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Männer leiden anders, aber gewaltig - wie seht ihr das?

12. Juli 2007 um 7:41

Hallo zusammen,

heute bin ich über den folgenden Artikel im Netz gestolpert. Da hier im Forum immer Verlinkungen verstümmelt werden, hab ich ihn als Text kopiert und gleich hier eingefügt. Fand ihn ganz interessant. Was meint ihr?

Männer leiden anders - aber gewaltig!
"Außen hart und innen ganz weich, werden als Kind schon auf Mann geeicht Herbert Grönemeyer brachte mit seinem Kultsong Männer schon 1984 auf den Punkt, was neueste Studien bestätigen: Männer trauern anders und sie leider sogar mehr unter Liebeskummer als Frauen.

Von Michael Eichhammer

Auch wenn alte Rollenmuster mehr denn je im Umbruch sind: Tendenziell begreift auch der moderne Mann die Umwelt eher intellektuell als emotional und neigt dazu, Gefühle eher unbewusst im Hintergrund zu belassen, anstatt diese zu artikulieren.

Aber auch wenn Männer in Sachen Gefühlsäußerung eine lange Leitung haben, bedeutet das nicht, dass sie keine Gefühle haben. Im Gegenteil: Das Innere von Männern ist unerwartet verletzlich. Es ist nur schwer zu beobachten, weil es sich ebenso scheu an der Oberfläche zeigt wie das Ungeheuer von Loch Ness.

Gerade beim Thema Liebeskummer tun sich Männer besonders schwer. Sie leiden nicht nur anders, sondern teilweise sogar extremer unter Liebeskummer als Frauen. Da es nicht ins männliche Selbstbild passt, Gefühle zuzulassen, setzt der Trennungsschmerz sie enorm unter Druck.

Männer wollen alles reparieren

Männer wollen Dinge verstehen - und reparieren, wenn sie kaputt gehen. Dass sie das komplexe Gebilde namens Beziehung im Gegensatz zu anderen Dingen nicht mehr reparieren können, trifft die Achillesverse des männlichen Egos. Das Gefühl, versagt zu haben, nagt am Selbstbewusstsein wie ein Jobverlust. Die Partnerin hat gekündigt. Fristlos.

Was folgt, ist der Versuch, die Gefühle zu verleugnen und zu verdrängen. Der eine wird zum Workaholic, der andere zum Nachwuchs-Casanova, ein anderer wandelt seinen Frust im Fitness-Studio in Energie um.

Der Sinn all dieses blinden Aktionismus: sich selbst beweisen, dass man alles im Griff hat. Dies erklärt auch den Befund aus einer Umfrage, welche die Psychologin Dr. Gerti Senger zum Thema Liebeskummer durchführte: 57 Prozent der befragten Männer, aber nur 37 Prozent der Frauen klagten über mangelnde Energie. Während Frauen ihren Kummer zulassen, betreiben Männer einen enormen Kraftaufwand, um Haltung zu bewahren. Kein Wunder also, dass ihnen die Energie für andere Dinge fehlt.

Trennungsschmerz hat bei 90 Prozent aller Männer, aber lediglich bei drei Viertel der Frauen körperliche Beschwerden zur Folge. 70 Prozent der Männer leiden nach der Trennung unter mangelnder Lebenslust dagegen lassen sich nur 47 Prozent der Frauen durch das Single-Dasein die Lebensfreude vermiesen.

All diese Zahlen lassen den Schluss zu, dass Männer einen hohen Preis bezahlen für ihren Kampf um Coolness.

Noch etwas unterscheidet männliche von weiblicher Trauerarbeit: Während das zarte Geschlecht über ein verzweigtes Freundesnetzwerk verfügt und sich den Kummer im wahrsten Sinne des Wortes von der Seele reden kann, heulen die einsamen Wölfe nachts allein den Mond an.

Typisch männlich ist es außerdem, so weiß der Berliner Männertherapeut Peter Thiel, dass die unverarbeiteten Gefühle aus der beendeten Partnerschaft das nächste Liebesglück hemmen.

Doch selbst das Ende einer Beziehung hat ein Happy End: Liebeskummer lohnt sich für beide Geschlechter. Wer sich bewusst mit der Trennung und dem dazugehörigen Schmerz auseinandersetzt, wird daraus für die Zukunft lernen. Aus Schaden wird man bekanntlich klug.

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12. Juli 2007 um 13:51

Männer und frauen
ich denke, dass obwohl die grundlegenden eigenschaften menschlicher psyche generell gleich sind, werden beide geschlechter augrund vieler faktoren (wie z.b. erziehung, umfeld, klass. rollenverteilung usw.) doch sehr unterschiedlich geprägt. also leiden die frauen nicht weniger als das "stärkere" ) geschlecht. es geht eher darum, wie sie damit umgehen.

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12. Juli 2007 um 14:31

Anders
Ich denke schon, dass Männer und Frauen unterschiedlich leiden. Natürlich lässt sich das nur insoweit verallgemeinern, wie es eben verschiedene Rollenbilder in der Gesellschaft gibt und ist sicher auch sehr individuell.

Vieles aus dem Artikel habe ich auch oft beobachtet:
- Verdrängung, sich sofort in eine neue Beziehung oder viele ONS stürzen. Das rächt sich oft, obwohl es für manche Männer auch aktive Therapie zu sein scheint. So nach dem Motto: Liebeskummer ist dann vorbei, wenn ich eine Neue habe.
- Freunde. Viele Männer reden selbst mit jahrzehntelangen Freunden nicht über Gefühle oder sie haben gar nicht so viele enge Freunde. Das rächt sich immer, wenn es einem mal richtig dreckig geht.
- Frauen sind emotional generell stärker (meine Meinung). Sie müssen das, weil sie selbst unter den schwierigsten Bedingungen Kinder großziehen können müssen, etc...

Diese Tendenz wandelt sich aber mit den gesellschaftlichen Geschlechterrollen. Frauen, die beruflichen Erfolg haben wollen, werden oft mit männlichen Maßstäben gemessen und verhalten sich daher zumeist ähnlich. Daher glaube ich, dass es Frauen zunehmend ähnlich ergeht und sie versuchen müssen ihren Liebeskummer zu unterdrücken, um im Job zu funktionieren.

Das Problem ist wohl eher, dass Liebeskummer als Teenagerproblem abgetan wird und ein erwachsener Mensch nicht ernst genommen wird, wenn er darunter leidet. Dabei ist es neben dem Tod eines nahen Angehörigen eines der emotional schlimmsten Erlebnisse.

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17. Juli 2007 um 10:22

Verbote der Gesellschaft...
Und meinst du, es würde dir schaden, "Schwäche" zu zeigen? Ich sehe das im Prinzip auch so und wie ich oben schreibe, wird es bei Frauen auch nicht toleriert, wenn sie beruflich anerkannt werden wollen. Allerdings ist das eben ein Produkt männlicher Eitelkeit. Gefühle zeigen, Schmerz offensiv verarbeiten, ist eigentlich keine Schwäche sondern ein zeichen von emotionaler Stärke. Ich denke, Männer täten gut daran, zu ihren Gefühlen zu stehen. Aus weiblicher Perspektive würde ich es auch bei einem Mann als positiv werten.

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17. Juli 2007 um 11:38

Ob es diese noch Männer gibt?
Die eine Hälfte dieser Männer liegt in der Ecke und lacht sich über die Stereotypen schlapp und die andere Hälfte der Männer bekommt von der Frauenwelt sowieso nichts mehr mit, weil sie sich verletzlich und mit Gefühlen gezeigt haben, dabei aber ignoriert werden und sie sich darauf hin nicht mehr aus der Mausecke heraustrauen.


PS: das war Sarkasmus

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10. August 2007 um 11:23

Interessant, der Thread...

..."Typisch männlich ist es außerdem, so weiß der Berliner Männertherapeut Peter Thiel, dass die unverarbeiteten Gefühle aus der beendeten Partnerschaft das nächste Liebesglück hemmen."

Dies erklärt meine Theorie, dass Männer ab einem gewissen Alter 'unbrauchbar' sind. Ich habe daher beschlossen, nicht mehr mit einem Mann zusammenzuleben (Liebschaften ja, aber kein gemeinsames Zuhause mehr).

Viele Grüße

Anne

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13. August 2007 um 1:10
In Antwort auf myf_11895328

Interessant, der Thread...

..."Typisch männlich ist es außerdem, so weiß der Berliner Männertherapeut Peter Thiel, dass die unverarbeiteten Gefühle aus der beendeten Partnerschaft das nächste Liebesglück hemmen."

Dies erklärt meine Theorie, dass Männer ab einem gewissen Alter 'unbrauchbar' sind. Ich habe daher beschlossen, nicht mehr mit einem Mann zusammenzuleben (Liebschaften ja, aber kein gemeinsames Zuhause mehr).

Viele Grüße

Anne

Unbrauchbar
hallo anne,
du schreibst, daß männer ab einem gewissen alter unbrauchbar sind... wie ist dieses gewisse alter?

in diesem zusammanhang finde ich auch das thema brutalität interessant.. ähnlich wie die trauer unterschiedlich ist, ist auch die brutalität zwischen mann und frau unterschiedlich. frauen können auch grausam sein, sehen das aber oft auch nicht. so manche frau ist in deinem sinne auch ab einem gewissen alter "unbrauchbar". ich kenne einige geschichten von "geschädigten" Männern genauso aber auch von "geschädigten" frauen.

meine erfahrung ist, wer sich wirklich weiterentwickelt, hat etwas von der erfahrung und ist erheblich "brauchbarer" mit zunehmendem alter, nur wer nicht wirklich lernt und mehr und mehr vermeidungsverhalten an den tag legt, wird unausstehlicher... das gilt für männer und frauen...

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