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MAUERN.....

23. Dezember 2004 um 10:58

Hallo meine Lieben,

so gar nicht weihnachtlich, aber ich habe ein paar Fragen an euch, betreffend das Thema: "Mauern".

Tun sich Menschen, die "mauern" leichter ?
Kehren diese Menschen alles in ihren "Unterbewusstseins-"-Keller und damit sind die Dinge erledigt ?
Kommen bei Menschen, die Beziehungen durch "mauern" viel schneller beenden als so manch anderer irgendwann einmal Schuldgefühle hoch ??
Haben "Eigenschutz" und das versperren von Gefühlen etwas gemeinsam ?

Warum mich das interessiert ?
Ich bin mit einem "Maurer" (nein, nicht berufsmäßig ) zusammen, und jedesmal wenn wir streiten, ist sein Gefühl für mich "weg" und die Bereitschaft die Beziehung zu beenden sehr hoh.

Ich bin dann diejenige, die "austritt" und mit diversen Ansagen, die Sache auch nicht einfacher macht.
Ich würd mir allerdings leichter tun wenn ich den Mechanismus hinter diesem "mauern" verstehen könnte und das dementsprechend produktive dafür tun könnte, denn wenn es so weitergeht werden wir unsere Beziehung bald verschlissen haben.

Habt ihr Erfahrung mit solchen Partnern ?
Seid ihr selbst "MaurerInnen"

Alles Liebe
Elbe

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23. Dezember 2004 um 12:32

Ich
war mit so einem zusammen. Die ersten Jahre war er noch sehr offen, obwohl doch ziemlich verschlossen. Am Anfang hat mich das nicht gestört, weil ich dachte, dass jeder Mensch sein eigenes TEmpo hat und er wird sich schon irgendwann öffnen. Doch mit den Jahren wurde es immer schlimmen. Es ist ein Gefühl, als rennst du jedes Mal gegen eine Wand und die alten Wunden an deinem Kopf können einfach nicht verheilen!!!! Es ist zermürbend, nervenaufreibend usw. Die Beziehung ist gescheitern. Er konnte nicht aus seiner Haut raus. Konnte/wollte nicht mit mir reden. Hat mich nicht mehr an sich rangelassen. Es war die Hölle. Egal, was ich getan habe, hat nichts genützt. Ich habe geredet, wie noch nie in meinem Leben!!! Ich habe versucht gleichgültig zu wirken, es hat nichts genützt. Wenn diese Menschen es nicht wollen, wenn sie nicht reden wollen, weil sie Angst haben, ist es sehr schwer, ihnen diese Angst zu nehmen. Und wir sind keine Therapeuten, die sie "heilen" können. Ich habe sogar zum Schluss, ihm vorgeschlagen, dass er vielleicht eine Gesprächstherape macht, um mal den ganzen Frust, den er jahrelang in sich reinfrißt, sich von der Seele zu reden. Vielleicht fällt es ihnen leichter mit einer fremden Person zu reden. Aber nein, das hätte er nicht nötig. DAs waren seine Worte. Ich weiß nicht,ob ich dir damit helfen konnte. Wahrscheinlich nicht. Du musst selbst für dich herausfinden, inwieweit du dich auf solche Menschen einlassen willst. Denn das kann ganz schön frustrierend sein. Vielleicht könntest du ihm auch vorschlagen, eine Gesprächstherapie zu machen. Ihr könnt das ja sogar gemeinsam machen in Form einer Paartherapie. Vielleicht ist er ja offener diesbezüglich, als mein Ex-Freund es war.

lg
duschka

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23. Dezember 2004 um 13:13

Hallo elbengel...

ich weiss ja nicht, was dein schatz alles erlebt hat, was er für ein päckchen mit sich zu tragen hat - denn so ein verhalten wird ja wohl aufgrund eines "traumatisierenden" erlebnisses entstehen...

ich würd's wohl mit sehr viel geduld und verständnis versuchen (ich weiss, sicher viel leichter gesagt als getan), viel reden, für ihn da sein und auch wenn's dich sehr ärgert, liebevoll auf ihn zugehen...

er scheint das urvertrauen, dass jemand für ihn da ist, nicht sonderlich ausgeprägt zu empfinden. darum wohl die sofortige bereitschaft, eure beziehung nach einem streit über den haufen zu werfen. bisher war das nämlich wohl so in seinem leben....


ob ein solcher mensch im späteren leben über all das nachdenkt und dann mal so verarbeitet, wie du es dir z.b. vorstellst, mag ich zu bezweifeln.

er wird sich wohl eher eine weitere (für die meisten wohl) unsoziale eigenschaft aneignen... weil er das verarbeiten eben nicht kennt...

meine meinung


schönen tag noch und frohe festtage,
baduizm*

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23. Dezember 2004 um 14:08
In Antwort auf gena_12107388

Ich
war mit so einem zusammen. Die ersten Jahre war er noch sehr offen, obwohl doch ziemlich verschlossen. Am Anfang hat mich das nicht gestört, weil ich dachte, dass jeder Mensch sein eigenes TEmpo hat und er wird sich schon irgendwann öffnen. Doch mit den Jahren wurde es immer schlimmen. Es ist ein Gefühl, als rennst du jedes Mal gegen eine Wand und die alten Wunden an deinem Kopf können einfach nicht verheilen!!!! Es ist zermürbend, nervenaufreibend usw. Die Beziehung ist gescheitern. Er konnte nicht aus seiner Haut raus. Konnte/wollte nicht mit mir reden. Hat mich nicht mehr an sich rangelassen. Es war die Hölle. Egal, was ich getan habe, hat nichts genützt. Ich habe geredet, wie noch nie in meinem Leben!!! Ich habe versucht gleichgültig zu wirken, es hat nichts genützt. Wenn diese Menschen es nicht wollen, wenn sie nicht reden wollen, weil sie Angst haben, ist es sehr schwer, ihnen diese Angst zu nehmen. Und wir sind keine Therapeuten, die sie "heilen" können. Ich habe sogar zum Schluss, ihm vorgeschlagen, dass er vielleicht eine Gesprächstherape macht, um mal den ganzen Frust, den er jahrelang in sich reinfrißt, sich von der Seele zu reden. Vielleicht fällt es ihnen leichter mit einer fremden Person zu reden. Aber nein, das hätte er nicht nötig. DAs waren seine Worte. Ich weiß nicht,ob ich dir damit helfen konnte. Wahrscheinlich nicht. Du musst selbst für dich herausfinden, inwieweit du dich auf solche Menschen einlassen willst. Denn das kann ganz schön frustrierend sein. Vielleicht könntest du ihm auch vorschlagen, eine Gesprächstherapie zu machen. Ihr könnt das ja sogar gemeinsam machen in Form einer Paartherapie. Vielleicht ist er ja offener diesbezüglich, als mein Ex-Freund es war.

lg
duschka

Liebe Duschka!
Ja, deine Geschichte ist meiner ähnlich, mit dem Unterschied, dass wir vor ein paar Wochen getrennt waren, er sehr schnell Ersatz hatte und dann heulend zu mir zurück gekommen ist.
Mit dem heiligen Versprechen in die Beziehung zu "investieren".
Es hat genau 14 Tage gehalten, der Vorschlag zur Therapie kam auch von ihm, doch folgten sehr bald wieder dieselben Muster und jetzt sind wir wieder an einem Punkt wo "zu" ist.

Ich glaube gar nicht, dass er Frust in sich reinfrisst, sondern aus lauter "Angst" zumacht.

Mich würde ja interessieren was da rein physikalisch und physisch passiert. Mich interessiert der Mechanismus dahinter.

Mittlerweile kränkt es mich gar nicht mehr, sondern erweckt nur mehr mein Interesse an dem Vorgang und was da passiert.
Er muss selbst wissen (und er ist alt genug) wie er diese "Eigenschaft" handhabt und mittlerweile bin ich schon so egoistisch geworden, dass es mich kalt lässt.

Liebe Grüße
Elbe

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23. Dezember 2004 um 14:15

Also
ich kann nur soviel dazu sagen, das ich selbst mit einen "maurer" zusammen war und es ... schwer war. Was das ganze noch um einiges erschwert hat ist, das ich selbst auch jemand bin, der eine Mauer um sich aufstellt. Wir haben ein Jahr gebraucht, um uns gegenseitig zu vertraun, haben 1 1/2 Jahre glücklich zusammen gelebt und ein halbes Jahr haben wir uns auseinander gelebt und wieder die Mauern um uns aufgebaut.
Wer mit so jemanden zusammen ist braucht gute Nerven, einen rießen Willen, viel Geduld und vor allem viel Liebe, denn sonst hält sich das nicht wirklich lange.

Alles Liebe

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23. Dezember 2004 um 14:15
In Antwort auf smne_12257526

Hallo elbengel...

ich weiss ja nicht, was dein schatz alles erlebt hat, was er für ein päckchen mit sich zu tragen hat - denn so ein verhalten wird ja wohl aufgrund eines "traumatisierenden" erlebnisses entstehen...

ich würd's wohl mit sehr viel geduld und verständnis versuchen (ich weiss, sicher viel leichter gesagt als getan), viel reden, für ihn da sein und auch wenn's dich sehr ärgert, liebevoll auf ihn zugehen...

er scheint das urvertrauen, dass jemand für ihn da ist, nicht sonderlich ausgeprägt zu empfinden. darum wohl die sofortige bereitschaft, eure beziehung nach einem streit über den haufen zu werfen. bisher war das nämlich wohl so in seinem leben....


ob ein solcher mensch im späteren leben über all das nachdenkt und dann mal so verarbeitet, wie du es dir z.b. vorstellst, mag ich zu bezweifeln.

er wird sich wohl eher eine weitere (für die meisten wohl) unsoziale eigenschaft aneignen... weil er das verarbeiten eben nicht kennt...

meine meinung


schönen tag noch und frohe festtage,
baduizm*

Hallo Baduizm!
Leider hab ich keine Geduld mehr (Verständnis schon), denn nur er selbst kann etwas dagegen tun, und wenn er sagt er tut was für unsere Beziehung und diese Worte sind nur Schall und Rauch, dann schau ich nur mehr auf mich.

Das mit dem Urvertrauen ist so eine Sache....er ist ein extrem freiheitsliebender Mensch und scheint sich am wohlsten zu fühlen wenn er oberflächlich abgelenkt wird.

Pffff......na danke, noch eine "weitere" unsoziale Eigenschaft

Liebe Grüße und dir auch ein frohes Fest
Elbe

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23. Dezember 2004 um 14:17

Ich habe mich mal in so einen menschen..
...unsterblich verliebt! war auch eine harte zeit!

wir lernten uns kennen und er meinte ich wäre das einzige mensch, der es geschafft hätte durch seine mauer durchzudringen. er hat sich mir zum teil sehr geöffnet, aber dann wieder sehr schnell zu gemacht. das tat manchmal sehr sehr weh. um nicht selbst verletzt zu werden, hat er mich verletzt.

es gab bei sex and the city mal eine szene als carrie und mister big im hotel waren und sie lagen auf dem bett und waren sich sooo nah. er hat sich endlich geöffnet und ich konnte mich in diese szene so gut hinein versetzen. es war sooo schön....tja, aber am nächsten morgen war er wieder der alte! wie bei mir auch...

warum der mann so war, denn ich kannte? ich habe es auch nie heraus gefunden. heute habe ich das gegenteil zu hause und sehr froh darüber!

ich weiss nur, auf dauer kann sowas nicht klappen!

liebe grüße

tigerle

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23. Dezember 2004 um 14:18
In Antwort auf audra_12941614

Also
ich kann nur soviel dazu sagen, das ich selbst mit einen "maurer" zusammen war und es ... schwer war. Was das ganze noch um einiges erschwert hat ist, das ich selbst auch jemand bin, der eine Mauer um sich aufstellt. Wir haben ein Jahr gebraucht, um uns gegenseitig zu vertraun, haben 1 1/2 Jahre glücklich zusammen gelebt und ein halbes Jahr haben wir uns auseinander gelebt und wieder die Mauern um uns aufgebaut.
Wer mit so jemanden zusammen ist braucht gute Nerven, einen rießen Willen, viel Geduld und vor allem viel Liebe, denn sonst hält sich das nicht wirklich lange.

Alles Liebe

Liebe WeepingWitch!
Darf ich dich fragen wie dieses mauern vor sich geht ?
Wird es ausgelöst durch eine Ansage, durch einen Blick, durch die eigene Unsicherheit ?

Hast du das Gefühl tief empfinden zu können (ob mit oder ohne Mauer)?

Ist alles leichter wenn du um dich eine Mauer bildest ?

Tut es dir im nachhinein leid ?

Wieso hast du diese Eigenschaft ?

Ich frag soviel, weil ich diese Fähigkeit überhaupt nicht habe....ich geh immer den Leidensweg.

Liebe Grüße
Elbe

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23. Dezember 2004 um 14:20

Maurer ...
tun sich nicht schwerer und leichter als andere Menschen auch.

Sie haben ein Muster erworben, mit dem sie am besten durchs Leben kommen. Dies ist für einen Nicht-Maurer - ich nenn ihn mal einen 'Kommunikativen' - nur schlecht nachvollziehbar.

Sie kehren nicht alles in den Unterbewußtseinskeller, verdrängen also, sondern machen sich über vieles Gedanken, kommunizieren das aber nicht. Wenn man einen Maurer mal zum sprechen bringt, wäre man vermutlich überrascht, was sich unter der Schale alles abspielt.

Ich glaube, dass Menschen durch ihre Erfahrungen zu Maurern oder Kommunikativen werden. Aufgrund der Erziehung und der Rollenbilder gibt es dann zumeist männliche Maurer und weibliche Kommunikative.

Ich selbst hab von klein auf schätzen gelernt, wie gut es tut, sich auszutauschen. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie hat meine Mutter mich dort hingeführt. Sie war mein Ansprechpartner für alles. Sie war Beratungsstelle, Streicheleinheiten-Ausgabe-Ort und Entschuldungs-Instanz in einem. Und das hab ich dann in meinem weiteren Leben so als angenehmen Weg für mich weiter verfolgt. Mein Bruder hingegen hat mehr dieses Zurückhaltende unseres Vaters angenommen und läßt sich nicht so schnell etwas entlocken.

Und dieses Zurückhalten, dieses sich verschließen, gibt natürlich Sicherheit, macht einen viel weniger angreifbar. Und das Rollenbild von Männern hat(te ?) viel mehr mit Kampf und Auseinandersetzung und sich behaupten zu tun als das von Frauen.

Ich versuch mal fiktiv den Verlauf eines Streits zwischen einem Maurer und einem Kommunikativen nachzuzeichnen:

Der Maurer kommt nach Hause und wirkt auf den Kommunikativen irgendwie bedrückt. Der Kommunikative fragt danach. Er interessiert sich schließlich für die Gefühlswelt dieses ihm nahestehenden Menschen. Seine Frage rührt aus einer Mischung von Fürsorge und Interesse. Auf den Maurer wirkt die Frage wie eine Bedrohung. Er will seinen Schutzwall nicht verlassen. Er will sich nicht öffnen, weil jede Öffnung Gefahr bedeutet. Er reagiert unwirsch und läßt durchblicken, dass er seinen Panzer nicht verlassen will. Das hat nichts mit ihr persönlich zu tun, es ist nur eine Form des Selbstschutzes. Aber bei ihr kommt Geringschätzung an, da für sie das 'sich öffnen' selbstverständlich und ungefährlich ist. Sie realisiert nicht, dass er nur sich selbst schützt und gar nicht im Sinn hat, sie anzugreifen. Die vermeintliche Geringschätzung trifft sie also und sie reagiert mit einer Ansage (schöner Ausdruck, Elbengel ) und schon schaukelt sich der Streit hoch, denn jetzt erkennt er ihren Satz als Attacke, was er ja auch ist und reagiert darauf usw.

Mein Ansatz wäre jetzt für den Kommunikativen, die Reaktion eines Maurers als Selbstschutz zu begreifen und sich den Schuh nicht anzuziehen, dass das persönlich zu werten ist und für den Maurer, dass die wohlmeinende Frage eines Kommunikativen nicht automatisch bedeutet, dass Gefahr im Verzug ist.

Ich hab mal die Erfahrung mit einer Maurerin gemacht und irgendwann gespürt, dass ich mich verdammt weit öffnen musste, um sie aus dieser Schutzhaltung hervorzulocken. Es war, als müsste ich mehrmals wie ein Hund die Kehle zum beissen anbieten, um rüberzubringen, dass ich keine Gefahr darstelle. Das erforderte Kraft und die hatte ich nicht immer.

Und obwohl ich wußte, wie die Maurerin in etwa tickt, hab ich manches Mal kein Mittel gefunden, mit ihrem Schutzpanzer umzugehen.

Soll heißen, selbst wenn Du ein wenig um die Zusammenhänge und Hintergründe weißt, heißt das noch lange nicht, dass Du die Situationen alle locker auf die Reihe bekommst.

Und zu einer Frage, die Du stellst und die Dich vermutlich beschäftigt, wollte ich Dir noch einen kleinen Hinweis geben.

" ... und jedesmal wenn wir streiten, ist sein Gefühl für mich "weg" und die Bereitschaft die Beziehung zu beenden sehr hoch ..."

Sein Gefühl für Dich ist in dem Moment nicht wirklich weg, es wird einfach ausgeblendet, denn es behindert im Streit. Ich kenn das von mir. Wenn ich das nicht ausblende, bin ich hilflos. Ich kann dann eigentlich direkt aufhören und mich ergeben.

Hinzu kommt ja dann noch, dass sich Männer untereinander und Frauen untereinander ganz unterschiedlich streiten.

Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, aber bei Männern geht es mitunter herber zu, sie empfinden es als Klärung vielfach auch notwendig und tragen dann nicht mehr so viel nach (siehe das gemeinsame Bier trinken hinterher )

Frauen hingegen haben etwas empfindsamere Antennen und vertragen dann manche Dinge auch nicht so gut und vergessen nicht so schnell.
(wobei ich zugeben muss, dass ich diese Erkenntnisse nur aus der Entfernung gesammelt hab, vielleicht stellt es sich ja noch irgendwie anders da und hat sich mir nur noch nicht erschlossen)

Und wenn jetzt Männer und Frauen mit diesen unterschiedlichen Streitmustern aufeinander treffen, ist das ja von sich aus schon mal schwierig.

Also insgesamt betrachtet eigentlich schon erstaunlich, dass es so viele Maurer und Kommunikativen miteinander aushalten

LG

Larsen

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23. Dezember 2004 um 14:38
In Antwort auf helmut_12550923

Maurer ...
tun sich nicht schwerer und leichter als andere Menschen auch.

Sie haben ein Muster erworben, mit dem sie am besten durchs Leben kommen. Dies ist für einen Nicht-Maurer - ich nenn ihn mal einen 'Kommunikativen' - nur schlecht nachvollziehbar.

Sie kehren nicht alles in den Unterbewußtseinskeller, verdrängen also, sondern machen sich über vieles Gedanken, kommunizieren das aber nicht. Wenn man einen Maurer mal zum sprechen bringt, wäre man vermutlich überrascht, was sich unter der Schale alles abspielt.

Ich glaube, dass Menschen durch ihre Erfahrungen zu Maurern oder Kommunikativen werden. Aufgrund der Erziehung und der Rollenbilder gibt es dann zumeist männliche Maurer und weibliche Kommunikative.

Ich selbst hab von klein auf schätzen gelernt, wie gut es tut, sich auszutauschen. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie hat meine Mutter mich dort hingeführt. Sie war mein Ansprechpartner für alles. Sie war Beratungsstelle, Streicheleinheiten-Ausgabe-Ort und Entschuldungs-Instanz in einem. Und das hab ich dann in meinem weiteren Leben so als angenehmen Weg für mich weiter verfolgt. Mein Bruder hingegen hat mehr dieses Zurückhaltende unseres Vaters angenommen und läßt sich nicht so schnell etwas entlocken.

Und dieses Zurückhalten, dieses sich verschließen, gibt natürlich Sicherheit, macht einen viel weniger angreifbar. Und das Rollenbild von Männern hat(te ?) viel mehr mit Kampf und Auseinandersetzung und sich behaupten zu tun als das von Frauen.

Ich versuch mal fiktiv den Verlauf eines Streits zwischen einem Maurer und einem Kommunikativen nachzuzeichnen:

Der Maurer kommt nach Hause und wirkt auf den Kommunikativen irgendwie bedrückt. Der Kommunikative fragt danach. Er interessiert sich schließlich für die Gefühlswelt dieses ihm nahestehenden Menschen. Seine Frage rührt aus einer Mischung von Fürsorge und Interesse. Auf den Maurer wirkt die Frage wie eine Bedrohung. Er will seinen Schutzwall nicht verlassen. Er will sich nicht öffnen, weil jede Öffnung Gefahr bedeutet. Er reagiert unwirsch und läßt durchblicken, dass er seinen Panzer nicht verlassen will. Das hat nichts mit ihr persönlich zu tun, es ist nur eine Form des Selbstschutzes. Aber bei ihr kommt Geringschätzung an, da für sie das 'sich öffnen' selbstverständlich und ungefährlich ist. Sie realisiert nicht, dass er nur sich selbst schützt und gar nicht im Sinn hat, sie anzugreifen. Die vermeintliche Geringschätzung trifft sie also und sie reagiert mit einer Ansage (schöner Ausdruck, Elbengel ) und schon schaukelt sich der Streit hoch, denn jetzt erkennt er ihren Satz als Attacke, was er ja auch ist und reagiert darauf usw.

Mein Ansatz wäre jetzt für den Kommunikativen, die Reaktion eines Maurers als Selbstschutz zu begreifen und sich den Schuh nicht anzuziehen, dass das persönlich zu werten ist und für den Maurer, dass die wohlmeinende Frage eines Kommunikativen nicht automatisch bedeutet, dass Gefahr im Verzug ist.

Ich hab mal die Erfahrung mit einer Maurerin gemacht und irgendwann gespürt, dass ich mich verdammt weit öffnen musste, um sie aus dieser Schutzhaltung hervorzulocken. Es war, als müsste ich mehrmals wie ein Hund die Kehle zum beissen anbieten, um rüberzubringen, dass ich keine Gefahr darstelle. Das erforderte Kraft und die hatte ich nicht immer.

Und obwohl ich wußte, wie die Maurerin in etwa tickt, hab ich manches Mal kein Mittel gefunden, mit ihrem Schutzpanzer umzugehen.

Soll heißen, selbst wenn Du ein wenig um die Zusammenhänge und Hintergründe weißt, heißt das noch lange nicht, dass Du die Situationen alle locker auf die Reihe bekommst.

Und zu einer Frage, die Du stellst und die Dich vermutlich beschäftigt, wollte ich Dir noch einen kleinen Hinweis geben.

" ... und jedesmal wenn wir streiten, ist sein Gefühl für mich "weg" und die Bereitschaft die Beziehung zu beenden sehr hoch ..."

Sein Gefühl für Dich ist in dem Moment nicht wirklich weg, es wird einfach ausgeblendet, denn es behindert im Streit. Ich kenn das von mir. Wenn ich das nicht ausblende, bin ich hilflos. Ich kann dann eigentlich direkt aufhören und mich ergeben.

Hinzu kommt ja dann noch, dass sich Männer untereinander und Frauen untereinander ganz unterschiedlich streiten.

Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, aber bei Männern geht es mitunter herber zu, sie empfinden es als Klärung vielfach auch notwendig und tragen dann nicht mehr so viel nach (siehe das gemeinsame Bier trinken hinterher )

Frauen hingegen haben etwas empfindsamere Antennen und vertragen dann manche Dinge auch nicht so gut und vergessen nicht so schnell.
(wobei ich zugeben muss, dass ich diese Erkenntnisse nur aus der Entfernung gesammelt hab, vielleicht stellt es sich ja noch irgendwie anders da und hat sich mir nur noch nicht erschlossen)

Und wenn jetzt Männer und Frauen mit diesen unterschiedlichen Streitmustern aufeinander treffen, ist das ja von sich aus schon mal schwierig.

Also insgesamt betrachtet eigentlich schon erstaunlich, dass es so viele Maurer und Kommunikativen miteinander aushalten

LG

Larsen

Lieber Larsen !
Wow, danke für diese ausführliche Reaktion.
Du scheinst sehr reflektiert zu sein und hast mich ein Stück weiter gebracht, bzw. mich in meinen Vermutungen bestätigt.

Ich für mich stehe nun vor der Entscheidung, ob es mich als Kommunikative in Zukunft wirklich glücklich macht mit jemanden zusammenzusein, der so quasi als Bestrafung meiner Eigenheiten, dieses Zumachen wählt.

Ich glaub nicht, denn (wie man ja auch bei dir sieht)irgendwann hat sich die Liebe "aufgerieben" und einer von uns beiden würde sowieso gehen.

Hin und wieder hätte ich diese Eigenschaft sehr gerne, ich würde mir Leiden ersparen.

Das Komische an der Sache ist ja, dass er aus einem wohlbehütetem Elterhaus kommt und ich aus einem ziemlich Zerrüttetem, eigentlich müssten ja die "Rollen" umgekehrt sein.

Da soll sich einer auskennen

Liebe Grüße
Elbe

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23. Dezember 2004 um 14:43
In Antwort auf jaana_11887320

Ich habe mich mal in so einen menschen..
...unsterblich verliebt! war auch eine harte zeit!

wir lernten uns kennen und er meinte ich wäre das einzige mensch, der es geschafft hätte durch seine mauer durchzudringen. er hat sich mir zum teil sehr geöffnet, aber dann wieder sehr schnell zu gemacht. das tat manchmal sehr sehr weh. um nicht selbst verletzt zu werden, hat er mich verletzt.

es gab bei sex and the city mal eine szene als carrie und mister big im hotel waren und sie lagen auf dem bett und waren sich sooo nah. er hat sich endlich geöffnet und ich konnte mich in diese szene so gut hinein versetzen. es war sooo schön....tja, aber am nächsten morgen war er wieder der alte! wie bei mir auch...

warum der mann so war, denn ich kannte? ich habe es auch nie heraus gefunden. heute habe ich das gegenteil zu hause und sehr froh darüber!

ich weiss nur, auf dauer kann sowas nicht klappen!

liebe grüße

tigerle

Liebe Tigerle !
Eigentlich heißt es ja, dass sich die gegensätzlichen Charakteren (zwecks Ausgleich) anziehen.

Hast du dich eigentlich nach dieser Beziehung verändert ?
Hast du versucht mit ihm darüber zu reden?

Die Szene aus SATC kenn ich gut, allerdings ist es bei uns ja so, dass er nur in Konfliktsituationen so reagiert, aber mir kommt vor, dass jedesmal ein "Päckchen" überbleibt und die Tür immer mehr zugeht.

Noch einmal mach ich das aber nicht mehr mit.

Liebe Grüße
Elbe

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23. Dezember 2004 um 16:01
In Antwort auf dixie_12329643

Liebe Tigerle !
Eigentlich heißt es ja, dass sich die gegensätzlichen Charakteren (zwecks Ausgleich) anziehen.

Hast du dich eigentlich nach dieser Beziehung verändert ?
Hast du versucht mit ihm darüber zu reden?

Die Szene aus SATC kenn ich gut, allerdings ist es bei uns ja so, dass er nur in Konfliktsituationen so reagiert, aber mir kommt vor, dass jedesmal ein "Päckchen" überbleibt und die Tür immer mehr zugeht.

Noch einmal mach ich das aber nicht mehr mit.

Liebe Grüße
Elbe

Verändert..
..habe ich nach dieser beziehung sicherlich. ich habe anfangs meiner jetzigen beziehung auch viel gemauert. dies hatte auch noch mit anderen dingen zu tun, die ich erlebt hatte. bin sehr oft von männern angelogen und betrogen worden. da baut man, schon aus selbstschutz, eine mauer auf. sonst wäre ich kaputt gegangen. mein freund brauchte sicherlich fast ein halbes jahr bis ich mich ihm gegenüber öffnen konnte.

ja, ich habe mit dem mann damals darüber gesprochen. er fand den "zustand" für sich ok! so wollte er auch sein. deshalb wäre auch ein leben mit ihm nicht möglich gewesen. immer wenn ich ihm zu nahe kam, wurde ich zurück gestossen. da waren es keine konfliktsituation (im gegenteil, da war er offen), sondern einfach die schönen momente, wo er nicht zugelassen hat.

liebe grüße

tigerle

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23. Dezember 2004 um 16:13
In Antwort auf dixie_12329643

Liebe WeepingWitch!
Darf ich dich fragen wie dieses mauern vor sich geht ?
Wird es ausgelöst durch eine Ansage, durch einen Blick, durch die eigene Unsicherheit ?

Hast du das Gefühl tief empfinden zu können (ob mit oder ohne Mauer)?

Ist alles leichter wenn du um dich eine Mauer bildest ?

Tut es dir im nachhinein leid ?

Wieso hast du diese Eigenschaft ?

Ich frag soviel, weil ich diese Fähigkeit überhaupt nicht habe....ich geh immer den Leidensweg.

Liebe Grüße
Elbe

Viele Fragen
Ich kann da nur von mir reden, das ist bei jedem unterschiedlich.

Frage 2:
Ich mauer aufgrund mehrere Erlebnisse in meinem Leben, die mich so sehr verletzt haben, das ich irgentwann beschlossen habe, es nie wieder so weit zu kommen zu lassen. Daher bin ich allen erst mal skeptisch und gebe vor allem nicht so viel von mir preis. Nur wenige Freunde wissen, wie ich wirklich bin.

Frage3:
Klar habe ich das. Ich habe meinen Freund von ganzem Herzen geliebt. Ich hätte fast alles getan um ihn glücklich zu sehen. Meine Freunde sind mein Leben. Ich bin immer um das Wohl meiner Freunde bemüht und bin immer für sie da. Und da liegt ein teil meiner Mauer. Ich bin so auf das Glück anderer Fixiert, das ich an mich nicht denke oder mir nicht Helfen lasse. Ich will immer alles alleine schaffen und kann es nicht mit ansehen wie andere zu Grunde gehen.

Frage 4:
Ist es leicht? Gute Frage. Es ist leicht sich vor Verletzungen zu schützen, aber es macht einsam. Wenn der Gegenüber keine Geduld hat, wird er das Vertrauen nicht aufgebaut und ich mache zu. Ich bin halt in manchen Themen nicht gerade selbstbewusst und daher mach ich eher zu, bevor einer da durchdringt.

Frage 5:
In manchen sachen schon. Zum Beispiel bei meinem Post, den du gelesen hattest. Bei ihm hab ich mich zwar geöffnet, aber im nachhinein bereue ich es, weil er mir dardurch weh getan hat. Bei meinem Ex bereue ich, das ich mich nicht genug geöffnet habe, denn das war bestimmt ein grund, warum schluss ist. Er hat gemerkt das er nicht zu 100% zu mir durch kommt und hat dardurch aufgegeben. Ihn zu verlieren war bis jetzt das schlimmste was mir passiert ist.

Frage 6:
Ich glaube, das muss ich nicht mehr beantworten, das ergibt sich aus dem vorherigen.

Ich würde das gerne ablegen, aber so einfach ist es nicht. Hab zwar schon vortschritte gemacht, aber so ganz hab ich es noch nicht geschafft.

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23. Dezember 2004 um 19:06

Was genau...
... verstehst du unter "mauern"?

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24. Dezember 2004 um 3:51
In Antwort auf dixie_12329643

Hallo Baduizm!
Leider hab ich keine Geduld mehr (Verständnis schon), denn nur er selbst kann etwas dagegen tun, und wenn er sagt er tut was für unsere Beziehung und diese Worte sind nur Schall und Rauch, dann schau ich nur mehr auf mich.

Das mit dem Urvertrauen ist so eine Sache....er ist ein extrem freiheitsliebender Mensch und scheint sich am wohlsten zu fühlen wenn er oberflächlich abgelenkt wird.

Pffff......na danke, noch eine "weitere" unsoziale Eigenschaft

Liebe Grüße und dir auch ein frohes Fest
Elbe

Ich war auch mit so
einem Mann zusammen, und fragte mich auch oft, ob mir das für die Zukunft gut tut...auch ich hatte das Gefühl, ich werde für meine kommunkative, offene Art bestraft, und zu manchen Zeiten bezog ich seine "Oberflächlichkeit" extrem auf mich.
Er war sehr wenig bereit, mal einen Streit auszutragen, da wurden dann Türen geschmissen oder gegangen, oder eben die Beziehung in Frage gestellt, oder lieber die Serie (oberflächliche Ablenkung) geschaut......
Das schlimmste für mich war oft, wenn er nach Hause kam, ich spürte, da war was, er wirkte bedrückt, und fragte nach kam die Aussage (etwas aggressiv)...ich bin doch wie immer...
Also Standardsatz....."ich bin immer gleich"...
tja.....
Wenn es mir gutging, dachte ich lass ihn, er will nicht drüber reden, in schlechten Phasen er hat ein Problem mit mir..
Mir hat mal eine befreundete Psychologin gesagt, dass dies gut zu einer hysterischen Persönlichkeitsstörung passt....

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