Forum / Liebe & Beziehung

Mein Freund, seine Clique und ich

Letzte Nachricht: 14. Oktober 2004 um 18:59
L
liz_12550230
11.10.04 um 17:47

Ich möchte gern Eure Meinung hören!
Und zwar habe ich einen neuen Freund, seit ca. Jahr, der hat eine Clique, die (für mich, rein subjektiv ein ungewöhnlich engen Kontakt zueinander haben.

Sie bestehen aus 4 Leuten (2 Frauen, 2 Männer, einer davon ist mein Freund), die sich gegenseitig mehr oder weniger täglich anrufen. Sie teilen sich Urlaube zusammen und wenn einer von ihnen da ist, kommen alle. Ich könnte zum Beispiel nicht einen zu meinem Geburtstag dazubitten, das müssten entweder alle sein oder keiner.

Sie rufen sich auch dann täglich an, wenn wir mal zu zweit in Urlaub sind. Es ist, als ob das seine Familie wäre, seine Ehe und ich das Abenteuer.
Mit einer, die lange die Kumpelin war, war er dann auch mal früher kurzzeitig zusammen (auch ca. 6 Monate) und lacht immer noch darüber, dass das halt Inzucht wäre. Den Scherz verstehe ich zwar nicht aber na ja. Heute ist sie wieder die enge Freundin. Mit ihr verreiste er z.B. auch immer noch gerne danach, also wieder als enge Freundin.

Zum Beispiel sagt er mir auch Termine ab, weil seine 2 Freundinnen ihn z.B. schon seit 2 Wochen nicht mehr gesehen hätten.

Das für mich ungewöhnliche ist, dass sie eine Form von Alltag miteinander leben durch die ständigen Telefonate, Koch.- und Fernsehabende. Wenn ich mich mit meinen Freunden treffe ist das immer etwas besonderes, eine besondere Verabredung, aber nie etwas so dichtes, häufiges.

Mit meinen, teils sehr langjährigen Freunden, telefoniere ich vielleicht 3-4 mal im Monat. Es wäre komisch für mich, täglich anzurufen, das kann aber auch daran liegen, dass ich einfach distanzierter bin, möglicherweise anerzogen.

Mich selber befremdet es, dass ich so anders als die empfinde. Die anderen haben einen zu dichten Raum (in meinen Augen). Ich weiß nicht, ob ich damit leben kann

Das komische ist: zwischen meinen Freunden und mir finden viel tiefere Gespräche statt. Mein Freund dagegen sieht seine Leute permanent, aber die Nähe besteht eigentlich hauptsächlich durch Frequenz und das Erzählen von Alltag und Beruf.


Mir ist nicht klar, ob ich eine Macke habe oder ob es tatsächlich etwas komisch ist?
Was meint ihr?


Kati

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A
an0N_1263397399z
12.10.04 um 1:02

Hm,
ich könnte das auch nicht so wie diese Clique,aber Geschmäcker sind verschieden .

Ich weiss es auch nicht,ob ich auf Dauer mit einem Mann zusammensein könnte, der so eine enge Beziehung mit 3 anderen Leuten pflegt,wie Du sie schilderst.
Nicht,weil mir das was wegnimmt oder aus Eifersucht.

Sondern,weil mir beim Lesen spontan die Idee "Partnertausch" u."Swinger" so in etwa- kam. Ich bin mir persönlich auch nicht klar,was ich jemand noch erzählen soll,den ich beinah täglich sehe, mir wäre das zuviel u. es würde mich anöden auf die Dauer.
Das würde vielleicht die Enge der 4 erklären,aber auch nur bedingt.

Meine Freunde muss ich nicht öfter,dauernd sehen.
Für mich ist Qualität entscheidend,nicht Quantität.
Ich habe Freunde in Frankfurt,München, bei Soest, und in Nürnberg.
Durch die Entfernungen alleine sieht man sich schon nicht soo oft. Darunter leidet die Bindung aber nicht.

Deine Befremdung kann ich nachvollziehen.
Wahrscheinlich wäre ich dann eher der provokante Typ und würde meinen Geburtstag alleine mit meinem Freund verreisen,oder alleine feiern,auch ohne tägliche Telefonate mit der Clique,würde er das mitmachen?

Wie wäre die Toleranz der 3,wenn sich ein Mitglied nicht mehr deren Normen gerecht verhalten würde und mal was anderes probt?
Unverständnis und Stunk,oder?

Wie lief das mit der Clique und Dir im vergangenen Jahr sonst so ab?
Wart ihr immer zu dritt raus, oder Du auch mal alleine mit Deinem Freund?

Wie sieht er die Zwänge dieser geforderten Präsenz?
Will er das weiter,ist das ok für ihn oder zuviel?
Sonst wärst Du am Ende die "SChuldige",wenn er wegen Dir seine "Freunde"vernachlässigen würde.
Sind das eigentlich welche?
Oder ist das ne bessere intime Afterworkparty?
Ich kapiers auch nicht
LG

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L
liz_12550230
12.10.04 um 9:39
In Antwort auf an0N_1263397399z

Hm,
ich könnte das auch nicht so wie diese Clique,aber Geschmäcker sind verschieden .

Ich weiss es auch nicht,ob ich auf Dauer mit einem Mann zusammensein könnte, der so eine enge Beziehung mit 3 anderen Leuten pflegt,wie Du sie schilderst.
Nicht,weil mir das was wegnimmt oder aus Eifersucht.

Sondern,weil mir beim Lesen spontan die Idee "Partnertausch" u."Swinger" so in etwa- kam. Ich bin mir persönlich auch nicht klar,was ich jemand noch erzählen soll,den ich beinah täglich sehe, mir wäre das zuviel u. es würde mich anöden auf die Dauer.
Das würde vielleicht die Enge der 4 erklären,aber auch nur bedingt.

Meine Freunde muss ich nicht öfter,dauernd sehen.
Für mich ist Qualität entscheidend,nicht Quantität.
Ich habe Freunde in Frankfurt,München, bei Soest, und in Nürnberg.
Durch die Entfernungen alleine sieht man sich schon nicht soo oft. Darunter leidet die Bindung aber nicht.

Deine Befremdung kann ich nachvollziehen.
Wahrscheinlich wäre ich dann eher der provokante Typ und würde meinen Geburtstag alleine mit meinem Freund verreisen,oder alleine feiern,auch ohne tägliche Telefonate mit der Clique,würde er das mitmachen?

Wie wäre die Toleranz der 3,wenn sich ein Mitglied nicht mehr deren Normen gerecht verhalten würde und mal was anderes probt?
Unverständnis und Stunk,oder?

Wie lief das mit der Clique und Dir im vergangenen Jahr sonst so ab?
Wart ihr immer zu dritt raus, oder Du auch mal alleine mit Deinem Freund?

Wie sieht er die Zwänge dieser geforderten Präsenz?
Will er das weiter,ist das ok für ihn oder zuviel?
Sonst wärst Du am Ende die "SChuldige",wenn er wegen Dir seine "Freunde"vernachlässigen würde.
Sind das eigentlich welche?
Oder ist das ne bessere intime Afterworkparty?
Ich kapiers auch nicht
LG

Die Sucht gebraucht zu werden???
Liebe Brunhilde,

die Assoziation Swinger-club ist gar nicht uninteressant, aber da ist bestimmt nichts sexuelles zwischen denen außer der einmaligen Ausnahme von Jahr mit der einen Frau. Trotzdem hat das möglicherweise was, vom Symbol her.

Bei mir ist da keine Eifersucht, eher etwas Unangenehmes, obwohl die Freunde nett sind wenn man sie kennen lernt. Deswegen bin ich ja so unsicher, ob das Problem nicht bei mir einfach liegt.

Du hast Recht, es gibt Unverständnis, wenn nicht alle zusammen sind. Also wenn ich nur den einen einladen würde. Allerdings bin ich inzwischen meistens mit meinem Freund allein, aber nur deshalb weil ich darauf bestehe dass Intimität eine Sache von 2 und nicht 5 (also die 4 und ich) Leuten ist.

Aber sowohl von meinem Freund als auch den anderen spüre ich einen Vorwurf. Daß ich nicht auch in diese Familie einsteige.

Was noch dazukommt und mir seit kurzem erst auffällt: mein Freund hat die Sucht gebraucht zu werden

Ich weiß nicht ob Du davon schon gehört hast, ich bin durch Zufall auf ein paar Texte gestoßen, die genau diese Phänomen und meinen Freund beschreiben. Das übergroße Bedürfnis nach helfen wollen hat er auch seinen 2 weiblichen Freundinnen stark gegenüber.
Wenn die rufen, gibts kein Halten mehr. Aber auch bei mir. Also sieht er das nicht als Zwang, dauernd gefordert zu sein, sondern da ist er in seinem Element, er hat gern die Rolle desjenigen, dem man dankbar ist, derjenige, der ganz eng da ist.

Ich bin sehr verunsichert, er ist sehr lieb einerseits - andererseits stört mich etwas, was ich gar nicht beschreiben könnte.

LG Kati L

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N
neriah_11904539
12.10.04 um 19:04

.
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A
an0N_1263397399z
12.10.04 um 23:03
In Antwort auf liz_12550230

Die Sucht gebraucht zu werden???
Liebe Brunhilde,

die Assoziation Swinger-club ist gar nicht uninteressant, aber da ist bestimmt nichts sexuelles zwischen denen außer der einmaligen Ausnahme von Jahr mit der einen Frau. Trotzdem hat das möglicherweise was, vom Symbol her.

Bei mir ist da keine Eifersucht, eher etwas Unangenehmes, obwohl die Freunde nett sind wenn man sie kennen lernt. Deswegen bin ich ja so unsicher, ob das Problem nicht bei mir einfach liegt.

Du hast Recht, es gibt Unverständnis, wenn nicht alle zusammen sind. Also wenn ich nur den einen einladen würde. Allerdings bin ich inzwischen meistens mit meinem Freund allein, aber nur deshalb weil ich darauf bestehe dass Intimität eine Sache von 2 und nicht 5 (also die 4 und ich) Leuten ist.

Aber sowohl von meinem Freund als auch den anderen spüre ich einen Vorwurf. Daß ich nicht auch in diese Familie einsteige.

Was noch dazukommt und mir seit kurzem erst auffällt: mein Freund hat die Sucht gebraucht zu werden

Ich weiß nicht ob Du davon schon gehört hast, ich bin durch Zufall auf ein paar Texte gestoßen, die genau diese Phänomen und meinen Freund beschreiben. Das übergroße Bedürfnis nach helfen wollen hat er auch seinen 2 weiblichen Freundinnen stark gegenüber.
Wenn die rufen, gibts kein Halten mehr. Aber auch bei mir. Also sieht er das nicht als Zwang, dauernd gefordert zu sein, sondern da ist er in seinem Element, er hat gern die Rolle desjenigen, dem man dankbar ist, derjenige, der ganz eng da ist.

Ich bin sehr verunsichert, er ist sehr lieb einerseits - andererseits stört mich etwas, was ich gar nicht beschreiben könnte.

LG Kati L

Hi Kati,
da weiss ich auch nicht mehr,was ich sagen soll,und das ist echt selten ......

Ich vermute irgendwas nicht greifbares,was auch nicht ausgesprochen wird, und "Fremden",die nicht zur 4rer Gemeinschaft gehören,auch stillschweigend nie mitgeteilt wird.
Also schon was in diese Richtung,was ich vermutet hatte,oder ähnliches.

Oder Dein Freund wird schlichtweg von einigen schrägen Vögeln ausgenutzt und macht das mit

Ich weiss nicht,ob ich das auf DAuer abkönnte,ich denke mal nicht,da würde ich wahrscheinlich die Beziehung eher aufgeben,als mit solchen vagen Vermutungen und Unsicherheiten im Umfeld mich weiter "auseinandersetzen"zu müssen,auch beinah ungewollt.
Denn als Freundin von ihm tangiert es Dich ja automatisch auch.
LG B.

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H
helmut_12550923
13.10.04 um 10:02

Hallo Kati, ...
ich hatte eine ganz ähnliche Konstellation von Freunden im Alter von 20 bis ca. 23. Wir waren 3 Jungs und ein Mädchen, wobei einer von den beiden anderen Jungs mit dem Mädchen zusammen war.

Wir haben in dieser Zeit unheimlich viel gemeinsam unternommen, sind auch gemeinsam in Urlaub gefahren und es hatte auch nahezu familienartige Zustände. Wir haben uns irgendwie gar nicht mehr verabredet, sondern immer bei einem von uns getroffen. Jeder hatte zwar noch eigene Interessen (so war ich 3 oder 4 Mal die Woche mit Training oder Wettkampf beschäftigt), aber irgendwie war unausgesprochen klar, dass wir uns sehr häufig trafen. Es war nicht wie es heute bei mir ist, dass man sich verabredet, sondern da wurde spontan was gemacht (ging auch, da wir alle 4 Studenten waren und es war da auch kein Problem in der Woche um Mitternacht noch mal ne Runde ins Autokino zu fahren - fielen die ersten 2 Vorlesungen morgens eben aus ).

Ich hab mich mit den dreien unheimlich wohlgefühlt und wenn ich heute so darüber nachdenke, weiß ich, dass es für mich auch so eine Art Familienersatz war (ich bin mit 19 zu Hause ausgezogen, nachdem meine Mutter gestorben war)

Mit 21 lernte ich dann meine spätere Frau kennen, die zu dem Zeitpunkt auch schon normal 8 Stunden am Tag arbeiten ging. Und es war schwierig für mich, alles unter einen Hut zu bringen. Ihr Lebensrythmus war durch die Arbeit ein anderer als der meiner Freunde und richtig reingekommen ist sie in die Clique auch nicht, wobei ich glaube, dass das nicht an ihr lag, sondern daran, dass wir 4 schon so viele Dinge gemeinsam hatten, dass der Abstand zu groß war. Vielleicht kennst Du das, wenn Du in einer Runde zusammensitzt und sich 3 oder 4 Leutchen ein Stichwort geben und laut los lachen und Du staunst mit großen Augen darüber,was es da zu lachen gibt, weil Du die Geschichte dahinter nicht kennst. Meine Frau hat dann später auch mal zugegeben, dass sie sehr eifersüchtig auf die 3 war und versucht hat, mich davon loszueisen. Meine Vorstellungen von einer Paarbeziehung bestanden damals hauptsächlich aus der Überzeugung 'Harmonie über alles' und ich hab sehr oft, um Auseinandersetzungen zu vermeiden, ihr nachgegeben und meinen Leuten abgesagt. Solange bis einer von ihnen mir ganz offen sagte: 'Sei mir nicht böse, aber Du entwickelst Dich zum Waschlappen'. Und da ich diesen jungen Mann sehr mochte, gingen bei mir nicht die Nackenhaare hoch, sondern ein paar Lampen an.

Ich hatte diese Freundschaften zu gunsten der Paarbeziehung sehr stark zurückgestellt. Und das, wo ich mir geschworen hatte, auf Freunde zu achten, um niemals so auf einen Menschen fixiert zu sein, wie mein Vater das war (ich hatte erlebt wie es ihm ging, als meine Mutter starb - da war dann niemand mehr und er fiel in das ganz große schwarze Loch).

In der Folgezeit hab ich dann versucht, beides zu pflegen und das wohl auch leidlich hinbekommen, aber zurückblickend war die schönste Zeit die, wo es nur die Viererbande gab. Nur ist mir im Nachhinein auch klar, dass eine Paarbeziehung natürlich über einen sehr viel längeren Zeitraum geht (gehen kann) als so eine Gruppe. Mit 23 begab ich mich dann in eine lohnabhängige Beschäftigung und unsere Gruppe löste sich mehr oder weniger stillschweigend auf. Der Freund mit dem Waschlappen ist auch heute noch mein bester Freund (und das endet wohl erst, wenn einer von uns beiden sein eigenes Grundstück mit ein paar Blumenbeeten oben drauf bekommt) und von ihm höre ich recht selten was über die anderen beiden, die mittlerweile auch mit anderen Partnern verheiratet sind.

Was kann ich Dir aus dieser Erfahrung heraus sagen?

Ich hab es damals so empfunden, dass ich beides brauchte, also die Freundin und die Gruppe und die aus Eifersucht resultierenden Aktionen meiner Freundin haben mich letzten Endes gegen sie aufgebracht und wenn sie das nicht irgendwann nachgelassen hätte, wäre es vermutlich zum Bruch gekommen.

An Deiner Stelle würde ich versuchen, ihm die Zeit mit seiner Clique zu gönnen und gleichzeitig aber klar abgrenzen, dass es auch genügend Zeit für eine Paarbeziehung bedarf und diese nicht zu einer Randerscheinung verkommen darf. Es ist völlig legitm, auf Zeit zu zweit und nicht zu fünft zu bestehen und vielleicht solltest Du versuchen, ihm mal Deine Gefühlslage ganz deutlich bewußt zu machen (nicht in dem Ton von wegen 'ich fordere von Dir', sondern eher 'schau her wie ich mich in dieser Konstellation fühle')

Zugleich erhältst Du vermutlich durch diese Clique einen viel fröhlicheren und ausgeglicheneren Menschen, dem dieser Familienersatz sehr viel gibt - die drei dürften so etwas wie Brüder und Schwestern für ihn sein (daher kann ich auch den Spruch Deines Freunde mit Inzucht verstehen).

Außerdem glaube ich, dass diese Konstellation eine Lebensabschnittsphase ist, die endet, wenn sich Lebensumstände ändern.

Zusammenfassend zum Abschluß würde ich sagen, dass Du keine Macke hast und diese Konstellation aber auch nicht komisch ist. Die Formen wie Menschen Beziehungen führen ist so vielfältig, dass ich mich davon gelöst hab, meine Erfahrungen als alleinigen Maßstab zu nehmen.

Ich würde also nicht auf ein 'Entweder oder' hinarbeiten, da ihm dann ein wichtiger Baustein in seinem Leben fehlen dürfte, sondern auf ein 'Sowohl als auch' und dabei aber darauf achten, dass ihm wirklich klar wird, dass Deine Situation nicht so wirklich einfach ist.

LG

Larsen


P.S. Wenn Dein Freund diese Züge hat, immer und überall helfen zu wollen (also etwas über 'normale' Hilfsbereitschaft hinausgehendes), so hat das für mich leicht altruistischen Anstrich. Ich bin jetzt kein Psychologe, um das haarklein erklären zu können, aber es funktioniert so nachdem Motto 'Ich helfe Dir so viel und tu Dir so viel Gutes, dass Du gar nicht anders kannst als mich zu mögen (lieben)'. Und Menschen mit diesen Zügen müssen dann darauf achten, nicht zu sehr die eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen (denn die anderen erwarten ja von den 'guten Geistern', dass sie immer zur Verfügung stehen, halt so wie man es gewohnt ist)

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A
an0N_1250561999z
13.10.04 um 12:01

Hallo kati
wie alt seit ihr den? bei mir war das eine zeitlang ähnlich als ich 16-18 jahre alt war.

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L
liz_12550230
13.10.04 um 18:43
In Antwort auf helmut_12550923

Hallo Kati, ...
ich hatte eine ganz ähnliche Konstellation von Freunden im Alter von 20 bis ca. 23. Wir waren 3 Jungs und ein Mädchen, wobei einer von den beiden anderen Jungs mit dem Mädchen zusammen war.

Wir haben in dieser Zeit unheimlich viel gemeinsam unternommen, sind auch gemeinsam in Urlaub gefahren und es hatte auch nahezu familienartige Zustände. Wir haben uns irgendwie gar nicht mehr verabredet, sondern immer bei einem von uns getroffen. Jeder hatte zwar noch eigene Interessen (so war ich 3 oder 4 Mal die Woche mit Training oder Wettkampf beschäftigt), aber irgendwie war unausgesprochen klar, dass wir uns sehr häufig trafen. Es war nicht wie es heute bei mir ist, dass man sich verabredet, sondern da wurde spontan was gemacht (ging auch, da wir alle 4 Studenten waren und es war da auch kein Problem in der Woche um Mitternacht noch mal ne Runde ins Autokino zu fahren - fielen die ersten 2 Vorlesungen morgens eben aus ).

Ich hab mich mit den dreien unheimlich wohlgefühlt und wenn ich heute so darüber nachdenke, weiß ich, dass es für mich auch so eine Art Familienersatz war (ich bin mit 19 zu Hause ausgezogen, nachdem meine Mutter gestorben war)

Mit 21 lernte ich dann meine spätere Frau kennen, die zu dem Zeitpunkt auch schon normal 8 Stunden am Tag arbeiten ging. Und es war schwierig für mich, alles unter einen Hut zu bringen. Ihr Lebensrythmus war durch die Arbeit ein anderer als der meiner Freunde und richtig reingekommen ist sie in die Clique auch nicht, wobei ich glaube, dass das nicht an ihr lag, sondern daran, dass wir 4 schon so viele Dinge gemeinsam hatten, dass der Abstand zu groß war. Vielleicht kennst Du das, wenn Du in einer Runde zusammensitzt und sich 3 oder 4 Leutchen ein Stichwort geben und laut los lachen und Du staunst mit großen Augen darüber,was es da zu lachen gibt, weil Du die Geschichte dahinter nicht kennst. Meine Frau hat dann später auch mal zugegeben, dass sie sehr eifersüchtig auf die 3 war und versucht hat, mich davon loszueisen. Meine Vorstellungen von einer Paarbeziehung bestanden damals hauptsächlich aus der Überzeugung 'Harmonie über alles' und ich hab sehr oft, um Auseinandersetzungen zu vermeiden, ihr nachgegeben und meinen Leuten abgesagt. Solange bis einer von ihnen mir ganz offen sagte: 'Sei mir nicht böse, aber Du entwickelst Dich zum Waschlappen'. Und da ich diesen jungen Mann sehr mochte, gingen bei mir nicht die Nackenhaare hoch, sondern ein paar Lampen an.

Ich hatte diese Freundschaften zu gunsten der Paarbeziehung sehr stark zurückgestellt. Und das, wo ich mir geschworen hatte, auf Freunde zu achten, um niemals so auf einen Menschen fixiert zu sein, wie mein Vater das war (ich hatte erlebt wie es ihm ging, als meine Mutter starb - da war dann niemand mehr und er fiel in das ganz große schwarze Loch).

In der Folgezeit hab ich dann versucht, beides zu pflegen und das wohl auch leidlich hinbekommen, aber zurückblickend war die schönste Zeit die, wo es nur die Viererbande gab. Nur ist mir im Nachhinein auch klar, dass eine Paarbeziehung natürlich über einen sehr viel längeren Zeitraum geht (gehen kann) als so eine Gruppe. Mit 23 begab ich mich dann in eine lohnabhängige Beschäftigung und unsere Gruppe löste sich mehr oder weniger stillschweigend auf. Der Freund mit dem Waschlappen ist auch heute noch mein bester Freund (und das endet wohl erst, wenn einer von uns beiden sein eigenes Grundstück mit ein paar Blumenbeeten oben drauf bekommt) und von ihm höre ich recht selten was über die anderen beiden, die mittlerweile auch mit anderen Partnern verheiratet sind.

Was kann ich Dir aus dieser Erfahrung heraus sagen?

Ich hab es damals so empfunden, dass ich beides brauchte, also die Freundin und die Gruppe und die aus Eifersucht resultierenden Aktionen meiner Freundin haben mich letzten Endes gegen sie aufgebracht und wenn sie das nicht irgendwann nachgelassen hätte, wäre es vermutlich zum Bruch gekommen.

An Deiner Stelle würde ich versuchen, ihm die Zeit mit seiner Clique zu gönnen und gleichzeitig aber klar abgrenzen, dass es auch genügend Zeit für eine Paarbeziehung bedarf und diese nicht zu einer Randerscheinung verkommen darf. Es ist völlig legitm, auf Zeit zu zweit und nicht zu fünft zu bestehen und vielleicht solltest Du versuchen, ihm mal Deine Gefühlslage ganz deutlich bewußt zu machen (nicht in dem Ton von wegen 'ich fordere von Dir', sondern eher 'schau her wie ich mich in dieser Konstellation fühle')

Zugleich erhältst Du vermutlich durch diese Clique einen viel fröhlicheren und ausgeglicheneren Menschen, dem dieser Familienersatz sehr viel gibt - die drei dürften so etwas wie Brüder und Schwestern für ihn sein (daher kann ich auch den Spruch Deines Freunde mit Inzucht verstehen).

Außerdem glaube ich, dass diese Konstellation eine Lebensabschnittsphase ist, die endet, wenn sich Lebensumstände ändern.

Zusammenfassend zum Abschluß würde ich sagen, dass Du keine Macke hast und diese Konstellation aber auch nicht komisch ist. Die Formen wie Menschen Beziehungen führen ist so vielfältig, dass ich mich davon gelöst hab, meine Erfahrungen als alleinigen Maßstab zu nehmen.

Ich würde also nicht auf ein 'Entweder oder' hinarbeiten, da ihm dann ein wichtiger Baustein in seinem Leben fehlen dürfte, sondern auf ein 'Sowohl als auch' und dabei aber darauf achten, dass ihm wirklich klar wird, dass Deine Situation nicht so wirklich einfach ist.

LG

Larsen


P.S. Wenn Dein Freund diese Züge hat, immer und überall helfen zu wollen (also etwas über 'normale' Hilfsbereitschaft hinausgehendes), so hat das für mich leicht altruistischen Anstrich. Ich bin jetzt kein Psychologe, um das haarklein erklären zu können, aber es funktioniert so nachdem Motto 'Ich helfe Dir so viel und tu Dir so viel Gutes, dass Du gar nicht anders kannst als mich zu mögen (lieben)'. Und Menschen mit diesen Zügen müssen dann darauf achten, nicht zu sehr die eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen (denn die anderen erwarten ja von den 'guten Geistern', dass sie immer zur Verfügung stehen, halt so wie man es gewohnt ist)


Lieber Larsen,

danke für Deine Antwort. Ich weiß nicht, ob Du mir "so" geantwortet hast oder ob Du meine Private Nachricht erhalten hattest (bei mir kam eine Fehlermeldung).

Zu Deiner Mail: Du hast recht mit dem, was Du schreibst, doch es ist ganz schön schwer, da man ja als Partnerin selber auch "psychologisch" Familie gründen will mit dem Partner. Oder sogar mal ganz reel.

Und wenn der aber als seine "Familie" die Clique sieht ist das wie Konkurenz obwohl was ganz anderes und nichts sexuelles.

Ich komme da noch nicht weiter, denn es ist wie ein streit, wer Nummer "eins" ist ...

Mal abwarten wie ich das weiter schaffe

Liebe Grüße, danke
Kati


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liz_12550230
14.10.04 um 18:59
In Antwort auf an0N_1250561999z

Hallo kati
wie alt seit ihr den? bei mir war das eine zeitlang ähnlich als ich 16-18 jahre alt war.

Hallo Lindaria
das ist ja das auffällige: wir sind Mitte Dreißig. Stimmt, aus Teenagerzeiten kenne ich das auch noch. Doch in unserem Alter hat sich die Art der Partnerbeziehung in Qualität etc. ja meist geändert ...

Gruß
Kati

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