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Mein Freund kifft und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll

6. Juni um 23:54 Letzte Antwort: 17. Juni um 18:21


Hallo liebe Community,
ich bin ein absoluter Frischling hier und wende mich mit einem Thema an euch, das mir seit einiger Zeit Bauchschmerzen bereitet. Um euren Fragen vorzubeugen, hole ich etwas weiter aus...

Mein Freund (23) und ich (22) sind seit 5 Jahren zusammen. Wir wohnen jeweils noch in unseren Elternhäusern, leben unseren eigenen Alltag mit Studium (ich) und Ausbildung (er) und sind jeweils die erste ernstzunehmende Beziehung des anderen. Ja ich weiß - wir stehen noch ganz am Anfang und müssen noch zahlreiche Erfahrungen sammeln, irgendwie hat ja aber jede*r mal begonnen...

Es muss so etwa vor 2 Jahren gewesen sein, als mir mein Freund zum ersten mal vorsichtig erzählt hat, dass er manchmal Gras raucht. Ich schätze aber, dass das schon eine Weile so ging. Inzwischen gehe ich davon aus, dass er fast jedes Wochenende kifft.

Meine erste Reaktion vor 2 Jahren, als er dieses Thema angesprochen hat war, dass ich mir die Ohren zuhalten und nichts davon hören wollte. Das geht mir bis heute noch so. Nun hat er vor wenigen Tagen angesprochen, dass er mir gegenüber gerne offener mit dem Thema umgehen würde, da er seine Wochenenderzählungen nicht für mich "zensieren" möchte und gerne in ALLEN Dingen ehrlich zu mir wäre. Ich habe zum Thema Drogen allerdings die gleiche Haltung wie vor zwei Jahren: (Nur) Solange ich davon nichts mitbekomme, kann ich damit leben. Das steht seinem Wunsch, mir gegenüber offener zu sein, natürlich entgegen.

Nun mal zum Hintergrund:
Ich weiß nicht, woher meine krasse Abneigung gegenüber jeglichen Drogen kommt, aber sie sitzt wie ein Urinstikt in mir. Jedes mal wenn jemand so ein Thema anspricht, fühle ich mich total unwohl. In meiner Familie war ganz klar: Drogen sind böse und Drogen werden nur von bösen Leuten genommen (überspitzt dargestellt natürlich ). Es kam in meiner Erziehung eher zu einer Dethematisierung und daher bin ich auch ziemlich unaufgeklärt, was das Thema angeht (Verzeiht mir also bitte, falls ich hier inkorrekte Aussagen treffen sollte und helft mir lieber, mehr darüber zu lernen). Auch in meinem Freundeskreis (rein weiblich, männliche Freunde habe ich nur über ihn) sind Drogen überhaupt kein Thema. Ehrlich gesagt würde ich mich doch eher als Streberin mit "Stock im Arsch" bezeichnen. Ich mache selten etwas Unerlaubtes und wenn, fühle ich mich immer seeeehr wagemutig dabei ... In meiner Familie gibt es keine Raucher und auch Alkohol trinke ich nicht. Ich bin also eine sehr braves und eher verklemmte Person...

Mein Freund ist eigentlich das komplette Gegenteil von mir. Er ist spontan, flexibel, aubenteuerlustig und experimentierfreudig. In seiner Familie und seinem Freundeskreis herrscht ein sehr viel toleranterer Umgang mit illegalen Substanzen. Genau wie ich raucht (Nikotin) und trinkt er aber nicht, was wir beide aneinander sehr schätzen. Er hat kein Problem damit, beim Männerabend statt Bier Malzbier oder Cola zu trinken und genießt es eher, Individualist zu sein und dem Gruppenzwang entgegenzustehen. Mein Freund verbringt sehr viel Zeit mit seinem Freundeskreis. Dieser Freundeskreis trifft sich bei gutem Wetter mal mit mehr und mal mit weniger Leuten beinahe täglich auf dem (nicht mehr betriebenen) Bauernhof eines Kumpels zum chillen, grillen, werkeln, philisophieren und was sie da sonst noch alles machen... Mein Freund ist dort circa 1-2 Mal die Woche. Ich vermute, dass dort gekifft wird und das "gemütliche und philosophierende Beisammensein" den Rahmen dafür gibt. Dass mein Freund gefallen daran findet Gras zu rauchen, wundert mich überhaupt nicht. Er ist freiheitsliebend und vertieft sich zugleich gerne in tiefgründige Gespräche, was zumindest zu dem Gefühl passt, was er anscheinend nach seinen Erzählungen verspürt, wenn er etwas geraucht hat.

Nun gut, jetzt habt ihr einen Einblick von uns beiden: verklemmt vs. freigeist.
Das hat wie vermuten lässt schon öfters für kleinere Unstimmigkeiten gesorgt, die Drogensache ist aber so ein Ding für sich.

Seitdem er die Drogengeschichte erwähnt hat, habe ich versucht ein bisschen Selbstaufklärung zu betreiben und mich durch zahlreiche Seiten geklickt. (Leider) hat das eher das Gegenteil bewirkt - ich fühle mich noch unwohler mit seinem Konsum. Es geht mir nicht darum, dass ich ernsthafte gesundheitliche Sorgen oder Angst um ihn habe, dass er in eine körperliche Abhängigkeit abrutscht. Ich weiß auch, dass er mit dem Konsum in gewissem Sinne verantwortungsvoll umgeht und dass er zum Beispiel kein Auto fährt. Ich bin davon überzeugt, dass er Gras raucht, weil er den Rauschzustand genießt und sich darin verlieren kann. Im Prinzip ist es für ihn vermutlich eine Entspannungsmethode und ich gönne ihm diese Entspannung und diese positiven Erlebnisse...

Trotzdem habe ich ein extremes Problem damit, mit ihm über seinen Drogenkonsum zu sprechen. Wir sind in allen Dingen unserer Beziehung offen und ehrlich zueinander und sprechen oft und ausführlich über Gefühle und Sex wie auch über andere uns bewegende Themen. Er weiß von meiner Abneigung gegenüber seinem Konsum. Ich habe ihm ganz klar gesagt, dass ich nicht in der Position bin ihm das Rauchen zu verbieten (es lebt stark nach der Einstellung "Ich lass mir nichts sagen!", es aber gerne tun würde und dass ich, wenn ich das schon nicht tun kann, wenigstens nichts davon mitbekommen möchte. Er würde sich nie trauen mich unter Drogen anzurufen oder sich gar mit mir zu treffen weil er weiß, wie empfindlich ich da reagiere. Mir tut das unglaublich Leid, denn eigentlich möchte ich dass er mit allem offen und ehrlich zu mir kommen kann. Dass ich bei dem Thema so blocke hindert ihn daran, sich mir vollends anzuvertrauen und das finde ich furchtbar schade. Leider schaffe ich es aber nicht, die negativen Gefühle beim Thema Drogen abzuschütteln.

Sooo, ganz schön lang geworden, sorry...
Mich interessiert sehr, was ihr von meiner Situation haltet und ich freue mich auf einen Gedankenaustausch mit euch. Um mit ihm über das Thema ins Gespräch zu kommen, werde ich meinem Freund diesen Post und eure Kommentare vermutlich zeigen, wendet euch also gerne auch an ihn

Vielen lieben Dank schonmal für eure Gedanken!
Liebe Grüße,
eure sofie_949

 

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7. Juni um 0:30
Beste Antwort

Hey

Also.. ich finde fast, dass du da in den sauren Apfel beißen und dich da mit ihm über das Thema aussprechen solltest. 
Da er ja wenigstens weiß, wie du über das Thema denkst, es jedoch wohl nicht für ihn als Grund ausreicht damit aufzuhören, gibt es wohl keine andere Lösung als das zu akzeptieren.
Vielleicht könnt ihr ja einen Kompromiss schließen und er könnte den Konsum zumindest reduzieren. 
Um komplett aufzuhören damit, muss der Wille seinerseits auch da sein, was wohl (noch) nicht der Fall ist. 

Was mich da aber eher wundert ist, was es da großartig zu "zensieren" gibt. Du weißt ja was er da tut & wüsste jetzt nicht, was es da großartig zu erzählen gäbe, außer das man halt in einem "gechilltem Zustand" war. Der Effekt von Gras ist ziemlich unspektakulär (meiner Meinung nach). 
Ich möchte das jetzt nicht runterspielen, bin selbst kein Fan davon. 
Da würde ich mir schon eher Sorgen machen vor einer Abhängigkeit, wenn das immer häufiger und regelmäßiger vorkommt. 

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7. Juni um 0:56
Beste Antwort

"Ich weiß nicht, woher meine krasse Abneigung gegenüber jeglichen Drogen kommt, aber sie sitzt wie ein Urinstikt in mir. Jedes mal wenn jemand so ein Thema anspricht, fühle ich mich total unwohl. In meiner Familie war ganz klar: Drogen sind böse und Drogen werden nur von bösen Leuten genommen"

Dein Instinkt ist genau richtig. Ich (39) bin auch total gegen Drogen. Ich war es schon immer, und meine beruflichen Erfahrungen haben mich darin nur bestärkt. Ich habe schon so viele von Drogen kaputte Menschen gesehen. Junge Menschen, die lebenslange Folgen davontragen werden, mit kaum 20 psychisch erkrankt sind. Drogen SIND gefährlich. (Aber natürlich macht Drogenkonsum aus jemandem keinen "bösen" Menschen.)
Auch Marihuana ist alles andere als harmlos, obwohl es gerne verharmlost wird. Natürlich wird nicht jeder Kiffer schizophren, aber regelmässiges Kiffen, vor allem in der Entwicklungsphase, macht anfällig für psychische Erkrankungen. Keiner kann mich vom Gegenteil überzeugen, denn ich habe es oft genug gesehen.

"Nun gut, jetzt habt ihr einen Einblick von uns beiden: verklemmt vs. freigeist."

Das sehe ich gar nicht so. Wieso bezeichnest du dich als verklemmt, weil du Rauschmittel ablehnst? Du bist nicht verklemmt sondern vernünftig. Und Drogenkonsum macht doch aus einem Menschen keinen Freigeist! Sowas reden Konsumenten sich selber und anderen ein.

Nun werden mir sicher viele entgegnen, dass Alkohol eine legale Droge mit hohem Suchtpotenzial und schlimmen Folgen ist. Einverstanden! Deshalb sollte man auch seinen Alkoholkonsum im Auge behalten. 

Nun zu deinem Problem. Du kannst deinem Freund das Kiffen nicht verbieten. Ich empfehle euch, einmal offen darüber zu reden. Teile ihm deine Sorgen mit, ohne deinen Standpunkt runterzumachen und dich als verklemmt darstellen zu lassen. Du bist nicht verklemmt. Drogenkonsum birgt erhebliche gesundheitliche Risiken, das ist eine Tatsache. Erkläre deinem Freund möglichst ohne Vorwürfe, dass du dich sorgst. Das muss er akzeptieren. Gleichzeitig musst du akzeptieren, dass er wohl kaum aufhören wird. Vielleicht kann er seinen Konsum reduzieren. Das muss er aber selber auch wollen. 
Ich finde es verständlich, dass du nicht ständig hören willst, dass er wieder gekifft hat. So wie du akzeptieren musst, dass er Marihuana raucht, muss er akzeptieren, dass du das nicht gut findest und nicht ständig davon hören willst. Er wird ja wohl von seinen Männerabenden erzählen können ohne Joints zu erwähnen, oder machen die nichts anderes, wovon man erzählen könnte?
 

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7. Juni um 6:56
In Antwort auf miezelein

Hey

Also.. ich finde fast, dass du da in den sauren Apfel beißen und dich da mit ihm über das Thema aussprechen solltest. 
Da er ja wenigstens weiß, wie du über das Thema denkst, es jedoch wohl nicht für ihn als Grund ausreicht damit aufzuhören, gibt es wohl keine andere Lösung als das zu akzeptieren.
Vielleicht könnt ihr ja einen Kompromiss schließen und er könnte den Konsum zumindest reduzieren. 
Um komplett aufzuhören damit, muss der Wille seinerseits auch da sein, was wohl (noch) nicht der Fall ist. 

Was mich da aber eher wundert ist, was es da großartig zu "zensieren" gibt. Du weißt ja was er da tut & wüsste jetzt nicht, was es da großartig zu erzählen gäbe, außer das man halt in einem "gechilltem Zustand" war. Der Effekt von Gras ist ziemlich unspektakulär (meiner Meinung nach). 
Ich möchte das jetzt nicht runterspielen, bin selbst kein Fan davon. 
Da würde ich mir schon eher Sorgen machen vor einer Abhängigkeit, wenn das immer häufiger und regelmäßiger vorkommt. 

Hallo miezelein,

danke für deine Antwort!
Ja vermutlich muss ich mich damit abfinden, genauso wie er akzeptieren muss, dass ich es trotzdem nicht gutheiße... ob er den Konsum redizieren würde weiß ich nicht, falls bei besagten Treffen mit dem Freundekreis das Rauchen ein fester Bestandteil ist denke ich, dass er sich da nicht herausnehmen wird.

Ich vermute mit der Zensur meinte er, dass er mir gerne ausführlicher von den Gefühlen erzählen würde, die er in einem Rauschzustand hat und von den Gedanken, die er durchlebt. Es ist nicht so dass mich das nicht interessiert - ich bin da schon ein bisschen neugierig. Aber das rundum negative Gefühl lässt sich doch nicht abschütteln.

Liebe Grüße,
sofie_949
 

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7. Juni um 7:07
In Antwort auf habibi

"Ich weiß nicht, woher meine krasse Abneigung gegenüber jeglichen Drogen kommt, aber sie sitzt wie ein Urinstikt in mir. Jedes mal wenn jemand so ein Thema anspricht, fühle ich mich total unwohl. In meiner Familie war ganz klar: Drogen sind böse und Drogen werden nur von bösen Leuten genommen"

Dein Instinkt ist genau richtig. Ich (39) bin auch total gegen Drogen. Ich war es schon immer, und meine beruflichen Erfahrungen haben mich darin nur bestärkt. Ich habe schon so viele von Drogen kaputte Menschen gesehen. Junge Menschen, die lebenslange Folgen davontragen werden, mit kaum 20 psychisch erkrankt sind. Drogen SIND gefährlich. (Aber natürlich macht Drogenkonsum aus jemandem keinen "bösen" Menschen.)
Auch Marihuana ist alles andere als harmlos, obwohl es gerne verharmlost wird. Natürlich wird nicht jeder Kiffer schizophren, aber regelmässiges Kiffen, vor allem in der Entwicklungsphase, macht anfällig für psychische Erkrankungen. Keiner kann mich vom Gegenteil überzeugen, denn ich habe es oft genug gesehen.

"Nun gut, jetzt habt ihr einen Einblick von uns beiden: verklemmt vs. freigeist."

Das sehe ich gar nicht so. Wieso bezeichnest du dich als verklemmt, weil du Rauschmittel ablehnst? Du bist nicht verklemmt sondern vernünftig. Und Drogenkonsum macht doch aus einem Menschen keinen Freigeist! Sowas reden Konsumenten sich selber und anderen ein.

Nun werden mir sicher viele entgegnen, dass Alkohol eine legale Droge mit hohem Suchtpotenzial und schlimmen Folgen ist. Einverstanden! Deshalb sollte man auch seinen Alkoholkonsum im Auge behalten. 

Nun zu deinem Problem. Du kannst deinem Freund das Kiffen nicht verbieten. Ich empfehle euch, einmal offen darüber zu reden. Teile ihm deine Sorgen mit, ohne deinen Standpunkt runterzumachen und dich als verklemmt darstellen zu lassen. Du bist nicht verklemmt. Drogenkonsum birgt erhebliche gesundheitliche Risiken, das ist eine Tatsache. Erkläre deinem Freund möglichst ohne Vorwürfe, dass du dich sorgst. Das muss er akzeptieren. Gleichzeitig musst du akzeptieren, dass er wohl kaum aufhören wird. Vielleicht kann er seinen Konsum reduzieren. Das muss er aber selber auch wollen. 
Ich finde es verständlich, dass du nicht ständig hören willst, dass er wieder gekifft hat. So wie du akzeptieren musst, dass er Marihuana raucht, muss er akzeptieren, dass du das nicht gut findest und nicht ständig davon hören willst. Er wird ja wohl von seinen Männerabenden erzählen können ohne Joints zu erwähnen, oder machen die nichts anderes, wovon man erzählen könnte?
 


Hallo habibi,

vielen Dank für deine Antwort!
Danke dass du meine Ablehnung gegenüber Drogen nicht herunterspielst, sondern teilst. Ich musste in den letzten 2 Jahren, seitdem ich mich mit dem Thema etwas auseinandersetze feststellen, dass in meinem Bekanntnkreis doch viele toleranter mit dem Thema umgehen als ich gedacht hätte und daher glaube ich, dass ich mit meinen Bedenken nicht überall auf Gehör stoßen würde. Du hast ja anscheinend wirklich negative Erfahrungen damit gemacht. Die fehlen mir komplett, deshalb kann ich zwar voller Überezugung sagen, dass ich auch den Konsum von Marihuana nicht gutheiße, habe aber bisher keine klare Begründung (mit persönlichem Bezug zu ihm) dafür.

Anscheinend wird dieses Thema auch langfristig zwischen uns stehen und wir finden da keinen gemeinsamen Nenner. Das ist super schade, denn wir bemühen uns normalerweise sehr, Kompromisse zu schließen und es beiden Parteien recht zu machen.

Mal sehen wie sich die Sache entwickelt...

Vielen Dank und liebe Grüße,
sofie_949

 

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7. Juni um 8:01
In Antwort auf sofie_949


Hallo liebe Community,
ich bin ein absoluter Frischling hier und wende mich mit einem Thema an euch, das mir seit einiger Zeit Bauchschmerzen bereitet. Um euren Fragen vorzubeugen, hole ich etwas weiter aus...

Mein Freund (23) und ich (22) sind seit 5 Jahren zusammen. Wir wohnen jeweils noch in unseren Elternhäusern, leben unseren eigenen Alltag mit Studium (ich) und Ausbildung (er) und sind jeweils die erste ernstzunehmende Beziehung des anderen. Ja ich weiß - wir stehen noch ganz am Anfang und müssen noch zahlreiche Erfahrungen sammeln, irgendwie hat ja aber jede*r mal begonnen...

Es muss so etwa vor 2 Jahren gewesen sein, als mir mein Freund zum ersten mal vorsichtig erzählt hat, dass er manchmal Gras raucht. Ich schätze aber, dass das schon eine Weile so ging. Inzwischen gehe ich davon aus, dass er fast jedes Wochenende kifft.

Meine erste Reaktion vor 2 Jahren, als er dieses Thema angesprochen hat war, dass ich mir die Ohren zuhalten und nichts davon hören wollte. Das geht mir bis heute noch so. Nun hat er vor wenigen Tagen angesprochen, dass er mir gegenüber gerne offener mit dem Thema umgehen würde, da er seine Wochenenderzählungen nicht für mich "zensieren" möchte und gerne in ALLEN Dingen ehrlich zu mir wäre. Ich habe zum Thema Drogen allerdings die gleiche Haltung wie vor zwei Jahren: (Nur) Solange ich davon nichts mitbekomme, kann ich damit leben. Das steht seinem Wunsch, mir gegenüber offener zu sein, natürlich entgegen.

Nun mal zum Hintergrund:
Ich weiß nicht, woher meine krasse Abneigung gegenüber jeglichen Drogen kommt, aber sie sitzt wie ein Urinstikt in mir. Jedes mal wenn jemand so ein Thema anspricht, fühle ich mich total unwohl. In meiner Familie war ganz klar: Drogen sind böse und Drogen werden nur von bösen Leuten genommen (überspitzt dargestellt natürlich ). Es kam in meiner Erziehung eher zu einer Dethematisierung und daher bin ich auch ziemlich unaufgeklärt, was das Thema angeht (Verzeiht mir also bitte, falls ich hier inkorrekte Aussagen treffen sollte und helft mir lieber, mehr darüber zu lernen). Auch in meinem Freundeskreis (rein weiblich, männliche Freunde habe ich nur über ihn) sind Drogen überhaupt kein Thema. Ehrlich gesagt würde ich mich doch eher als Streberin mit "Stock im Arsch" bezeichnen. Ich mache selten etwas Unerlaubtes und wenn, fühle ich mich immer seeeehr wagemutig dabei ... In meiner Familie gibt es keine Raucher und auch Alkohol trinke ich nicht. Ich bin also eine sehr braves und eher verklemmte Person...

Mein Freund ist eigentlich das komplette Gegenteil von mir. Er ist spontan, flexibel, aubenteuerlustig und experimentierfreudig. In seiner Familie und seinem Freundeskreis herrscht ein sehr viel toleranterer Umgang mit illegalen Substanzen. Genau wie ich raucht (Nikotin) und trinkt er aber nicht, was wir beide aneinander sehr schätzen. Er hat kein Problem damit, beim Männerabend statt Bier Malzbier oder Cola zu trinken und genießt es eher, Individualist zu sein und dem Gruppenzwang entgegenzustehen. Mein Freund verbringt sehr viel Zeit mit seinem Freundeskreis. Dieser Freundeskreis trifft sich bei gutem Wetter mal mit mehr und mal mit weniger Leuten beinahe täglich auf dem (nicht mehr betriebenen) Bauernhof eines Kumpels zum chillen, grillen, werkeln, philisophieren und was sie da sonst noch alles machen... Mein Freund ist dort circa 1-2 Mal die Woche. Ich vermute, dass dort gekifft wird und das "gemütliche und philosophierende Beisammensein" den Rahmen dafür gibt. Dass mein Freund gefallen daran findet Gras zu rauchen, wundert mich überhaupt nicht. Er ist freiheitsliebend und vertieft sich zugleich gerne in tiefgründige Gespräche, was zumindest zu dem Gefühl passt, was er anscheinend nach seinen Erzählungen verspürt, wenn er etwas geraucht hat.

Nun gut, jetzt habt ihr einen Einblick von uns beiden: verklemmt vs. freigeist.
Das hat wie vermuten lässt schon öfters für kleinere Unstimmigkeiten gesorgt, die Drogensache ist aber so ein Ding für sich.

Seitdem er die Drogengeschichte erwähnt hat, habe ich versucht ein bisschen Selbstaufklärung zu betreiben und mich durch zahlreiche Seiten geklickt. (Leider) hat das eher das Gegenteil bewirkt - ich fühle mich noch unwohler mit seinem Konsum. Es geht mir nicht darum, dass ich ernsthafte gesundheitliche Sorgen oder Angst um ihn habe, dass er in eine körperliche Abhängigkeit abrutscht. Ich weiß auch, dass er mit dem Konsum in gewissem Sinne verantwortungsvoll umgeht und dass er zum Beispiel kein Auto fährt. Ich bin davon überzeugt, dass er Gras raucht, weil er den Rauschzustand genießt und sich darin verlieren kann. Im Prinzip ist es für ihn vermutlich eine Entspannungsmethode und ich gönne ihm diese Entspannung und diese positiven Erlebnisse...

Trotzdem habe ich ein extremes Problem damit, mit ihm über seinen Drogenkonsum zu sprechen. Wir sind in allen Dingen unserer Beziehung offen und ehrlich zueinander und sprechen oft und ausführlich über Gefühle und Sex wie auch über andere uns bewegende Themen. Er weiß von meiner Abneigung gegenüber seinem Konsum. Ich habe ihm ganz klar gesagt, dass ich nicht in der Position bin ihm das Rauchen zu verbieten (es lebt stark nach der Einstellung "Ich lass mir nichts sagen!", es aber gerne tun würde und dass ich, wenn ich das schon nicht tun kann, wenigstens nichts davon mitbekommen möchte. Er würde sich nie trauen mich unter Drogen anzurufen oder sich gar mit mir zu treffen weil er weiß, wie empfindlich ich da reagiere. Mir tut das unglaublich Leid, denn eigentlich möchte ich dass er mit allem offen und ehrlich zu mir kommen kann. Dass ich bei dem Thema so blocke hindert ihn daran, sich mir vollends anzuvertrauen und das finde ich furchtbar schade. Leider schaffe ich es aber nicht, die negativen Gefühle beim Thema Drogen abzuschütteln.

Sooo, ganz schön lang geworden, sorry...
Mich interessiert sehr, was ihr von meiner Situation haltet und ich freue mich auf einen Gedankenaustausch mit euch. Um mit ihm über das Thema ins Gespräch zu kommen, werde ich meinem Freund diesen Post und eure Kommentare vermutlich zeigen, wendet euch also gerne auch an ihn

Vielen lieben Dank schonmal für eure Gedanken!
Liebe Grüße,
eure sofie_949

 

Hallo sofie949,

Drogen gehören zu Menschen, seit es Menschen gibt. Die einen nehmen sie mehr oder weniger regelmäßig, die anderen lehnen sie ab. Weder ist dein Freund ein Freigeist, nur weil er kifft, noch bist du verklemmt, wenn du es nicht tust.

Du kannst ruhig weiterhin dabei bleiben, dass du von seinen Drogengeschichten nichts hören willst. Soll er sie doch seinem Friseur erzählen, wenn er Gesprächsbedarf hat.

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13. Juni um 14:12

Ich denke, dass du dir dabei ein wenig selbst im Weg zu stehen scheinst. Einerseits möchtest du nichts davon wissen, ihn gar im bekifften Zustand erleben wollen. Andererseits leidest du unter seiner diesbezüglichen Verschlossenheit, die meiner Meinung nach vor allem in seinem schlechten Gewissen dir gegenüber begründet sein könnte.

Ich spreche diesbezüglich aus eigener Erfahrung, da ich seit fast 40 Jahren kiffe, und meine Frau davon eigentlich nichts wissen wollte. Letztendlich ist auch unsere Beziehung daran gescheitert, auch wenn ich mich noch heute mit ihr vernünftig auseinandersetzen kann. Ich selbst würde ich mich als abhängig bezeichnen, auch wenn es mich nie daran gehindert hat, meine täglichen Aufgaben vernünftig und selbstidiszipliniert zu erlegen.

Du musst dir selbst die Frage stellen, ob du mit seiner für sich beanspruchten "Freiheit" klar kommst oder nicht. Wenn sich sein Kiffen tatsächlich auf die 2 mal die Woche, vor allem ausschließlich im Beisein seiner Freunde beschränkt, dann würde ich mir um das Suchtpotenzial noch keine allzu großen Sorgen machen.

Vermutlich zieht dich seine Offenheit irgendwo auch an, vor allem, wenn du dich selbst eher als verklemmt ansiehst. Wenn du ihm das Gefühl gibst, sich für das Kiffen bei dir schämen zu müssen, ist das eine ziemlich wackelige Basis für eure Beziehung, es sei denn, er gibt es auf oder du akzeptierst es.

Liebe Grüße

Paul
 

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17. Juni um 18:21

Hallo Sofie949,

ich (w, 23, Studentin) kenne das Gefühl, das du grade haben musst.

Mein Exfreund hat ebenfalls gekifft und meine Familie hat die selbe Einstellung vertreten wie deine. Ging es um dieses Thema, wurde ich furchtbar wütend, ich hatte teilweise sogar Albträume, in denen ich ihn damit erwischt habe. Dabei kannte ich mich damit gar nicht aus, Droge war für mich Droge.

Jetzt, fünf Jahre später, rauche ich selbst auch gern mal einen mit. Ich bin über meinen damaligen Freundeskreis darauf gekommen und habe festgestellt, dass dieses Genussmittel für mich viel angenehmer ist, als der obligatorische Alkohol. Natürlich ist es vollkommen in Ordnung, sich davon zu distanzieren und selbst kein Interesse daran zu haben, Gras auszuprobieren, aber ich denke schon, dass man zwischen Gras und chemischen Drogen mit Gefahr zur Abhängigkeit differenzieren sollte.

Mein jetziger Freund und ich rauchen zum Beispiel bei gemeinsamen Aktivitäten gern mal einen. Bspw. wenn wir wandern gehen oder ein Museum/Zoo/o.ä. besuchen, ist es für uns eine Art Intensivierung. Ich will nichts verharmlosen, man sollte den Konsum definitiv unter Kontrolle behalten (in der Prüfungsphase bspw. ist das Rauchen für uns ein NoGo), aber das ist beim legalen Alkohol ja nichts anderes.

Da ich meiner Familie gegenüber sehr offen bin, habe ich ihnen irgendwann "gebeichtet", dass ich ab und an Mariuhana konsumiere. Meine Eltern sind, wie bereits gesagt, enorme Drogengegner und demnach ließ die Diskussion nicht auf sich warten. Allerdings waren sie bereit, zu lernen und sich anzuhören, wie "schlimm" Weed eigentlich ist - was dazu führte, dass meine Eltern dieses Jahr das erste Mal gemeinsam mit uns einen geraucht haben. Und siehe da- es ist nichts passiert. Seit dem sind sie der ganzen Sache gegenüber deutlich offener und es ist kein Streitpunkt mehr für uns.
Außerdem hat sich rausgestellt, dass neben meinem Onkel und seiner Frau, die sich nach einem anstrengenden Arbeitstag mit drei Kindern auch mal einen zünden und sich dann einen lustigen Film anschauen, sogar meine Oma ab und an Gras raucht.

Sicher ist die Einstellung gegenüber Drogen löblich. Ich verteufele auch alles, was in irgendeiner Form chemisch ist und dafür sorgt, dass man die Kontrolle über sich selbst verliert. Trotzdem ist Gras eher eine schwächere Drogenform (sogar deutlich schwächer als der Alkohol) und du solltest deinem Freund vielleicht die Möglichkeit geben, ihn einfach mal erzählen zu lassen, wie sich das anfühlt und was es bewirkt, um diese Problematik effektiv anzugehen. Wenn du das in dich reinfrisst, geht das am Ende auch nicht gut aus.

Ganz liebe Grüße

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