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Forum / Liebe & Beziehung

Meinungsfrage: Ist es verwerflich in diesem Szenario Schluss zu machen?

Letzte Nachricht: 5. September 2021 um 15:04
C
compmat
03.09.21 um 15:24

Hallo zusammen,

mein bester Freund kam neulich auf mich zu und ich war etwas ratlos, als er mich fragte, was meine Meinung zu seiner Situation sei. Ich sagte ihm, dass ich darüber nachdenken muss, da ich spontan genauso keine richtige Antwort auf sein Problem sehe. Bitte bleibt ihm gegenüber respektvoll, es könnte sein, dass ich ihn diese Diskussion zeige.

Er und seine Freundin (beide 25 Jahre alt) sind ca. 8 Jahre lang zusammen und leben bei den Eltern seiner Freundin. Sie kämpft seit einigen Jahren mit einer chronischen Krankheit, die sie arbeitsunfähig macht und auch Freizeitunternehmungen praktisch unmöglich macht.

Nun beichtete er mir gestern, dass er so langsam am verzweifeln ist. Er verliert mehr und mehr die Liebe zu ihr, da sie schlichtweg nichts zusammen unternehmen können und er für zwei Leute den Alltag schmeißen muss. Sie ist quasi nur noch im Bett, bis auf wenige Ausnahmen und wenn sie etwas zusammen machen können, spielt es sich vor'm Bildschirm beim Serien gucken ab. Solch ein Leben kann er sich auf Dauer einfach nicht vorstellen, meinte er gestern zu mir. Hinzu kommt, dass sie sehr anhänglich ist und ihm häufig ein schlechtes Gewissen macht, wenn er etwas alleine machen möchte. Das habe ich tatsächlich auch schon mehrfach bei den beiden erlebt. Er wollte z.B. mal auf ein Festival mit mir und ein paar Freunden und hat dann wehmütig abgesagt, weil seine Freundin darüber traurig wäre. Verstehen kann ich's ja irgendwie, sie kann halt nirgens mitmachen und er hat mir schon oft bei unseren, mittlerweile immer weniger vorkommenden Treffen, gesagt, dass er sich schlecht dafür fühlt sie auszuschließen...

Nun fragte er mich, was er tun soll. Er sehnt sich nach Freiheit und einem eigenen Leben, weiß aber auch wie egoistisch es wäre, sie zu verlassen. Sie ist seiner Erzählung nach sehr abhängig von ihm und sieht ihre große Liebe in ihm, da er sich gut um sie kümmert. Letztendlich hat sie nur ihn (und ihre Eltern) und ein Leben im Bett ohne Besserung. Sie kannten sich ja auch schon bevor die Krankheit ausgelöst wurde.

Wäre es verwerflich, auf Kosten von ihr, in dieser Situation Schluss zu machen?
Mir fällt es sehr schwer ihm da zu helfen, letztendlich sehe ich moralisch keine korrekte Antwort.
Was denkt ihr?

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schnuckweidev
schnuckweidev
03.09.21 um 21:23

Mein größtes Problem an der Sache ist, dass sie ihm dann auch keine Freiheit gönnt. Das wär eigentlich so die einzige Chance in der Beziehung. Denn er kann sich ja nicht deswegen einsperren lassen. Liebene Partner haben idR den Wunsch, dass zumindest der Gesunde dann sein Leben leben kann.
Ob es dann Bestand hätte, kann man auch nicht sagen. Das Leben an de rBettkante ist belastend und beim Ausgehen wird er evtl die ein oder andere interessante Frau treffen, die ihm mehr Lebensfreude verspricht.

Natürlich fühlt man sich als A, wenn man den kranken Partner verlässt. Und irgendwie macht es ihn auch a*schig.

In seiner Haut möchte ich nicht stecken.
Aber wiel sie ihm auch nichts schönes gönnt, finde ich die Trennung eigentlich naheliegend. Bei gesunden Partnern würde man ja auch dazu raten, wenn der andere nur ein missgünstiger Hemmschuh ist.

LG

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bissfest
bissfest
03.09.21 um 22:57

Meine Meinung: Ich finde nicht, dass es verwerflich wäre, Schluss zu machen. Ich fände es sogar sehr verständlich. 

Niemand will immer nur Rücksicht nehmen müssen und alles für beide tun müssen. Da kommt einem die erotische romantische Liebe zum Partner abhanden. Man liebt den Partner vermutlich noch auf einer tiefen geschwisterlichen Ebene, aber nicht mehr so, wie es in einer Partnerschaft sein sollte.

Man muss den Menschen auf der persönlichen Ebene ja nicht fallen lassen, aber wenn die Paarbeziehung nicht mehr möglich ist, darf man, wie ich finde, auch gehen.

Ich kenne auch Fälle, in denen der gesunde Partner zwar aus Pflichtgefühl geblieben, aber eine neue Beziehung, gewissermaßen fürs Herz, eingegangen ist. Ich finde das in diesen Fällen nicht verurteilenswert. 

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C
compmat
04.09.21 um 1:18
In Antwort auf schnuckweidev

Mein größtes Problem an der Sache ist, dass sie ihm dann auch keine Freiheit gönnt. Das wär eigentlich so die einzige Chance in der Beziehung. Denn er kann sich ja nicht deswegen einsperren lassen. Liebene Partner haben idR den Wunsch, dass zumindest der Gesunde dann sein Leben leben kann.
Ob es dann Bestand hätte, kann man auch nicht sagen. Das Leben an de rBettkante ist belastend und beim Ausgehen wird er evtl die ein oder andere interessante Frau treffen, die ihm mehr Lebensfreude verspricht.

Natürlich fühlt man sich als A, wenn man den kranken Partner verlässt. Und irgendwie macht es ihn auch a*schig.

In seiner Haut möchte ich nicht stecken.
Aber wiel sie ihm auch nichts schönes gönnt, finde ich die Trennung eigentlich naheliegend. Bei gesunden Partnern würde man ja auch dazu raten, wenn der andere nur ein missgünstiger Hemmschuh ist.

LG

Danke für die Antwort! Das könnte ihm evtl. weiterhelfen. Ist eine schwierige Situation...

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C
compmat
04.09.21 um 1:22
In Antwort auf bissfest

Meine Meinung: Ich finde nicht, dass es verwerflich wäre, Schluss zu machen. Ich fände es sogar sehr verständlich. 

Niemand will immer nur Rücksicht nehmen müssen und alles für beide tun müssen. Da kommt einem die erotische romantische Liebe zum Partner abhanden. Man liebt den Partner vermutlich noch auf einer tiefen geschwisterlichen Ebene, aber nicht mehr so, wie es in einer Partnerschaft sein sollte.

Man muss den Menschen auf der persönlichen Ebene ja nicht fallen lassen, aber wenn die Paarbeziehung nicht mehr möglich ist, darf man, wie ich finde, auch gehen.

Ich kenne auch Fälle, in denen der gesunde Partner zwar aus Pflichtgefühl geblieben, aber eine neue Beziehung, gewissermaßen fürs Herz, eingegangen ist. Ich finde das in diesen Fällen nicht verurteilenswert. 

Auch dir danke für die Antwort! Werde ich ihm auch mal zeigen.

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Kannst du deine Antwort nicht finden?

V
valieee
04.09.21 um 13:01

Würde er sie auch dann verlassen wollen, wenn sie nicht versuchen würde, ihn an sich zu fesseln? Er könnte ihr nämlich auch offen sagen, dass er Freiraum braucht und sie gerade dabei ist, die Beziehung gegen die Wand zu fahren.

Gibt es bei ihrer chronischen Krankheit Aussicht auf Besserung - anstehende OPs, Therapien, Reha oder Medikamente, die ihr in absehbarer Zukunft ein normales Leben ermöglichen können?

Ich glaube, dein Freund sollte ehrlich zu sich selbst sein. Warum genau will er Schluss machen? Geht es darum, dass sie ihm die Luft zum Atmen nimmt und ihn durchgehend bei sich haben möchte? Das könnte sie ändern. Oder geht es darum, dass er sich nicht vorstellen kann, die nächsten Jahrzehnte mit einer chronisch kranken, stark beeinträchtigen Person zu verbringen? 
 

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C
compmat
05.09.21 um 14:13
In Antwort auf valieee

Würde er sie auch dann verlassen wollen, wenn sie nicht versuchen würde, ihn an sich zu fesseln? Er könnte ihr nämlich auch offen sagen, dass er Freiraum braucht und sie gerade dabei ist, die Beziehung gegen die Wand zu fahren.

Gibt es bei ihrer chronischen Krankheit Aussicht auf Besserung - anstehende OPs, Therapien, Reha oder Medikamente, die ihr in absehbarer Zukunft ein normales Leben ermöglichen können?

Ich glaube, dein Freund sollte ehrlich zu sich selbst sein. Warum genau will er Schluss machen? Geht es darum, dass sie ihm die Luft zum Atmen nimmt und ihn durchgehend bei sich haben möchte? Das könnte sie ändern. Oder geht es darum, dass er sich nicht vorstellen kann, die nächsten Jahrzehnte mit einer chronisch kranken, stark beeinträchtigen Person zu verbringen? 
 

Ich glaube es geht ihm um beides. Die Krankheit ist weder heilbar noch durch Therapie oder etwaiges zu verbessern... Kaum erforscht und stark einschränkend.

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S
skewm
05.09.21 um 15:04

Er muss sich trennen. Bloß weil man zusammen ist, bedeutet es nicht dass man kein eigenes Leben mehr hat. Sie muss auch verstehen dass er wünsche und Bedürfnisse hat. Er hat auch ein Recht zu leben und glücklich zu sein. Nichts ist schlimmer als wenn ein Mensch aus Mitleid oder geldnot bei dem anderen bleibt. Das Mädel hat zum Glück Familie. 

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