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Mein sehr unklarer Weg

25. April 2013 um 14:51 Letzte Antwort: 25. April 2013 um 22:19

Tja, wo fange ich an? Die Geschichte ist so vertrackt, daß es mir schwerfällt, einen roten Faden hinein zu bringen.

Bevor ich damals heiratete, war ich lange Zeit Single. Ich ließ nur wenige Gelegenheiten aus um Frauen kennen zu lernen, immerhin war ich alleinstehend und konnte tun und lassen, was ich wollte. Ich hatte einen losen Bekanntenkreis und nur wenige echte Freunde in meinem Umfeld. Innerhalb dieses losen Bekanntenkreises war eine Frau, die mich von Beginn an immer schon neugierig gemacht hatte. Und es war auch immer so, dass eine gewisse Spannung in der Luft lag, wenn wir uns unterhielten. Sie bemerkte dies genau so wie ich. Es kam, wie es so oft damals geschah. Wir landeten in ihrem Bett und hatten 3 wundervolle Tage und Nächte miteinander. Dann, so komisch mir das auch vorkam, war Funkstille. Sie brach kurzerhand den Kontakt ab, aber meine Gedanken blieben lange Zeit bei ihr. Sie war, das hatte ich damals schon herausgefunden, ein relativ unsteter Charakter, trug viele Probleme mit sich herum, war unzufrieden mit sich selbst, aber, nichtsdestotrotz, immer sehr lebenslustig. Zumindest mir gegenüber.

Einige Zeit später lernte ich meine heutige Frau kennen. Für mich gestaltete sich dieses Kennenlernen wie eine Lovestory aus dem Lehrbuch. Wir heirateten nach 2 Jahren und alles erschien immer noch sehr rosig. Und genau so ging es dann auch die darauffolgenden Jahre weiter. Ich war zufrieden, sie war zufrieden, unsere Jobs brachten uns das nötige Einkommen, um gut leben zu können und ich wähnte mich im Olymp. Mir ging es wirklich gut und ich fühlte mich so, als sei ich angekommen. Eines Tages war ich dann mal im www unterwegs, in einem der damals grossen sozialen Netzwerke und durch einen Zufall fand ich sie. Die Frau, die so unvermittelt ein paar Jahre zuvor den Kontakt zu mir abbrach. Wir kamen ins Gespräch und chatteten eine ganze Zeit lang miteinander. Völlig ohne Hintergedanken. Mich interessierte einfach, was aus dem Bekanntenkreis von damals geworden war, was aus ihr geworden war. Ich wusste nun, dass sie in der Zwischenzeit geheiratet hatte, einen Sohn geboren hatte und auch mittlerweile wieder geschieden ist. Puh, dachte ich mir: Was ein Werdegang. Da wir uns wirklich gut unterhielten, schlug ich ihr vor, dass wir uns ja einmal treffen könnten, was wir auch ein paar Tage darauf in die Tat umsetzten. Meine Frau bekam von dem alles nichts mit. Ich hatte wohl ein verdammt schlechtes Gewissen. Warum? Tja, das weiß ich noch nicht einmal. Es war ja nichts passiert, ich hatte nicht vor, dass etwas passieren sollte. Ich hatte meine Frau zu Beginn unserer Beziehung alles über meine Vergangenheit erzählt, weil ich damit aufräumen wollte. Heute weiß ich, dass ich genau zu jener Person geworden bin, die ich nie sein wollte: Zu einem unehrlichen, egoistischem Arsch, der nicht weiß, was er will.

-Um das mal eben klar zu stellen: Ich verfalle hier nicht in irgendwelche Gefühlsduseleien und der ein oder andere wird vielleicht auch schon festgestellt haben, wohin die Reise hier gerade geht. Ich will das Ganze hier einmal loswerden, damit ich vielleicht auch mal wieder etwas klarer denken kann und mir über den ein oder anderen Standpunkt klar werde. Welche Beurteilung dann über meine Person gefällt wird, ist mir eigentlich völlig egal.-

Diese Treffen setzten sich in unregelmäßigen Abständen fort und waren immer "unschuldig". Keine Annäherungsversuche und ähnliches. Immerhin bin ich verheiratet.

Es gab auch lange Phasen, in denen wir uns gar nicht sahen. Umso länger waren die Gespräche, wenn wir uns danach sahen. Gute Gespräche verlängern die Freundschaft, hatte ich bei dieser Frau mal irgendwo gelesen, und genau das war mein Eindruck, den ich dann auch gewann: Wir waren Freunde geworden. Gute Freunde. Sie erzählte mir immer wieder mal von ihren neuen, missglückten Liebschaften. Wie sehr ihr ein Mann weh getan hat, dass sie damit kämpft und ich hörte mir ihr Wehklagen immer geduldig an und ich war nicht eifersüchtig. Warum auch? Mir ging es ja gut in meiner Beziehung und mir mangelte es an nichts. Sie war, so glaubte ich, immer offen zu mir. Sie ermahnte mich aber auch immer wieder, daß sie es scheisse fände, weil meine Frau nichts von ihr wüsste. Da musste ich ihr Recht geben, immerhin fand ich das nicht weniger scheisse. Aber ich konnte es einfach nicht über die Lippen bringen, dass ich mich mit einer Frau treffe, auch wenn es freundschaftlich ist, die meine Frau nicht kannte.

Letztens trug es sich dann zu, dass ich dieser Frau morgens einen Besuch abstattete. Sie stand im Nachthemd vor mir, als sie die Tür öffnete. Kam jetzt nicht zum ersten Mal vor, weshalb ich mir auch nichts dabei dachte. Wir frühstückten zusammen und unterhielten uns. Dafür zogen wir auf die Couch um, was sich zu einer Art Ritual mit der Zeit gemausert hatte.

-Ab hier wird es für mich schwierig, die Ereignisse zusammen zu bekommen. Verzeiht mir, wenn es dann vielleicht etwas undurchsichtig wird, ich gebe mir grösste Mühe.-

Sie sagte, sie müsse mal eben auf die Toilette, was ich als Anlass nahm, es mir auf dem Möbelstück gemütlich zu machen. Sie kam wieder und....legte sich neben mich. Sie meinte, sie sei noch müde, der gestrige Abend wäre sehr lang gewesen und würde gerne noch ein kleines Schläfchen machen. Ohne meine Meinung abzuwarten ergriff sie die Decke, die auf der Couch lag und deckte uns beide damit zu. Als sie nun so mit dem Gesicht zu mir lag und ich sie anschaute, begann ich sie am Oberarm zu streicheln. Ich merkte irgendwie gar nicht, was ich da tat. Sie nahm das zum Anlass mich an mich zu kuscheln. So ging das eine ganze Zeit lang weiter und mit einem Mal küssten wir uns. Es war eine Eigendynamik da drin, die ich gar nicht anhalten konnte...und wenn ich ehrlich bin, ich wollte es auch gar nicht. Mich überkamen Erinnerungen aus den 3 Tagen und Nächten, die wir zusammen verbracht hatten. Gerüche, ihre Stimme und ihr Augenaufschlag. Alles war plötzlich so wie damals, als wir uns kennenlernten. Ich war wie berauscht, um mich herum existierte neben ihr sonst nichts und niemand und ich konnte meinen eigene Herzschlag spüren.

Ich hatte mich so weit unter Kontrolle und habe nicht mit ihr geschlafen, aber wirklich viel hat nicht gefehlt. Ich weiss, dass das auch gut so ist, aber diese Situation hat mir einiges zu Denken gegeben und auch gleichzeitig offenbart. Sie hat auch viele Fragen aufgeworfen.

Bin ich wirklich glücklich in der Ehe mit meiner Frau?

Habe ich damals mit dieser anderen Frau wirklich abgeschlossen?

Warum habe ich kein schlechtes Gewissen?

Ich habe festgestellt, dass, bei objektiver Betrachtung, ich mich in meiner Ehe in vielen Dingen verbogen habe. Ich habe ein gutes Stück weit meine Identität verloren, etwas, was ich nie wollte. Ich wollte immer der sein, der ich fühlte zu sein. Entweder hat sich im Laufe der Zeit mein Gefühl also verändert oder dieser Prozess lief unbemerkt von mir ab. Ich weiß nun, dass ich tief in mir frustriert bin. Frustriert von Kompromissen, die geschlossen wurden, frustriert vom Alltag, frustriert vom immer gleichen Tagesablauf, frustriert vom Sexualleben in der Ehe, frustriert von der immer gleichen Aussicht, frustriert von den immer gleichen Gesprächen. Es sind nun 10 Jahre in dieser Beziehung, aber ich habe das Gefühl, dass das nicht alles gewesen sein kann.

Ich habe mit meinem besten Freund darüber geredet, habe ihm schonungslos offen alles dargelegt, was mich bedrückt, habe ihm alles über die andere Frau erzählt, meine Gedanken über sie. Seine erste Reaktion war: "Du bist verliebt, aber so was von." Das traf mich wie ein Blitz! Ich hatte genau darüber nicht nachgedacht und je mehr ich mich mit dem Gedanken befasste umso mehr musste ich ihm beipflichten. Selbst jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, geht mir ihr Gesicht, ihr Lachen und ihre Augen nicht aus dem Kopf. Ja, scheinbar bin ich verliebt und am meisten ärgert mich, dass ich es nicht kontrollieren kann, mich nicht wehren kann, dass mein Lebensweg, der einst mal so klar vor mir lag, mit (Wieder-)Erscheinen dieser Frau plötzlich gar nicht mehr so klar vor mir liegt.

Gestern habe ich sie wiedergesehen (Zwar wegen etwas völlig anderem, aber das ist auch egal). Unser Zusammentreffen lief, naja, eher distanziert ab. Wir hatten zuvor bereits festgestellt, dass so etwas nicht passieren darf. Und wir haben klar festgestellt: Kumpels, nicht mehr! Sie möchte, wenn sie dann etwas mit wem anfängt, endlich etwas festes haben, kein Rumgebumse. Sie möchte endlich "ankommen". Gestern dann erzählte sie mir, dass sie am Wochenende jemanden kennengelernt hatte. Da hatte ich dann endlich meinen persönlichen Beweis, dass ich verliebt bin. Es tat nämlich weh, dass aus ihrem Mund zu hören. Zu hören, dass sie sich mit ebenjenen auch bereits verabredet hatte. Etwas, das mich zuvor nie gestört hatte. Auch das erzählte ich meinem besten Freund, der mir jede Menge guter Ratschläge erteilte und mich in den Arm nahm. Ich fühlte mich so mies. Zuallererst natürlich mir gegenüber. Weil ich mich auf einen Menschen in einer Beziehung so tief eingelassen hatte. Dann meiner Frau gegenüber, weil ich nicht weiß, wie es nun alles weitergeht. Ich will ja auch nicht so viele gemeinsame Jahre einfach über Bord werfen, auch wenn ich weiß, dass so manches im Argen ist.

Ich weiss ja noch nicht einmal, was ich erwartet hatte. Hatte ich etwa gedacht, ich könnte mir in so einer, sagen wir mal Affäre, alle Rosinen herauspicken und dann ausschliesslich die schönen Momente mit dieser Frau teilen? Ja, das dachte ich wohl, aber was dann? Hatte ich etwa auch erwartet, dass diese Frau sich für mich zurücknimmt, während ich nach unseren Treffen zu meiner Frau zurückkehre und dann dort traute Zweisamkeit geniesse. Ich weiss, dass sie sehr gefühlsgesteuert ist und sie sagte mir auch, dass es ihr zu tief geht und hat ab dem Punkt dicht gemacht. Vorbei war es mit ihrer Offenheit und das war das nächste, was mir wehtat.

Nun, das ist der Ablauf der Ereignisse bis heute. Die ganze Geschichte umfasst einen Zeitraum von ziemlich genau 10 Jahren. Nichts ist so, wie es zuvor mal war und mein Gefühlsdilemma macht es keinen Deut besser. Ich habe mir jetzt mal alles von der Seele geschrieben. Danke, dass ihr bis hierhin durchgehalten habt, lieber Leser. Kommentare sind ausdrücklich erwünscht.

Gruss

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25. April 2013 um 22:19

Danke @achtsam
Deine Antwort klingt mir objektiv genug um mit deinen Worten ins Gericht zu gehen. Natürlich stellte mein Beitrag im Hinblick auf die Zeitspanne nur einen kleinen Anriss dar.
Ja, ich habe versucht vieles zu ändern. Ich denke, dass ich ein genügsamer Mensch bin, der schnell zufrieden zu stellen ist. Die höchsten Ansprüche stelle ich meist an mich selbst. Meine Frau und ich haben selbstverständlicherweise viele Reibepunkte, die wir allesamt schon einmal versucht haben aufzuarbeiten.
Du hast recht: Spannung lasse ich selten zu, meist wohl aus reiner Faulheit. Aber recht hast du auch beim Punkt Leidenschaft. Mir fehlt es. Mir fehlt es so sehr, dass ich wieder begonnen habe Lieder zu schreiben, um meinen Leidensdruck nach aussen zu geben.

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