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Mein depressiver Freund distanziert sich immer weiter

3. Oktober 2016 um 14:55

Mein Freund und ich führen seit ca einem Jahr eine sehr glückliche Beziehung. Wir reden viel miteinander, sind ehrlich und können auch Gefühle gut kommunizieren. Er hat mir schon am Anfang der Beziehung erzählt, dass er depressive Verstimmungen hat und dass er seit Kurzem in Therapie (tiefenpsychologisch) ist.
Anfänglich und wahrscheinlich auch noch durch die frische Liebe beflügelt waren seine depressiven Phasen sehr kurz und er konnte mich meistens gut einbeziehen. Er hat mir dann erzählt, wie es ihm geht und erklärt warum er vielleicht distanzierter ist und grade Zeit für sich braucht.
In den letzten Monaten geht es ihm aber schon recht lange schlecht mit einigen Auf und Abs. Er merkt leider auch selber momentan zu spät wenn er in so ein "Loch" fällt.
Teil unserer Abmachung, wie wir mit diesen Phasen umgehen ist eben, dass wir beide kommunizieren, was wir von dem anderen brauchen.
Vor einigen Wochen sprach ich an, dass mir körperlicher Kontakt sehr fehlt ich aber verstehen kann, wenn es ihm momentan schwerfällt mich einfach mal so zu küssen.
Für ihn ist es nun so, dass er anscheinend in letzter Zeit nicht mehr das Gefühl hat mir "gerecht werden zu können" und er sich deswegen manchmal nicht in der Lage fühlt in einer Beziehung zu sein und er sich gerade generell gefühlsmäßig wie abgestumpft und sich selbst sehr fern fühlt.
Zudem stelle er durch die Therapie jede seiner Bindungen infrage.
Mir tat es sehr weh, dass er auch unsere Beziehung infrage stellt und es hat eine große Unsicherheit geschaffen.
Nachdem wir jetzt am Wochenende im Urlaub waren und er immer noch sehr distanziert und kalt mir gegenüber war, hat er sich dafür entschuldigt und gemeint, dass er nicht weiß wie es weiter gehen soll und er Zeit braucht.
Ich habe ihm bereits mehrfach gesagt, dass er nicht verantwortlich ist für mein Glück genauso wenig wie ich verantwortlich für seines bin und dass wir nur zum Glück des anderen beitragen können.
Natrürlich mache ich mir Sorgen in den Phasen in denen es ihm schlecht geht, aber ich weiß auch, dass es keinem hilft wenn ich mich runterziehen lasse und unternehme viel mit Freunden und lenke mich ab.

Ich habe sehr Angst, dass er unsere Beziehung beendet. War jemand schon mal in einer ähnlichen Situation und hat vielleicht einen Rat? Vielen lieben Dank

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3. Oktober 2016 um 14:55

Mein Freund und ich führen seit ca einem Jahr eine sehr glückliche Beziehung. Wir reden viel miteinander, sind ehrlich und können auch Gefühle gut kommunizieren. Er hat mir schon am Anfang der Beziehung erzählt, dass er depressive Verstimmungen hat und dass er seit Kurzem in Therapie (tiefenpsychologisch) ist.
Anfänglich und wahrscheinlich auch noch durch die frische Liebe beflügelt waren seine depressiven Phasen sehr kurz und er konnte mich meistens gut einbeziehen. Er hat mir dann erzählt, wie es ihm geht und erklärt warum er vielleicht distanzierter ist und grade Zeit für sich braucht.
In den letzten Monaten geht es ihm aber schon recht lange schlecht mit einigen Auf und Abs. Er merkt leider auch selber momentan zu spät wenn er in so ein "Loch" fällt.
Teil unserer Abmachung, wie wir mit diesen Phasen umgehen ist eben, dass wir beide kommunizieren, was wir von dem anderen brauchen.
Vor einigen Wochen sprach ich an, dass mir körperlicher Kontakt sehr fehlt ich aber verstehen kann, wenn es ihm momentan schwerfällt mich einfach mal so zu küssen.
Für ihn ist es nun so, dass er anscheinend in letzter Zeit nicht mehr das Gefühl hat mir "gerecht werden zu können" und er sich deswegen manchmal nicht in der Lage fühlt in einer Beziehung zu sein und er sich gerade generell gefühlsmäßig wie abgestumpft und sich selbst sehr fern fühlt.
Zudem stelle er durch die Therapie jede seiner Bindungen infrage.
Mir tat es sehr weh, dass er auch unsere Beziehung infrage stellt und es hat eine große Unsicherheit geschaffen.
Nachdem wir jetzt am Wochenende im Urlaub waren und er immer noch sehr distanziert und kalt mir gegenüber war, hat er sich dafür entschuldigt und gemeint, dass er nicht weiß wie es weiter gehen soll und er Zeit braucht.
Ich habe ihm bereits mehrfach gesagt, dass er nicht verantwortlich ist für mein Glück genauso wenig wie ich verantwortlich für seines bin und dass wir nur zum Glück des anderen beitragen können.
Natrürlich mache ich mir Sorgen in den Phasen in denen es ihm schlecht geht, aber ich weiß auch, dass es keinem hilft wenn ich mich runterziehen lasse und unternehme viel mit Freunden und lenke mich ab.

Ich habe sehr Angst, dass er unsere Beziehung beendet. War jemand schon mal in einer ähnlichen Situation und hat vielleicht einen Rat? Vielen lieben Dank

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3. Oktober 2016 um 22:58
In Antwort auf noerchen213

Mein Freund und ich führen seit ca einem Jahr eine sehr glückliche Beziehung. Wir reden viel miteinander, sind ehrlich und können auch Gefühle gut kommunizieren. Er hat mir schon am Anfang der Beziehung erzählt, dass er depressive Verstimmungen hat und dass er seit Kurzem in Therapie (tiefenpsychologisch) ist.
Anfänglich und wahrscheinlich auch noch durch die frische Liebe beflügelt waren seine depressiven Phasen sehr kurz und er konnte mich meistens gut einbeziehen. Er hat mir dann erzählt, wie es ihm geht und erklärt warum er vielleicht distanzierter ist und grade Zeit für sich braucht.
In den letzten Monaten geht es ihm aber schon recht lange schlecht mit einigen Auf und Abs. Er merkt leider auch selber momentan zu spät wenn er in so ein "Loch" fällt.
Teil unserer Abmachung, wie wir mit diesen Phasen umgehen ist eben, dass wir beide kommunizieren, was wir von dem anderen brauchen.
Vor einigen Wochen sprach ich an, dass mir körperlicher Kontakt sehr fehlt ich aber verstehen kann, wenn es ihm momentan schwerfällt mich einfach mal so zu küssen.
Für ihn ist es nun so, dass er anscheinend in letzter Zeit nicht mehr das Gefühl hat mir "gerecht werden zu können" und er sich deswegen manchmal nicht in der Lage fühlt in einer Beziehung zu sein und er sich gerade generell gefühlsmäßig wie abgestumpft und sich selbst sehr fern fühlt.
Zudem stelle er durch die Therapie jede seiner Bindungen infrage.
Mir tat es sehr weh, dass er auch unsere Beziehung infrage stellt und es hat eine große Unsicherheit geschaffen.
Nachdem wir jetzt am Wochenende im Urlaub waren und er immer noch sehr distanziert und kalt mir gegenüber war, hat er sich dafür entschuldigt und gemeint, dass er nicht weiß wie es weiter gehen soll und er Zeit braucht.
Ich habe ihm bereits mehrfach gesagt, dass er nicht verantwortlich ist für mein Glück genauso wenig wie ich verantwortlich für seines bin und dass wir nur zum Glück des anderen beitragen können.
Natrürlich mache ich mir Sorgen in den Phasen in denen es ihm schlecht geht, aber ich weiß auch, dass es keinem hilft wenn ich mich runterziehen lasse und unternehme viel mit Freunden und lenke mich ab.

Ich habe sehr Angst, dass er unsere Beziehung beendet. War jemand schon mal in einer ähnlichen Situation und hat vielleicht einen Rat? Vielen lieben Dank

Mir geht es gerade genau so...
Dein Text erinnert mich total an meine eigene Situation im Moment... nur, dass ich mich bereits vor ein paar Tagen getrennt habe, weil mein Freund mir nicht mehr bestätigen konnte, dass er mich noch an seiner Seite haben möchte. Ich weiß nicht, ob das richtig war, aber irgendwie konnte ich mit der Ungewissheit nicht mehr umgehen. Wochen lang hat er sich abgeschirmt, keine Zärtlichkeit mehr für mich gehabt, war immer gereizt und überfordert. Es macht mich so traurig und ich schäme mich, dass ich den leichten weg für mich gewählt habe, aber es ging gerade nicht anders. Noch habe ich Hoffnung, dass er sich meldet und alles wieder gut wird

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4. Oktober 2016 um 9:49
In Antwort auf thais_12550617

Mir geht es gerade genau so...
Dein Text erinnert mich total an meine eigene Situation im Moment... nur, dass ich mich bereits vor ein paar Tagen getrennt habe, weil mein Freund mir nicht mehr bestätigen konnte, dass er mich noch an seiner Seite haben möchte. Ich weiß nicht, ob das richtig war, aber irgendwie konnte ich mit der Ungewissheit nicht mehr umgehen. Wochen lang hat er sich abgeschirmt, keine Zärtlichkeit mehr für mich gehabt, war immer gereizt und überfordert. Es macht mich so traurig und ich schäme mich, dass ich den leichten weg für mich gewählt habe, aber es ging gerade nicht anders. Noch habe ich Hoffnung, dass er sich meldet und alles wieder gut wird

...
Ja das kann ich verstehen, genau diese Unsicherheit ist für mich auch das Belastendste. Wir haben gestern noch einmal bei einem langen Spaziergang geredet. Er ist momentan in einem Tiefpunkt seiner Therapie angelangt, an dem er zwar die "Automatismen", die ihn unglücklich machen erkennt und auch zu verhindern weiß diese zu überspielen, aber er ist noch nicht so weit, dass er ohne Ablenkung mit ihnen klarkommt. Soll heißen, sobald er nicht arbeitet und produktiv ist und mit seinen Gedanken allein ist, geht es ihm sehr schlecht und er ist nun an einem Punkt, wo er herausfinden muss, wie er sich selber aus diesem Loch ziehen kann.
Für unsere Beziehung bedeutet das aber auch, dass wir bei einem seltsamen Status Quo bleiben. Ich bin ihm sehr wichtig aber momentan fällt es ihm schwer mir körperlich nah zu sein.Er kann keine Entscheidung über unsere Beziehung fällen und würde mich generell nie vor vollendete Tatsachen setzen. Für mich hat sich nun ein seltsames Gefühl von Abwarten eingestellt, da ich nicht viel machen kann um die Situation zu beeinflussen außer meine Unterstützung auszudrücken und zu betonen, dass er nicht auch noch für mich mitdenken muss und ich selber entscheiden kann, wann es mir zu viel wird und er das eben nicht für mich entscheidet und sich aus dem Grund von mir entfernt...

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4. Oktober 2016 um 11:37

Das
Problem ist, dass der depressive meist erst spät in seinem Leben merkt, dass NICHT der Lebensgefährte verantwortlich ist für die Schübe, die Krankheit.
Der depressive meint, er würde sich ohne besser fühlen und beendet oft die Beziehung.
Anstatt tief innerlich zu wissen, dass ein Lebensgefährte wirklich so bestärkend sein kann. Gerade einer wie du. Denn du scheinst dich wirklich sehr liebevoll und voller Gedanken in seine Gefühlswelten einfühlen zu wollen.

Innerhalb der Schübe gilt es wirklich in absolut in seiner Autonomie wahrzunehmen. Meiner Meinung nach setzt sich der depressive meist selbst sehr unter Druck indem er meint er müsste jetzt irgendjemand gerecht zu werden.
Der Rückzug, die völlige Ruhe, Abstand. Genau das braucht dieser Mensch jetzt.
Jede einzelne Forderung kann jetzt unter keinen Umständen erfüllt werden.
Es ist so als hättest du gerade 8 Stücke Kuchen gegessen. Du hast schon Völlegefühl, schon allein der Gedanke an ein weiteres Stück lässt sich dir den Magen umdrehen. Genau so wenig wie du nun kein einziges Fitzelchen Kuchen mehr zu dir nehmen kannst, willst, genauso wenig kann nun der depressive Freund eine Umarmung einen Kuss schenken.

Mache ihm ganz deutlich klar, dass du rein GAR NICHTS erwartest, wenn es ihm nicht gut geht. Auch wenn es ein paar Wochen dauern sollte. Und du wirst sehen: Der depressive Freund wird auf dich zukommen.
Ich weiß aus meinem Umfeld heraus, dass viele depressive einfach Beziehungen hinschmeißen.

Es ist ein Teufelskreis. Ich denke du wirst ihn kaum beeinflussen können, außer ihm diese Last zu nehmen, dass er emotional in irgend einer Form für dich verantwortlich ist wenn er n Schub hat. Er ist dann krank und da kann auch kein anderer Mensch, sei er z.B. voller Grippe.... viel geben.

Du machst es genau richtig, dass du dich für dich selber aufstellst und dich beschäftigst.

Lass ihn jetzt erstmal. Und wenn er ständig so wankelmütig ist, was die Definiton eurer Beziehung angeht, dann frage dich mal, ob dir das längerfristig gut tut.

Eine Freundin von mir ist auch depressiv. Der Mann hat ihr einen Raum eingerichtet und da verkriecht sie sich, geht an diesen Tagen viel alleine spazieren und irgendwann geht es dann wieder. Der Fehler den dein Freund machen könnte, ist, dass er dich für diese Schübe verantwortlich machen könnte. Die Krankheit hatte er auch vor dir. Die Symptomatik wird an der Seite eines Partners oft verstärkt, weil der depressive sich enorm unter Druck setzt normal weiterzufunktionieren. Merkt aber das geht nicht und das Fazit für ihn ist: Es liegt an der Beziehung. Aber Rückzug und die Beziehung in Einklang bringen. Das ist meiner Meinung nach die Lösung.

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4. Oktober 2016 um 11:39

Schlag
ihm auch mal eine Familienaufstellung vor.
Habe schon einige depressive berichten gehört, die danach eine radikale Erleichterung erleben durften.

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4. Oktober 2016 um 21:18
In Antwort auf himbeerblatt2

Schlag
ihm auch mal eine Familienaufstellung vor.
Habe schon einige depressive berichten gehört, die danach eine radikale Erleichterung erleben durften.

Danke für deinen Beitrag
... von einer Familienaufstellung hatte ich noch gar nichts gekannt bisher, ich kann es ihm ja mal vorschlagen
Wobei bei ihm auch ziemlich klar ist, dass seine Depressionen aus seiner Kindheit stammen, gerade daran arbeitet er momentan zusammen mit seinem Therapeuten.
Ich habe ihn heute schon sehr vermisst und es macht mir natürlich auch zu schaffen, dass es in nächster Zeit erst mal noch schwierig wird. Ich habe heute noch mit einer weiteren Freundin geredet und fühle mich soweit ganz gut. Ich bin immer noch ein wenig ratlos, wie ich mit der Situation umgehen soll manchmal, aber nun gut... Ich habe mir jedenfalls fest vorgenommen auf mich zu achten und von Moment zu Moment zu entscheiden, ob ich mit der Situation klarkomme. Ich liebe ihn wirklich und glaube an ihn, dass er das schaffen kann der rest wird nun die Zeit zeigen...

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17. November 2016 um 20:00

.....mln.k

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17. November 2016 um 20:13

Ich denke, daß Du es schon ganz gut machst!
Bedränge ihn nicht, gerade in der Therapiephase hat er genug mit sich selbst zu tun! Und es ist auch nicht einfach für ihn.

Er ist quasi durch die Depr. ein ganzes Stück weit weg vom Leben, der Lebendigkeit, er kann nichts dafür, er ist erkrankt!

Depr. kann sehr hartnäckig sein ist aber im Prinzip gut behandelbar, kann also dann auch wieder ganz weg sein!

Du selbst kannst wenig machen. Pass auf Dich auf, grenze Dich ab, mach was Gutes für Dich, sollte es für Dich zu schwierig werden dann trenne Dich von ihm, pauschale Antworten gibt es aber nicht!

LG Thomas

P.S.: von sog. Familienaufstellung halte ich nichts, meines Wissens kann dies auch gefährlich sein und ist möglicherweise auch unseriös.

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