

Er kann dich doch
aber bei Bedarf auch anrufen, richtig? Vielleicht fühlt er sich zur Zeit zu sehr verhätschelt. Er kennt die täglichen Anrufe aus dem Erleben mit deiner Mutter. Da hat er diese Anrufe eher auf ihre Situation bezogen. Er möchte ggf. nicht, dass ihr ihn schon alle für pflegebedürftig haltet, wenn ihr euch täglich meldet.
Lass doch einfach mal einen Tag aus, frage nicht nach einem Treffen und dann wirst du ja seine Reaktion merken.

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26. Februar 2016 um 16:12
In Antwort auf sweetwater5

Er kann dich doch
aber bei Bedarf auch anrufen, richtig? Vielleicht fühlt er sich zur Zeit zu sehr verhätschelt. Er kennt die täglichen Anrufe aus dem Erleben mit deiner Mutter. Da hat er diese Anrufe eher auf ihre Situation bezogen. Er möchte ggf. nicht, dass ihr ihn schon alle für pflegebedürftig haltet, wenn ihr euch täglich meldet.
Lass doch einfach mal einen Tag aus, frage nicht nach einem Treffen und dann wirst du ja seine Reaktion merken.

Natürlich..
kann er mich jederzeit erreichen. Nachdem sich dieses tägliche Melden auch für mich schon längst nicht mehr "normal" anfühlt, habe ich beschlossen, es wirklich mal zu reduzieren. LG und ein schönes Wochenende!

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26. Februar 2016 um 16:36

Mein Vater...
ist Mitte 70 und seit 10 Jahren in Rente, in denen meine Mutter und ihre Pflege sein Lebensinhalt war. Wir haben einige Schicksalsschläge hinter uns, so dass ich akzeptieren kann, dass er nicht mehr will. Deine Worte empfinde ich ganz und gar nicht als Angriff oder gar morbide. Was ich nicht wollte ist, dass er vielleicht selbst eines Tages so daliegt wie meine Mutter. Das wünsche ich keinem Menschen. Deshalb habe ich die Initiative ergriffen. Ob ich es fertig bringe, mich bei ihm zu entschuldigen, weiß ich nicht, weil ich nicht dahinter stehe. Er ist in seinem Zustand mit meinen Kindern viele Kilometer Auto gefahren und hat sich und viele andere in Gefahr gebracht. Insofern stehe ich dazu, wie ich gehandelt habe. Auf jeden Fall werde ich mich jetzt mal ein bisschen zurücknehmen auch auf die Gefahr hin, dass er das wieder in den falschen Hals bekommt. LG

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