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Mein Partner ist depressiv

18. Juli 2011 um 10:04 Letzte Antwort: 28. Juli 2011 um 13:31

Hallo,

seit einem Jahr habe ich eine Beziehung mit einem depressiven Mann.
Er war von Anfang an ehrlich zu mir und sagte das er depressiv sei.
Da wir beide eine nicht sehr schöne langjährige Beziehung hinter uns haben möchten wir auch nicht so schnell zusammen ziehen.
Wenn wir zusammen sind ist es toll, aber ich denke von meiner Seite ist mehr an Gefühlen als von Ihm.
Er sagt er hat viel im Leben verpasst- Ehe, Studium, Kinder, Selbstständigkeit- da blieb keine Zeit für "normale" Unternehmungen. Seit er in seiner Depression lebt ist er öfter mal einige Tage allein mit dem Rad unterwegs, lebt in den Tag hinein. Kleine Bemühungen sind schon da um einen Tagesablauf zu gestalten.
Er plant auch seine Freizeit als gäbe es mich nicht. Ist das so"normal" bei depressiven Menschen?
Wenn ich ihm sage das ich ihn liebe lächelt
er oder sagt auch manchmal darauf ich dich auch.
Ganz, ganz selten kommt es von ihm, ich glaube auch nur weil ich es gern hören würde.
Er kommt auch nicht und fordert Zährtlichkeiten,manchmal laß ich es darauf ankommen und geb ihm zwischendurch keinen Kuß oder sag ihm etwas nettes. Das ist für Ihn kein Problem, er nimmt es als selbstverständlich und denkt sich nichts dabei.
Mich ärgert es doch schon etwas, in meiner letzten Beziehung wurde ich belogen und betrogen.
Ich habe dann immer das Gefühl er nimmt mich so hin und ich bin selbstverständlich. Ich habe schon öfter über einige Dinge mit ihm gesprochen. Er meint er denkt sich nichts dabei, er hat manchmal einfach kein Verlangen nach Zuneigung und kann es auch nicht immer zeigen.
Ich merke das er es ernst meint mit unserer Beziehung und ärgert sich selbstdas er in Depressionen verfallen ist.
Kann so eine Beziehung bestehen? Ich unterstütze ihn wo ich kann, jedoch kann ich mich nicht für ihn aufgeben da ich selbst Mutter bin und Kraft und Energie für mein Kind brauche. Hat noch jemand Erfahrungen mit einer ähnlichen Situation?

LG

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21. Juli 2011 um 10:42

Hey
als selbst von Depressionen Betroffener, kann ich vielleicht das ein oder andere dazu sagen.
Typischerweise werden depressive Erkrankte ja eher nicht aktiv und setzen sich aufs Fahrrad und "treiben Sport". Manche schaffen es nicht einmal mehr aus dem Bett zu kommen. Allerdings gibt es auch die sogenannte "agitierte" Form der Depression, die durch zielloses Herumirren und Umhergetrieben sein gekennzeichnet ist. Mit dieser Form habe auch ich zu kämpfen. Wenn "es los geht" kann ich dann nicht mehr in meiner Wohnung sitzen bleiben. Es treibt mich durch die Gegend, zu Fuß, oder mit dem Rad. Manchmal Mitten in der Nacht bei Wind und Wetter. Ich weiß nicht warum. Wahrscheinlich versucht man so seinem Leiden zu entkommen, vor sich selbst davon zu laufen. Das Schlimme ist, dass man nicht weiß wohin man soll, denn egal wohin man geht, es macht keinen Unterschied. Allerdings schiebe ich dem keine "verpassten Unternehmungen" vor.
Zu einer echten Depression gehören allerdings noch andere Dinge, über die du leider nichts erwähnt hast.
Wie ist er denn im Allgemeinen so drauf? Traurig oder aggressiv und reizbar? Wie ist sein Selbstwertgefühl? Hält er sich für Wertlos und eine Belastung für dich und andere Menschen? Hat er Schlafstörungen? Hat sich sein Appetit verändert? Typischerweise verlieren Betroffene (auch bei mir ist es so) ziemlich schnell und stark an Gewicht. Manchmal ist es auch umgekehrt.

Damit keine falschen Vorstellungen aufkommen: Ich bin kein Psychologe. Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen ausgehen und darum auch keine "Diagnose" stellen. Aber ich denke, es wäre notwendig, etwas über die anderen genannten Symptome zu wissen. Nur so ist es für mich als Laie möglich, abzuschätzen in wie weit er in einer depressiven Phase steckt. Dann kann ich (aus meiner Sicht) die anderen Verhaltensweisen vielleicht richtiger einschätzen. Wobei das dann immer noch nur meine Sicht der Dinge, basierend auf meinen Erfahrungen wäre, und nicht unbedingt richtig sein muss.

LG Jano

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22. Juli 2011 um 11:07
In Antwort auf sanjiv_12757431

Hey
als selbst von Depressionen Betroffener, kann ich vielleicht das ein oder andere dazu sagen.
Typischerweise werden depressive Erkrankte ja eher nicht aktiv und setzen sich aufs Fahrrad und "treiben Sport". Manche schaffen es nicht einmal mehr aus dem Bett zu kommen. Allerdings gibt es auch die sogenannte "agitierte" Form der Depression, die durch zielloses Herumirren und Umhergetrieben sein gekennzeichnet ist. Mit dieser Form habe auch ich zu kämpfen. Wenn "es los geht" kann ich dann nicht mehr in meiner Wohnung sitzen bleiben. Es treibt mich durch die Gegend, zu Fuß, oder mit dem Rad. Manchmal Mitten in der Nacht bei Wind und Wetter. Ich weiß nicht warum. Wahrscheinlich versucht man so seinem Leiden zu entkommen, vor sich selbst davon zu laufen. Das Schlimme ist, dass man nicht weiß wohin man soll, denn egal wohin man geht, es macht keinen Unterschied. Allerdings schiebe ich dem keine "verpassten Unternehmungen" vor.
Zu einer echten Depression gehören allerdings noch andere Dinge, über die du leider nichts erwähnt hast.
Wie ist er denn im Allgemeinen so drauf? Traurig oder aggressiv und reizbar? Wie ist sein Selbstwertgefühl? Hält er sich für Wertlos und eine Belastung für dich und andere Menschen? Hat er Schlafstörungen? Hat sich sein Appetit verändert? Typischerweise verlieren Betroffene (auch bei mir ist es so) ziemlich schnell und stark an Gewicht. Manchmal ist es auch umgekehrt.

Damit keine falschen Vorstellungen aufkommen: Ich bin kein Psychologe. Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen ausgehen und darum auch keine "Diagnose" stellen. Aber ich denke, es wäre notwendig, etwas über die anderen genannten Symptome zu wissen. Nur so ist es für mich als Laie möglich, abzuschätzen in wie weit er in einer depressiven Phase steckt. Dann kann ich (aus meiner Sicht) die anderen Verhaltensweisen vielleicht richtiger einschätzen. Wobei das dann immer noch nur meine Sicht der Dinge, basierend auf meinen Erfahrungen wäre, und nicht unbedingt richtig sein muss.

LG Jano

Danke für deine Antwort
Hallo Jano,

danke schonmal für deine Antwort.
Es ist toll das sich jemand meldet der eine ähnliche Erkrannkung hat und somit auch weiß wovon er spricht.

Zu deinen Fragen:
Mein Partner ist kein gewaltsamer Mensch, er ist der ruhigere Typ. Seit 2 Jahren ist er an Depressionen erkrankt und kann nicht arbeiten, da er nicht belastbar ist und sich kaum einen ganzen Arbeitstag konzentrieren kann.
Er nimmt Medikamente für die Nacht damit er nicht zuviel grübelt und schlafen kann und nach Bedarf z.Bsp. bei Stresssituationen kann er diese auch am Tag einnehmen. Er geht alle paar Wochen zum psychologischem Gespräch.
Sein Selbstwertgefühl ist am Boden, er fragt mich immer warum ich bei ihm bleibe, er hat doch nichts und wird auch nichts mehr werden. Dann stellt er sich immer wieder die Frage welcher Arbeitgeber stellt einen depressiven Menschen ein oder jemand der jahrelang an Depressionen litt. Es gibt mal hoch und tief. Bei einem Hoch könnt er Bäume ausreißen und hat einen enormen Bewegungsdrang welchen er dann mit, langen oft über Tage ,Fahradtouren auslebt.
Das soll er auch tun, es steht ihm niemand im Weg. Wir haben dann regelmäßig Kontakt über Handy. Dann kommt aber von jetzt auf gleich ein Tief und er verliert jegliches Interesse an allem. An mir, am Fahrrad fahren, an seinen täglichen Tun den ganzen Tag über.
Dann muß ich ihn manchmal darauf hinweisen das er regelmäßig essen muß.
Er vermittelt das Gefühl das er manchmal einfach zu faul ist sich Mühe zu geben und daran zu arbeiten.
Ab und an nehme ich ihn mit zu meinen Freunden wenn eine Feier ansteht. Beim ersten Mal dachte ich mir nichts dabei, als er betrunken vor mir stand. Doch das geschah auf jeder Feierlichkeit. Dann wird er so ausgelassen und verhält sich wie ein Kind, es geht soweit das er durch seine unreifen Handlungen auffällt.
Ich nehme an das dies durch seine Tabletten kommt.
Vielleicht sollte ich mal mit ihm darüber reden.

Ich weiß das Du kein Psychologe bist, dennoch schätze ich den Austausch mit betroffenen Personen sehr. Du kannst aus eigener Erfahrung deine Gefühle und Erlebtes wiedergeben und nicht nur aus Erlernten und Statistiken.

Schade das das Thema Depressionen noch so ein großes Tabu in Deutschland ist. Vielleicht würdet ihr als Betroffene auch anders damit umgehen können.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft.

LG Schmetterling1429

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22. Juli 2011 um 14:25
In Antwort auf amada_11945473

Danke für deine Antwort
Hallo Jano,

danke schonmal für deine Antwort.
Es ist toll das sich jemand meldet der eine ähnliche Erkrannkung hat und somit auch weiß wovon er spricht.

Zu deinen Fragen:
Mein Partner ist kein gewaltsamer Mensch, er ist der ruhigere Typ. Seit 2 Jahren ist er an Depressionen erkrankt und kann nicht arbeiten, da er nicht belastbar ist und sich kaum einen ganzen Arbeitstag konzentrieren kann.
Er nimmt Medikamente für die Nacht damit er nicht zuviel grübelt und schlafen kann und nach Bedarf z.Bsp. bei Stresssituationen kann er diese auch am Tag einnehmen. Er geht alle paar Wochen zum psychologischem Gespräch.
Sein Selbstwertgefühl ist am Boden, er fragt mich immer warum ich bei ihm bleibe, er hat doch nichts und wird auch nichts mehr werden. Dann stellt er sich immer wieder die Frage welcher Arbeitgeber stellt einen depressiven Menschen ein oder jemand der jahrelang an Depressionen litt. Es gibt mal hoch und tief. Bei einem Hoch könnt er Bäume ausreißen und hat einen enormen Bewegungsdrang welchen er dann mit, langen oft über Tage ,Fahradtouren auslebt.
Das soll er auch tun, es steht ihm niemand im Weg. Wir haben dann regelmäßig Kontakt über Handy. Dann kommt aber von jetzt auf gleich ein Tief und er verliert jegliches Interesse an allem. An mir, am Fahrrad fahren, an seinen täglichen Tun den ganzen Tag über.
Dann muß ich ihn manchmal darauf hinweisen das er regelmäßig essen muß.
Er vermittelt das Gefühl das er manchmal einfach zu faul ist sich Mühe zu geben und daran zu arbeiten.
Ab und an nehme ich ihn mit zu meinen Freunden wenn eine Feier ansteht. Beim ersten Mal dachte ich mir nichts dabei, als er betrunken vor mir stand. Doch das geschah auf jeder Feierlichkeit. Dann wird er so ausgelassen und verhält sich wie ein Kind, es geht soweit das er durch seine unreifen Handlungen auffällt.
Ich nehme an das dies durch seine Tabletten kommt.
Vielleicht sollte ich mal mit ihm darüber reden.

Ich weiß das Du kein Psychologe bist, dennoch schätze ich den Austausch mit betroffenen Personen sehr. Du kannst aus eigener Erfahrung deine Gefühle und Erlebtes wiedergeben und nicht nur aus Erlernten und Statistiken.

Schade das das Thema Depressionen noch so ein großes Tabu in Deutschland ist. Vielleicht würdet ihr als Betroffene auch anders damit umgehen können.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft.

LG Schmetterling1429

Hey Schmetterling
ich möchte nur kurz schreiben, dass ich deine Antwort gelesen habe. Ich werde später auch noch etwas mehr dazu sagen.
Ich wollte nur dringend loswerden, dass du das, was "pacjam" hier abgesondert hat, nicht ernst nehmen sollst. Alleine schon die Forderung, "dein" Patient solle sich professionelle Hilfe suchen, obwohl du ausdrücklich geschrieben hast, er sei in psychologischer Betreueung, disqualifiziert diesen Beitrag, in irgendeiner Form ernst genommen zu werden.

LG
Jano

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22. Juli 2011 um 15:14

Hallo,
also ich war in einer ähnlichen Lage wie du. Ich bin auch Mutter und war ein Dreivierteljahr mit einem Depressiven zusammen. Wie das endete: Ich wurde selbst schwer depressiv. Wobei das jetzt sicher nicht nur der Einfluß meines Freundes war, aber eben auch und es reichte. Heute sehe ich das aus einem anderen Blickwinkel mit mehr Abstand. Ich würde mir heute keine Beziehung mehr mit einem "Depri"antun. Ständig war ich das antreibende Rad in der Beziehung und das wäre mir inzwischen zu viel. Dafür wäre mir mein eigenes Wohlbefinden zu viel wert, als das ich mich mit runterreißen lassen würde. Vor allem denke an dein Kind! Entweder dein Partner tut AKTIV was gegen seine ZUstände oder vergiß es lieber!

Liebe Grüße

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22. Juli 2011 um 15:19

Achja,
eins wollte ich noch sagen: Irgendwann muß man im Leben eine Entscheidung treffen: Willst du leiden oder nicht? Für mich hört es sich so an, als leidest du darunter- ist es dir das wirklich wert?

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22. Juli 2011 um 18:36

Weißt du, Pacjam
ich stehe ja irgendwie auf deine Antworten, aber bei dieser hier hast du wirklich über das Tor hinausgeschossen. Depressionen sind eine ernstzunehmende Krankheit und kaum von jemadem zu verstehen, der selbst noch keine hatte, und sein bisheriges Leben deshalb vollkommen umkrempeln musste. Allein die Behauptung, es sähe so aus, als hätte der Mann schon immer in den Tag gelebt, ist ziemlich fehl am Platze, vor allem, wenn er mal selbstständig ist. Denn selbstständig sein, heißt man arbeitet selbst und ständig. Eventuell sind die Depressionen ein Burnout, das hat die Threatschreiberin nicht erwähnt, aber als Leser und Antworter muss man diese Möglichkeit in Betracht ziehen, und allein das wäre der Beweis dafür, dass der Mann alles andere als ein Leben geführt hat, das keinen geregelten Tagesablauf gehabt hätte, geschweige denn, dass er nichts anders getan hätte, als in den Tag zu leben.

Ansonsten muss ich Sunny voll und ganz Recht geben. Ich erkenne ebenfalls keine typischen Symtome, außer vielleicht, dass er keine Zuneigung benötigt, bzw. diese ihm zu viel ist. Viel mit dem Rad unterwegs sein und "in den Tag hineinleben" ist gerade am Anfang der Behandlung einer Depression eine gute Art und Weise, mit der Krankheit fertig zu werden, jedoch gehört zur Behandlung einer Depression vor allem, zu versuchen wieder in einen geregelten Tagesablauf zu kommen. Am Anfang hat dieser noch viele Pausen, doch Vortschritte zeigen sich daran, dass man den Tag immer besser strukturieren kann.

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22. Juli 2011 um 19:06
In Antwort auf amada_11945473

Danke für deine Antwort
Hallo Jano,

danke schonmal für deine Antwort.
Es ist toll das sich jemand meldet der eine ähnliche Erkrannkung hat und somit auch weiß wovon er spricht.

Zu deinen Fragen:
Mein Partner ist kein gewaltsamer Mensch, er ist der ruhigere Typ. Seit 2 Jahren ist er an Depressionen erkrankt und kann nicht arbeiten, da er nicht belastbar ist und sich kaum einen ganzen Arbeitstag konzentrieren kann.
Er nimmt Medikamente für die Nacht damit er nicht zuviel grübelt und schlafen kann und nach Bedarf z.Bsp. bei Stresssituationen kann er diese auch am Tag einnehmen. Er geht alle paar Wochen zum psychologischem Gespräch.
Sein Selbstwertgefühl ist am Boden, er fragt mich immer warum ich bei ihm bleibe, er hat doch nichts und wird auch nichts mehr werden. Dann stellt er sich immer wieder die Frage welcher Arbeitgeber stellt einen depressiven Menschen ein oder jemand der jahrelang an Depressionen litt. Es gibt mal hoch und tief. Bei einem Hoch könnt er Bäume ausreißen und hat einen enormen Bewegungsdrang welchen er dann mit, langen oft über Tage ,Fahradtouren auslebt.
Das soll er auch tun, es steht ihm niemand im Weg. Wir haben dann regelmäßig Kontakt über Handy. Dann kommt aber von jetzt auf gleich ein Tief und er verliert jegliches Interesse an allem. An mir, am Fahrrad fahren, an seinen täglichen Tun den ganzen Tag über.
Dann muß ich ihn manchmal darauf hinweisen das er regelmäßig essen muß.
Er vermittelt das Gefühl das er manchmal einfach zu faul ist sich Mühe zu geben und daran zu arbeiten.
Ab und an nehme ich ihn mit zu meinen Freunden wenn eine Feier ansteht. Beim ersten Mal dachte ich mir nichts dabei, als er betrunken vor mir stand. Doch das geschah auf jeder Feierlichkeit. Dann wird er so ausgelassen und verhält sich wie ein Kind, es geht soweit das er durch seine unreifen Handlungen auffällt.
Ich nehme an das dies durch seine Tabletten kommt.
Vielleicht sollte ich mal mit ihm darüber reden.

Ich weiß das Du kein Psychologe bist, dennoch schätze ich den Austausch mit betroffenen Personen sehr. Du kannst aus eigener Erfahrung deine Gefühle und Erlebtes wiedergeben und nicht nur aus Erlernten und Statistiken.

Schade das das Thema Depressionen noch so ein großes Tabu in Deutschland ist. Vielleicht würdet ihr als Betroffene auch anders damit umgehen können.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft.

LG Schmetterling1429

Ah, jetzt habe ich ein paar Symtome entdeckt
Ja, das klingt schon nach Depression, habe die Symtome jetzt herauslesen können.
Weißt, was war jetzt noch mal die Frage? Ach so, warum er dich in den depressiven Phasen nicht beachtet. Das liegt daran, wie du schon richtig erkannt hast, dass er dann kein Interesse an irgendetwas hat. Weil alles, was man in so einer Phase tun "muss" einfach unglaublich kraftraubend ist. Allerdings sehe ich es als "problematisch", dass er seine Hochphasen mit so viel Sport kompensiert, und in den schlechten Phasen dann nichts mehr auf die Reihe bekommt. Statt in den Hochphasen tagelang auf den Rad zu sitzen, sollte er diese Tage nutzen, um seinen Tagesablauf zu regeln. Denn nur mit depressiv daheim hocken und Fahrradfahren, bekommt man den Alltag nicht mehr geregelt, denn beides ist kein normaler Alltag. Das sollte sein/e Psychologe/in ihm aber eigentlich klar machen.
Im Übrigen muss er sich keine Gedanken über Wiedereinstellung machen. Leute werden auch nach zwei/drei Jahren Arbeitslosigkeit wieder eingestellt, er muss dem neuen Arbeitgeber ja nicht sagen, dass er krank war. Allerdings sollte seine Hoffnung, irgendwann wieder arbeiten gehen zu können, auch ein Ansport auf Heilung sein, und nichts, wodurch er sich selbst noch weiter herunterzieht. Wenn er gesund werden will, muss er den Arsch zusammen kneifen und dafür etwas tun - und zwar mehr, als Fahrradfahren.

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22. Juli 2011 um 20:08

Eine Therapie hilft
Hallo, ich möchte Dir gerne Mut machen. Ich bin seit fast einem Jahr wegen meiner Depression in Behandlung. Ich habe mich gegen eine medikamentöse Behandlung gewehrt, aber ich gehe jede Woche zur Psychotherapie, wobei es für jeden Gegenüber (ob Profi oder nicht) nicht leicht ist, mit einem Depressiven umzugehen. Die Stimmungsschwankungen sind oftmals so extrem. In der einen Woche denkt man total positiv und dann reicht manchmal ein falsches Wort und sofort ist das Positive wieder weg und man steht wieder vor dem tiefen dunklen schwarzen Loch und alles erscheint einem sinnlos. Trotzdem kann ich Deinem Freund nur zu einer Therapie raten und wenn das auch nicht hilft, sollte er ein Medikament zusätzlich nehmen, besonders wenn die Gedanken zu dunkel werden. Etwas sehe ich aber als sehr positiv in Eurer Geschichte und das ist das Rad fahren. Es gibt kein besseres natürliches Antidepressiva als den Sport, da er dafür sorgen kann, dass wieder vermehrt körpereigene Glückshormone ausgeschüttet werden. Ich habe auch immer sehr gerne Sport getrieben, aber ich habe es bis heute nicht wieder geschafft damit anzufangen, obwohl ich weiß, dass es mir hilft und meine Therapeutin mir auch dazu rät. Ich habe Angst auf dem Rad mit meinen Gedanken allein unterwegs zu sein. Das muss er also auf jeden Fall weitermachen.

Ich finde es total schön und toll von Dir, wenn Du schreibst, dass Du ihn unterstützt so wie Du kannst. Trotzdem achte auch auf Dich, denn ein Mensch mit einer Depression, kostet sehr viel Kraft und die brauchst Du ja auch noch für Dein Kind. Gebe ihm also ein Drittel Deiner Kraft und weiterhin Deine Liebe, Geduld und Dein Ohr, denn das ist oftmals für einen Depressiven sehr wichtig, auch wenn er Dir 1000mal das Gleiche erzählt. Für ihn ist es in dem Moment wichtig, weil der seelische Druck und die Zweifel oftmals soo groß sind.
Das ihr nicht zusammen wohnt, halte ich im Moment für gut, denn so habt ihr Beide einen Rückzugsraum in dem ihr Euch erholen könnt.
Das er Dir manchmal so gleichgültig bis lieblos erscheint, ist völlig normal für einen Depressiven, da er oft zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist und dann seinen Partner nicht mehr so richtig wahr nimmt. Er meint es sicher nicht böse. Halte Dich an das Schöne was Euch verbindet und redet Beide weiterhin ehrlich über alles. Wie gesagt, Depression ist eine Krankheit. Dessen scheint sich Dein Freund ja auch bewusst zu sein. Deswegen sollte er sich auf jeden Fall Hilfe holen.
Ich wünsche Euch Beiden ganz viel Glück und Kraft. Wie gesagt, achte auf Dich, denn es kann sonst auch passieren, dass er Dich in den negativen Sog mit hineinzieht.
Ich hoffe, ich konnte Dir etwas Mut machen. Es ist sehr schwer, aber Ihr könnt es gemeinsam schaffen. Ich wünsche es Euch sehr. Therapie, Medikamente und Sport können ihm helfen und bei dem Rest hilft Euch hoffentlich auch Eure Liebe.
lg Jörg

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23. Juli 2011 um 0:34

...
... habe das gleiche problem und suche auch dringend jemand zum reden !!! können wir uns mal nachrichten schreiben??

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28. Juli 2011 um 13:31
In Antwort auf amada_11945473

Danke für deine Antwort
Hallo Jano,

danke schonmal für deine Antwort.
Es ist toll das sich jemand meldet der eine ähnliche Erkrannkung hat und somit auch weiß wovon er spricht.

Zu deinen Fragen:
Mein Partner ist kein gewaltsamer Mensch, er ist der ruhigere Typ. Seit 2 Jahren ist er an Depressionen erkrankt und kann nicht arbeiten, da er nicht belastbar ist und sich kaum einen ganzen Arbeitstag konzentrieren kann.
Er nimmt Medikamente für die Nacht damit er nicht zuviel grübelt und schlafen kann und nach Bedarf z.Bsp. bei Stresssituationen kann er diese auch am Tag einnehmen. Er geht alle paar Wochen zum psychologischem Gespräch.
Sein Selbstwertgefühl ist am Boden, er fragt mich immer warum ich bei ihm bleibe, er hat doch nichts und wird auch nichts mehr werden. Dann stellt er sich immer wieder die Frage welcher Arbeitgeber stellt einen depressiven Menschen ein oder jemand der jahrelang an Depressionen litt. Es gibt mal hoch und tief. Bei einem Hoch könnt er Bäume ausreißen und hat einen enormen Bewegungsdrang welchen er dann mit, langen oft über Tage ,Fahradtouren auslebt.
Das soll er auch tun, es steht ihm niemand im Weg. Wir haben dann regelmäßig Kontakt über Handy. Dann kommt aber von jetzt auf gleich ein Tief und er verliert jegliches Interesse an allem. An mir, am Fahrrad fahren, an seinen täglichen Tun den ganzen Tag über.
Dann muß ich ihn manchmal darauf hinweisen das er regelmäßig essen muß.
Er vermittelt das Gefühl das er manchmal einfach zu faul ist sich Mühe zu geben und daran zu arbeiten.
Ab und an nehme ich ihn mit zu meinen Freunden wenn eine Feier ansteht. Beim ersten Mal dachte ich mir nichts dabei, als er betrunken vor mir stand. Doch das geschah auf jeder Feierlichkeit. Dann wird er so ausgelassen und verhält sich wie ein Kind, es geht soweit das er durch seine unreifen Handlungen auffällt.
Ich nehme an das dies durch seine Tabletten kommt.
Vielleicht sollte ich mal mit ihm darüber reden.

Ich weiß das Du kein Psychologe bist, dennoch schätze ich den Austausch mit betroffenen Personen sehr. Du kannst aus eigener Erfahrung deine Gefühle und Erlebtes wiedergeben und nicht nur aus Erlernten und Statistiken.

Schade das das Thema Depressionen noch so ein großes Tabu in Deutschland ist. Vielleicht würdet ihr als Betroffene auch anders damit umgehen können.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft.

LG Schmetterling1429

Hey Schmetterling
tut mir leid, dass meine Antwort so lange auf sich warten lassen hat, aber eine meiner Bezugspersonen hat mich Ende letzter Woche mal wieder ziemlich in Probleme gebracht, in dem sie genau das Gegenteil von dem getan hat, was sie mir nur zwei Tage vorher noch gesagt hatte: Zumindest zu versuchen, mir zu helfen. Sattdessen bekam ich (wie so oft) die geballte Ladung Ignoranz. Das baut nicht gerade auf. Ich sollte mir über meine Bezugspersonen mal ernsthaft Gedanken machen.

Na ja, zu deinem letzten Eintrag...
Die zusätzlich geschilderten Symptome machen für mich eine depressive Erkrankung durchaus glaubwürdig.
Ein gewalttätiger Mensch bin ich auch nicht. Das ändert aber nichts daran, dass ich in depressiven Phasen sehr schnell gereizt reagiere und auch mal Sachen sage, die nicht so gemeint sind und mir später unendlich leid tun.

Es ist eigentlich einfach und doch schwer...
Ein klassisches Beispiel: Ich frage eine meiner eingeweihten Personen, ob sie Zeit zum Reden hat. Ich bekomme eine Absage. Eine typische Reaktion (die ich wirklich zu vermeiden versuche) wäre jetzt etwas zu antworten wie: "Wenn du wolltest, hättest du schon Zeit, aber ich bin dir nicht wichtig genug dafür." oder "Für andere hast du doch auch Zeit..." So etwas kommt durch das völlig zerstörte Selbstwertgefühl zustande und verstärkt dieses noch, wenn eben nur "Nö, leider keine Zeit." zurück kommt. Da kann man so unglaublich viel hineininterpretieren, und in einer Depression liegt es auf der Hand, das das dann nichts Positives sein wird.
Für mich besser wäre eine Antwort wie: "Klappt jetzt leider nicht, weil ich noch das und das zu tun habe. Aber wir können dafür dann und dann reden..."
Damit habe ich einen nachvollziehbaren Grund, warum jetzt keine Zeit ist und muss mich nicht darin bestätigt fühlen, so minderwertig zu sein, dass ich es noch nicht einmal Wert bin, dass man mit mir spricht.
Wenn der Grund für das keine Zeit haben aber z.B. "nur" Fensterputzen oder so etwas ist, könnte es auch passieren, dass ich mich dann wertloser fühle als ein dreckiges Fenster, weil das Fenster eben vor mir dran ist und damit scheinbar wichtiger als meine Probleme.

Das ist "meine" Depression. Mit solchen Einlagen mache ich es meinem Umfeld schwer. Sie wissen irgendwann nicht mehr, was sie sagen sollen, weil sie das Gefühl haben, dass sie eh das Falsche sagen. Und dann sagen sie gar nichts mehr. Ignorieren mich. Gehen nicht ans Telefon, beantworten keine Nachrichten. Und das ist das Schlimmste. Einen größeren Beweis, völlig wertlos zu sein kann man einem Depressiven gar nicht liefern.

Was mich gewundert hatte, war, dass dein Mann gleich mehrere Tage unterwegs ist, wenn er ausrückt. Das ist bei mir ganz und gar nicht so. Ich bin nach spätestens ein bis zwei Stunden wieder zuhause. Mit den zusätzlich geschilderten Sachen (machmal Bäume ausreisen können) kommt mir allerdings eine bipolare Depression in den Sinn (manisch depressiv), wo sich absolute Hochs und Tiefs abwechseln. Da mich das aber nicht betrifft, kenne ich mich damit nicht wirklich aus. Ich kann daher nicht sagen, ob man die langen Radtouren damit erklären könnte.
Eines kann ich aber sicher sagen: Wenn jemand, der wirklich in einer depressiven Phase steckt, faul wirkt, dann muss man sich immer wieder klar machen, dass Depressionen nichts mit Willensschwäche, Faulheit oder "sich gehen lassen" zu tun haben. Auch wenn das sehr unverständlich und nicht nachzuvollziehen scheint.

Zu deinen Schilderungen in Bezug auf Alkohol kann ich leider auch nicht wirklich hilfreich sein. Generell ist es wohl so, dass Männer dazu neigen Depressionen mit Alkohol "entgegenwirken" zu wollen. Wenn er aber zuhause nicht übermäßig viel oder mehr trinkt, würde das dieser Vermutung widersprechen.
Ich persönlich habe in diesem Fall das (Luxus)problem, dass ich generell so gut wie überhaupt keinen Alkohol trinke. Daran ändert sich auch während der Krankheit nichts. Darum kann ich auch nicht einschätzen, ob Alkohol zu "guter Stimmung" führen könnte. (Wenn ich von mir ausgehe, kann ich es mir nicht wirklich vorstellen, aber das muss nichts heißen.)

Liebe Grüße,
Jano

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