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Mein (Ex-)Freund hat Aggressionsprobleme

24. November 2020 um 0:03 Letzte Antwort: 26. November 2020 um 19:43

(Bitte nur lesen wer Zeit und Interesse hat. Der Text wird lang.)

Hallo, ich bin 21 Jahre alt und war fast 4 Jahre mit meinem Freund zusammen.

Ich habe mit ihm heute Schluss gemacht weil ich sein aggressives Verhalten nicht mehr ertragen konnte. Ich hatte jedes mal Angst vor ihm wenn wir uns streiten. Er ist währenddessen wie ausgewechselt: er macht manchmal Gegenstände kaputt (z.B. vor kurzem sein teures Handy nachdem er es gegen die Wand geschlagen hat), schmeißt so gut wie immer Dinge durch die Gegend (selten deutet er an mich damit abzuwerfen, tut es aber nicht), schaut mich so richtig hasserfüllt an und seine Stimme wird laut und aggressiv. Es ist ihm dabei egal ob wir in der Öffentlichkeit sind oder zuhause. Er hat mich auch schon mehrmals geschubst und beleidigt. Ich würde ihm in solchen Momenten sogar zutrauen dass er mir weh tut.

Ich selbst bin ein ausgeglichener Mensch und bleibe im Streit relativ ruhig. Ich habe anfangs auch immer versucht ihn runter zu bekommen aber sobald er mal anfängt ist er nicht mehr zu stoppen.Noch schlimmer ist dass er nicht einsieht dass es nicht normal ist und wirft mir immer vor dass es meine Schuld ist wenn er so aggressiv wird. Aber es geht meistens nur um banale Sachen bei denen so gut wie immer ER mit dem Streit anfängt.

Außerdem will er nicht verstehen dass Wut an sich nicht das Problem ist sondern dass er diese Wut einfach nicht kontrollieren kann. Andere werden im Streit auch wütend aber können es trotzdem unterdrücken und lassen es nicht an ihrem Partner aus. Vor allem wenn man doch eindeutig weiß wie schlimm dieser es findet und deswegen anfängt zu weinen (was ich oftmals gemacht habe). Aber das interessiert ihn währenddessen nicht. Er macht einfach weiter und respektiert nicht dass ich nicht mehr kann und meine Ruhe brauche.
 Ich hatte ihm schon mehrmals gedroht Schluss zu machen aber jetzt habe ich es erst endgültig durchgezogen.Ich meinte zu ihm dass ich mich erst wieder melde wenn er seine Wut in den Griff bekommt und in ein Anti-Aggressionstraining geht aber das sieht er nicht ein und will die Schuld wieder auf mich schieben.Hinzu kommt noch dass er generell ganz schön unsensibel sein kann. Beispielsweise wenn ich kurz vor dem Weinen wegen etwas Belastendem war und Trost bei ihm suchte dann kam es schon mal vor dass er mich angemotzt hat von wegen ich soll mich verdammt nochmal zusammenreißen. Aber in dem Moment suche ich doch jemanden der mir aufmunternde Worte sagt und mich in die Arme nimmt!?

Er selbst weint nie. Laut ihm kann er sich an kein einziges Mal erinnern an dem er geweint hat. Hängt das mit seinen Aggressionen zusammen?

Vielleicht noch ein paar Infos zu ihm:
Er ist eigentlich sehr intelligent, hat kein gutes Verhältnis zu seinem Vater und wurde früher leicht gemobbt (auf der weiterführenden Schule nicht mehr; da haben wir uns auch kennengelernt). Meist ist er das komplette Gegenteil von dem was ich hier erzähle (zuvorkommend, unterstützend, witzig, ...) und ich weiß, dass er mich eigentlich liebt.

Und auch wenn es hier vielleicht nicht so rüber kommt: trotz allem liebe ich ihn auch so sehr und weiß nicht wie ich jemals über ihn hinweg kommen soll. Er war mein erster Freund und wir hatten so viele schöne Momente und so viel erlebt...

Habe ich trotzdem richtig gehandelt? Was meint ihr zu der ganzen Situation?

Ich bedanke mich schon mal für jede hilfreiche Antwort.

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24. November 2020 um 0:27

In einem Nebensatz erwähnst du, daß  er kein Anti-Aggressionstraining bzw. Therapie (ich ergänze ) mag.

Das ist jedoch die einzige Möglichkeit, Punktum!

Ich weiß aus persönlicher Erfahrung, wie schwierig es ist, jemanden von der Notwendigkeit einer Therapie zu überzeugen. Ich habe mehr als ein Dutzend Versuche gebraucht, aber dann gelang es. 

Obwohl ich bisher nur einmal einen Freund überzeugen mußte, glaube ich, daß man nie (zu früh  ) aufgeben darf. Man muß eine ruhige, positive Atmosphäre schaffen oder abwarten. Und ganz ruhig die Negativa aufzählen, die möglichen Positiva nach einer Therapie auch. Ein Dutzend mal.

Freundliche Grüße

Pi






 

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24. November 2020 um 8:47

Ich finde nicht, dass es ihre Aufgabe ist ihn dazu zu bringen eine Therapie zu machen. Sie sollte sich selbst schützen und das hat sie mit der Trennung getan.

Liebe TE, du hast das richtige getan und lange genug seine Wutausbrüche ertragen. Natürlich ist eine Trennung erstmal schmerzhaft und du vermisst ihn. Aber mit der Zeit wirst du merken, dass es dir ohne ihn viel besser gehen wird. Bleib standhaft.

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25. November 2020 um 0:06
In Antwort auf

Ich finde nicht, dass es ihre Aufgabe ist ihn dazu zu bringen eine Therapie zu machen. Sie sollte sich selbst schützen und das hat sie mit der Trennung getan.

Liebe TE, du hast das richtige getan und lange genug seine Wutausbrüche ertragen. Natürlich ist eine Trennung erstmal schmerzhaft und du vermisst ihn. Aber mit der Zeit wirst du merken, dass es dir ohne ihn viel besser gehen wird. Bleib standhaft.

Sorry  du hast recht. Ich habe beim Verfassen ihren ersten Satz (Ich habe heute Schluss gemacht  ) völlig vergessen. Der weitere Text ließ eher darauf schließen, daß sie ihn noch nicht aufgegeben hat, nur so ist mein Text zu verstehen.

Ja, es ist gut, daß sie jetzt ohne ihn weitermacht.

Pi

 

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25. November 2020 um 12:14

Hallo,

du hast auf jeden Fall richtig gehandelt. Auch wenn solche Aussetzer bei ihm nur einmal im halben Jahr auftreten würden, würden sie trotzdem dein Selbstwertgefühl zertrümmern und auf Dauer schwere seelische Schäden bei dir anrichten, wenn du mit ihm zusammen bleibst - und um so schlimmer, wenn sowas auch bei jedem kleineren Streit passiert.
Ich schreib's hier im Forum immer wieder gern: Auch der letzte Vollpfosten kann lieb und nett sein, wenn alles nach seinen Vorstellungen läuft. Entscheidend für eine Beziehung ist das, was bei Konflikten und Meinungsverschiedenheiten passiert. Denn auf Dauer gibt es nun mal keine Beziehung ohne Reibungspunkte, und dann muss man konstruktiv streiten können oder wenigstens so, dass einer dabei den anderen nicht kaputtmacht. Das kriegt dein Ex nicht hin.

Dass du jetzt Liebeskummer hast und den schönen Zeiten nachtrauerst, ist völlig normal, das würde jeder/m an deiner Stelle genauso gehen. (Auch wenn viele hier schreiben "Geh und wein ihm keine Träne nach", wenn man selber betroffen ist, ist es nie so einfach ) Dagegen helfen vor allem drei Dinge: Erstens Zeit; zweitens, dir selber was Gutes zu tun, selbst wenn's nur Kleinigkeiten sind; und drittens, dir in schwachen Momenten wieder in Erinnerung zu rufen, wie sehr du wegen ihm und seinen Aggressionen gelitten hast. Gut ist immer, dir sowas aufzuschreiben, damit du's bei Bedarf nachlesen kannst.

Das mit der Therapie ist in dem Fall ein besonders schwieriges Thema. Denn um es klar zu sagen: Das Problem mit seinen Aggressionen hat erstmal nicht er, sondern nur alle anderen, die darunter leiden müssen. Deshalb haben aggressive Gewalttäter meistens keinerlei Motivation, sich zu ändern oder eine Therapie zu machen, solange sie keine ernsthaften Konsequenzen ihres Verhaltens spüren. Sein Umfeld muss es schaffen, dass die Aggressionsprobleme dahin zurückkommen, wo sie hingehören, nämlich zu ihm.
Deine Trennung war schon mal eine erste Konsequenz für ihn. Die kratzt ihn anscheinend noch nicht so richtig an. Aber wer weiß, wenn sich die nächsten drei, vier Frauen aus demselben Grund von ihm trennen und vielleicht auch eine (weitere) große Liebe von ihm dabei ist, und wenn er darüber hinaus auch irgendwann seine Arbeitsstelle oder seinen Führerschein oder sonstwas Ernsthaftes durch sein Verhalten verliert, dann dämmert's ihm vielleicht allmählich, dass er so nicht weitermachen kann.

lg
cefeu

 

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25. November 2020 um 12:18

PS. Zu der Geschichte, dass er noch nie geweint hätte: Männer weinen allgemein seltener als Frauen - oder geben's jedenfalls seltener zu . Dein Ex gehört offensichtlich zu der Sorte, die sowas niemals zugeben würde, selbst wenn er's täte.
Und klar, Weinen und Sachen-Kaputthauen können zwei verschiedene Ausdrucksformen derselben gefühlten Stimmungslage (Angst, starke Verunsicherung, Stress) sein - der eine baut seinen inneren Druck eben eher durch Tränen ab und der andere durch Aggression.

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25. November 2020 um 14:35

Du hast völlig richtig gehandelt, er kann mit seinen Emotionen leider nicht umgehen.
Er kann nur Kälte oder Agression zeigen, wenn es ungenehm wird, das ist für eine Partnerschaft nicht gut.
Du schreibt du hast Angst das er dich körperlich an geht, selbst wenn sonst der Mann deiner Träume ist. Das ist es nicht wert.
So wie du ihn beschreibst wird er sich nicht ändern, es sei denn sieht seine Fehler selbt ein.

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26. November 2020 um 19:43

Vielen lieben Dank für eure Nachrichten!
Noch etwas: ich bin momentan am studieren und mir fehlt wegen des Liebeskummers leider jegliche Kraft um fürs Studium weiterzumachen. Hat jemand vielleicht noch weitere Tipps die mir diesbezüglich helfen könnten?

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