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Macht meine Ehe noch Sinn?

6. November 2015 um 10:40 Letzte Antwort: 8. November 2015 um 12:40

Als ich mit meinem Mann zusammen gekommen bin, war ich 16 Jahre alt und er 19. Es war von beiden Seiten die große Liebe. Das ist leider mittlerweile nicht mehr so und denke über eine Trennung nach. Der wichtigste Grund, der für mich dagegen spricht, sind die Kinder (5 und 8). Das Haus nicht so sehr, im Gegenteil, ich würde lieber in einer Wohnung wohnen. Finanziell würde ich eine Scheidung verkraften. Sicher würde ich meinen Mann auch irgendwo vermissen. Ich habe ihn auf einer freundschaftlichen Ebene sehr gern und wir haben viel miteinander erlebt.

Wir haben mehrere große Baustellen. Ein großes Problem ist die Sexualität. Mein Mann hat eine starke S&M Neigung, ich überhaupt nicht. Ich bin sexuell durchaus offen. Harmlose Dinge wie Fesseln, Augen verbinden etc. sind überhaupt kein Problem, aber das ist nichts, womit sich ein richtiger SMler sich zufrieden geben würde. Zum Zeitpunkt unserer Hochzeit war mir dieses Problem nicht klar. Ich war erst 23, mein Mann mein einziger Sexualpartner und er hatte seine Neigung auch vor der Hochzeit so nie angesprochen. Weil sie ihm selbst im Vorhandenen Ausmaß nicht bewusst war. Wir kommen beide aus sehr konservativen Elternhäusern, was dazu führte, dass wir uns beide in unserer Jugend kaum sexuell ausprobiert hatten. Ich hatte nie ein starkes Bedürfnis mit meinem Mann zu schlafen, auch nicht zu Zeiten, in denen ich sehr verliebt in ihn war. Ich war sehr jung und labil, als ich meinen Mann mit 16 kennengelernt hab (mein Bruder war gestorben als ich 13 war). Er war für mich da und das hat mir gut getan. Ich habe mich auf einer völlig anderen Ebene als der sexuellen in ihn verliebt. Dass wir nicht so eine intensive Sexualität hatten, habe ich nie damit erklärt, dass es bei uns eben nicht passt, sondern ich dachte immer, dass ich eben jemand bin, der Sex nicht so mag. Als mir klar wurde, dass ich meinem Mann sexuell nicht alles geben kann, was er braucht, habe ich sehr darunter gelitten. Vor ca. 3 Jahren haben wir uns darauf geeinigt, eine offene Ehe zu führen. Zunächst war ich etwas eifersüchtig, wenn er bei seinen SM-Partnerinnen war. Aber mir wurde zugleich auch eine Last von meinen Schultern genommen. Mittlerweile spüre ich diese Eifersucht nicht mehr. Ich habe mich dann auch mit anderen Männern getroffen. Und festgestellt, dass ich sehr wohl einen großen Sexualtrieb habe. Und es einfach nur daran liegt, dass mein Mann und ich in diesem Bereich nicht auf einer Wellenlänge sind (und es auch am Anfang unserer Beziehung nicht waren). Die offene Ehe hätte eine Lösung für uns sein können. Das Problem ist, dass ich es nicht schaffe, Sex und Gefühle zu trennen. D. h. ich habe für meine Affären zu viele Gefühle. Das schafft auf einer Seite weitere Distanz zu meinem Mann, auf der anderen Seite macht es mich emotional kaputt, weil ich jedes Mal, wenn eine Affäre vorbei ist, sehr traurig bin. Gibt es überhaupt eine Lösung für unser Problem? Auf der einen Seite denke ich, dass ich den Kindern zu Liebe es durchziehe. Die Stimmung ist bei uns nicht schlecht. Wir sind wie zwei Kumpel, die in einer WG wohnen.... Und dann wieder denke ich: "Ich bin 34, andere Leute heiraten in meinem Alter. Soll ich jetzt eine Ehe, die am Ende ist, bis an mein Lebensende durchziehen?"

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6. November 2015 um 10:52

Zweite Baustelle
Noch einmal die Fragenstellerin: Wenn wir mal etwas Schönes machen, wie Essen gehen, verstehen wir uns immer blendend, lachen viel zusammen und es ist schon eine gewisse Verliebtheit da. Von beiden Seiten. Weshalb ich nicht verstehe, dass mein Mann wenig Motivation hat, solche Situationen herbeizuführen. Ich muss ihn regelrecht drängen. Am Ende sagt er dann immer, dass es gut war, dass wir es gemacht haben.... Vor einem Jahr habe ich ihn gebeten, zwei Abende pro Woche mit mir zu verbringen. Dabei ging es mir nicht um große Unternehmungen, ich wäre auch mit Fernsehabenden zufrieden gewesen. Er meinte, ich würde klammern. Ich habe jüngst entschieden, mich zu trennen. Er war total schockiert und will jetzt häufiger etwas mit mir machen. Er hat sogar eine Paartherapie vorgeschlagen (vor einem Jahr hat er es noch abgelehnt). Ich bin zwar froh über die Entwicklung. Jedoch denkt mein Mann jetzt, dass alles wieder sofort in Ordnung zwischen uns ist, wenn er uns mehr Zeit einräumt. Ich kann aber nicht von heute auf morgen vergessen, dass ich jahrelang unter seiner mangelnden Aufmerksamkeit gelitten habe.

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6. November 2015 um 18:19

Liebe Anni,
zunächst einmal möchte ich dir meinen ehrlichen Respekt aussprechen, für die Art, wie du versuchst eure Probleme zu lösen.

Nun gibt es aber eine entscheidene Frage: Wenn dein Mann es schaffen würde weiterhin so aufmerksam zu sein, würde es für dich reichen? Wäre das für dich eine zufriedenstellende Beziehung? Wenn ja, dann gib ihm diese Chance. Dann soll er sich in den nächsten Monaten beweisen und mit ein paar offenen Gesprächen kannst du ihn dann bestimmt auch auf Kurs halten.

Wenn nicht, dann trenn dich. Natürlich wäre es schade, aber du bist doch noch so jung (und er auch). Dann nimm euch beiden (!) nicht die Chance auf eine Beziehung, die euch richtig glücklich macht. Ihn vielleicht sexuell, dich aber vor allem emotional. Mein Lebensgefährte hat sich nach 10 Jahren Ehe auch mit Anfang 30 getrennt und es nicht bereut.

Ihr scheint beide doch vernünftig zu sein, mit ein bisschen Arbeit würde es klappen, diese gute freundschaftliche Beziehung auch als Freundschaft weiter zu führen. Nur der Kinder wegen in einer unglücklichen Beziehung bleiben ist meiner Meinung nach absolut bescheuert. Die Kinder werden unter einer anständigen Trennung nicht wahnsinnig leiden müssen und sind mit glücklichen, aber getrennten Eltern sicher besser dran, als mit unglücklichen Eltern, die nicht mehr zusammen sein möchten.

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8. November 2015 um 12:40

Liebe Pantöffelchen
vielen Dank für deine Antwort. Du hast völlig Recht, mit dem was du schreibst. Ich werde darüber nachdenken. Ich weiß gerade selbst nicht, was will. Das ist so eine heftige Entscheidung nach 17 Jahren...

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