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Meine Partnerin zerbricht an Verlustängsten

Letzte Nachricht: 8. Dezember 2021 um 16:39
C
captaindiabetes
05.12.21 um 9:17

Hallo zusammen,

ich schreibe diesen Beitrag weil ich nicht weiter weiß.
Ich führe seit etwa zwei bis drei Monaten eine Fernbeziehung. Wir haben uns letztes Jahr im Internet kennengelernt.

Wir haben in der Anfangsphase fast täglich stundenlang miteinander Telefoniert und uns mit Zuneigung überhäuft. Aber irgendwann wurde das ermüdend für mich.

Sie ist schwer depressiv, hat starke Bindungs-und Verlustängste, und ich fühle mich zunehmend emotional erpresst. Sie betont andauernd, wie wenig sie sich geliebt fühlt, wenn ich Zeit für mich brauche, setzt mich bewusst oder unterbewusst unter Druck.

Ich habe sehr oft versucht, ihr zu sagen, dass ich mich unter Druck gesetzt fühle und Freiraum und Luft zum atmen brauche. Ich habe bisher dann aber auch immer den Fehler gemacht, emotional auf sie zu reagieren und auf sie einzugehen, wo ich doch eigentlich Zeit für mich wollte. Ich fühle mich dann einfach schuldig wenn ich sie so "sitzen lasse" :/ 

Ich bin am Ende meiner Kräfte. Ich möchte sie nicht verletzen, aber sie macht mir immerwieder klar, wie schlimm es für sie ist, wenn sie nicht fast täglich stundenlang meine Aufmerksamkeit und Zuneigung bekommt.

Ich hab ihr gesagt dass ich dieses Gefühl, diesen Druck den ich mir mache wenn sie sich in meiner Abwesenheit scheiße fühlt, nicht aushalte. Dass ich diese Beziehung nicht führen kann wenn sie so heftig abhängig von mir ist. Sie sagt sie versucht wirklich, davon loszukommen, gibt mir dann aber trotzdem Schuld an ihrer Misslage und erwartet, dass ich ihr die Bestätigung gebe, die ihre Verlustangst fordert.

Sie zweifelt andauernd an meinen Gefühlen für sie, sammelt Screenshots von allem, was mein verschwindendes Interesse an ihr in ihrem Kopf bestätigt und reibt sie mir unter die Nase.

Wir hatten gestern Stundenlang eine Diskussion darüber, wo wir uns gegenseitig gesagt haben, wie wir uns fühlen, aber es führt einfach zu nichts. Sie hat mich darum gebeten, sie zu ignorieren wenn ihre Angst oberhand gewinnt, und wir haben uns darauf geeinigt, dass ich mir meinen Freiraum bis abends nehme und mich dann bei ihr melde und eine schöne Zeit ohne Stress verbringen, nach der sie sich so sehnt (wir streiten halt nur noch weil ich mit diesem emotionalen Druck nicht zurechtkomme).
Nur wenige Stunden später hat sie mich mit Anrufen bombardiert, morgens im 7, sie hat die ganze Nacht nicht geschlafen. Ich habe ganz in Ruhe gesagt, dass ich mich abends bei ihr melde und jetzt grad Zeit für mich brauche.
Ich versichere ihr auch immer wieder dass ich sie wirklich lieb habe, aber keine Ahnung.. Ich habe jedes mal Angst um sie, wenn ich mir die Zeit nehmen möchte die ich für mich selbst bauche. Ich will sie nicht kaputt machen aber ihr gehts zunehmend schlechter wenn sie nicht die Bestätigung bekommt die sie braucht.

Ich weiß einfach nicht weiter. Ich möchte sie nicht verlassen, sie bedeutet mir echt viel. Vielleicht hat ja irgendjemand Tipps, wie es einfacher wird, mit ihrer Angst umzugehrn... Dabei zu helfen, dass sie mich auch lieben kann, ohne abhöngig von mir zu sein und mich unbewusst emotional zu erpressen...
Sorry für das Rumgejaule und danke im Voraus. .__.

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cefeu1
cefeu1
05.12.21 um 16:52

Hallo,

um es hart zu sagen: Die Frau braucht keinen Partner, sondern einen Therapeuten. Und das mein ich ernst. Im Moment versucht sie die Beziehung mit dir als Therapie zu missbrauchen, aber das funktioniert halt nicht, weil du a) nicht professionell für solche Dinge ausgebildet bist und b) natürlich mit deinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen in der Sache drinhängst und nicht mal eben professionelle Distanz schaffen kannst, wenn sie auch in ihrem Sinne angebracht wär.
Klar kannst du ihr helfen, dich anders zu lieben - aber das ist ne Aufgabe, die sie zu schätzungsweise 95% selbst erledigen muss. Wenn sie den festen Entschluss hat, dir nicht weiter die Verantwortung für ihre psychischen Probleme aufs Auge zu drücken, und alles tut, was auf ihrer Seite dafür notwendig ist, dann kannst du helfen und deine 5% dazu beitragen (und das ganz bestimmt nicht, indem du zu jeder beliebigen Tages- und Nachtzeit ans Telefon gehst, wenn sie mal wieder ihren Rappel hat). Aber du kannst auf ihrem Weg weder vorangehen noch ihre 95% mit übernehmen. Nicht mal teilweise. Sie muss das machen. Als Allererstes muss sie sich nen guten Therapeuten suchen (und das kann viele Monate dauern, bis man den Richtigen findet, oder überhaupt nen Termin bekommt). Wenn da weiter so wenig passiert, dann hat das alles keinen Sinn. Sie zieht dich dann nur in ihren persönlichen Sumpf mit runter, und das hilft weder ihr noch dir irgendwie weiter, im Gegenteil, es gibt dann nur einen Traumatisierten mehr.

lg
cefeu
 

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D
det92
05.12.21 um 16:54

Hallo Captain,

ich war mal in einer sehr ähnlichen Situation wie du.
Immer wieder hab ich angesprochen, dass es neben ihr in meinem Leben auch andere Dinge gibt. Das diese Dinge nichts mit mangelnder Wertschätzung für sie zu tun haben, sie aber einfach wichtig sind für mein seelisches Wohlbefinden. Nämlich Freunde/Familie, Hobbys/Sport und zuletzt auch Studium/Job. Das wurde NIE wirklich akzeptiert. Es gab immer Drama. Schließlich habe ich die Konsequenzen gezogen. Am Anfang mit sehr schlechtem Gewissen. 

Heute bin ich der Meinung, dass die drei angespochenen Dinge Grundvorrausetzung sind für eine stabile Beziehung. Bei beiden. Gibt's irgendwo größere Baustellen, wirds immer kompliziert. Man sollte schon halbwegs mit sich im Reinen sein, sonst wirds toxisch.

Du bist nicht ihr Animateur, Hobby oder Psychologe. 

Du bist auch nicht verantwortlich für sie.



Das bedeutet nicht, dass man in schlechten Zeiten nicht füreinander da ist. Das es kein Probleme geben darf.

Hat die schon ma darüber nachgedacht, sich professionell helfen zu lassen ?
 

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C
captaindiabetes
05.12.21 um 18:59

Ich möchte nmwrken dass sie sich schon seit einiger Zeit in Therapie befindet, aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie darauscetwas mitnimmt

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D
det92
05.12.21 um 19:54

Ich bin kein Psychologe, aber überlege dir gut ob und wie lange du die Kraft aufbringen magst. Stell dir vor sie macht Fortschritte und du stehst eines Tages für die Erinnerung an die "harten Tage".

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cefeu1
cefeu1
06.12.21 um 7:21

Hallo,

auch ne Therapie ist ja nur ne Anleitung zur Selbsthilfe - der Therapeut macht einen nicht gesund, sondern zeigt einem (idealerweise), wie man sich selbst gesund machen kann. Also wenn sie da auch so wenig mitwirkt und anscheinend irgendwo immer noch glaubt, ihre Ansprüche an dich / einen Partner wären gesund und berechtigt, ist es kein Wunder, dass es durch die Therapie nicht besser wird.
Also nochmal, der Schlüssel zur Veränderung liegt bei ihr und nirgendwo sonst. Je mehr du aushältst und entschuldigst und normalisierst, um so geringer wird auch ihr Antrieb, wirklich was zu ändern. Und irgendwann ist das einzig Sinnvolle, was du noch tun kannst, dich in Schutz zu bringen.

lg
cefeu

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C
captaindiabetes
06.12.21 um 8:48

Okay. Das habe ich soweit verstanden. Aber bedeutet, mich selbstbzu schützen, jetzt dass ich sie verlassen muss? Oder dass ich ihr einfach die Grenzen aufzeige und konsequent bleibe, damit sie sieht, dass sie in dem Punkt an sich arbeiten muss? 

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Kannst du deine Antwort nicht finden?

D
det92
06.12.21 um 9:03

Würde ich so verstehen 😉 Sie muss sich öffnen bei den Sitzungen. Ermunterte sie dazu. Sag ihr das du es toll findest, dass sie das Problem angeht. 

Wenn es aber gar keiner Fortschritte gibt, ziehe die Konsequenzen. Du gehst sonst selbst daran kaputt

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cefeu1
cefeu1
06.12.21 um 10:28
In Antwort auf captaindiabetes

Okay. Das habe ich soweit verstanden. Aber bedeutet, mich selbstbzu schützen, jetzt dass ich sie verlassen muss? Oder dass ich ihr einfach die Grenzen aufzeige und konsequent bleibe, damit sie sieht, dass sie in dem Punkt an sich arbeiten muss? 

"Aber bedeutet, mich selbstbzu schützen, jetzt dass ich sie verlassen muss? Oder dass ich ihr einfach die Grenzen aufzeige und konsequent bleibe, damit sie sieht, dass sie in dem Punkt an sich arbeiten muss? "

Man versucht's normalerweise erst noch ein paarmal mit dem Grenzen-Aufzeigen. Aber wenn du das tust und dann feststellst, dass das keine oder zuwenig Wirkung hat, wär's ja sinnlos, es weiter zu versuchen - dann musst du gehen, wenn du dich nicht total aufreiben willst.
In deinem Eingangsposting beschreibst du ja schon mindestens einen gescheiterten Versuch, Grenzen festzustecken (ihr habt "gemeinsam" entschieden, dass du bis zum nächsten Abend deinen Freiraum bekommst, aber um 7 Uhr morgens belagert sie dich schon wieder). Wenn du das und Ähnliches immer wieder hinnimmst, dann bringst du ihr damit effektiv nur bei, dass sie nicht wirklich an sich arbeiten muss.
Also versuch's ruhig noch eine Weile weiter mit einer konsequenten Mischung aus "Sicherheit geben" und "Grenzen aufzeigen". Kommunizier dabei deutlich, wo du innerlich stehst und dass die Beziehung auf dem Spiel steht, wenn sie weiter so klammert. (Erzählen kann sie ja viel, dass sie "ernsthaft daran arbeitet", auf die Umsetzung im täglichen Leben kommt's an.) Setz dir eine Frist, innerhalb der du ne deutliche Veränderung sehen willst - zum Beispiel drei Monate, das hängt aber auch davon ab, wie belastbar du dich überhaupt noch fühlst -, und wenn das scheitert, dann sei konsequent und trenn dich.

Meiner Meinung nach ist die Frau zur Zeit absolut nicht beziehungsfähig und sollte erstmal in ihrer Therapie nennenswerte Erfolge erzielen, bevor sie über ne Beziehung auch nur nachdenkt. Aber ich versteh auch, dass du noch nicht direkt aufgeben willst. Also wird's sicher auch für dich das Beste sein, es noch eine Weile zu versuchen, damit du dir hinterher in der Hinsicht keinen Vorwurf machen kannst.

lg
cefeu
 

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C
captaindiabetes
06.12.21 um 14:00
In Antwort auf cefeu1

"Aber bedeutet, mich selbstbzu schützen, jetzt dass ich sie verlassen muss? Oder dass ich ihr einfach die Grenzen aufzeige und konsequent bleibe, damit sie sieht, dass sie in dem Punkt an sich arbeiten muss? "

Man versucht's normalerweise erst noch ein paarmal mit dem Grenzen-Aufzeigen. Aber wenn du das tust und dann feststellst, dass das keine oder zuwenig Wirkung hat, wär's ja sinnlos, es weiter zu versuchen - dann musst du gehen, wenn du dich nicht total aufreiben willst.
In deinem Eingangsposting beschreibst du ja schon mindestens einen gescheiterten Versuch, Grenzen festzustecken (ihr habt "gemeinsam" entschieden, dass du bis zum nächsten Abend deinen Freiraum bekommst, aber um 7 Uhr morgens belagert sie dich schon wieder). Wenn du das und Ähnliches immer wieder hinnimmst, dann bringst du ihr damit effektiv nur bei, dass sie nicht wirklich an sich arbeiten muss.
Also versuch's ruhig noch eine Weile weiter mit einer konsequenten Mischung aus "Sicherheit geben" und "Grenzen aufzeigen". Kommunizier dabei deutlich, wo du innerlich stehst und dass die Beziehung auf dem Spiel steht, wenn sie weiter so klammert. (Erzählen kann sie ja viel, dass sie "ernsthaft daran arbeitet", auf die Umsetzung im täglichen Leben kommt's an.) Setz dir eine Frist, innerhalb der du ne deutliche Veränderung sehen willst - zum Beispiel drei Monate, das hängt aber auch davon ab, wie belastbar du dich überhaupt noch fühlst -, und wenn das scheitert, dann sei konsequent und trenn dich.

Meiner Meinung nach ist die Frau zur Zeit absolut nicht beziehungsfähig und sollte erstmal in ihrer Therapie nennenswerte Erfolge erzielen, bevor sie über ne Beziehung auch nur nachdenkt. Aber ich versteh auch, dass du noch nicht direkt aufgeben willst. Also wird's sicher auch für dich das Beste sein, es noch eine Weile zu versuchen, damit du dir hinterher in der Hinsicht keinen Vorwurf machen kannst.

lg
cefeu
 

Danke, das war genau der Rat, den ich hier gesucht und gebraucht hab. 

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S
sophos75
06.12.21 um 16:32

Ich habe die Sorge dass sie Dich mit in den Abgrund zieht oder Dir die Luft zum Atmen nimmt.
Wieviel Gefühle sind denn bei dieser starken Beanspruchung und erforderlichen Verteidigung/Abgrenzung überhaupt noch übrig? Gibt es denn eine Dynamik dass es immer schlimmer wird oder ist es eher so, dass Du sensibilierter bist? Gibt es denn auch Präsenzphasen in denen Ihr Euch seht, verlaufen die dann harmonischer? Geht Sie einer Arbeit/Ausbildung nach oder ist sie aufgrund der Thematik zu hause? (Sorry für die vielen Fragen)
Ich denke, dass die Abgrenzungsphase auch für Dich einen wichtigen Lern-/Entwicklungsschritt beinhaltet, dass Du Dich nicht über alle Maßnahmen vereinnahmen läßt sondern Grenzen ziehen kannst und deren Einhaltung auch durchsetzen kannst. Ich denke letzteres dürfte auch Mitursache für die aktuelle Problematik sein, dass Du es mit Dir machen läßt bzw. sie auf wenig Widerstand stößt. Deswegen solltest Du für Dich festlegen, was Du für Dich brauchst, welche "Ruhezeiten" für Dein Wohlbefinden wichtig sind und diese solltest Du freundlich aber bestimmt auch einhalten.
Manchmal passiert es, dass man/frau in einer Therapie eine Komfortzone kommt mit wenig Reibung und dementsprechend auch Fortschritt.
Nimm Dich selbst ernst und schau auf Deine Gesundheit, wenn sie Deine Grenzen nicht akzeptieren kann oder will wirst Du irgendwann über die Notbremse nachdenken (müssen)

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H
holzmichel
08.12.21 um 16:27

Ich muss mich da einigen hier anschließen, du solltest Ihr Freund sein, nicht ihr Therpeut!!!!

Sie scheint momentan nicht in der Lage sein ein Beziehung zu führen, so wie du es dir vorstellst und meisten anderen auf dem Planeten auch.

Die Frau braucht eine Therapie und keinen Partner an dem sie ihre sicher verhandenen Ängste und Probleme aufleben kann. Wenn sie das nicht nicht im Griff hat, hast du da wohl eher keine Chance ein echter Partner zu sein.

Ich möchte dir folgendes sagen:

So lange sie dich erpresst, dir ein schlechtes Gewissen macht, dich beantsprucht obwohl du klar sagt dass du gerade nicht kannst, sie deine Gutmütigkeit ausnutzt um dich zu steuern wie sie dich gerne hätte, macht das ganze keinen Sinn.

Lass Dir da bitte kein schlechtes Gewissen machen, sie ist das Problem, nicht Du.
Und stehe zu deinen Vorstellungen wie du dir eine Beziehung vorstellst, so viel Rücksicht wie sie verlangt ist nicht gesund kann niemand geben.

Alles Gute Dir.
 

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H
holzmichel
08.12.21 um 16:39
In Antwort auf captaindiabetes

Okay. Das habe ich soweit verstanden. Aber bedeutet, mich selbstbzu schützen, jetzt dass ich sie verlassen muss? Oder dass ich ihr einfach die Grenzen aufzeige und konsequent bleibe, damit sie sieht, dass sie in dem Punkt an sich arbeiten muss? 

Ob du sie verlassen musst um dich zu schüzten musst du selbst entscheiden.
Keiner hier kann dir sagen wie viel Kraft du hast, wie viel Kraft du bereit bist da rein zu stecken, wie viel du für sie empfindest und wie sich das ganze entwickeln wird.

Wenn Du meinst das ihr irgnedwie weiter kommt, kannst du es mit ihr probieren.
Du darfst dich dabei nur nicht vergessen, stehe zu deinen Genzen!!!!
Die ich im übrigen für sehr gesund halte.

Kommt der Punkt an dem du merkst es geht nicht vorwärts oder du kannst nicht mehr....musst du was ändern um dich zu schützen.

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