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Nach toxischer Beziehung keine Lust mehr auf Sex?

31. Januar um 12:24 Letzte Antwort: 2. Februar um 23:18

Hallo,

ich habe mich nach 7 Jahren toxischer Beziehung, endlich getrennt. Die letzten zwei Jahre der Beziehung waren eine reine on/off Beziehung. Davor haben wir zwar auch ständig Schluss gehabt und sind wieder zusammen gekommen, allerdings waren es nur wenige Stunden der Trennung. Die letzten zwei Jahre wiederum waren anders: Wir waren räumlich getrennt und haben es mit einer Fernbeziehung versucht, diese hielt dann mal 2, mal 3, oder 4 Monate. Den Sex den wir in dieser Zeit hatten, war der beste meines Lebens und der schlimmste zugleich. Jedes Mal, wenn wir miteinander schliefen hatte ich die Hoffnung, dass alles gut werden würde, weil wir uns blind verstanden und das vertraute Gefühl so groß war... Doch jedes Mal, wenn wir getrennt voneinander waren gab es Streit, oder Nachrichten wurden mal Stunden mal Tage ignoriert und ein Unsicherheitsgefühl machte sich breit.

ch kann von meiner langjährigen Beziehung nur sagen, dass sie mir immer ein Gefühl der Unsicherheit gegeben hat, dass kein Vertrauen da gewesen ist, von Anfang an und nur die Hoffnung, den Menschen zu einem besseren ändern zu können, meine Liebe und Geduld aufrecht erhalten hat. Dass ich mich selbst nicht respektiert habe, dass ich Fehler entschuldigt habe, die ich nicht gemacht habe, dass ich Dinge wie Untreue, Respektlosigkeit, Gewalt (vor allen Dingen psychische - Manipulation, Gaslighting etc. auf schlimmste Art und Weise) zugelassen habe, war nur meiner Illusion zu verdanken, dieser Mann sei mein Traummann und ich könne ihn retten. (Dass das völliger Schwachsinn gewesen ist, und es auch keine richtige Liebe ist, wenn man jmd ändern möchte ist mir mittlerweile bewusst. Aber ich hatte nie eine böse Intention hinter meinem Verhalten.)

Durch die 2 Jahre Fernbeziehung konnte ich das erste mal ein wenig Distanz und Raum gewinnen. Und ich hatte mir geschworen, dass ich mich nicht mehr unterdrücken lassen würde, dass ich mir treu bleiben und falls ich mich wieder mal so schlecht fühlen würde, dass mein ganzer Körper darauf reagieren (Schüttelfrost, Magen-Darm-Erkrankung, Appetitlosigkeit, bis hin zur Depression und Suizidgedanken), sofort die Beziehung beenden würde...
Als er mir dann an meinem Geburtstag wieder mal vorwarf, dass ich die psychisch kranke von uns beiden sei und ihn mit meinem Verhalten "bestrafen" wolle, bzw ein ungutes Gefühl gäbe, zog ich dann mutig einen Schlussstrich. Ich schrieb ihm, dass ich Zeit zum Nachdenken brauche und weil er sie mir nicht geben wollte und mir den Schluss unserer Beziehung ankündigte, akzeptierte ich dies und wurde sofort blockiert.

Es war eine sehr schwere Zeit und andererseits habe ich gemerkt, dass ich mich wieder anfange leicht zu fühlen, mein Körper nicht mehr schlecht reagiert o.ä..
In diesen Wochen nach der Trennung wurde mein Verhältnis zu meinem Mitbewohner immer inniger. Er tröstete mich, ich lernte ihn besser kennen und schließlich wollte ich nur noch in seiner Nähe sein. Er war komplett anders als mein Ex. So wie ich mir meinen Partner immer vorgestellt hatte... Schließlich kamen wir zusammen. Allerdings habe ich auch sofort gemerkt, dass ich diesen Menschen zwar sehr gern mochte, aber ich noch nicht bereit war für eine neue Beziehung.

Jetzt ganze 6 Monate später, haben sich viele Dinge verändert:
Ich kann nachts in seinen Armen einschlafen, und schlafe gerne neben ihm.
Ich kuschle sehr gerne mit ihm. Auch merke ich, dass ich mich zum positiven geändert habe und es mit gut geht. Ich mich sicher fühle, egal wo wir ausgesetzt werden würden, zusammen schaffen wir alles.
Trotzdem ist eines geblieben... Ich habe eine Blockade mit ihm zu schlafen. Immer wenn er versucht mich zu berühren und ich merke, dass eine sexuelle Intention dahinter steckt, blocke ich sofort ab und versuche allmögliche Ausreden zu finden, warum ich jetzt nicht kann. Mit Selbstbefriedigung habe ich kein Problem. Aber ich will keinen Sex haben. 
Meine Vermutung ist, dass ich noch sehr verletzt bin und ich in vielen Situationen die Kontrolle behalten will. Ich lasse mir nicht gerne Helfen, mache lieber allein, als dass ich Fragen würde und versuche stets unabhängig zu bleiben. 

Hat jemand ähnliches Problem erlebt? Und kann mir sagen, dass diese Blockade irgendwann weggeht? Ich hatte immer gerne Sex in meinem Leben und habe mir nie vorstellen können mal keinen Bock zu haben... Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll.

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31. Januar um 13:31

Ich würde vermuten, du bist zu schnell eine neue Beziehung eingegangen, ohne erstmal an dir selbst zu arbeiten und das Geschehene zu verarbeiten.

 7 Jahren toxischer Beziehung, hat man nicht mal eben in ein paar Monaten verarbeitet und eine neue Partnerschaft, auch wenn sie gut läuft, ist dafür kein Ersatz.

Du solltest dich an einen Therapeuten wenden und aufarbeiten was alles unverarbeitet blieb

Denn wahrscheinlich möchte auch dein Partner nicht ewig sexlos daher leben bzw wundert es mich, dass er das bereits  6 Monate mit macht.

Du könntest natürlich auch die Beziehung öffnen, wenn du sagst du magst einfach keinen Sex haben. Deinen Partner aber unter deiner fehlenden Aufarbeitung leiden zu lassen, fände ich nicht fair.

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31. Januar um 22:18

Hi Tanja, 

jap ich schließ mich an. 7 Jahre, auch toxisch. Mein Ex hatte ausgeprägte narzisstische Züge und von den Erfahrungen, die du schilderst, kenne ich viele nur allzu gut. 

Getrennt im Sommer, also auch 6 Monate. Und nein, kein Sex. Es geht mir mittlerweile zwar besser, hab aufgearbeitet (noch nicht alles aber vieles), körperlich kein Vergleich zu damals, also wirklich fitter, aber ich kann immer noch keinen Sex haben bzw. die zwei Mal, in denen ich es versucht habe, waren ein Reinfall. Ich versuchs also auch gar nicht mehr, da ich denke, innerlich blockiert noch was. 

Vom Charakter her, wie du dich beschreibst, kann ich mich auch wiedererkennen. 

Ich für meinen Teil habe mich dazu entschieden, mir Zeit zu geben, die Zeit die ich offenbar noch brauche. Wie lang auch immer das dauern wird. 

Beautifulmind schließe ich mich an. Bzw. sprich mit deinem Freund darüber, einfach dass er weiß, was los ist. 

Ich wünsch dir viel Kraft und alles Gute! 

LG

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31. Januar um 22:23

Ich denke, dass dieser neue Mann in deinem Leben dein Trostpflaster ist, der deine verwundete Seele heilen soll. Er ist lieb zu dir und das tut dir gut nach all dem Auf und Ab in deiner toxischen Beziehung.

Du liebst diesen Mann aber nicht richtig oder genauer gesagt: du liebst ihn nur, weil du ihn braucht. Sexuell anziehend findest du ihn nicht, du willst ihn eher als Seelentröster. Das ist zwar verständlich, aber die falsche Intention, eine Beziehung einzugehen. Er ist nicht dein Partner auf Augenhöhe, sondern die Krücke, auf der du wieder gehen lernst. 

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31. Januar um 23:58
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Ich würde vermuten, du bist zu schnell eine neue Beziehung eingegangen, ohne erstmal an dir selbst zu arbeiten und das Geschehene zu verarbeiten.

 7 Jahren toxischer Beziehung, hat man nicht mal eben in ein paar Monaten verarbeitet und eine neue Partnerschaft, auch wenn sie gut läuft, ist dafür kein Ersatz.

Du solltest dich an einen Therapeuten wenden und aufarbeiten was alles unverarbeitet blieb

Denn wahrscheinlich möchte auch dein Partner nicht ewig sexlos daher leben bzw wundert es mich, dass er das bereits  6 Monate mit macht.

Du könntest natürlich auch die Beziehung öffnen, wenn du sagst du magst einfach keinen Sex haben. Deinen Partner aber unter deiner fehlenden Aufarbeitung leiden zu lassen, fände ich nicht fair.

Vielen Dank für deine Antwort. Es ist nicht so, dass ich nicht mit meinem jetzigen Partner über all das reden würde. Wir reden sehr viel, aber ich denke, dass es wirklich besser für mich wäre, zu einem Therapeuten zu gehen und mit professionelle Hilfe zu holen. Ich merke, dass ich ihm in vielen Situationen verurteile, obwohl er ein herzensguter Mensch ist und mir nie etwas böses wollen würde. Und auch glaube ich, dass wir sehr oft aneinander vorbei zu reden scheinen. Ich habe sogar das Gefühl, nicht richtig da sein zu können und sein Befinden mit all meiner Aufmerksamkeit aufnehmen zu können. 

So jmd wie ihn werde ich nicht mehr finden, nur will ich ihm nicht seine Zeit klauen und ihm in seiner Weiterbildung etc im Wege stehen. 

Ja, ich bin zu schnell in eine andere Beziehung gerutscht. Aber so jmd wie ihn habe ich noch nie kennengelernt. Er erfüllt all meine Vorstellungen von einem Partner. Und ich werde auch niemanden mehr finden der so sein wird. Nur leider befürchte ich, ich habe ihn zur falschen Zeit kennengelernt 😢

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1. Februar um 0:00
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Hi Tanja, 

jap ich schließ mich an. 7 Jahre, auch toxisch. Mein Ex hatte ausgeprägte narzisstische Züge und von den Erfahrungen, die du schilderst, kenne ich viele nur allzu gut. 

Getrennt im Sommer, also auch 6 Monate. Und nein, kein Sex. Es geht mir mittlerweile zwar besser, hab aufgearbeitet (noch nicht alles aber vieles), körperlich kein Vergleich zu damals, also wirklich fitter, aber ich kann immer noch keinen Sex haben bzw. die zwei Mal, in denen ich es versucht habe, waren ein Reinfall. Ich versuchs also auch gar nicht mehr, da ich denke, innerlich blockiert noch was. 

Vom Charakter her, wie du dich beschreibst, kann ich mich auch wiedererkennen. 

Ich für meinen Teil habe mich dazu entschieden, mir Zeit zu geben, die Zeit die ich offenbar noch brauche. Wie lang auch immer das dauern wird. 

Beautifulmind schließe ich mich an. Bzw. sprich mit deinem Freund darüber, einfach dass er weiß, was los ist. 

Ich wünsch dir viel Kraft und alles Gute! 

LG

Danke dir, für deine Antwort. Hast du dir Hilfe geholt bzw. wirst du es tun?
Ich wünsche dir auch alles Gute und viel Kraft für die Zukunft!

LG

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2. Februar um 21:45
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Danke dir, für deine Antwort. Hast du dir Hilfe geholt bzw. wirst du es tun?
Ich wünsche dir auch alles Gute und viel Kraft für die Zukunft!

LG

Hi Tanja, 

ja, das werd ich. Inzwischen bin ich für mich selbst dabei, die "einfacheren" Baustellen zu bearbeiten. Ohne Druck. Aber allein kommt man da glaube ich nur ein Stück weit, und dann wenn die schwierigen Themen kommen, ist es meiner Meinung nach nicht ratsam den Weg allein weiter zu gehen, bzw. man macht es sich schwerer als es sein muss und ohnehin schon ist. 

Wobei ich sagen muss, dass bei mir auch sehr viele Sachen mit reinspielen, z.B. der Kontext von früher, die Frage wieso ich so lange in der Beziehung geblieben bin... und ja, ich hab mich auch total in jemanden verliebt, sind allerdings nicht zusammen. 

Also ich für meinen Teil werde mir Unterstützung holen. 

Falls du magst - da das ja sehr ähnliche Situationen sind, können wir uns gerne austauschen. Wenn du möchtest, schreib mir gerne eine PN. 

In der Zwischenzeit alles Gute für dich! 

LG

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2. Februar um 23:18
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Hallo,

ich habe mich nach 7 Jahren toxischer Beziehung, endlich getrennt. Die letzten zwei Jahre der Beziehung waren eine reine on/off Beziehung. Davor haben wir zwar auch ständig Schluss gehabt und sind wieder zusammen gekommen, allerdings waren es nur wenige Stunden der Trennung. Die letzten zwei Jahre wiederum waren anders: Wir waren räumlich getrennt und haben es mit einer Fernbeziehung versucht, diese hielt dann mal 2, mal 3, oder 4 Monate. Den Sex den wir in dieser Zeit hatten, war der beste meines Lebens und der schlimmste zugleich. Jedes Mal, wenn wir miteinander schliefen hatte ich die Hoffnung, dass alles gut werden würde, weil wir uns blind verstanden und das vertraute Gefühl so groß war... Doch jedes Mal, wenn wir getrennt voneinander waren gab es Streit, oder Nachrichten wurden mal Stunden mal Tage ignoriert und ein Unsicherheitsgefühl machte sich breit.

ch kann von meiner langjährigen Beziehung nur sagen, dass sie mir immer ein Gefühl der Unsicherheit gegeben hat, dass kein Vertrauen da gewesen ist, von Anfang an und nur die Hoffnung, den Menschen zu einem besseren ändern zu können, meine Liebe und Geduld aufrecht erhalten hat. Dass ich mich selbst nicht respektiert habe, dass ich Fehler entschuldigt habe, die ich nicht gemacht habe, dass ich Dinge wie Untreue, Respektlosigkeit, Gewalt (vor allen Dingen psychische - Manipulation, Gaslighting etc. auf schlimmste Art und Weise) zugelassen habe, war nur meiner Illusion zu verdanken, dieser Mann sei mein Traummann und ich könne ihn retten. (Dass das völliger Schwachsinn gewesen ist, und es auch keine richtige Liebe ist, wenn man jmd ändern möchte ist mir mittlerweile bewusst. Aber ich hatte nie eine böse Intention hinter meinem Verhalten.)

Durch die 2 Jahre Fernbeziehung konnte ich das erste mal ein wenig Distanz und Raum gewinnen. Und ich hatte mir geschworen, dass ich mich nicht mehr unterdrücken lassen würde, dass ich mir treu bleiben und falls ich mich wieder mal so schlecht fühlen würde, dass mein ganzer Körper darauf reagieren (Schüttelfrost, Magen-Darm-Erkrankung, Appetitlosigkeit, bis hin zur Depression und Suizidgedanken), sofort die Beziehung beenden würde...
Als er mir dann an meinem Geburtstag wieder mal vorwarf, dass ich die psychisch kranke von uns beiden sei und ihn mit meinem Verhalten "bestrafen" wolle, bzw ein ungutes Gefühl gäbe, zog ich dann mutig einen Schlussstrich. Ich schrieb ihm, dass ich Zeit zum Nachdenken brauche und weil er sie mir nicht geben wollte und mir den Schluss unserer Beziehung ankündigte, akzeptierte ich dies und wurde sofort blockiert.

Es war eine sehr schwere Zeit und andererseits habe ich gemerkt, dass ich mich wieder anfange leicht zu fühlen, mein Körper nicht mehr schlecht reagiert o.ä..
In diesen Wochen nach der Trennung wurde mein Verhältnis zu meinem Mitbewohner immer inniger. Er tröstete mich, ich lernte ihn besser kennen und schließlich wollte ich nur noch in seiner Nähe sein. Er war komplett anders als mein Ex. So wie ich mir meinen Partner immer vorgestellt hatte... Schließlich kamen wir zusammen. Allerdings habe ich auch sofort gemerkt, dass ich diesen Menschen zwar sehr gern mochte, aber ich noch nicht bereit war für eine neue Beziehung.

Jetzt ganze 6 Monate später, haben sich viele Dinge verändert:
Ich kann nachts in seinen Armen einschlafen, und schlafe gerne neben ihm.
Ich kuschle sehr gerne mit ihm. Auch merke ich, dass ich mich zum positiven geändert habe und es mit gut geht. Ich mich sicher fühle, egal wo wir ausgesetzt werden würden, zusammen schaffen wir alles.
Trotzdem ist eines geblieben... Ich habe eine Blockade mit ihm zu schlafen. Immer wenn er versucht mich zu berühren und ich merke, dass eine sexuelle Intention dahinter steckt, blocke ich sofort ab und versuche allmögliche Ausreden zu finden, warum ich jetzt nicht kann. Mit Selbstbefriedigung habe ich kein Problem. Aber ich will keinen Sex haben. 
Meine Vermutung ist, dass ich noch sehr verletzt bin und ich in vielen Situationen die Kontrolle behalten will. Ich lasse mir nicht gerne Helfen, mache lieber allein, als dass ich Fragen würde und versuche stets unabhängig zu bleiben. 

Hat jemand ähnliches Problem erlebt? Und kann mir sagen, dass diese Blockade irgendwann weggeht? Ich hatte immer gerne Sex in meinem Leben und habe mir nie vorstellen können mal keinen Bock zu haben... Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll.

Ich hab den Eindruck, Du zerdenkst grade vieles und machst Dir damit selbst Stress. Du hast grade wenig Lust auf Sex - so what? Dann ist das halt grade so. Wird schon auch wieder anders werden. Also bleibe gelassen. 

Aus der Desiderata von Max Ehrmann:

Aber beunruhige dich nicht mit Einbildungen - viele Ängste kommen aus Ermüdung und Einsamkeit. Neben einer heilsamen Selbstdisziplin sei freundlich mit Dir selbst.

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Falls Sie Dich interessiert, hier der ganze Text:

Wünsche
(Desiderata)


Dies ist die freie Übersetzung eines Gedichtes von Max Ehrmann aus dem Jahre 1927.

Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann. Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe möglich, in freundlicher Beziehung zu allen Menschen. Äußere Deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen ruhig zu - auch den Geistlosen und Unwissenden. Auch sie haben ihre Geschichte.

Meide laute und aggressive Menschen. Sie sind eine Qual für den Geist. Wenn Du Dich mit anderen vergleichst, könntest Du eitel werden oder Dir nichtig vorkommen. Denn immer wird es jemanden geben, größer wie geringer als Du.

Freue Dich Deiner Leistungen wie auch Deiner Pläne. Bleibe an Deinem Fortkommen interessiert, wie bescheiden auch immer. Es ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten.

Lass in Deinen geschäftlichen Angelegenheiten Vorsicht walten - die Welt ist voller Betrug. Aber werde dadurch nicht blind gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit.

Viele Menschen ringen um hohe Ideale, und überall ist das Leben voll Heldentum. Sei Du selbst. Vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung, noch sei zynisch, was die Liebe betrifft. Denn auch im Augenblick aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie Gras.

Ertrage freundlich und gelassen den Ratschlag der Jahre. Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf. Stärke die Kraft des Geistes, damit er dich bei plötzlich hereinbrechendem Unglück schützt. Aber beunruhige dich nicht mit Einbildungen - viele Ängste kommen aus Ermüdung und Einsamkeit. Neben einer heilsamen Selbstdisziplin sei freundlich mit Dir selbst.

Du bist ein Kind Gottes, genauso wie die Bäume und die Sterne. Du hast ein Recht, hier zu sein. Und ob es Dir bewußt ist oder nicht, es besteht kein Zweifel. Das Universum entfaltet sich wie vorgesehen. Darum lebe in Frieden mit Gott.

Was auch Deine Arbeit und Dein Sehnen ist, erhalte Dir den Frieden mit Deiner Seele in der lärmenden Wirrnis des Lebens. Mit all der Schande, der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist es dennoch eine schöne Welt.

Strebe behutsam danach, glücklich zu sein.

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