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Forum / Liebe & Beziehung

Mein Geliebter - tot

Letzte Nachricht: 17. März 2005 um 10:17
L
leela_12701409
15.03.05 um 13:01

Bewerft mich mit Tomaten oder faulen Eiern, in dem tiefen Schmerz und der Leere, den ich empfinde, merke ich davon sowieso nichts.

Beide wollten wir raus aus unseren bisherigen Beziehungen, ich nach 9 Jahren Lebensgemeinschaft und er nach 32 Jahren Ehe. Durch den Job haben wir uns kennengelernt, als Team gearbeitet und nach und nach immer mehr Vertrauen zueinander gefunden, bis wir nach 2,5 Jahren ein Liebespaar wurden.

Sonntag vor zwei Wochen rief mich nachmittags eine seiner Töchter an, um mir die traurige Mitteilung zu übermitteln, daß ihr Vater plötzlich und unerwartet tot zusammengebrochen war, Diagnose: Lungenembolie. Er hatte sich im Büro noch scherzend und mir gegenüber zärtlich ins Wochenende verabschiedet, jetzt diese abgrundtiefe Leere. Sein Bürostuhl leer, unsere Musik ist verstummt, seine Lebensenergie, die er verbreitete, fehlt.

Er hat mir soviele Geheimnisse anvertraut - wo er überall Geld für den Neuanfang deponiert hatte. Ein Bankschließfach, von dem seine Frau absolut nichts wissen durfte, während seine Kinder und seine Frau ansonsten materiell gut abgesichert sind. Auch andere Verstecke hat er mir genannt und ich befinde mich jetzt in einem Dilemma: er wollte nicht, daß seine Frau von dem Schließfach und dem anderen Geld wußte - also würde er auch nicht wollen, daß ich es jetzt seiner Familie anvertraue, die durch ein Geständnis, das ihm seine Frau nach 28 Jahren Ehe machte, zerrissen war.

Ich hab in seinem Tod noch einmal Abschied nehmen dürfen, aber es war nicht mehr der, den ich liebte, es war wirklich nur noch die Hülle. Bei der Beerdigung war eine seiner Töchter sehr um mich bemüht, mehr als um ihre eigene Mutter - wahrscheinlich wußte sie, was er und ich füreinander empfunden hatten.

Im Moment ist alles so trostlos.

Will denen, die von Herzen lieben, mit auf den Weg geben, daß es keine leeren Worte sind, wenn man sagt: Lebe jeden Tag so, als wäre es Dein Letzter.

blondelocke

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L
leela_12701409
15.03.05 um 14:05

Danke,
liebe Britta für Deine tröstenden Worte.

Ja, ich bin dankbar für die Zeit mit ihm, das hab ich ihm aber auch schon zu Lebzeiten gesagt.

Er war 57, ich bin 47. Er stellte einen starken Halt für mich dar. Ich fühlte mich einfach gut, wenn er in meiner Nähe war -und ihm ging es nicht anders. Mein Bedürfnis ist es jetzt, in seinem Sinne, sowohl beruflich als auch privat zu handeln.

Ich werde ihn wohl immer lieben.

Blondelocke

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H
helmut_12550923
16.03.05 um 11:20

Ich glaube, ...
ich würde das Geld nehmen und es anonym seinen Kindern zukommen lassen, damit ich für mich selbst sauber wäre.

Solche plötzlichen Abschiede verleiten einen zu Sätzen wie 'Lebe jeden Tag wie Deinen letzten', aber ein permanentes Leben auf der Überholspur funktioniert auch nicht.

Ich versuche mir dagegen viel eher klar zu machen, dass man häufiger den Kopf hoch nehmen muss, kurz den Alltagstrott verlassen und sich fragen, ob man wirklich da ist, wo man hin wollte.

Einen lieben Gruß und Kopf hoch

Larsen

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M
megan_12750002
16.03.05 um 22:58

Hallo blondelocke!
Es tut mir sehr leid für Dich, daß Du einen geliebten Menschen verloren hast!

Dennoch denke ich, hat seine Familie ein Anrecht auf seinen kompletten Nachlaß.

Auch wenn das Geld für einen Neuanfang gedacht war, wurde es unrechtmäßig beiseite geschafft, der Neuanfang hat nie stattgefunden und somit steht es seinen Erben zu.
Was sollte auch sonst damit geschehen? Würdest Du es behalten wollen??

Gruß, harter Kern

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L
leela_12701409
17.03.05 um 10:17
In Antwort auf helmut_12550923

Ich glaube, ...
ich würde das Geld nehmen und es anonym seinen Kindern zukommen lassen, damit ich für mich selbst sauber wäre.

Solche plötzlichen Abschiede verleiten einen zu Sätzen wie 'Lebe jeden Tag wie Deinen letzten', aber ein permanentes Leben auf der Überholspur funktioniert auch nicht.

Ich versuche mir dagegen viel eher klar zu machen, dass man häufiger den Kopf hoch nehmen muss, kurz den Alltagstrott verlassen und sich fragen, ob man wirklich da ist, wo man hin wollte.

Einen lieben Gruß und Kopf hoch

Larsen

Nicht auf der Überholspur
sollte man leben, Larsen, da gebe ich Dir recht. Den Satz "Lebe jeden Tag, als wäre es Dein Letzter" habe ich für mich persönlich so ausgelegt, daß man Gefühle dem anderen gegenüber nicht unterdrücken, Worte, die gesagt werden sollten, auch gesagt werden und Freude und Leid in jedem Fall miteinander geteilt werden sollte.

Ich weiß jetzt, nach seinem Tod, wievieles noch unausgesprochen, ungefragt und auch unbeantwortet blieb. Wenn man sich auf den Tod vorbereiten kann, wie ich es schon mit meinen Eltern und meinem Bruder erlebt habe, fällt der Abschied zwar genauso schwer, aber man kann vor dem Tod noch einiges für sich "regeln" - bei solch einem plötzlichen WEGRISS bleibt mehr als Leere zurück.

Sein Geld war mir auch zu seinen Lebzeiten schnuppe, ich habe mein eigenes Einkommen und bin unabhängig. Essen und Getränke haben wir immer geteilt, wir haben uns immer gegenseitig einen "ausgegeben", auch wenn ich erheblich weniger Geld zur Verfügung hatte (er war Millionär) als er. Es war für mich eine reine Gewissensfrage. Inzwischen gab mir eine Bank die Auskunft, daß früher oder später eh eine Mietrechnung für das Bankschließfach an die Adresse des Schließfachhalters und somit jetzt an die Witwe geschickt wird und sie so eh davon erfährt. Also ist das Thema für mich vom Tisch.

Das Leben geht weiter und wer weiß, was noch alles kommt. Trotzdem - die schmerzende Sehnsucht, an den Stellen vorbeizufahren, wo wir soviele glückliche Stunden miteinander verbracht haben, wird wohl noch eine Weile anhalten.

Danke für Euer Mitgefühl.

Blondelocke

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