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Offene Beziehung und Kind, passt das?

14. Juni 2016 um 14:53

Liebes Forum,
ich bin in eine ziemlich blöde Situation geraten. Eine langjährige Freundin erwartet ein Kind (5.Woche) von mir und möchte es austragen. Ich weiß leider nicht, wie genau ich mich da positionieren kann.
Zur Vorgeschichte: seit 5 Jahren sind wir immer wieder erotisch aufeinander geprallt, gaben uns gelegentlich Wärme und hatten Sex in langen Abständen. Irgendwann hatte ich mich in sie verliebt. Vorher gab es nur Freundschaft.
Als ich ihr meine Gefühle beichtete, war sie positiv überrascht, sagte aber auch zugleich, dass sie keine normale Beziehung mehr führen könne.
Entäuscht ging ich für ein paar Monate auf Distanz bis wir uns wieder freundschaftlich trafen, um dann doch in das alte Muster zu verfallen, schliesslich hatte ich immer wieder Hoffnung.
Das wiederholten wir ein paar mal bis ich mir schwor, gar nicht mehr bei ihr zu übernachten.
Da lernte ich ihren neuen Lover kennen. Weil ich immer noch Gefühle für sie hatte und wir uns wegen einer Lapalie gestritten hatten, wendete ich mich gänzlich ab, um mich nicht weiter zu verletzen. Als ich mich nicht mehr meldete und auch nicht auf ihre Anrufe reagierte, war sie plötzlich sehr verzweifelt.
Mit ihrem Lover hatte sie da wohl auch Streit und keinen Kontakt.
Bei einem zufälligen Treffen stellte sie mich zur Rede, warum ich so reagiere, sie könne ohne mich nicht leben, ich sei der wichtigste Mensch für sie, da wo ich hinziehe, müsse sie auch hin, usw. Und das tagelang.

Für meine Verliebtheit war das super, wir trafen uns oder telefonierten ab da fast täglich, es fühlte sich an wie eine Beziehung, die ich unbedingt gewollt hätte, nur sagte sie immer noch, das könne sie nicht und sich verlieben auch nicht mehr, ein abgestorbenes Gefühl. Wir hätten uns früher aufeinander einlassen müssen. Aber sie würde mich lieben.

Von da an baute sich ein Teufelskreis auf, Nähe und Distanz in raschem Wechsel, dauerndes Anziehen und Wegstossen, was mir als passivem Part sehr viel Glücksgefühle und Energie raubte.
Während dieser Zeit, es ging ca 3 Monate so, nahm sie wieder Kontakt zu ihrem Lover auf, trafen sich nur in der Öffentlichkeit, da er ihr nicht gut tue, sie immer drogenmässig abstürzen würden, er wäre ihrem Wesen zu ähnlich.

Vor 1 1/2 Wo präsentierte sie mir den positiven Schwangerschaftstest und rechnerisch kam ich total in Frage.
Als wir uns über die weitere Strategie besprachen, erklärte sie, sie wolle das Kind unbedingt, Geld wäre kein Thema. Wir würden alle mit unseren wechselnden Liebhabern in der Nachbarschaft leben, uns kümmern und alles wär super, eine grosse offene Patchwork-Familie. In meinem monogamen Weltbild hätte ich die Verantwortung und Vaterrolle liebend gerne erfüllt. Sie konnte aber nicht ab von ihrem offenen Konzept und stellte mich vor die Wahl der lebenslangen Vaterrolle oder des anonymen Mitkümmerers.

Nach 2 Tagen Bedenkzeit, ihren Lover traf sie nun wieder privat und sie schliefen auch wieder miteinander, kam ich zu der Entscheidung, dass ich emotional mein monogames Lebensmodell nicht ignorieren könne, die letzten Wochen vor Augen würde ich sehr viel leiden und müsste meine Gefühle verstümmeln. Ich wäre sicher kein stabiler Kandidat für die Vaterrolle unter diesen Bedingungen, lieber irgendwo in der Peripherie und dann vorsichtig herantasten. Natürlich helfen wo ich kann, aber im Einklang mit meinen Gefühlen, ohne Anspruch auf Beziehung und irgendwas.

Dies wollte ich ihr erklären nach einem Frauenarzt-Termin, zu dem wir uns zu zweit verabredet hatten. Als ich sie abholen wollte, öffnete der Lover unangekündigt die Tür und begrüsste mich damit, er würde mitkommen, den Namen aussuchen und ich würde dann ja immer babysitten, wenn die beiden ausgehen. Das triggerte in mir die Abschottung und das Gespräch ging in eine falsche Richtung. Ich wüsste noch nicht, in wie fern ich an der Patchworksache teilhaben wolle, generell hätte ich entschieden, das ich nicht deren Leben führen könne. Daraufhin durfte ich nicht mehr mit zum Arzt und ich konnte allenfalls weitere Gespräche anbieten.
Auf meine Anrufe, SMS, Email mit meiner Entscheidungsfindung und auch auf FB reagiert sie nicht mehr und lässt mich im Unklaren, wie sich die Schwangerschaft entwickelt.

Habe ich unfair gehandelt? Kann ich mir ein anderes Lebensmodell entgegen meiner Gefühle aneignen?
Was wäre gut für das Kind? Welcher Weg ist vorstellbar in dieser Situation?
Ich wäre froh um jeden Rat.

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15. Juni 2016 um 0:15

Danke für deine Antwort,
du hast sicherlich recht. Sowohl mit dem Vaterschaftstest (während der fruchtbaren Phase war sie ein paar Tage in einer anderen Stadt, wo sie mal gelebt hatte, da gibt es womöglich auch den einen oder anderen...), als auch mit der weiteren Einschätzung.

Sie ist mit ca 16 von ihren Eltern im Streit geflüchtet, nimmt erst jetzt, nach 25 Jahren, wieder echten persönlichen Kontakt zu ihnen auf, hat eine lange Drogenkarriere hinter sich und etliche Beziehungen, die längste 7 Jahre. Sie wäre sehr prinzipientreu in Sachen geschlossene Beziehung gewesen, nur hat sie ihre Partner dann wohl niedergewalzt.
Aber sie ist absolut ehrlich, wenn man sie auf etwas anspricht, und ihr Lover, bin ich mir sicher, wusste von mir als Erzeuger, als er mich beim Frauenarzt-Termin begrüsste. Auf meine Frage, was für ein Gefühl es für ihn gewesen wäre, von der Schwangerschaft zu erfahren (das war noch kurz bevor es eskalierte), sagte er, es wäre ihm egal, solange er die Frau hat, er hätte nie den Drang gehabt, Kinder in die Welt zu setzen. Und es zieht dann ja irgendwann aus...
Kann man das Kind mit den zwei Kühlschränken (sorry) alleine lassen? Und auch wenn abkapseln und Nummer löschen meine Entscheidung war, bevor sie damals ihren Lover abschoss und sich auf mich fixierte, trage ich doch jetzt eine Mitverantwortung, wenn ich auch liebesblind war?
Aber wahrscheinlich ist es ok, bis zum Geburtstermin abzuschotten und nach dem Test über weiteres nachzudenken, was das Kind angeht....

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15. Juni 2016 um 0:18

Ja,
stimmt, das wäre überprüfenswert! Danke

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15. Juni 2016 um 22:30

Hilfreich
danke dir für deine Antwort, ich finde es sehr hilfreich, wie du die Situation sachlich und menschenfreundlich aus vielen Perspektiven beleuchtest.

Das finanzielle macht mir tatsächlich große Sorgen, da ich mich als Selbständiger gerade mal selbst tragen kann. Mal sehen, wieviel "Treue zu mir" ich mir beruflich dann noch leisten kann. Aber in den sauren Apfel muss ich wohl beissen.

Das Respektvolle und Konsistente wird sicherlich auch eher schwierig, da die zukünftige Mutter ihre Regeln täglich ändert, als Lieblingsbeschäftigung schläft und absolut labil ist... Planung wird also schwierig, Konflikte sind vorhersehbar... uiuiui...

Zum Glück habe ich Vater-Erfahrung und eine bereits erwachsene Tochter, mit der ich mich gut verstehe. Diese konnte ich immerhin 14 Jahre lang beim heranwachsen begleiten.

Und habe ich auch einiges gelernt:
Für mich einzustehen; "Nein" zu sagen; mich nach 10 jähriger Beziehungsabstinenz wieder einmal soo glücklich zu fühlen; mich an Bedürfnisse zu erinnern; zu wissen, wieviel Energie in einem wach wird, wenn man sich geliebt fühlt (und dann am besten den Knopf dafür nicht anderen überlassen).

Dann skizziere ich mir mal die Zukunft so:

1. emotional stabil werden/ bleiben
2. die Schwangerschaft ist noch früh und kann schief gehen (vor allem macht sie ihr Programm wie gehabt: Club, Alk, Rauchen, Schlaftabletten, vllcht auch Speed, bis ihr Körper das von selbst verweigert)
3. vielleicht treibt sie ja doch ab, die Patchwork-Family ist ja gerade sehr dünn besetzt und der Erfahrene macht nicht mit
4. falls Geburt, dann Vaterschafts-Test
5. wenn positiv, dann: für das Kind gut sein, MEIN Leben zu führen und siehe Punkt 1

Leider kenne ich noch immer nicht das Ergebnis des letzten Frauenarzt-Besuchs...

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