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Mein Freund braucht 100% Aufmerksamkeit...geht das?

20. August 2006 um 20:05

Hallo zusammen!

Ich habe ein Problem...von dem ich anfangs dachte dass es sich einfach "nur" um krankhafte Eifersucht handelt...aber inzwischen denke ich, dass da noch andere Dinge eine Rolle spielen.

Versuche mich kurz zu fassen: ich führe seit einem Jahr eine Fernbeziehung, eine eigentlich zu 95% sehr glückliche und harmonische, wir sehen uns alle drei Wochen für jeweils eine Woche. Mein Freund ist ein unglaublich lieber, ehrlicher, leidenschaftlicher, anständiger Kerl, aber auch sehr sensibel, und vor allem impulsiv, und zusätzlich dazu auch eifersüchtig. Wenn wir zusammen sind, spielt seine Eifersucht aber überhaupt keine Rolle, sie tritt nur zum Vorschein wenn wir getrennt sind. Aber dann kommt es manchmal zu dramatischen Szenen...

Die unglücklichen Zeiten kommen immer dann, wenn ich mal ausnahmsweise keine Zeit für ihn habe. Dann fühlt er sich sofort vernachlässigt. Ich als nicht grad versierte Hobbypsychologin denke inzwischen, dass er die Eifersucht oft nur als Vorwand vorschiebt, weil er mich so gut kennen sollte um zu wissen dass er mir vertrauen kann und er in Wirklichkeit einfach nur ein sehr sehr grosses Aufmerksamkeitsdefizit hat.

Er hat vor kurzem angefangen, sich selbst zu verletzen, warum das weiss ich nicht, aus Verzweiflung, oder Trotz, oder Wut weil ich nicht immer für ihn da bin? Es hat sich schon einmal vor meinen Augen eine Zigarette auf seinem Arm ausgedrückt, wegen einer kleinen Sache auf die ich jetzt nicht näher eingehen will, jedenfalls wollte er mir mit seiner Aktion zeigen wie weh ich ihm damit getan habe. Gestern hat er sich mit einem Messer verletzt und sehr viel Blut verloren... er rief mich weinend an und sagte "Warum tust du mir das an, warum quälst du mich so, ich bin bereit für dich zu sterben."

Ihr könnt euch vorstellen dass das nicht einfach für mich ist, ich hatte gestern am Telefon einen leicht hysterischen Anfall, denn er sagte immer nur etwas von Messer und viel Blut, und Schmerzen, und ich habe mich so machtlos gefühlt, denn was soll man am Telefon anrichten?

Auslöser dieser Anfälle sind immer Situationen, in denen ich nicht für ihn erreichbar sein konnte. Er will meine ungeteilte Aufmerksamkeit, und erwartet von mir dass ich rund um die Uhr für ihn erreichbar bin. Ob ich ins Kino gehe, oder beim Arzt im Wartezimmer mit Handyverbot sitze, oder grad in einem Funkloch bin...das interessiert ihn dann nicht. Wenn er mich anruft, und ich nicht sofort rangehe, ist das für ihn ein Zeichen dafür dass ich nicht mit ihm reden will, dass ich ihn nicht mehr liebe, und sofort verfällt er in Panik.

Er sagt immer: "Baby, keine Angst, ich bin nicht verrückt... ich bin nur verrückt nach dir."

Er kommt einfach mit der räumlichen Trennung überhaupt nicht klar, es macht ihn wahnsinnig. Er isst nicht mehr, bei jedem Wiedersehen spüre ich ein paar Knochen mehr an ihm, er schläft nicht mehr, ist immer müde, hat Magenprobleme, macht sich ständig nur noch Sorgen, dass er mich verlieren könnte, ruft mich von früh bis spät an... ich versuche so, ihn zu verstehen, ich versuche so, ihm die Zweifel zu nehmen, und ihm immer das Gefühl zu geben dass ich ihn wahnsinnig liebe. Ich versuche geduldig und geduldig und noch mal geduldig ihm alle Angst zu nehmen, und ihm klarzumachen dass er nichts zu befürchten hat.

Aber er sieht nicht, dass ich auch noch ein Leben habe, und dass es einfach unmöglich für mich ist, vor allem auch noch durch die grosse Entfernung, immer für ihn da zu sein. Ich muss arbeiten, habe ein Hobby, (einige wenige) Freunde, bin zwar zum Glück schon von mir aus kein grosser Ausgänger, so dass es hier wenig Reibungspunkte gibt... aber trotzdem kommt es halt ab und zu mal vor dass ich mein Handy nicht benutzen kann oder darf. Er ist dann so gekränkt, dass ich einmal ausnahmsweise keine Zeit für ihn hatte, dass er auf anderen Wegen versucht, meine Aufmerksamkeit zu bekommen, bzw. dass er versucht, mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Indem er sich selbst verletzt, und dann hinterher wahnsinnig leidet, was wie eine stumme Anklage wirkt ("Sieh was du mir angetan hast, das habe ich nur wegen dir getan, weil du mir mein Herz gebrochen hast. Sieh nur wie sehr ich dich liebe!") indem er das tut bekommt er die Aufmerksamkeit die er sich erhofft hat. Denn natürlich bin ich jedes Mal wieder erneut schockiert und besorgt und versuche, mit Engelszungen auf ihn einzureden. Es folgen immer stundenlange Telefonate in denen er mir weinend erzählt wie sehr er mich vermisst, und wie sehr er mich liebt, und dass ich ihm bitte nie wehtun soll, und ihn nie verlassen soll, denn er könnte es nicht ertragen, es würde ihn umbringen.

So langsam wird mir bewusst dass

a) mein Freund ein Problem hat, mir zu vertrauen
b) er dazu noch ziemlich eifersüchtig ist und
c) er es nicht verkraften kann wenn er nicht meine 100%ige Aufmerksamheit hat.

Wie gehe ich damit am besten um? Soll ich seine Anfälle ignorieren und hoffen, dass er damit aufhört wenn er dann merkt dass er damit auch nicht mehr Aufmerksamkeit bekommt?

Ich befürchte, dass ich eure Antworten und Ratschläge für mein Problem schon im Voraus kenne: "Mädel, nimm die Beine in die Hand und lauf um dein Leben!" Aber ich kann es nicht, ich kann ihn so nicht im Stich lassen, ich liebe ihn und könnte ihn nie so kampflos aufgeben! Ich bin meines Erachtens sehr stark und mich haut so leicht nichts um, deshalb habe ich momentan noch nicht vor, zu flüchten und ihn seinem Schicksal zu überlassen. Wenn ich wüsste wie ich ihm helfen könnte (Helfersyndrom lässt grüssen), wenn ich wüsste wie ich mit seinen Anfällen umzugehen habe, dann wäre mir schon sehr geholfen...

Oder würde es ihm vielleicht helfen, wäre es besser für ihn und seinen Seelenzustand, wenn wir uns trennen würden? Soll ich ihn, und wenn ich ihn noch so liebe, loslassen, damit er vielleicht wieder zur Normalität zurückfindet? Oder lohnt es sich, zu kämpfen? Oder mache ich damit etwa alles nur noch viel viel schlimmer? Das sind Fragen die mich momentan beschäftigen.

Tut mir leid dass das mit dem kurzfassen jetzt doch nicht so geklappt hat aber ich hoffe, der eine oder andere nimmt sich die Zeit, meine Geschichte durchzulesen (und dann zusätzlich noch mal ein bisschen Zeit, um mir super-hilfreiche Tipps zu schreiben)

Ganz liebe Grüsse und schon mal Danke im Voraus!!

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20. August 2006 um 20:36

Hallo,
ich denke da ist professionelle Hilfe anzuraten. Das Verhalten Deines Freundes geht über eine "normale" Eifersucht hinaus, vor allem die Selbstverletzung deutet auf eine mögliche psychische Störung hin. Da solltest Du nicht selbst "rumdoktern" sondern versuchen mit einem Arzt oder Psychotherapeuten zu reden. Evtl. auch erst ein dazu passendes Internetforum suchen. Ein seriöses natürlich, z.B. www.medizin-forum.de, hier gibts ein Fachforum "Psychotherapie".

Viel Glück!

f.

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20. August 2006 um 20:46

Hallo und danke für deine schnelle Antwort...
...du hast völlig recht, ich habe mich ja selber als nicht sehr versierte Hobbypsychologin bezeichnet... damit meinte ich auch, dass ich lediglich versuche, ihn zu verstehen, sein Verhalten zu deuten... aber ich habe keine Mittel und Wege, etwas an seinem Verhalten zu ändern, ich kann und will auch gar nicht Therapeutin für ihn spielen.

Dass er professionelle Hilfe braucht weiss ich. Das Problem ist, dieses Anliegen ansehlich zu verpacken, und ihm so zu überreichen dass er sich nicht verletzt oder angegriffen fühlt... es ist ein sehr sensibles Thema, jemandem sagen zu müssen/wollen dass er vielleicht psychologische Probleme hat und Hilfe braucht.

Ich habe einmal mit einer Freundin darüber geredet... dass ich Angst habe dass er eventuell manisch-depressiv ist, oder sonst irgendeine psychische Krankheit hat. Das an sich ist ja nichts schlimmes, wenn man es weiss kann man lernen damit umzugehen, es gibt für vieles ja inzwischen Medikamente. Leider hat der Freund meiner Freundin unser Telefongespräch mitbekommen, und erzählte dann hinterher meinem Freund widerum: "Du, deine Freundin denkt du bist verrückt." Super, warum nicht gleich mit dem Hammer voll drauf auf den Kopp? Daraufhin sagte er dann dieses zu mir: "Du denkst ich bin verrückt, aber das bin ich nicht, ich bin nur verrückt nach dir."

Ich habe langsam auch wirklich riesige Angst um ihn. Obwohl er sich wohl nie ernsthaft verletzen würde, es geht ja nur darum, auf sich aufmerksam zu machen. Aber ich denke, bis er dazu bereit ist, zu akzeptieren dass er Hilfe braucht, ist es noch ein weiter Weg.

Danke noch mal, und liebe Grüsse!

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20. August 2006 um 20:49

Professionelle hilfe
Dein Freund hat ganz klar ein ernstes Problem, dass ihr allein ganz bestimmt nicht lösen könnt.

Ich würde dir auf jeden Fall raten, deswegen professionellen Rat und Hilfe anzunehmen.

Informiere dich vorher und versuche ihn zu überzeugen, gemeinsam mit dir professionelle Hilfe aufzusuchen.

Ich wünsche dir weiterhin viel Glück,
Lena


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20. August 2006 um 20:51
In Antwort auf brent_12158078

Hallo,
ich denke da ist professionelle Hilfe anzuraten. Das Verhalten Deines Freundes geht über eine "normale" Eifersucht hinaus, vor allem die Selbstverletzung deutet auf eine mögliche psychische Störung hin. Da solltest Du nicht selbst "rumdoktern" sondern versuchen mit einem Arzt oder Psychotherapeuten zu reden. Evtl. auch erst ein dazu passendes Internetforum suchen. Ein seriöses natürlich, z.B. www.medizin-forum.de, hier gibts ein Fachforum "Psychotherapie".

Viel Glück!

f.

Danke!
Hallo future06, danke für den Tipp, ich werde mir die Seite sofort mal anschauen.

Es ist wirklich nicht meine Absicht, oder mein Ziel, das selbst lösen zu wollen...das kann ich gar nicht, ich würde wahrscheinlich vielleicht sogar noch grösseren Schaden anrichten. Ich will auf keinen Fall rumdoktern, aber momentan kann ich einfach nichts anderes tun als versuchen, ihn zu verstehen... denn die Einsicht, dass er professionelle Hilfe braucht, die muss von ihm selbst kommen, die kann ich ihm nicht aufzwingen

Aber ich werde mein bestes tun, ihn zu unterstützen, falls er es eines Tages einsieht.

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20. August 2006 um 20:55
In Antwort auf dorika_12249878

Hallo und danke für deine schnelle Antwort...
...du hast völlig recht, ich habe mich ja selber als nicht sehr versierte Hobbypsychologin bezeichnet... damit meinte ich auch, dass ich lediglich versuche, ihn zu verstehen, sein Verhalten zu deuten... aber ich habe keine Mittel und Wege, etwas an seinem Verhalten zu ändern, ich kann und will auch gar nicht Therapeutin für ihn spielen.

Dass er professionelle Hilfe braucht weiss ich. Das Problem ist, dieses Anliegen ansehlich zu verpacken, und ihm so zu überreichen dass er sich nicht verletzt oder angegriffen fühlt... es ist ein sehr sensibles Thema, jemandem sagen zu müssen/wollen dass er vielleicht psychologische Probleme hat und Hilfe braucht.

Ich habe einmal mit einer Freundin darüber geredet... dass ich Angst habe dass er eventuell manisch-depressiv ist, oder sonst irgendeine psychische Krankheit hat. Das an sich ist ja nichts schlimmes, wenn man es weiss kann man lernen damit umzugehen, es gibt für vieles ja inzwischen Medikamente. Leider hat der Freund meiner Freundin unser Telefongespräch mitbekommen, und erzählte dann hinterher meinem Freund widerum: "Du, deine Freundin denkt du bist verrückt." Super, warum nicht gleich mit dem Hammer voll drauf auf den Kopp? Daraufhin sagte er dann dieses zu mir: "Du denkst ich bin verrückt, aber das bin ich nicht, ich bin nur verrückt nach dir."

Ich habe langsam auch wirklich riesige Angst um ihn. Obwohl er sich wohl nie ernsthaft verletzen würde, es geht ja nur darum, auf sich aufmerksam zu machen. Aber ich denke, bis er dazu bereit ist, zu akzeptieren dass er Hilfe braucht, ist es noch ein weiter Weg.

Danke noch mal, und liebe Grüsse!

Hallo!
Mensch, echt ne schwierige Situation! Aber super das du zu ihm hälst und nicht gleich die Beziehung beendest!
Das er manisch- depressiv ist, glaub ich nicht. Er braucht unbedingt professionelle Hife, denn er scheint 1. absolut kein Selbstbewußtsein/ Selbstwertgefühl zu haben ( deshalb diese Eifersucht) und 2. irgendein Trauma in seiner Kindheit gehabt zu haben. Außerdem denke ich, dass er enorme Verlustängste hat. Auch wegen der Kindheit? Wie steht er zu seinen Eltern?
Versuche ganz behutsam mit ihm zu reden, denn er braucht unbedingt Hilfe, normal ist sein Verhalten keineswegs.

Ich drück dir ganz feste die Daumen!!

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20. August 2006 um 22:02
In Antwort auf maral_12442065

Professionelle hilfe
Dein Freund hat ganz klar ein ernstes Problem, dass ihr allein ganz bestimmt nicht lösen könnt.

Ich würde dir auf jeden Fall raten, deswegen professionellen Rat und Hilfe anzunehmen.

Informiere dich vorher und versuche ihn zu überzeugen, gemeinsam mit dir professionelle Hilfe aufzusuchen.

Ich wünsche dir weiterhin viel Glück,
Lena


Gemeinsam...
...sind wir stark, ich möchte ihm (und uns) auch auf jeden Fall helfen und gemeinsam mit ihm zum Psychologen gehen. Nur muss er halt vor diesem Schritt erstmal überhaupt einsehen dass wir das nötig haben.

Danke dir, liebe Lena, ich habe immer noch die Hoffnung dass wir es mit Glück, viel Geduld und Spucke, viel Liebe, und mit einem Seelendoktor irgendwie noch schaffen können, die Kurve zu bekommen.

Liebe Grüsse!

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20. August 2006 um 22:33
In Antwort auf sonne980

Hallo!
Mensch, echt ne schwierige Situation! Aber super das du zu ihm hälst und nicht gleich die Beziehung beendest!
Das er manisch- depressiv ist, glaub ich nicht. Er braucht unbedingt professionelle Hife, denn er scheint 1. absolut kein Selbstbewußtsein/ Selbstwertgefühl zu haben ( deshalb diese Eifersucht) und 2. irgendein Trauma in seiner Kindheit gehabt zu haben. Außerdem denke ich, dass er enorme Verlustängste hat. Auch wegen der Kindheit? Wie steht er zu seinen Eltern?
Versuche ganz behutsam mit ihm zu reden, denn er braucht unbedingt Hilfe, normal ist sein Verhalten keineswegs.

Ich drück dir ganz feste die Daumen!!

Den Tipps mit der professionelle Hilfe,
schliesse ich mich an

Wenn Du auf Entfernung am Durchdrehen bist,dass er sich echt mal ernsthaft verletzen könnte,schick einen Notarzt hin.
Oder kennst Du jemand in seiner Nachbarschaft oder Freunde,die um die Ecke wohnen und das ggf. checken könnten?
Einfach"Du.....hat grad angerufen,macht sich Sorgen,dass es Dir nicht gut geht,wir wollten mal nach Dir sehen...."..weiss nicht,ob das ggf.hilfreich sein könnte (?)...

Das hat Krankheitswert,was er veranstaltet.
Und Du liegst schon nicht daneben mit Deinen Vermutungen mit der Aufmerksamkeit,die er haben möchte.

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20. August 2006 um 22:37
In Antwort auf sonne980

Hallo!
Mensch, echt ne schwierige Situation! Aber super das du zu ihm hälst und nicht gleich die Beziehung beendest!
Das er manisch- depressiv ist, glaub ich nicht. Er braucht unbedingt professionelle Hife, denn er scheint 1. absolut kein Selbstbewußtsein/ Selbstwertgefühl zu haben ( deshalb diese Eifersucht) und 2. irgendein Trauma in seiner Kindheit gehabt zu haben. Außerdem denke ich, dass er enorme Verlustängste hat. Auch wegen der Kindheit? Wie steht er zu seinen Eltern?
Versuche ganz behutsam mit ihm zu reden, denn er braucht unbedingt Hilfe, normal ist sein Verhalten keineswegs.

Ich drück dir ganz feste die Daumen!!

Hallo Sonne...
...danke dass du mich in meiner Entscheidung bestärkst...die meisten Menschen würden mir nämlich raten, mich nicht weiter darauf einzulassen weil es ein aussichtsloser Kampf ist, der am Ende nicht nur sein, sondern auch noch mein Leben zerstören könnte... und ich kann es ja auch verstehen wenn sie so denken.

Meine Vernunft sagt mir, dass ich vorsichtig sein soll, und die Notbremse ziehen muss bevor dieses Problem anfängt, mich und mein Leben auch noch komplett einzunehmen. Momentan sind die oben beschriebenen Situation ja noch Ausnahmesituationen...meistens geht es bei uns sehr harmonisch zu, wir sind jetzt seit einem Jahr zusammen, und da kam es 3mal zu einer richtig grossen Krise (kleinere Streitereien gab es etwas öfter, aber auch nicht mehr als in jeder anderen "normalen" Beziehung) ...und von den 3mal waren eben 2 so richtig krass, inklusive sich selbst Schmerzen zufügen und so. Ich habe einfach nur Angst dass es mit der Zeit immer schlimmer wird, dass er irgendwann komplett unberechenbar wird und ich nur noch mit der Angst lebe, dass der nächste Ausbruch bestimmt bald kommt.

Daran dass er manisch-depressiv ist glaube ich auch nicht so richtig. Er ist zwar sehr sprunghaft - heute glücklich und euphorisch, morgen depressiv, launisch, misstrauisch - aber ansonsten gibt es dafür keine Anzeichen. Ich habe mal gelesen dass es Leute gibt die sich selbst Verletzungen zufügen, und das nennt man Borderline-Syndrom. Bin momentan dabei, mir darüber mehr Infos zu besorgen. Aber es macht eigentlich auch keinen Unterschied: ich kann und will da keine Diagnose aufstellen, das muss ich dem Experten überlassen.

Zu deinen Fragen:
1.) Das komische bei ihm ist, dass er nach aussen hin sehr viel Selbstbewusstsein zeigt. Er ist ein unglaublich gutaussehender Mann, nach dem sich auf der Strasse sogar die 70-jährigen Omis umdrehen, weil er einfach etwas unglaublich Anziehendes ausstrahlt. Er muss in seinem Beruf oft vor grösseren Gruppen reden, und macht das immer mit so viel Charme und so einer wahnsinnig grossen Portion Selbstbewusstsein, dass ich mich immer wundere, was es doch für ein Riesenunterschied gibt zwischen dem Mann, der da vorne steht und ganze Busladungen zum Lachen bringt, und dem Mann der später am Abend dann wie ein kleines anlehnungsbedürftiges Baby in meinen Armen einschläft.
Tatsächlich hat er ein sehr niedriges Selbstwertgefühl, und lebt ständig mit der Angst, dass ich jemanden treffen könnte der mir mehr zu bieten hat als er.
2.) Traumas in der Kindheit gab es... - er hat bis heute Angst alleine im Dunklen, weil er früher, als 10jähriger Junge, oft ganz alleine im Wald schlafen musste (ich möchte jetzt an dieser Stelle nicht erläutern wie es dazu kam...), er hat mir mal erzählt er kann sich einfach nur daran erinnern, dass er eine wahnsinnige Angst hatte, weil es so stockdunkel im Wald war, und er um sich herum überall Geräusche hörte...und er die Wärme und den Geruch seiner Mutter total vermisste...

Er hat enorme Verlustängste, dessen bin ich mir bewusst. Vielleicht hat das eben damit zu tun dass er die vorübergehende Trennung von seiner Mutter, und das nachts-alleine-im-Wald-schlafen nie richtig verarbeitet hat.

Das Verhältnis zu seinen Eltern ist sehr gespalten... das heisst, er ist seiner Mutter unglaublich nah, war immer derjenige in der Familie der ihr im Haushalt half und sie unterstützte (in der Familie gibt es Vater, Mutter und 5 Söhne), er vertraut ihr auch heute noch seine Sorgen an, sie ist auch wirklich eine wunderbare Frau, sie liebt mich über alles, würde sich nie zwischen uns stellen, im Gegenteil, sie unterstützt mich wenn mein Freund mal wieder einen Anfall von Eifersucht hat.
Zu seinem Vater hat er allerdings kein sehr gutes Verhältnis. In seiner Kindheit muss irgendetwas Schlimmes vorgefallen sein, der Vater muss der Mutter etwas Schlimmes angetan haben, ich glaube er hat sie auch 1 oder 2mal geschlagen, und das hat mein Freund seinem Vater bis heute nicht verziehen, denn seine Mutter bedeutet ihm alles, und wer sie verletzt, der verletzt ihn auch. Auch hat sein Vater ein paar unkluge und nicht sehr vorausschauende finanzielle Entscheidungen in seinem Leben getroffen, was dann letztendlich dazu führte dass die ganze Familie aufgrund dieser Entscheidungen in ziemlich ärmlichen Verhältnissen leben musste. Auch daran hat mein Freund heute noch zu knabbern.

Ist alles schon ziemlich kompliziert...

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20. August 2006 um 22:43
In Antwort auf dorika_12249878

Gemeinsam...
...sind wir stark, ich möchte ihm (und uns) auch auf jeden Fall helfen und gemeinsam mit ihm zum Psychologen gehen. Nur muss er halt vor diesem Schritt erstmal überhaupt einsehen dass wir das nötig haben.

Danke dir, liebe Lena, ich habe immer noch die Hoffnung dass wir es mit Glück, viel Geduld und Spucke, viel Liebe, und mit einem Seelendoktor irgendwie noch schaffen können, die Kurve zu bekommen.

Liebe Grüsse!

Hallo
Dein Freund hat nicht ein Problem, dir zu vertrauen, sondern ein Problem, irgendwem zu vertrauen. Das scheint mir ziemlich offensichtlich. Wenn du dich trennst, beruhigt er sich wohl irgendwann, wenn er wieder mit jemandem zusammen ist, geht alles von vorne los. Und ich denke auch nicht, dass das Problem kleiner wäre, wenn die räumliche Trennung nicht wäre. Auch wenn ihr zusammen wohnen würdet, könntet ihr ja nicht 24 Stunden am Tag zusammenkleben.

Du hast vollkommen recht, wenn du meinst, dass er selber zur Einsicht kommen muss, Hilfe zu suchen. Trotzdem finde ich, ein klein wenig könntest du ihn auch in diese Richtung schupsen. Wie alt ist er denn? Was sagt er denn zu alledem, redet ihr darüber? Warum verfällt er in Panik, wenn er dich nicht erreichen kann, hast du ihn das einmal gefragt? Und wenn ja, hast du eine ehrliche Antwort bekommen, hat er darüber geredet oder nur in Floskeln wie *er sei eben verrückt nach dir* geantwortet? Hast du ihn gefragt, warum er diese Riesenangst hat, verlassen zu werden (nicht nur von dir verlassen zu werden, sondern überhaupt).

Ich meine, er sollte anfangen, darüber zu reden. Und du solltest dich nicht mit allgemeinen Aussagen zufrieden geben. Ich meine damit nicht, dass du rumbohren solltest oder Druck machen, aber *ich bin eben verrückt nach dir*, das ist keine Antwort und keine Erklärung für das alles. Frag doch einfach mal genauer nach (sofern du das nicht schon getan hast, oder sonst frag halt immer mal wieder, wenn die Atmosphäre für so ein Gespräch stimmt, also eher nicht am Telefon). Vielleicht kannst du ihm so einen Anstoss geben, sich mehr zu öffnen und sich irgendwan einzugestehen, dass er etwas unternehmen und sich Hilfe suchen sollte. Letztlich auch, weil man so längerfristig ja eher keine Beziehung führen kann.

Ob du mit zum Psychologen solltest, das bezweifle ich hingegen sehr. Es handelt sich da ja nicht um ein Beziehungsproblem, vielmehr scheint er sehr grosse Probleme zu haben. Die Kurve muss er wohl selber zuerst mal kriegen.

Ansonsten habe ich den Eindruck gewonnen, dass du in der Lage bist, nicht dein ganzes Leben umzukrempeln und bei dir zu bleiben. Das ist sehr sehr wichtig. Es ist wichtig, dass du Grenzen aufzeigst und dabei bleibst, dass du nicht jede Minute Zeit für ihn hast. Ich finde es toll, dass du zu ihm hältst.

Beifügen möchte ich auch noch: das wird wohl ein sehr langer Weg werden für dich. Ich wünsche dir alles Gute dabei.

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21. August 2006 um 21:43
In Antwort auf rahat_12382376

Hallo
Dein Freund hat nicht ein Problem, dir zu vertrauen, sondern ein Problem, irgendwem zu vertrauen. Das scheint mir ziemlich offensichtlich. Wenn du dich trennst, beruhigt er sich wohl irgendwann, wenn er wieder mit jemandem zusammen ist, geht alles von vorne los. Und ich denke auch nicht, dass das Problem kleiner wäre, wenn die räumliche Trennung nicht wäre. Auch wenn ihr zusammen wohnen würdet, könntet ihr ja nicht 24 Stunden am Tag zusammenkleben.

Du hast vollkommen recht, wenn du meinst, dass er selber zur Einsicht kommen muss, Hilfe zu suchen. Trotzdem finde ich, ein klein wenig könntest du ihn auch in diese Richtung schupsen. Wie alt ist er denn? Was sagt er denn zu alledem, redet ihr darüber? Warum verfällt er in Panik, wenn er dich nicht erreichen kann, hast du ihn das einmal gefragt? Und wenn ja, hast du eine ehrliche Antwort bekommen, hat er darüber geredet oder nur in Floskeln wie *er sei eben verrückt nach dir* geantwortet? Hast du ihn gefragt, warum er diese Riesenangst hat, verlassen zu werden (nicht nur von dir verlassen zu werden, sondern überhaupt).

Ich meine, er sollte anfangen, darüber zu reden. Und du solltest dich nicht mit allgemeinen Aussagen zufrieden geben. Ich meine damit nicht, dass du rumbohren solltest oder Druck machen, aber *ich bin eben verrückt nach dir*, das ist keine Antwort und keine Erklärung für das alles. Frag doch einfach mal genauer nach (sofern du das nicht schon getan hast, oder sonst frag halt immer mal wieder, wenn die Atmosphäre für so ein Gespräch stimmt, also eher nicht am Telefon). Vielleicht kannst du ihm so einen Anstoss geben, sich mehr zu öffnen und sich irgendwan einzugestehen, dass er etwas unternehmen und sich Hilfe suchen sollte. Letztlich auch, weil man so längerfristig ja eher keine Beziehung führen kann.

Ob du mit zum Psychologen solltest, das bezweifle ich hingegen sehr. Es handelt sich da ja nicht um ein Beziehungsproblem, vielmehr scheint er sehr grosse Probleme zu haben. Die Kurve muss er wohl selber zuerst mal kriegen.

Ansonsten habe ich den Eindruck gewonnen, dass du in der Lage bist, nicht dein ganzes Leben umzukrempeln und bei dir zu bleiben. Das ist sehr sehr wichtig. Es ist wichtig, dass du Grenzen aufzeigst und dabei bleibst, dass du nicht jede Minute Zeit für ihn hast. Ich finde es toll, dass du zu ihm hältst.

Beifügen möchte ich auch noch: das wird wohl ein sehr langer Weg werden für dich. Ich wünsche dir alles Gute dabei.

Ja du hast Recht...
...es liegt nicht an mir, er hat ein generelles Problem damit, jemandem zu vertrauen. Er sagte mir einmal dass er niemandem vertraut, nicht mal sich selbst (das war an einem seiner rabenschwärzesten Tage). Normalerweise sagt er, dass er niemandem vertraut, ausser seiner Mama und mir. Na immerhin was. Aber er traut nicht mal seinen Brüdern, und schon gar nicht seinem Vater.
Deshalb denke ich auch, dass eine Trennung, bei ihm zumindest, nichts ändern würde...er hätte bei seiner nächsten Beziehung die gleichen Probleme. Ich will ihm so gerne helfen, denn auch wenn ein mancher das nicht verstehen mag er bedeutet mir sehr viel, und ich möchte ihn nicht aufgeben. Aber ich muss an dieses Thema mit der Therapie sehr sensibel rangehen das geht nicht einfach so. Ich muss dazu sagen dass er Türke istund psychische Probleme, so wie mir gesagt wurde, gibt es in der Türkei keine, sie werden totgeschwiegen es gibt sie einfach nicht. Er ist übrigens 24 Jahre alt. Über unsere Probleme haben wir schon oft geredet er sieht auch ein dass er meistens der Auslöser dafür ist aber er schiebt es auf seine Eifersucht (und jeder Türke ist eifersüchtig) und die Tatsache dass er das Gefühl hat, verrückt zu werden ohne mich. Er hat schon das eine oder andere Mal etwas ratlos zu mir gesagt Ich kenne mich selbst nicht wieder, was ist nur mit mir los. und einmal hat er mich angefleht dass ich ihm helfen soll, ich soll ihn bitte nicht im Stich lassen und ihm helfen, dann wird alles gut. Dann wiederum ist er von einer Minute auf die andere plötzlich wieder felsenfest davon überzeugt dass ICH diejenige bin, die alle Probleme verursacht. Weil ich nicht genug aufpasse, nicht genug auf seine Gefühle Rücksicht nehme (indem ich es wage, an einen Ort zu gehen an dem er mich 2 Stunden lang nicht erreichen kann) Er ist so sprunghaft und auch wenn ich ihn in einer schwachen Minute erwische, und er einer Therapie zustimmen würde, könnte es gut sein dass er sich am nächsten Tag kategorisch weigert, sich an diese Abmachung zu erinnern. Aber ich werde alles versuchen, das ist er mir wert.
Ich habe ihn ehrlich gesagt noch nie gefragt, warum er solche Angst davor hat, verlassen zu werden. Er sagt mir immer Ich möchte dich nie verlieren, aber es stimmt, ich bin noch nie auf die Idee gekommen, mal nach dem Hintergrund zu fragen. Das mit dem Telefonhm na ja, ich habe ihn das schon oft gefragt, aber er sagt immer: Du bist meine Frau, und wenn ich mit meiner Frau reden will, dann muss sie für mich auch erreichbar sein. Das ist für mich kein Argumentaber ein anderes hat er nicht. Ich bin mir nicht so ganz sicher was in seinem Kopf vorgeht. Nach seinem letzten Anfall hat er mir das so erklärt er ruft mich an, ich geh nicht ans Telefon, und sofort kommen die schlimmen Bilder er stellt sich vor dass ich gerade mit einem anderen Mann zusammen bin, und sehe dass er anruft, aber keine Lust habe, das Telefon abzunehmen und mit ihm zu reden. Dann fängt er an, mir verzweifelte SMS zu schicken, aber ich antworte natürlich nicht darauf (weil ich das Handy ja gar nicht bei mir habe, aber in seinem Kopf sitze ich da und lache mich über sein verzweifeltes Flehen tot)und das macht ihn dann noch verrückter. Hm ich habe ihm schon tausendmal erklärt dass, wenn ich mal das Telefon nicht abnehmen kann, das nur daran liegt dass ich mein Telefon entweder gar nicht bei mir habe, oder ausschalten musste. Und bis jetzt habe ich ihm sogar jedes Mal vorher bescheid gesagt, oder ein SMS geschrieben (Ich muss gleich mein Handy ausschalten, bin beim Arzt, melde mich bei dir wenn ich wieder erreichbar bin.) Aber das akzeptiert er nicht. Also was das Handy betrifft da kommen wir wirklich auf keinen grünen Zweig. Manchmal würde ich es am liebsten einfach aus dem Fenster werfen

Ich bin bereit den langen Weg zu gehenhabe keine Angst davor.
Ich danke dir ganz herzlich für deine Meinung und deine Ratschläge!

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