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Meine Freundin leidet unter Borderline und hat Schluss gemacht!

19. August 2013 um 4:32

Hallo,

notwendige Eckdaten: Meine Freundin und ich führen jetzt seid über drei Jahren eine Fernbeziehung, sie ist eineinhalb Jahre älter als ich, ich bin 19 und sie ist 21 geworden. Sie ist meine erste Freundin und ich auch ihr erster richtiger Freund (sie hatte vorher im jungen Alter schon einen aber es war eher eine "Kinderbeziehung"). Bis vor einem halben Jahr lief noch alles gut, bis dann der "Horror" begonnen hat.

Meine Freundin leidet unter Borderline, schon vor einem Jahr hat sie mir erzählt, dass sie sich manchmal ritzt, und das nur, wenn sie total unter Stress und Druck ist, sie erklärte mir, dass es ihr gut tut. Ich habe ihr natürlich gesagt, dass sie mit sowas aufhören soll und ich für sie bei so etwas da bin, seit dem macht sie es nicht mehr (erzählt sie mir zumindest). Ich hatte vorher noch nie etwas von Borderlinegehört, bis dann mal zufällig darauf gestoßen bin. Habe dann einiges darüber gelesen und war schockiert, dass die ganzen Symptome auf meine Freundin zutreffen. Ich habe sie darauf angesprochen, und sie hat es mir bestätigt.

Ich habe ihr sehr oft geraten sich therapieren zu lassen, weil mit dieser Krankheit echt nicht zu Spaßen ist; ich wollte sie auch mit einer Therapeutin in Verbindung setzten, aber sie wollte meine Hilfe einfach nicht.

Vor einem halben Jahr hat sie sich auf Knopfdruck geändert, sie war aggressiv zu mir, verachtete mich schon, und meinte, ich soll sie in Ruhe lassen, mich nicht mehr bei ihr melden, sie vergessen und meinen eigenen Weg gehen. Ich bin ihr fast drei Monate hinterher gelaufen, aber sie war immer abweisend, hat sehr aggressiv reagiert und mich zudem manchmal auch sehr beleidigt und runter gezogen. Nach diesen drei Monaten habe ich ihre Entscheidung letztendlich akzeptiert und kein Funken mehr von mir gegeben, auch wenn es echt sehr weh tat.

Und nach zwei Wochen hat sie sich auf einmal plötzlich und von mir völlig unerwartet bei mir gemeldet, sie meinte, dass ich ihr sehr wichtig bin, und sie mich nicht verlieren möchte. Daraufhin habe ich sie angerufen und sie erzählte mir, dass mich noch sehr liebt, mich sehr vermisst (sie hat mich während den drei Monaten Trennungszeit manchmal unter unbekannt angerufen, um meine Stimme zu hören, aber hat selber nicht geredet; das hat sie mir dann gebeichtet) und mich nicht verlieren möchte. Wir sind dann wieder zusammen gekommen, und es war, als ob sie sich wirklich wie zu Anfang neu verliebt hatte in mir.

Mir ist dann aufgefallen, dass sie immer wieder diese typischen "Stimmungsschwankungen" hatte, mal war sie wie ein verliebtes kleines Mädchen und dann plötzlich extrem aggressiv. Sie hat in ihre Familie und Verwandschaft eine menge Probleme sowie Stress, und seit ihrer Ausbildung , die sie auf Druck ihrer Familie angefangen hat, ist sie absolut nicht mit ihrem Beruf zufrieden und ist von ihrer Arbeit sehr belastet. Und in der letzten Zeit hatte sie auch kaum Freizeit; dann fing der "Horror" wieder an:

Bis vor einer Woche war echt noch die heile Welt, dann merkte ich, dass sie sich gar nicht mehr meldete und es auch nicht tun würde, wenn ich es nicht getan hätte. Sie hat immer weniger auf meine Sms reagiert und hatte nicht mehr viel Zeit fürs Telefonieren. Ihre Stimmung ist dann auch immer trüber geworden, dann vor zwei Tagen ist sie extrem ausgeflippt und meinte, dass sie mit ihre Arbeit schon sowieso überfordert ist, kaum Zeit hat, froh ist zu Hause zu sein, und ich ihr dann noch auf die Pelle rücke.

Sie hat dann wieder dasselbe wie beim ersten mal geschwafelt, dass ich sie komplett in Ruhe lassen soll, sie nichts mehr von mir hören möchte, ich solle verschwinden, sie vergessen und meinen eignen Weg gehen. Und sie hat dann wie beim letzten Mal das typische Borderline-Phrase "Ich habe Dich nicht verdient; Du hast eine bessere verdient; Du bist zu gut für mich" benutzt. Wie beim ersten Mal sollte ich mich als wörtlich "verpissen". Sie meinte, dass sie nicht mal mit sich klar kommt, ihr der Stress mit der Familie und Arbeit zu viel wird, sie möchte jetzt von jedem in Ruhe gelassen werden und allein sein.

Nun weiß ich echt nicht, wie ich diesmal reagieren bzw. tun soll. Ich weiß, dass sie mich noch liebt und auch sehr an mir hängt. BorderlinerInnen haben ja paradoxerweise Angst vor Näher und gleichzeitig Angst davor von der geliebten Person verlassen zu werden. Aber ich weiß diesmal, dass es nicht gut ist, dass ich mich wieder bei ihr melde und ihr hinterherlaufe. Noch einmal zum Hund machen werde ich mich nicht, aber ich nehme es ihr nicht übel, dass sie so mit meinen Gefühlen spielt, sie macht es ja nicht absichtlich und kann im Grunde auch nichts dafür.

Ich habe mir jetzt gedacht, dass ich mich diesmal von Anfang an nicht mehr bei ihr melde, solange, bis sie es selber von sich aus tut. Ob dies das richtige Verhalten ist weiß ich nicht. Auf jeden Fall werde ich ihr dann klar stellen, dass es diesmal wirklich todernst ist, entweder sie wird sich Hilfe suchen bzw. annehmen oder ich werde endgültig den Kontakt zu ihr abbrechen. Noch einmal werde ich es sicher nicht aushalten.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob dieses Verhalten wirklich richtig wäre. Was soll ich genau tun? Wie soll ich generell mit ihr umgehen? Soll ich mich doch bei ihr melden und versuchen vernünftig mir ihr darüber zureden? Ich möchte sie wirklich nicht verlieren, ich liebe sie sehr und hänge auch stark an ihr.

Ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen.

Schöne Grüße

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19. August 2013 um 8:15

War gestern hier Thema
http://forum.gofeminin.de/forum/couple1/__f118286_couple1.html

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19. August 2013 um 10:01

Also ich habe diese "typische BL - Phrase"...
... selbst mehrfach verwendet und immer ganz genau so gemeint. ^^ Niemals als "Phrase". ^^
Auch heute, mit inzwischen 38 und einer Beziehung, die seit ca. 16 Jahren besteht (und die ich in den 16 Jahren 2x wirklich zu beenden versucht habe, wobei wir nie wirklich "auseinander" waren), kommt dieses Gefühl regelmässig (alle paar Monate) hoch und ist unglaublich heftig.
Ich kann es schon lange abfangen und damit umgehen, ohne dass es bei meinem Mann auf dem Tablett landet, aber es ist immer noch so stark, dass es einer von 3 Punkten ist, wo ich immer noch Gefahr laufe, mich selbst zu verletzen, um es irgendwie zu komensieren. So viel zum Thema "Phrase" -.-

Ja, was soll ich sagen...

1. - hast Du es Dir *wirklich* gut überlegt, ob Du eine Beziehung mit einem Borderliner führen willst? Weisst Du, was das für Dich bedeutet und bist Du Dir sicher, dass es Dich & sie nicht auffrisst?

2. - unsere Partner haben nur ganz, ganz, ganz wenig Möglichkeiten, uns zu unterstützen. Den Hauptteil (und das meint so 95% und mehr!) müssen wir Borderliner selbst tun. Tun wir das nicht, sind stabile Beziehungen m.E. nicht möglich.

Willst Du das wirklich?!?

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19. August 2013 um 11:01
In Antwort auf avarrassterne

Also ich habe diese "typische BL - Phrase"...
... selbst mehrfach verwendet und immer ganz genau so gemeint. ^^ Niemals als "Phrase". ^^
Auch heute, mit inzwischen 38 und einer Beziehung, die seit ca. 16 Jahren besteht (und die ich in den 16 Jahren 2x wirklich zu beenden versucht habe, wobei wir nie wirklich "auseinander" waren), kommt dieses Gefühl regelmässig (alle paar Monate) hoch und ist unglaublich heftig.
Ich kann es schon lange abfangen und damit umgehen, ohne dass es bei meinem Mann auf dem Tablett landet, aber es ist immer noch so stark, dass es einer von 3 Punkten ist, wo ich immer noch Gefahr laufe, mich selbst zu verletzen, um es irgendwie zu komensieren. So viel zum Thema "Phrase" -.-

Ja, was soll ich sagen...

1. - hast Du es Dir *wirklich* gut überlegt, ob Du eine Beziehung mit einem Borderliner führen willst? Weisst Du, was das für Dich bedeutet und bist Du Dir sicher, dass es Dich & sie nicht auffrisst?

2. - unsere Partner haben nur ganz, ganz, ganz wenig Möglichkeiten, uns zu unterstützen. Den Hauptteil (und das meint so 95% und mehr!) müssen wir Borderliner selbst tun. Tun wir das nicht, sind stabile Beziehungen m.E. nicht möglich.

Willst Du das wirklich?!?

P.S.
bei dem "Hilfe annehmen" kommt mir jedes Mal der Kaffee hoch.

Natürlich sollte es jeder Borderliner versuchen und eine Therapie machen. Nicht "anwesend sein", sondern machen. Auch mehrfach, wenn es beim ersten Mal nicht funktioniert. Weil es einfach der leichteste Weg ist, wenn es denn funktioniert.

Aber zu lesen, wie das so als Allheilmittel angepriesen wird, stellt mir jedes Mal die Nackenhaare hoch.

Ich habe "Hilfe angenommen", ich habe sogar um Hilfe gebettelt. Es wäre verantwortungslos, im offenen Forum zu beschreiben, wie genau das gelaufen ist, daher sind mir arg die Hände gebunden.

In short: Ich habe 5 Therapien gemacht. 3x keine Änderung, 2x Verschlimmerung.
Kein Hintergrundwissen, was genau passiert und warum wurde vermittelt, psychologische Techniken wurden nicht erklärt und auf mich adaptiert, sondern in einer Form hingeworfen, dass sie nicht sinnbringend anwendbar waren.
Dafür hat mich die Therapie an sich jedes Mal Unmengen an Karft gekostet, weil ich dafür immer über turmhohe Schatten springen musste - jeden Tag mehrfach. Es hat mich getriggert wie die Hölle selbst und nach jeder Therapie habe ich jede Hoffnung, dass für mich ein würdiges Leben möglich ist, rückstandslos verloren. Denn ich hatte mir ja "helfen lassen". Da waren ganz tolle Ärzte und Psychologen, die das ja studiert haben und all das Wissen haben und ich habe mich auf alles eingelassen, das alles gemacht, wie ein Musterschüler, weil ich die Hilfe unglaublich dringend brauchte - und nichts, gar nichts hat es geholfen. Ich dachte, ich muss immer in diesem Schmerz leben. Das hat mir völlig jeden Boden unter den Füssen weggezogen.

Die Psychologie hat die Macht, uns und den Menschen in unserer Umgebung ein Leben in Würde, innerem Frieden und mit einem Lächeln auf den Lippen zu ermöglichen. Das weiss ich, weil ich und die Menschen, die mir nahe sind, das schon seit längerer Zeit erlebt habe.
Aber mit denen, die uns da angeblich "helfen", habe ich saumiese Erfahrungen gemacht. Und ich bin nicht allein damit. Gar nicht.

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19. August 2013 um 12:23

Meine persönliche (!!!) Meinung:
ich denke auch eine sinnvolle Therapie hätte mich sehr getriggert. Keine Frage. Das liegt in der Natur der Sache.

Es kostet mich *sehr* viel Selbstüberwindung, überhaupt über etwas zu sprechen, was mich schmerzt. Ich habe in meinem Leben oft gehört, dass es vielen Menschen gut tut, "einfach über Probleme zu reden", erlebt habe ich das noch nie. Es geht immer nur mit massiver Selbstüberwindung und es tut nicht gut. Nicht wenn ich mit Therapeuten spreche, nicht mit meinem Partner, nicht mit Freunden, nicht mit Bekannten, nicht mit Menschen, die ich nicht kenne, nicht anonym im Internet - es ist einfach nur schmerzhaft und aufwühlend. Es ist auch ausserhalb von Therapien nötig und ich kann mich darauf einlassen - aber ... Nun, ohne das kann eine Therapie selbstverständlich nicht funktionieren.

Es kostet mich *sehr* viel Selbstüberwindung, einen anderen Menschen so nahe an mich heran zu lassen, dass ich dem wesentliche Probleme für mich mitteile. Meint nicht so etwas wie das dieses Gefühl, das mit der Beziehung nie hinzukriegen, wider jedes vorhandene rationale Wissen und wider jeder Erfahrung immer mal wieder hochkommt und ich dann nur noch den Wunsch habe, mir die Haut in Fetzen zu reissen - das ist so in anonymer Form völlig problemlos und ab dem Status "gute Bekannte" auch ok.
Aber ich habe manche Bilder in meiner Erinnerung, die "normale" Menschen vermutlich wenige Stunden später wieder vergessen haben - aber die mich unglaublich schmerzen und die ich seit vielen, vielen Jahren da auch nicht weg bekomme. So etwas mitzuteilen fällt mir unvorstellbar schwer - aber selbstverständlich ginge eine Therapie nicht ohne.

Anything comes at it's price... das und anderes nicht unbedingt angebehme gehört dazu. Das ist nicht meine Kritik - den Preis für die Katz zu zahlen, war nicht so toll und die Hoffnungslosigkeit, dass mir nicht zu helfen ist, auch nicht.

****************************** **************

Wie meiner Meinung nach eine Therapie aussehen müsste, damit sie wirksam ist?

Nun Techniken müssen erklärt und ggf. mit dem Betroffenen auf dessen Situation angepasst werden. Beispiel "Skills". Mir wurde in jeder einzelnen Therapie erklärt, ich müsse Skills anwenden, wenn ich den Wunsch nach Selbstverletzung habe. Aha. und das heisst? "Ja nehmen sie einen Eisakku in die Hand". Ich kann Dir versichern, das hilft mir genau so sehr wie einen Apfel essen. Nämlich gar nicht. Das ändert nicht das geringste.
Heute weiss ich, dass das Konzept funktioniert. Ich komme mit solchen Techniken binnen 5 - 10 min von Heulkrämpfen und massiver Sehn-sucht nach Blut auf kontrolliert, kontrollierbar und gesellschaftsfähig. Nur "einen Eisakku in die Hand nehmen" wird mit im ganzen Leben niemals helfen. Ein Skill muss die Fähigkeit haben, meine emotionale Situation zu ändern und das wird ein Eisakku nicht tun. Musik tut es aber beispielsweise. Mit 5 min Hard-Dance in medizinisch unvernünftiger Lautstärke und in Kombination mit anderen Techniken und viel Übung, kann ich meine Gefühle wieder auf ein Level bringen, was zu handhaben oder mit Glück sogar positiv ist. Das ist die stark gekürzte Version, das Stichwort ist Stoff für ein halbes Buch. Wenn das mal einer erklärt hätte und gemeinsam mit mir nach Möglichkeiten gesucht hätte, die bei mir funktionieren, hätte ich mir viel gespart - nicht nur viele Narben, diese Technik dient ja allgemein dazu, zu heftige Emotionen und seelische Schmerzen abzufangen, zu glätten und ggf. zu ändern.

Anderes Beispiel: Thema Wahrnehmung. Die meisten Borderliner haben Wahrnehmungsstörungen und zwar keine kleinen. Ich empfinde beispielsweise oft einen massiven Angriff auf mich - der gar nicht da ist. Ich reagiere dann (wenn ich nicht eingreife) - eben so, als würde mich jemand massiv angreifen, weil es das ist, was ich wahrnehme, höre, lese. Auch wenn es z.B. im Chat ist und ich das noch einmal nachlesen kann und das auch tue, ändert das noch lange nichts. Nur wenn es den Angriff eben nur in meinen Augen gibt, ist das erstens nicht sonderlich sozial-kompatibel und zweitens für mich unnötiger Schmerz - von den logischen Folgen mal ganz zu schweigen.
So etwas muss man lernen zu erkennen und abzufangen. Und zwar in dem Moment, wo es passiert, nicht eine Woche später beim Einschlafen. In den tollen Therapien wurde noch nicht einmal darauf hingewiesen, dass das bei BL i.d.R. der Fall ist und zwar verdammt oft, wie es zu Stande kommt, welche Faktoren das fördern, welche Faktoren das abschwächen, wie man dem entgegen wirken kann und wie man es ändert, wenn man mitten hinein gelaufen ist.
Ich gestehe, auch mit einigen Jahren Übung kann ich das nie vollständig vermeiden, nie immer erkennen und ändern. Aber inzwischen kommt es 5x im Jahr oder so etwas vor, dass das ernstlich ein Problem ist, statt quasi ständig.
Das wäre also definitiv *möglich* gewesen. Wenn man mir das Wissen und die Techniken dazu vermittelt hätte statt nie ein Wort darüber zu verlieren als "jetzt übertreiben Sie aber"

... 2 Beispiele von ganz, ganz, ganz, ganz, ganz vielen.

Wie jeder chronisch Kranke Mensch haben wir so ein paar Dinge, auf die wir im Alltag achten müssen, einiges, was wir anders machen müssen etc. - das sollte man nach einer Therapie wissen und können. Ich wusste nicht. Ich konnte auch nicht.

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19. August 2013 um 12:52
In Antwort auf avarrassterne

Meine persönliche (!!!) Meinung:
ich denke auch eine sinnvolle Therapie hätte mich sehr getriggert. Keine Frage. Das liegt in der Natur der Sache.

Es kostet mich *sehr* viel Selbstüberwindung, überhaupt über etwas zu sprechen, was mich schmerzt. Ich habe in meinem Leben oft gehört, dass es vielen Menschen gut tut, "einfach über Probleme zu reden", erlebt habe ich das noch nie. Es geht immer nur mit massiver Selbstüberwindung und es tut nicht gut. Nicht wenn ich mit Therapeuten spreche, nicht mit meinem Partner, nicht mit Freunden, nicht mit Bekannten, nicht mit Menschen, die ich nicht kenne, nicht anonym im Internet - es ist einfach nur schmerzhaft und aufwühlend. Es ist auch ausserhalb von Therapien nötig und ich kann mich darauf einlassen - aber ... Nun, ohne das kann eine Therapie selbstverständlich nicht funktionieren.

Es kostet mich *sehr* viel Selbstüberwindung, einen anderen Menschen so nahe an mich heran zu lassen, dass ich dem wesentliche Probleme für mich mitteile. Meint nicht so etwas wie das dieses Gefühl, das mit der Beziehung nie hinzukriegen, wider jedes vorhandene rationale Wissen und wider jeder Erfahrung immer mal wieder hochkommt und ich dann nur noch den Wunsch habe, mir die Haut in Fetzen zu reissen - das ist so in anonymer Form völlig problemlos und ab dem Status "gute Bekannte" auch ok.
Aber ich habe manche Bilder in meiner Erinnerung, die "normale" Menschen vermutlich wenige Stunden später wieder vergessen haben - aber die mich unglaublich schmerzen und die ich seit vielen, vielen Jahren da auch nicht weg bekomme. So etwas mitzuteilen fällt mir unvorstellbar schwer - aber selbstverständlich ginge eine Therapie nicht ohne.

Anything comes at it's price... das und anderes nicht unbedingt angebehme gehört dazu. Das ist nicht meine Kritik - den Preis für die Katz zu zahlen, war nicht so toll und die Hoffnungslosigkeit, dass mir nicht zu helfen ist, auch nicht.

****************************** **************

Wie meiner Meinung nach eine Therapie aussehen müsste, damit sie wirksam ist?

Nun Techniken müssen erklärt und ggf. mit dem Betroffenen auf dessen Situation angepasst werden. Beispiel "Skills". Mir wurde in jeder einzelnen Therapie erklärt, ich müsse Skills anwenden, wenn ich den Wunsch nach Selbstverletzung habe. Aha. und das heisst? "Ja nehmen sie einen Eisakku in die Hand". Ich kann Dir versichern, das hilft mir genau so sehr wie einen Apfel essen. Nämlich gar nicht. Das ändert nicht das geringste.
Heute weiss ich, dass das Konzept funktioniert. Ich komme mit solchen Techniken binnen 5 - 10 min von Heulkrämpfen und massiver Sehn-sucht nach Blut auf kontrolliert, kontrollierbar und gesellschaftsfähig. Nur "einen Eisakku in die Hand nehmen" wird mit im ganzen Leben niemals helfen. Ein Skill muss die Fähigkeit haben, meine emotionale Situation zu ändern und das wird ein Eisakku nicht tun. Musik tut es aber beispielsweise. Mit 5 min Hard-Dance in medizinisch unvernünftiger Lautstärke und in Kombination mit anderen Techniken und viel Übung, kann ich meine Gefühle wieder auf ein Level bringen, was zu handhaben oder mit Glück sogar positiv ist. Das ist die stark gekürzte Version, das Stichwort ist Stoff für ein halbes Buch. Wenn das mal einer erklärt hätte und gemeinsam mit mir nach Möglichkeiten gesucht hätte, die bei mir funktionieren, hätte ich mir viel gespart - nicht nur viele Narben, diese Technik dient ja allgemein dazu, zu heftige Emotionen und seelische Schmerzen abzufangen, zu glätten und ggf. zu ändern.

Anderes Beispiel: Thema Wahrnehmung. Die meisten Borderliner haben Wahrnehmungsstörungen und zwar keine kleinen. Ich empfinde beispielsweise oft einen massiven Angriff auf mich - der gar nicht da ist. Ich reagiere dann (wenn ich nicht eingreife) - eben so, als würde mich jemand massiv angreifen, weil es das ist, was ich wahrnehme, höre, lese. Auch wenn es z.B. im Chat ist und ich das noch einmal nachlesen kann und das auch tue, ändert das noch lange nichts. Nur wenn es den Angriff eben nur in meinen Augen gibt, ist das erstens nicht sonderlich sozial-kompatibel und zweitens für mich unnötiger Schmerz - von den logischen Folgen mal ganz zu schweigen.
So etwas muss man lernen zu erkennen und abzufangen. Und zwar in dem Moment, wo es passiert, nicht eine Woche später beim Einschlafen. In den tollen Therapien wurde noch nicht einmal darauf hingewiesen, dass das bei BL i.d.R. der Fall ist und zwar verdammt oft, wie es zu Stande kommt, welche Faktoren das fördern, welche Faktoren das abschwächen, wie man dem entgegen wirken kann und wie man es ändert, wenn man mitten hinein gelaufen ist.
Ich gestehe, auch mit einigen Jahren Übung kann ich das nie vollständig vermeiden, nie immer erkennen und ändern. Aber inzwischen kommt es 5x im Jahr oder so etwas vor, dass das ernstlich ein Problem ist, statt quasi ständig.
Das wäre also definitiv *möglich* gewesen. Wenn man mir das Wissen und die Techniken dazu vermittelt hätte statt nie ein Wort darüber zu verlieren als "jetzt übertreiben Sie aber"

... 2 Beispiele von ganz, ganz, ganz, ganz, ganz vielen.

Wie jeder chronisch Kranke Mensch haben wir so ein paar Dinge, auf die wir im Alltag achten müssen, einiges, was wir anders machen müssen etc. - das sollte man nach einer Therapie wissen und können. Ich wusste nicht. Ich konnte auch nicht.

Also
Ich kann dir mal empfehlen eine Achtsamkeitsbasierte Therapie zu machen.
Dort geht es darum 'Anfälle' rechtzeitig zu erkennen und entgegen zu wirken.

Hat seinen Ursprung im Buddhismus.

Les dich mal rein. Kann mir vorstellen das es helfen können.

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19. August 2013 um 13:03
In Antwort auf neo_12745416

Also
Ich kann dir mal empfehlen eine Achtsamkeitsbasierte Therapie zu machen.
Dort geht es darum 'Anfälle' rechtzeitig zu erkennen und entgegen zu wirken.

Hat seinen Ursprung im Buddhismus.

Les dich mal rein. Kann mir vorstellen das es helfen können.

Ja, ich wende diese Techniken an...
... seit einigen Jahren schon.

Die sind sehr wichtig und sinnvoll für Borderliner, da stimme ich Dir zu.

Zum einen in der Hinsicht, dass es für uns unglaublich wichtig ist, so frühzeitig wie möglich zu erkennen, wann wir uns "auf dünnes Eis" begeben bzw. da sind. - Das erkennen wir meist erst zu spät, wenn wir da nicht "Marker" haben und auf diese achten und eben auch das anwenden, was im Achtsamkeitstraining vermittelt werden sollte.

Zum anderen kann das in Kombination mit anderen Techniken (z.B. Konzentrationstechniken) auch direkt dazu genutzt werden, sich gezielt zu beruhigen und auszugleichen.

Und die dritte Anwendungsmöglichkeit, die mir spontan einfällt, ist Training und in Kombination mit anderen Techniken "Reset" der Wahrnehmung.

Therapie mache ich keine mehr. Thanks, but no thanks...
Ich komme klar, seit ich anfing, mir zu helfen und aufhörte, mir helfen zu lassen. Ich habe das, was ich dort hätte lernen sollen, eben anders gelernt, damit besteht auch keine Notwendigkeit dafür mehr.
Das ist einige Jahre her und inzwischen habe ich ein Leben erreicht, was ich gern lebe - und die Menschen, die mir nahe sind, auch gern mit mir teilen. Ich muss auf vieles achten, vieles kostet mich mehr Kraft als einen gesunden Menschen - aber alles in allem habe ich gelernt, damit gut zu leben.

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19. August 2013 um 13:36

Nein...
... falscher Dampfer.

Zum einen ist es das Aufreissen von Wunden. Das tut eben weh. Bei einer Therapie wird es nicht nur aufgerissen, es wird auch noch schön darin herum gerührt. Da kann man 100x wissen, dass das nötig ist, damit der Eiter heraus kommt, fürchten wird man den Schmerz trotzdem.

Zum anderen ist es die Tatsache, dass es mich unglaublich verletzlich macht. Ich vertraue anderen Menschen (mit an einer Hand abzählbaren Ausnahmen) nicht. Gar nicht. Kein bisschen. Nicht die Bohne. In den Fällen muss ich aber ein grosses Fadenkreuz auf die Ferse des Achilles malen und die schön dem Speer entgegenstrecken.

>>> Was der von mir denkt...
=> Na ich bin vermutlich in einer psych. Therapie, weil ich schon "einen an der Waffel habe" - also wenn er das von mir denkt - geschenkt. Dachte er vorher auch schon.

>>> Der kapiert das eh nie und nimmer!
=> nun, ich kenne es nicht anders. Das ist für mich kein Punkt, der zählt, der Gewicht hat.
Ich habe es mein Leben lang nicht anders erlebt, als dass oft niemand wirklich nachvollziehen kann, wann ich wie und warum empfinde.
Das ist für mich völlig "normal", dass das so ist.

>>>
Das mit der Einsicht und dem "warum lässt man sich nicht helfen" hat aber noch einen Haken: Ihr seht einen erwachsenen Menschen, der völlig seltsam reagiert und offensichtlich Probleme hat - nun, wir kennen es meistens nicht anders.
Das wird mal stärker, mal schwächer und mal übermächtig, aber es ändert sich nicht an sich, es war im wesentlichen schon immer da.

Natürlich wusste ich relativ zeitig, dass andere sich nicht selbst verletzen. Ich habe das bei mir lange, lange vor allen versteckt, auch weil ich dachte, ich bin die einzige, die so etwas krankes tut.
Ich wusste auch, dass normale Menschen keine Angst haben, das Haus zu verlassen u.ä. - aber mehr auch nicht.
Ich dachte - wie die meisten Laien - ich darf mich einfach mal nicht so anstellen und muss mal ein bisschen die Zähne zusammenbeissen, dann geht das schon. Mich mal zusammenreissen und nicht so gehen lassen. Hat zwei üble, völlige Zusammenbrüche gebraucht (also nicht "nur" Heulkrämpfe sondern die *wirklich* "dicken Dinger") um darauf zu kommen, dass da mit "mal zusammenreissen" gar nichts zu machen ist.

>>> In aller Regel bedauern sie sich selbst, in welcher schwierigen Lage sie nun doch stecken.
=> ja, ein allgemeines menschliches Verhaltensmuster. In jeder Situation.
Die gute alte Opferrolle ist das Paradies für unsere Psyche. Die zu verlassen, ist für keinen leicht.
Nicht im Extremen und nicht im "Kleinen". Wie z.B. für die armen Frauen, die "immer auf den falschen Typen hereinfallen" oder die Typen, die im Grunde der Traum von uns Frauen schlechthin sein müssten, die eben nur ein kleines Problem damit haben, dass wir Frauen viel zu dämlich sind, das gefälligst endlich mal zu erkennen! etc..

Aber ich war kein Gewalttäter, ich wollte niemanden morden. Ich hatte Schmerzen. Sehr, sehr grosse seelische Schmerzen. Ich habe versucht die zu betäuben - Drogen, Selbstverletzung, teilweise auch, indem ich mich kopfüber in irgendwas anderes gestürzt habe, was das mit anderen Gefühlen überdeckt hat ... im wesentlichen wollte ich, dass es aufhört. Dass endlich mal Stille herrscht in meinen Emotionen. Dass ich nicht mehr Spielball meiner Gefühle bin sondern diese verdammte Achterbahn wenigstens *irgendwie* steuern kann.
Ich habe meine ganz persönliche Hölle. Und darin jede Menge Bonusmeilen.

>>>Wie es mich kratzt, einmal nicht angenommen zu werden?
lol, pac, ich war meine ganze Kindheit lang Aussenseiter und ich bin immer noch ein Freak und ich polarisiere sehr stark. Das ist default


************
Denn mal viel Glück beim Zahnarzt und möge es schnell vorbei sein

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19. August 2013 um 14:28

P.S.
Es geht bei uns nicht darum, dass "der Therapeut erklären sollte, welche Strategie er hat".

Therapieansätze für Borderline sind meist Kombinationen aus den u.g. aufmerksamkeitsbasierten Ansätzen, der kognitiven Verhaltenstherapie und den Einzelgesprächen. Gängigstes Beispiel ist die Dialektisch-Behaviorale Therapie:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dialektisch-Behaviorale_Therapie

Man kann uns nicht von aussen irgendwie "ganz machen" - man kann nicht "machen", dass wir normal fühlen und normal reagieren. Wir müssen lernen, Gefühle abzufangen, zu kontrollieren, statt uns von den ständig herum reissen zu lassen - und wir müssen das machen. Jeden Tag, nicht einmalig 3 Wochen in einer Therapie,
Wir müssen lernen, Wahrnehmungsstörungen abzufangen - und wir müssen das machen. Jeden Tag, nicht einmalig 3 Wochen in einer Therapie,
Wir müssen lernen, wie wir so selten wir möglich überhaupt erst an die Punkte kommen, wo wir im völligen Gefühlsfasching und / oder einem anderen Grenzbereich sind - und wir müssen das machen. Jeden Tag, nicht einmalig 3 Wochen in einer Therapie,

Das alles geht nur, wenn wir wissen, wie es zu welcher Reaktion kommt und wie man kontrollieren und wie man regulieren kann.

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19. August 2013 um 21:14
In Antwort auf avarrassterne

Also ich habe diese "typische BL - Phrase"...
... selbst mehrfach verwendet und immer ganz genau so gemeint. ^^ Niemals als "Phrase". ^^
Auch heute, mit inzwischen 38 und einer Beziehung, die seit ca. 16 Jahren besteht (und die ich in den 16 Jahren 2x wirklich zu beenden versucht habe, wobei wir nie wirklich "auseinander" waren), kommt dieses Gefühl regelmässig (alle paar Monate) hoch und ist unglaublich heftig.
Ich kann es schon lange abfangen und damit umgehen, ohne dass es bei meinem Mann auf dem Tablett landet, aber es ist immer noch so stark, dass es einer von 3 Punkten ist, wo ich immer noch Gefahr laufe, mich selbst zu verletzen, um es irgendwie zu komensieren. So viel zum Thema "Phrase" -.-

Ja, was soll ich sagen...

1. - hast Du es Dir *wirklich* gut überlegt, ob Du eine Beziehung mit einem Borderliner führen willst? Weisst Du, was das für Dich bedeutet und bist Du Dir sicher, dass es Dich & sie nicht auffrisst?

2. - unsere Partner haben nur ganz, ganz, ganz wenig Möglichkeiten, uns zu unterstützen. Den Hauptteil (und das meint so 95% und mehr!) müssen wir Borderliner selbst tun. Tun wir das nicht, sind stabile Beziehungen m.E. nicht möglich.

Willst Du das wirklich?!?

Ok, ich glaube, die Frage hat sich beantwortet
wenn ich den Kontext zu Deinem anderen Thread ziehe würde ich sagen: lass es. Das ist nichts für Dich.

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