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Objektives Feedback: Beziehung zum Scheitern verurteilt?

21. Juli 2010 um 18:50

Hallo zusammen,
ich brauche etwas objektives Feedback, weil ich selbst verständlicherweise zu involviert bin...

Mein Freund und ich sind inzwischen fast 1 Jahr zusammen, aber ich habe immer noch Zweifel, ob diese Beziehung das Richtige ist...
Wir wohnen nicht zusammen.
Das Problem ist, denke ich, dass wir sehr verschiedene soziale Stellungen und (vermutlich dadurch bedingt) andere Weltanschauungen haben...

Zu mir:
Ich bin 27 Jahre, von Hause aus grundsolide, bin Nichtraucher, habe Abitur, ein Studium abgeschlossen, war im Ausland (im Rahmen des Studiums), habe einen guten Job und komme aus einer Familie, die man wohl als "besser" bezeichnen würde. (Ich will hier nicht angeben, sondern nur die Situation erklären).

Ich bin eher ordentlich (keine notorische Putzerin, bei mir liegt auch mal was rum und ich fange vor Besuch auch an nochmal schnell ein paar Kleinigkeiten wegzuräumen, aber es ist schon ordentlich), lege viel wert auf Kultur und Bildung und bin ziemlich weltoffen.

Ich bin der Meinung, dass man auch was leisten muss, um etwas zu schaffen, hänge mich sehr rein und habe bisher auch immer alles erreichen können, was ich mir vornahm. Manchmal früher, manchmal später und manchmal auf Umwegen. So ist das Leben.

Ich plane viel im voraus, denke über die Konsequenzen meines Handelns nach und überlege mir die beste Lösung, auch wenn mir diese eigentlich nicht gefällt.

Mein Freund ist 28 Jahre, kommt aus einer sozial einfachen Familie, ist schon jahrelang arbeitslos, lebt von Hartz4. Seine Vergangenheit ist -angeblich- ziemlich abenteuerlich (Affären, Seitensprünge, Drogenexzesse - zumindest letzteres stimmt!).
Die Schule hat er nach der 11. abgebrochen, "Wer ein Studium und Abi macht, ist eh doof und ein Fachidiot " -sagt er. Er hat eine Ausbildung gemacht, ist danach aber bald gekündigt worden.

Er ist starker Raucher, Kiffer, Online-Rollenspieler, hat Schulden. Sein Umgang in Sachen Freunden ist nicht der beste. Meine Oma würde sie vermutlich als Menschen bezeichnen, nach deren Besuch man die Silberlöffel nachzählen muss.

Er ist ein Besserwisser (egal zu welchem Thema), lügt, dass sich die Balken biegen, wenn er Geschichten erzählt und es ihn dadurch besser, interessanter oder schöner dastehen läßt, und lebt im Dreck und Voll-Chaos (eine Messi-Wohnung ist nichts dagegen. Und ich weiß wovon ich rede...).

Mit der Körperhygiene ist es bei ihm auch nicht sehr weit her. Er wäscht sich, wenn ich ihn darum bitte, aber sowas sollte in unserem Alter nicht mehr nötig sein sollte, schließlich bin ich nicht seine Mutter.

Er ist in seinem Leben nicht wirklich viel herumgekommen (natürlich auch durch seine Arbeitslosigkeit bedingt), hat allerdings wenig Bedürfnis mal über den Tellerrand zu schauen. Seine Welt endet 3 Straßen hinter seiner Wohnung. Wozu in die Ferne schweifen?
Die Notwendigkeit von Hausarbeit, Bildung, Ordnung und Selbstdisziplin sieht er nicht ein.

Gemeinsamkeiten haben wir nicht wirklich, gemeinsame Freunde auch nicht.
An sich kommen wir gut miteinander aus, solange es nicht um Grundsatzdiskussionen oder Fachsimpeleien geht. Ich schlucke viel herunter, um keinen Streit heraufzubeschwören.
Sexuell sind wir kompatibel, aber das allein ist mit als Grundlage einer Beziehung zu wenig.

Da es finanziell bei ihm natürlich nicht rosig aussieht, bezahle ich praktisch alles alleine. Auch mehrere Mahnungen habe ich für ihn bezahl - obwohl man zu seiner Verteidigung sagen muss, dass ihm das nicht wirklich recht war.

Die Frage ist nun: Ist diese Beziehung zum Scheitern verurteilt, weil er mir einfach nicht genug ist oder führe ich mich einfach auf wie eine verwöhnte Prinzessin und sollte mich "lieber nicht so anstellen"?
Bringt es etwas, meine Gefühle, meine Zeit und auch mein Geld in diese Beziehung zu investieren?

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21. Juli 2010 um 19:15

Danke für Eure Antworten
... so hart sie auch sind. Ich möchte ja Meinungen.

Warum ich mit ihm zusammen bin?
Weil ich so erzogen wurde, dass JEDER Mensch eine zweite Chance verdient hat und sich jeder ändern kann.

Ich habe die Hoffnung, dass ich ihn gewissermaßen bekehren kann. Meiner guten Kinderstube möchte ich sicher nicht entfliehen. Ich sehe die Vorteile derselben viel klarer, als meine Schilderung vielleicht vermuten läßt.

Von Kinder kriegen kann gar keine Rede sein. Die Zustände, wie sie jetzt sind, möchte ich keinem anderen aufbürden. Erst recht keinem Kind, das sich seine Eltern nichtmal aussuchen kann. Ich sagte ja, dass ich über die Konsequenzen meines Handels durchaus nachdenke.

Wie wir zusammen gekommen sind:
Wir haben uns auf einer Stelle kennengelernt, wo ich einen Job angeboten bekam. Er selbst macht dort eine Weiterbildung, vom Arbeitsamt finanziert.
Er gefiel mir optisch (er sieht gut aus, so ist das nicht) und ich sagte ja, dass ich ziemlich hartneckig sein kann, wenn ich etwas möchte.

Ich fühle mich für ihn verantwortlich, weil ich damit, dass ich eine Beziehung mit ihm eingegangen bin, auch die Verantwortung für seinen Wandel übernommen habe. Die Beziehung zu beenden wäre die Flucht und damit der einfache Weg (allerdings nehme ich den nicht immer).

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21. Juli 2010 um 19:33

Nein, er ist nicht mein persönlicher Sozialfall.
Ich mache keinen Ego-Trip daraus ihn zu bekehren.

Aber ich gehe keine Beziehung unüberlegt ein und natürlich habe ich gehofft ihn gewissermaßen wieder " in Richtung stellen" zu können.

Ich muss sagen, dass ich anfangs nicht wirklich wusste, worauf ich mich einlasse. Solche Menschen kannte ich aus meinem Umfeld bis dahin nicht. Für mich war immer klar, dass jeder nach einem Maximum an Bildung strebt, Erfolg haben möchte und eine reele Chance nutzen wird, sich zu bessern...

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21. Juli 2010 um 19:36

Du hast gewissermaßen recht...
Ich habe oben tatsächlich nichts positives über ihn geschrieben, weil ich absichtlich unsere Charaktere nicht beschrieben habe (meinen ja auch nicht! Denn es ist kein Charakterzug Nichtraucher zu sein oder Ordnung zu halten). Mir geht es um die Umstände unserer Beziehung.

Er ist sehr humorvoll, liebevoll, anschmiegsam und kann sehr herzlich sein, wenn er nicht gerade gekifft hat oder seine Rollenspiele spielt.
Er versucht es mir recht zu machen, so gut ihm das eben möglich ist, aber Fakt ist, dass seine Weltanschauung eine komplett andere ist als meine und er damit die Grenzen von "recht sein" anders setzt als ich.
Ich habe das bereits mit ihm angesprochen, sehr sachlich und ohne persönlich zu werden. Momentan ist er noch sehr verliebt und möchte mir natürlich alles recht machen. Aber was ist , wenn seine Verliebtheit nachläßt und es ihm nicht mehr so sehr darauf ankommt, was ich möchte?

Und auch wenn er versucht mich auf Händen zu tragen, bringt ihn das nicht dazu mal seinen Abwasch zu machen oder den Boden zu säubern...

Und Du glaubst nicht, wie sehr ich mir wünschen würde, dass das was ich schreibe tatsächlich nur meiner Phantasie entspringt...

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21. Juli 2010 um 19:57

Danke für Deine schonungslose Ehrlichkeit...
... auch wenn ich mir eine andere Wortwahl wünschen würde. Sowas kann man auch anders ausdrücken. Ich bin durchaus fähig zwischen den Zeilen zu lesen.

Was ich Deiner Meinung nach habe, ist wohl kein Mutterkomplex, sondern notorisches Bemuttern.

Ich weiß durchaus, was eine Beziehung ausmacht, ob man es nun glaubt oder nicht. Deswegen vermisse ich ja so vieles bei meinem Freund...

Die Frage ist eben, ob ich einfach zuviel erwarte. Ich kann schon ziemlich anspruchsvoll sein. Da ich immer zuerst den Fehler bei mir suche, muss ich wohl auf diesem Wege Antworten von außen bekommen. Meinen Freund kann ich das schlecht fragen...

Natürlich möchte ich ihm auch helfen. Wieso macht mich das Deiner Meinung nach zu einem schlechten Menschen, der sich schämen sollte?
Jeder macht Fehler, manche mehr als andere. Er hat kein unsühnbares Verbrechen begangen. Er ist etwas faul (bin ich auch, nur nicht faul genug mir selbst mein Leben zu verbauen) und führt ein ziemlich verlottertes Leben, aber das ist nicht in Stein gemeißelt!

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21. Juli 2010 um 21:04

So, nun ist es genug.
Ich denke, Du hast Deinen Punkt deutlich genug gemacht.

Dass Du derart über mich urteilst steht Dir frei, heißt aber nicht, dass Du damit recht hast.

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21. Juli 2010 um 21:08

Vielen Dank...
... für Deine freundliche Ehrlichkeit.

Du hast recht, so ganz abstreiten kann ich das nicht.

Es war nicht meine Absicht NUR schlecht über ihn zu schreiben und meinen Frust abzuladen. Scheinbar ist es mir nicht wirklich gelungen, diesen herauszuhalten.

Ich habe nur versucht möglichst wertfrei die Situation zu beschreiben. Dass dies praktisch ein Ding der Unmöglichkeit ist, weiß ich. Eine Beschreibung ist immer subjektiv, gerade wenn es um solche Angelegenheiten geht...

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21. Juli 2010 um 21:09
In Antwort auf dekichatta

Nein, er ist nicht mein persönlicher Sozialfall.
Ich mache keinen Ego-Trip daraus ihn zu bekehren.

Aber ich gehe keine Beziehung unüberlegt ein und natürlich habe ich gehofft ihn gewissermaßen wieder " in Richtung stellen" zu können.

Ich muss sagen, dass ich anfangs nicht wirklich wusste, worauf ich mich einlasse. Solche Menschen kannte ich aus meinem Umfeld bis dahin nicht. Für mich war immer klar, dass jeder nach einem Maximum an Bildung strebt, Erfolg haben möchte und eine reele Chance nutzen wird, sich zu bessern...

Bin ja bisschen erstaunt!
bin bisschen etwas erstaunt, dass dein Freund so extrem hier runter gemacht wird, aber das ist jetzt nicht Sache.


Also du selbst weißt, dass für eine Beziehung die Partner in die selber Richtung schauen müssen, damit das klappt. Und das tut ihr gerade gar nicht.

Was ich nicht verstehe, ist dass du es dir irgendwie zur Aufgabe gemacht hast ihn zu ändern, und das verstehe ich mal gar nicht, da du ja anscheinend ein smartes Mädchen bist, dann solltest du doch wissen, dass man Menschen nicht ändern kann. Sie können sich nur selbst zur Wandlung bewegen und vielleicht andere darum bitte ihnen dabei helfen. Aber irgendwie willst du vermutlich deine Hilfe aufzwingen, die er persönlich gar nicht als nötig erachtet. Da sein eigener Lebensstil ihn nicht mürbe macht.

Die Sache ist, du kannst damit nicht leben und das ist auch in Ordnung so, nur musst du dir das auch eingestehen.
Es muss noch mehr dahinter stecken, warum du bisher noch nicht reiß ausgenommen hast. Vielleicht die Gewohnheit? Die Zweisamkeit? Nicht allein sein wollen? Weil viel ist da gerade nicht, was überhaupt dafür spricht, dass ihr jemals Interesse für einen gewinnen konntet.

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21. Juli 2010 um 21:26
In Antwort auf dekichatta

Nein, er ist nicht mein persönlicher Sozialfall.
Ich mache keinen Ego-Trip daraus ihn zu bekehren.

Aber ich gehe keine Beziehung unüberlegt ein und natürlich habe ich gehofft ihn gewissermaßen wieder " in Richtung stellen" zu können.

Ich muss sagen, dass ich anfangs nicht wirklich wusste, worauf ich mich einlasse. Solche Menschen kannte ich aus meinem Umfeld bis dahin nicht. Für mich war immer klar, dass jeder nach einem Maximum an Bildung strebt, Erfolg haben möchte und eine reele Chance nutzen wird, sich zu bessern...

Habe das gleiche gerade hinter mir...
Hey...kenn die Situation nur zu gut...Bin mit meinem damaligen Freund bzw. alle meiner letzten Freunde zusammen gekommen, die auch Drogen genommen haben und sich auch aus verschiedensten Gründen haben hängen lassen...Auch ich dachte ich könnte sie eines besseren belehren!Doch Fehlanzeige!!!Man kann keinen ändern außer sich selbst!!Bei mir wars nur leider so, dass ich in Sachen Drogen sehr labil bin und anstatt sie davon wegzubekommen bin ich selbst rein geraten...Und was ist??Bin mit meinem letzten Freund nach 2 Jahren zusammen gezogen, 2 Jahre habe ich seine Faulheit noch ausgehalten, aber danach wurden die Gefühle immer weniger...Immerhin während der Beziehung habe ich es zumindest soweit geschafft, dass er keine harten Drogen -wie vorher jedes We - mehr so oft nimmt...Und was ist jetzt??Jetzt habe ich mich vor einem Jahr von ihm getrennt und er ist wieder ganz der alte..und mittlerweile bereue ich,dass ich mit ihm überhaupt zusammen gezogen bin, aber es war auch eine finanzielle Sache...Aber überleg es dir gut..Was vllt schon mal helfen würde, wenn du mal zu ihm oder er zu dir für 2-3 Wochen ziehen würde,zum testen...Ich sag dir, man sollte nicht immer nur auf sein Herz hören, versuch die rosa- Brille abzulegen, auch wenns schwer ist und geh die Sache mal ganz diplomatisch an...Ich mein lies dir einfach nochmal deinen Anfangstext durch,dann wirste die Antwort selbst schon darin lesen
glg, Jenny

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