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Mein Freund hat Bindungsangst, bitte helft uns.

17. August 2014 um 20:57 Letzte Antwort: 18. August 2014 um 1:17

Hallo. Mein Freund und ich (bin w, sind beide 26) sind seit einem halben Jahr zusammen. Er ist jemand der viel Zeit für sich braucht, ist auch völlig ok. Ich sagte gleich anfangs, ich gebe ihm jede Freiheit, solange ich vertrauen kann. Es ist kein Ding, wenn man sich ein paar Tage nicht sieht und wir telefonieren auch nur recht selten. Ich hab mich - als eigentlich nähebedürftige Person - schnell dran gewöhnt, weil ich merkte, dem kannst du vertrauen, kam gut zurecht damit. Die ersten 2 Monate: PERFEKT, große Liebe für beide. Ich bin die Erste wirklich Ernste, die er auch zu seiner Familie mitnimmt, alle mögen mich und sagten, ich sei wohl endlich die Richtige und tu ihm sehr gut. Auch seine Freunde sagten, 180 Grad gewandelt vom "unruhigen Vögelchen" zum schwer verliebten Mann. Er zeigte mich stolz allen, er habe noch nie eine so tolle und hübsche und liebe Frau kennengelernt. Also rundum Glück pur. So.
Seit 6 Wochen gibt's wegen Kleinkram öfter Streit, öfter Tränen von mir (leider reagier ich schnell emotional, versuche das aber schon zu ändern.)
Fakt ist aber, ich sehe nicht, was ich falsch mache.

Rückblick:

1. Vor 6-8 Wochen Diskussion über Nähe, er sei manchmal abweisend und kalt, ob was nicht mit ihm stimme. Das hat sich dann aber geändert, er gab sich die Wochen danach sehr Mühe, war sehr kuschelig und liebevoll, ich sagte dann auch nichts mehr und fühlte mich sehr wohl mit ihm.

2. Vor 2 Wochen hat er sich abends sehr mit Freunden betrunken, obwohl wir eigentlich was unternehmen wollten, endete es in einem Saufgelage auf dem Balkon. Er hatte mich respektlos behandelt, (ignoriert, dumme Kommentare vor anderen. Auch die sagten zu ihm, wtf ging da mit dir ab, Junge, das war nicht schlau deiner Freundin gegenüber.) Er entschuldigte sich danach sehr, sowas kommt nicht mehr vor. OK, kann mal vorkommen. Er kann ja auch gern was trinken, aber soll mir dann halt vorher Bescheid geben und ich mach dann was anderes, besser, als wenn ich mich dann drüber ärgere. Ich bemerkte aber, dass er an jenem Abend Tabletten+puren Wodka kurz nacheinander eingenommen hatte, nicht ungefährliche Mischung, daher wohl auch der Totalabsturz mit Blackout. Aber ich sagte erstmal nix.

3. Gestern machte er einen Witz über die Tabletten für "Schlafprobleme", von denen man ja so lustig werde, ich machte ihm drauf aufmerksam dass die eigentlich gegen Angststörungen seien, ich habe mich informiert (kenne ein paar Mediziner und die sagten, das Zeug - Benzodiazepine - ist ein Hammer, der so eigentlich nicht eingesetzt wird. Es sei denn, man will sich vom Balkon stürzen oder hat Panikattacken). Ich fragte, warum er die nehme. Er machte sich drüber lustig, wurde sauer, er ließe sich da nix sagen, wisse was er tue und fände es scheiße dass ich hinterrücks nachforsche. Ich, ich wollte dir nicht nachstellen, aber ich hatte mir nur Sorgen gemacht. Erfuhr dann beiläufig, er hatte früher mit 16 Depressionen. Ah. Hätte er nur geredet, hätte ich viel eher Verständnis gehabt.

4. Heute: Eskalation. Er war von einer Party gestern verkatert und grummelig, also ließ ich ihn in Ruhe, hab aber angenommen, dass sich noch kurz zu mir kuschelt, bevor ich heimfahren würde in zwei Stunden. Hatten das WE nicht wirklich Zeit für uns, sondern immer Leute um uns. Sagte zu ihm auf dem Sofa "Ich leg mich mal rüber. Er: "Mach mal, ich geh noch kurz duschen". Ich lag im Bett. Kommt er mit dem Handy aus dem Bad, sagt er: "Ich geh jetzt mit Tim Kaffee trinken." So etwa "Komm mit oder fahr heim." Die Kleinigkeit reichte, ich explodierte. Dass man das auch anders formulieren konnte und er mich nicht so rausschmeißen solle. Was mit ihm los sei, kaum Nähe, er spricht einfach nicht mit mir. Den ganzen Tag verkatert und keine Lust, was mit mir zu unternehmen, aber sobald einer anruft, springt er. Ich weinte. Er kurz vorm Durchdrehen. Hätten uns echt fast getrennt glaube ich.

Er packte dann endlich aus, seit 2 Mon. fühlt er sich "beziehungsgedrängt", er will das alles ja, aber es geht ihm zu schnell, hatte sowas Ernstes noch nie. Dieser Druck, dass man sich jedes WE sehen muss, weil ich ja sonst gleich sonstwas vermute. Ich sagte, Quatsch. Aber ich denke, es ist normal, dass man sich einmal die Woche sieht. Von der Angst hat er mir nie erzählt, wie solle ich das denn wissen? Und das mit der Familie integrieren hätte nicht sein müssen, er hätte mir einfach was sagen sollen. Sagte er, nee, darum geht's gar nicht, ich meine es ja ernst mit dir, du bist mir sehr wichtig und ich nehme dich gerne mit.
Und: Er, der harte Typ, WEINTE! Dachte ich seh nicht richtig. Er sagte, das hat er noch nie vor ner Frau, er will das nicht beenden, wir kriegen das alles hin, vielleicht war so eine Aussprache halt jetzt mal nötig. In 2 Wochen fliegen wir in Urlaub, ich fragte, ob er das noch will. Ja sicher, auch das will er weiterhin.
Ich sagte ihm beim Abschied: "Es war nie meine Absicht, dich zu drängen, es tut mir leid, ich hab das nicht bemerkt. Bitte sprich einfach mit mir, wenn was ist."
Er: "Du kannst dafür nix, ich hab dich sehr lieb. Am WE komm ich zu dir und dann machen wir uns eine schöne Zeit. Und so lange denken wir beide mal nach."

So. Fakt: Er hat Bindungangst, aber auch Fakt, wir wollen uns nicht verlieren, weil es für uns DAS Große ist. Nur, wie geht man mit sowas um? Er denkt sich, kommst du mit mir klar langfristig, ist das das Richtige für dich? Für mich klare Antwort: JA. Weil die schönen Dinge bisher überwiegen. Ich will ihn nicht ändern, aber er muss mehr kommunizieren, damit ich ihn verstehen kann. Es muss sich da einfach was ändern.
Wie verhalt ich mich? Ich möchte ihm die Zeit geben, die er braucht, aber ich erwarte auch dass er mit mir spricht und nicht dichtmacht. Denn so knallt's.

Ich wünsche mir eine Zukunft mit ihm und wäre sehr traurig, wenn das zerbricht. Dazu kommt, nun hätte ich ein Jobangebot in seiner Stadt (für mich beruflich und finanziell ein Riesen-Upgrade). Eigentlich eine tolle Chance für uns, aber ich frag mich, würde uns das helfen, den Stress vom Sehen am WE wegnehmen? Vielleicht würde es sich automatisch einpendeln, wenn ich in der Nähe wäre und man sich ab und zu einfach sieht und nicht gleich 3 Tage aufeinanderklebt.

Ich war abgesehen von diesen Streitereien sehr glücklich mit ihm, wir haben so viele schöne Momente. Ich möchte einfach nur, dass es funktioniert und ich weiß, das kann es, wenn wir das mit seiner Angst in den Griff kriegen. Was können wir tun?

Ich bin schon am Überlegen, ob ich ihm sage, dass er nächstes WE mal zuhause bleiben und sich Zeit für sich nehmen soll / kommen soll, wann ER mag. Ich hätte damit kein Problem.

Vielleicht können ihr mir sagen, wie man sich hier richtig verhält.

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17. August 2014 um 21:15

Hmm
Ich glaube wirklich, dass DU DIR Gedanken darüber machen solltest, ob DU damit klar kommst ..
Vor allem, da du so ein Nähe-Bedürfnis hast !
Er wird so bleiben, wie er ist ..
Auch wenn er mal ein schönes Wochenende zusammen verbringen solltet ..
Wenn es wirklich dazu kommen sollte ..

Kommst du damit klar ?
Ich glaube nicht, hmm

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17. August 2014 um 22:48

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17. August 2014 um 23:22
In Antwort auf hepsie_12922509

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Paartherapie
Nachdem er sich dir gegenüber so geöffnet hat, dass er vor dir sogar geweint hat und seine Ängste benennen konnte, schlage ich euch eine Paartherapie vor, die man jedoch selbst finanzieren muss.
Es klingt für mich ganz danach, dass ihr das beide miteinander sehr gut gebrauchen könntet, da euch beiden die Beziehung wichtig ist und es ihm psychisch mit der Beziehung offenbar (auch) schlecht geht (natürlich auch sehr gut mit dir als Partnerin, aber mit seiner Schwierigkeit, sich zu öffnen, geht es ihm ja offensichtlich schlecht), weil er nicht "aus seiner Haut" kann.
Ich rate dir dringend davon ab, dort hinzuziehen - vorher solltet ihr beide genau Bescheid wissen, wie es mit euch weitergeht und wie oft und in welcher Weise ihr euch seht und er das aushalten kann.
Mein erster Gedanke war, dass du dort aber in eine andere Wohnung ziehst, aber dann musst du dort einen totalen Neustart beginnnen und kannst dich anfangs nicht auf ihn als häufigen Treffpartner verlassen, weil er häufigen Abstand benötigt.
Das würde also alles nur noch mehr belasten.
Den Umzug solltest du also derzeit noch sein lassen.
Zumindest sagt mir das mein Bauchgefühl - ob das passt, das musst du nun mit deiner Situation und deinem Gefühl abgleichen.
Hoffe zumindest, dir allein durch die weitere Ansicht weitergeholfen zu haben.
Viel Glück dir und euch!!
Eure beiderseitig großen Gefühle klingen sehr vielversprechend für einen Erfolg in der Zukunft!

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17. August 2014 um 23:52

Gibt da einige Möglichkeiten
aber nicht für dich, du hast damit ja nichts zu tun.
Es hängt alles von ihm ab. Und bevor er nicht ernsthaft
was ändern will sondern nur sagt er möchte und er will ...
ist's eher schwierig.

Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten, entweder ändert er sich oder es wird sogar noch viel viel schlimmer.

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18. August 2014 um 1:17

Zwischen den Zeilen lese ich eine ganze Menge "weiterer, persönlicher" Probleme heraus. Er braucht viel Abstand, hat Angststörungen und wahrscheinlich kratzt das Ganze noch an der Oberfläche.

Das ist sicher eine schwierige Ausgangslage, aber durchaus schaffbar.

Was er alles falsch macht, darum geht es dir ja nicht, sagst du.

Also schauen wir mal, was du "falsch machst". Im engeren Sinne gibt es das nicht, aber ich finde vieles sehr unsensibel von dir:

Du setzt ihn unter Druck. Das mit der Nähe kann durch Stubsen in die richtige Richtung führen, aber so wie du das hier geschildert hast, war es eher ein Drängen, vielleicht sogar ein Nötigen.

Wenn dein Partner Nähe möchte, muss er selbst das Bedürfnis haben, sonst schwingt das schnell in Abneigung oder sogar Ekel um, ein typisches Beispiel ist ja ein Mutter/Tochter oder Mutter/Sohn Verhältnis, bei dem sich die Kinder langsam emanzipieren und "ieh ekelig" bei Küssen sagen oder die Mutter wegschubsen, wenn sie mit dem Kind schmusen möchte.

Bei den anderen Gelegenheiten bist du definitiv nicht der Auslöser, allerdings trägst du mit deinem Verhalten nicht zur Besserung der Lage bei.

Abstand wäre angebracht, ein klares Wort und vielleicht solltest du - auch aus Selbstschutz (weil du nicht seine Mutter bist) - bei schlechter Stimmung (deiner- und seinerseits) sofort selbst die Flucht antreten. Gleichzeitig darfst du ihm nicht alles übel nehmen und nachtragen.

Zusammenziehen solltet ihr jetzt nicht - und später auch nur dann, wenn genug Platz ist euch einmal einen Abend aus dem Weg zu gehen. (Also keine 1-2 Raumwohnung)

Nimm das Jobangebot an und nimm dir eine eigene Wohnung. Danach könnt ihr beide zur Vernunft kommen.

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