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Ohne Abschied - Wenn der geliebteste Mensch stirbt

21. Juni 2008 um 12:46 Letzte Antwort: 21. Juni 2008 um 17:04

Hi.
Ich habe mich gerade neu angemeldet, und zwar aus dem Grund, dass ich ein großes Problem habe, und zwar bereits seit dem 11. April diesen Jahres. Ich denke, ich werde euch erst einmal erzählen, worum es geht, und euch dann meine Fragen stellen, in der Hoffnung, dass ihr mir helfen könnt.

Ich selbst bin 16 und gehe noch zur Schule, in die 10te Klasse. Ich plane, bis zur 13ten zu machen und mein Abi zu bekommen. Einen Freund habe ich nicht, allerdings bin ich verliebt ...

Ich weiß nicht, wann und wie es begann, ich weiß nur, dass es auf einmal so war ... ich kann es nicht erklären, aber es war schön ...
Ich sah ihn jeden Tag, und er sah mich. Er blickte sogar hoch in unser Küchenfenster um zu sehen, wie ich dort stand und die Hand zum Winken hob. Doch nur selten fuhr ich mit ihm, wechselte kaum ein Wort mit ihm.
Und trotzdem verliebte ich mich in ihn, in seine blauen Augen, in sein Lächeln, in seine dunkle Stimme. Ich wollte ihn immer sehen, und das Wochenende wurde für mich zur Qual. Ich ging gerne in die Schule, denn danach konnte ich ihn immer ansehen und ihm mein Lächeln schenken.


An einem Tag änderte sich jedoch alles, es war der 4. April 2008. Er saß nicht am Steuer. Und auch die Woche darauf sah ich ihn nicht. Mich quälten die Sorgen um ihn jeden Tag.
Am 11. April schrieben wir in Deutsch eine Gedichtinterpretation, in der ich das Gedicht "Im Nebel" von Hermann Hesse als ein Übergang vom Leben zum Tod beschrieb. Kurz darauf, als ich im Bus nach hause fuhr, hörte ich, dass er gestorben war, er, den ich so sehr liebte.
Ich weiß nicht wann, und ich weiß auch nicht wie er gestorben ist. Ich weiß nur, dass ich in dem Moment nichts mehr denken konnte. Trauer erfüllte mich und nagte an meiner Seele. Ich wusste, dass ich ihn nun nie wieder sehen würde. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit mit ihm gehabt, dann hätte ich ihm alles erzählt. Ich wünschte auch, er könnte jetzt auch meine Tränen sehen, die mir unaufhaltsam über die Wangen laufen, wenn ich an ihn denke.
Ich vermisse ihn, obwohl ich nicht einmal seinen Namen kenne, mein Herz krampft sich jeden Tag zusammen und meine Augen füllen sich mit Tränen. Kein Bild wird mich je an ihn erinnern können, alles was ich noch habe sind meine Träume und Erinnerungen ...
Und ich konnte mich nicht einmal von ihm verabschieden ...

Ich konnte zwar mit meiner Mutter darüber reden, aber es fällt mir nicht leicht, das zu tun. Sie versteht mich, aber da ich sie kaum sehe kann ich nicht immer zu ihr gehen und ihr alles erzählen. Sie arbeitet ziemlich viel, und mit meinem Vater kann ich über solche Dinge nicht sprechen. Zu ihm habe ich einfach nicht so ein enges Verhältnis.
Naja, wie gesagt, ich bin heute noch traurig, und wenn ich alleine daran denke, dass ich ihn nie wieder sehen kann muss ich schon weinen. Daran denken, dass ich ihm nun auch niemals sagen kann, was ich für ihn empfinde, will ich gar nicht erst.
Ich denke, ich brauche dringend Unterstützung, Hilfe und Tipps, wie ich ihn loslassen kann, nicht mehr so an ihm hänge, und da wollte ich euch einfach mal um Rat fragen. Ich weiß nicht weiter, er geht mir jeden Tag durch den Kopf, und der Zufall, dass ich wenige Minuten, bevor ich von seinem Tod erfuhr, über den Tod schrieb, ist schon seltsam. Als hätte ich es irgendwie geahnt.

Ich hoffe, ihr könnt mir ein paar Hilfen geben, wie man am besten jemanden loslassen kann, von dem man nicht Abschied nehmen konnte.

Liebe Grüße

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21. Juni 2008 um 17:04

Die Idee mit dem Brief...
... finde ich ganz gut, vielleicht hilft sie Dir ja, kerstini144. Wenn ich mich nicht täusche, ist das irgendwo in Südamerika auch ein üblicher Weg, um Verstorbenen noch etwas mitzuteilen. Bzw. Deinem Traum noch etwas mitzuteilen. Ich sehe das genau so, dass Du mit diesem Mann, der Dir immer so lieb zugewinkt hat, eine Vorstellung verbindest. Die von Deinem Traummann, von Deiner ersten großen Liebe.

Und ob er diese Vorstellungen erfüllen könnte, kannst Du nun nicht mehr nachprüfen. Leider. Aber immerhin war er der Mann, der Dir vielleicht zum ersten Mal in Deinem Leben das Gefühl von "Verliebtsein" vermittelt hat. Bei mir gab es auch mal jemanden, auf den ich immer in der Mittagspause hingefiebert habe, nur um ihn zu sehen, von ihm angelächelt zu werden... Und ich war auch verliebt. Allerdings hatte ich die Möglichkeit mit ihm zu reden und war zwei Jahre später mit ihm sogar mal zusammen Mittagessen. Das erzähle ich Dir nun nicht, um Dir vor Augen zu führen, dass Du das nicht mehr haben kannst, sondern weil es eben nur ein Traum ist. All die Vorstellungen von Verliebtsein, von Kribbeln im Bauch und von gemeinsamer "Zukunft" hat es bei mir nämlich schlagartig auch nicht mehr gegeben. Nein, er ist ein toller Mann, aber meine Wunschvorstellungen waren eben stärker...

Man findet nicht sehr oft im Leben jemanden anziehend, aber meine Vorrednerin hat Recht. Mal abgesehen davon, dass er verstorben ist, was die ganze "Sache" einfach viel tragischer macht, hast Du nun auch die Chance, nicht ständig einer Wunschvorstellung hinterherzuträumen, sondern Dir jemanden zu suchen, mit dem Du gemeinsam träumen kannst...

Versuch das trotzdem mal mit dem Brief. Verbrenn ihn später, zerreiß ihn in Stücke oder leg ihn in eine Schublade. Beim Schreiben sortieren sich die Gedanken oft besser - und das braucht man bei jeder Trennung.

Kopf hoch - und rede nochmal mit Deiner Mama! Eine feste Umarmung und ein paar liebe Worte tun da sicher sehr gut!

Alles Gute für Dich,
schmetterbienchen

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