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Mein Freund ist ständig am nörgeln und selber nicht kritikfähig

11. März 2015 um 11:52

Hallo!
Ich bin (mit einer 3monatigen Pause) seit knapp 8 Jahren mit meinem Freund zusammen. Wir haben uns während des Studiums kennengelernt. Damals hab ich schon gemerkt, dass es mit ihm nicht ganz so einfach ist. Ich brings mal auf den Punkt: er ist ein verwöhntes Einzelkind, dem seine Eltern immer nach dem Mund reden. Keiner sagt ihm mal ordentlich die Meinung, und wenn doch, ist er sofort eingeschnappt und fühlt sich sowas von angegriffen. Er reflektiert dann auch nicht mehr richtig, ob die Kritik begründet ist, sondern bekämpft denjenigen, der sie ausgesprochen hat, eigentlich nur noch.
Früher hat mich das zwar auch schon genervt, aber ich kam damit klar und habe es in Kauf genommen, weil ich ihn liebe und es viele positive Dinge in unserer Beziehung gibt. Wir haben während des Studiums sogar zwei Jahre lang zusammen gelebt und das hat im Großen und Ganzen wirklich gut geklappt. Wahrscheinlich auch, weil ich eine ziemlich anpassungsfähige Person.
Nach dem Studium (Sommer 2012) sind wir aufgrund der Arbeit in zwei verschiedene Städte gezogen und leben seither in einer Fernbeziehung (ca. 1,5 Std mit dem Auto voneinander entfernt).
Ich glaube die eigentlichen Probleme gingen los, als er anfing zu arbeiten. Nach kurzer Zeit merkte ich ihm an, dass es ihm nicht gut ging und er immer unzufriedener wurde. Bei der Arbeit fielen ihm bereits nach wenigen Wochen unzählige Mängel auf und er scheute sich auch nicht, diese bei seinem Chef anzusprechen. Das Verhältnis zu seinen Kollegen wurde dadurch nicht gerade gestärkt. Ich glaube der Chef schätzte seine ehrliche Meinung und ich finde es häufig auch bewundernswert, dass er keine Angst hat zu sagen, was er denkt. Aber das Problem ist, dass er das auch tut, wenn er noch nicht lange irgendwo ist und es vielleicht auch gar nicht von ihm erwartet wird.
Nach kurzer Zeit war er eigentlich nur noch damit beschäftigt sich über alles und jeden aufzuregen. Wie er seine eigene Arbeit erledigt, kann ich schwer einschätzen, aber ich glaube nicht, dass die dadurch besser wurde. Während der Job frustete, begann er sich mehr und mehr mit dem Thema Fitness und Ernährung abzulenken. Anfangs fand ich das noch eine gute Idee. Ich dachte das gibt ihm den nötigen Ausgleich. Allerdings entwickelte sich das ganze eher ins Extreme. Er redete von nichts anderem mehr, rannte 4 bis 5 mal die Woche ins CrossFit (seine neue Sportart). Ich kam mir wie abgestellt vor. Obwohl ich ein Mensch bin, der sich gerne bewegt und im Großen und Ganzen gesund lebt, hatte ich das Gefühl, die dicke langweilige Freundin zu sein, mit der er nichts mehr anfangen kann (dabei bin ich ganz normal). Kurze Zeit später trennte er sich von mir. Seine Erklärung war, dass es ihm gerade sehr schlecht geht und er sein Leben in den Griff kriegen muss. Ich glaube er steckte wirklich in einer tiefen Krise. Ich war am Boden zerstört - aber auch ein kleines bisschen erleichtert, dass die schreckliche Zeit nun zumindest beendet war.
Ich rechnete nicht damit, dass wir nochmal eine Chance haben würden. Nach ein paar Monaten war ich auf dem Weg der Besserung, konnte wieder nach vorne schauen. Dann meldete er sich bei mir. Er wollte die Beziehung wieder und nach etwas Nachdenken ließ ich mich darauf ein. Seither sind weitere 1,5 Jahre vergangen und wir sind wieder ein "normales" Paar. Wir leben aber nach wie vor in unterschiedlichen Städten.
Ein paar Monate nachdem wir wieder zusammen kamen, entschied er sich den Job zu wechseln. Die Situation bei seiner bisherigen Stelle hatte sich weiter verschlechtert. Ich dachte, jetzt wird's bestimmt entspannter. Aber nun ist er seit nem halben Jahr bei seiner neuen Firma und in seinen Augen ist da schon wieder alles scheiße! Genau wie letztes Mal, fing er bereits nach kurzer Zeit an, alles zu kritisieren, was ihm auffiel. Und zwar nicht bei mir, sondern bei seinen Kollegen und seinem Vorgesetzten. Er bekommt dann immer so ne nörgelige, vorwurfsvolle Stimme. Ich kann mir vorstellen, wie genervt die anderen Mitarbeiter davon sind... Wenn er irgendwas machen soll, worin er den Sinn nicht erkennt, kann es auch schon mal vorkommen, dass er sich weigert. Nach 6 Monaten Probezeit wurde er nun in eine andere Abteilung versetzt. Ich glaub die hatten einfach keinen Bock mehr auf sein Genörgel.
Ich hätte ihm schon so oft mal gerne gesagt: "Jetzt reiß dich mal zusammen und mach deinen Job, du Prinzessin!"
Dann kann ich aber damit rechnen, dass er nie wieder mit mir redet und ICH in seinen Augen diejenige bin, die alles falsch gemacht hat.
Im privaten geht das herablassende Gemecker gerade weiter. Da kommen schon mal so Sätze wie: "Ich finde Dicke sind einfach selber schuld. Ich hab keinen Respekt davor, wenn man sich ungesund ernährt!" oder "Wenn du weißt, dass Schokolade ungesund ist und du sie trotzdem isst, find ich das nicht gut von dir...*vorwurfsvoller Blick, als hätte ich vor die größte Sünde der Welt zu begehen*". Er kann Dinge nicht einfach mal hinnehmen, wenn andere sie nicht so macht wie er, sondern kommentiert alles immer sehr verächtlich.
Ich weiß auch nicht so richtig was meine Frage genau ist. Im Augenblick spüre ich Zweifel, ob ich mit so einem Mann eine Zukunft haben werde und will ihn aber gleichzeitig nicht verlieren. Er ist auch ein sehr liebevoller Mensch und es gibt viel Schönes, das wir gemeinsam teilen. Aber manchmal NERVT er mich einfach so krass und ich reg mich dann vor allem darüber auf, dass ich ihm nicht einfach mal die Meinung geigen kann.
Ach, vielleicht geht's ja hier jemandem ähnlich. Das würde mir schon gut tun. Ansonsten brauche ich glaube ich einfach mal ein paar Meinungen, die mir helfen meine Gedanken zu sortieren.
Ich danke euch im Voraus und entschuldige mich schonmal für diesen Riesenroman

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11. März 2015 um 12:08

Was ist das schlimmste, was passieren kann,
wenn du ihm mal so richtig die Meinung geigst?

Überleg es dir und dann MACH ES einfach!

Zwar gibt es dann erst mal ein Riesen-Theater, dem du dich aber leicht entziehen kannst, da du ja in einer anderen Stadt wohnst.

Aber er wird sich mit der Wahrheit auseinander setzen müssen.

Entweder ändert sich dann was zum Positiven hin, was auch eurer Beziehung zugute käme, oder ihr geht auseinander. Dann hast du aber wenigstens die Chance, einen Mann kennen zu lernen, der deinen Charakter würdigt.

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12. März 2015 um 14:48

Ich habe so eine Erfahrung noch nicht gemacht.
Ich glaube, er belastet dich und eure Beziehung zu sehr (so würde es mir zumindest gehen). Und das wird sich wahrscheinlich nie ins Positive ändern, da er anscheinend wirklich kein kritikannehmender Mensch ist. Schade.
Und du steckst all' deine Energie und dein Verständnis in die Beziehung, deine Hoffnung und Zuversicht. Du bist anpassungsfähig und stellst dich und deine Bedürfnisse zurück.
Möchtest du, dass das ein Leben lang so mit ihm sein wird?

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