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Liebe Verliebtheit

15. Dezember 2018 um 20:57

Hallo,

vergeblich versuche ich folgendes zu verstehen: Alle Menschen scheinen sich nach großen Gefühlen zu sehnen. Sie sehen romantische Komödien mit Julia Roberts oder Cameron Diaz und heulen so manches Taschentuch dabei voll; sie gehen im Park spazieren und sehen irgendein frischverliebtes Paar und sind ganz gerührt; sie erinnern sich an den Anfang ihrer Beziehung und bekommen dieses Lächeln ins Gesicht verbunden mit einer gewissen Trauer, daß alles längst vorbei ist. Nahezu keiner, den ich je erlebte, war unempfänglich für das Wunder der Liebe bzw. der Verliebtheit.

Und doch scheint nahezu jede Beziehung vom mehr oder minder absoluten Hoch des Anfanges (der als „Verliebtheit“ gerne verächtlich gemacht wird) auf etwas zu sinken, was an emotionalem Tiefgang keine zehn Prozent dessen ausmacht, was da mal war. Verklärt wird dieser Zustand dann als sogenannte „reife Liebe“, deren Reife sich dadurch umso mehr ausdrückt, je weniger emotional zwischen den Menschen passiert.

Beispiel: Als ich vorher in die Wikipedia unter dem Begriff „Liebe“ schaute, fand sich zuoberst ein Bild, auf welchem „Liebe gemacht“ wird, wo Liebe also ganz klar einen starken körperlichen Bezug bekommt. Auch in den Folgebildern, selbst wenn sie Liebe im allgemeinen darstellen, findet sich ein starker körperlicher Bezug - Liebe scheint also als primär körperlich-sinnlicher Begriff in uns repräsentiert zu sein.

Und in dieser Hinsicht verstehe ich eines nicht: Daß das Nachlassen von Körperlichkeit, das Eintreten eines Zustandes, wo ein Außenstehender ganz und gar nicht mehr 10 Meilen gegen den Wind sieht, daß da zwischen zwei Menschen die Gefühle und die Anziehung toben, als ein FORTSCHRITT und als ein angebliches REIFEN von Beziehungstiefe gesehen wird, ja sogar daß eine ganze Zunft von Psychologen und Psychiatern sich gegenseitig darin überbietet, im Verliebtsein etwas hoffentlich bald zu Überkommendes zu entdecken, wohingegen mehr oder minder tumbes Nebenherleben über Jahrzehnte als „reife Liebe“ in den wahren Himmel gehoben wird.

In unglaublich vielen Menschen bleibt aber diese Sehnsucht nach dem Rauschhaften des Verliebtseins erhalten und entlädt sich bei erstbester Gelegenheit durch das Sichverlieben in eine Geliebte oder einen Geliebten und viele Leute haben eine ganze lange Reihe an seriellen Monogamien, die immer irgendwie von neuem in einen Zustand des Verliebtseins führen und noch viel mehr Menschen gehen ein, zwei, drei, vielleicht gar mehr Beziehungen über ein oder mehrere Jahrzehnte ein und sind entgeistert darüber, daß sie alle auf dieselbe Weise irgendwann enden, nämlich mit dem Verlust des Sichliebens, welches in meinen Augen mit dem Verlust des Verliebtseins seinen oftmals so fatalen Lauf nimmt.

Ich komme mir teilweise vor wie bei des Kaisers neuen Kleidern: Je weniger intensiv und rauschhaft eine Liebe erlebt wird, desto WERTVOLLER ist sie, analog des Umstandes, daß Kleider umso wertvoller waren, je luftiger und leichter, bis hin zur absoluten Transparenz, sie waren. Eine Liebe, die niemand von außen sehen kann, sondern wo man „Verantwortung füreinander und den Nachwuchs“ sehen kann oder auch „Freizeitgestaltung gemeinsam“ stattdessen serviert bekommt, ist die wertvollere Liebe als die, wo für einen Blinden sichtbar die Blitze zwischen zwei Menschen hin- und herzucken.

Was also ist mit den Menschen los? Warum schaffen sie hochtrabende Theorien, warum das Nachlassen von Verliebtheit „normal“ ist, warum das „wünschenswert“ und „erstrebenswert“ ist, statt sich mit der einzig relevanten Frage zu beschäftigen, die da lautet:

„Wie läßt sich dieses Gefühl füreinander ein Leben lang bewahren, wie läßt es sich täglich reaktivieren, mal mehr, mal weniger, aber immer deutlich spürbar für einen selbst und ebenso für Außenstehende und immer ausreichend lang, um mehr zu sein als ein großer Witz?“

Ich verstehe es nicht. Versteht Ihr es? Könnt Ihr meinem Des-Kaisers-neue-Kleider-Ansatz folgen? Oder findet Ihr lächerlich, daß ich die rauschhafte Liebe in die Dauerhaftigkeit retten will, statt mir einreden zu lassen, daß ihr Verlust erst der Beginn des WAHREN Liebens ist, daß ich mich umso geachteter und begehrter von meinem Partner fühlen muß, je weniger tatsächliches Interesse er an mir zeigt, je mehr ich zu einem Einrichtungsgegenstand seines Lebens verkomme, der letztlich fast schon beliebig und austauschbar ist, auf jeden Fall keine tägliche Beschäftigung mit starker Emotionalität und Körperlichkeit wert?

Habe ich ne Macke oder hat unsere Gesellschaft in ihrer Wahrnehmung von Liebe einen Generalschaden, der welchem gesellschaftlichen Ziel auch immer folgt (beispielsweise Nachwuchs zu produzieren und ansonsten mit sich selbst beschäftigt zu sein und fortwährend durch Konsum nach dem Glück zu suchen, welches man als Verliebtgebliebenseiender längst hätte)?

Danke im voraus für Eure Ideen und Gedankenansätze.

Jassin

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15. Dezember 2018 um 21:49
In Antwort auf jassin76

Hallo,

vergeblich versuche ich folgendes zu verstehen: Alle Menschen scheinen sich nach großen Gefühlen zu sehnen. Sie sehen romantische Komödien mit Julia Roberts oder Cameron Diaz und heulen so manches Taschentuch dabei voll; sie gehen im Park spazieren und sehen irgendein frischverliebtes Paar und sind ganz gerührt; sie erinnern sich an den Anfang ihrer Beziehung und bekommen dieses Lächeln ins Gesicht verbunden mit einer gewissen Trauer, daß alles längst vorbei ist. Nahezu keiner, den ich je erlebte, war unempfänglich für das Wunder der Liebe bzw. der Verliebtheit.

Und doch scheint nahezu jede Beziehung vom mehr oder minder absoluten Hoch des Anfanges (der als „Verliebtheit“ gerne verächtlich gemacht wird) auf etwas zu sinken, was an emotionalem Tiefgang keine zehn Prozent dessen ausmacht, was da mal war. Verklärt wird dieser Zustand dann als sogenannte „reife Liebe“, deren Reife sich dadurch umso mehr ausdrückt, je weniger emotional zwischen den Menschen passiert.

Beispiel: Als ich vorher in die Wikipedia unter dem Begriff „Liebe“ schaute, fand sich zuoberst ein Bild, auf welchem „Liebe gemacht“ wird, wo Liebe also ganz klar einen starken körperlichen Bezug bekommt. Auch in den Folgebildern, selbst wenn sie Liebe im allgemeinen darstellen, findet sich ein starker körperlicher Bezug – Liebe scheint also als primär körperlich-sinnlicher Begriff in uns repräsentiert zu sein.

Und in dieser Hinsicht verstehe ich eines nicht: Daß das Nachlassen von Körperlichkeit, das Eintreten eines Zustandes, wo ein Außenstehender ganz und gar nicht mehr 10 Meilen gegen den Wind sieht, daß da zwischen zwei Menschen die Gefühle und die Anziehung toben, als ein FORTSCHRITT und als ein angebliches REIFEN von Beziehungstiefe gesehen wird, ja sogar daß eine ganze Zunft von Psychologen und Psychiatern sich gegenseitig darin überbietet, im Verliebtsein etwas hoffentlich bald zu Überkommendes zu entdecken, wohingegen mehr oder minder tumbes Nebenherleben über Jahrzehnte als „reife Liebe“ in den wahren Himmel gehoben wird.

In unglaublich vielen Menschen bleibt aber diese Sehnsucht nach dem Rauschhaften des Verliebtseins erhalten und entlädt sich bei erstbester Gelegenheit durch das Sichverlieben in eine Geliebte oder einen Geliebten und viele Leute haben eine ganze lange Reihe an seriellen Monogamien, die immer irgendwie von neuem in einen Zustand des Verliebtseins führen und noch viel mehr Menschen gehen ein, zwei, drei, vielleicht gar mehr Beziehungen über ein oder mehrere Jahrzehnte ein und sind entgeistert darüber, daß sie alle auf dieselbe Weise irgendwann enden, nämlich mit dem Verlust des Sichliebens, welches in meinen Augen mit dem Verlust des Verliebtseins seinen oftmals so fatalen Lauf nimmt.

Ich komme mir teilweise vor wie bei des Kaisers neuen Kleidern: Je weniger intensiv und rauschhaft eine Liebe erlebt wird, desto WERTVOLLER ist sie, analog des Umstandes, daß Kleider umso wertvoller waren, je luftiger und leichter, bis hin zur absoluten Transparenz, sie waren. Eine Liebe, die niemand von außen sehen kann, sondern wo man „Verantwortung füreinander und den Nachwuchs“ sehen kann oder auch „Freizeitgestaltung gemeinsam“ stattdessen serviert bekommt, ist die wertvollere Liebe als die, wo für einen Blinden sichtbar die Blitze zwischen zwei Menschen hin- und herzucken.

Was also ist mit den Menschen los? Warum schaffen sie hochtrabende Theorien, warum das Nachlassen von Verliebtheit „normal“ ist, warum das „wünschenswert“ und „erstrebenswert“ ist, statt sich mit der einzig relevanten Frage zu beschäftigen, die da lautet:

„Wie läßt sich dieses Gefühl füreinander ein Leben lang bewahren, wie läßt es sich täglich reaktivieren, mal mehr, mal weniger, aber immer deutlich spürbar für einen selbst und ebenso für Außenstehende und immer ausreichend lang, um mehr zu sein als ein großer Witz?“

Ich verstehe es nicht. Versteht Ihr es? Könnt Ihr meinem Des-Kaisers-neue-Kleider-Ansatz folgen? Oder findet Ihr lächerlich, daß ich die rauschhafte Liebe in die Dauerhaftigkeit retten will, statt mir einreden zu lassen, daß ihr Verlust erst der Beginn des WAHREN Liebens ist, daß ich mich umso geachteter und begehrter von meinem Partner fühlen muß, je weniger tatsächliches Interesse er an mir zeigt, je mehr ich zu einem Einrichtungsgegenstand seines Lebens verkomme, der letztlich fast schon beliebig und austauschbar ist, auf jeden Fall keine tägliche Beschäftigung mit starker Emotionalität und Körperlichkeit wert?

Habe ich ne Macke oder hat unsere Gesellschaft in ihrer Wahrnehmung von Liebe einen Generalschaden, der welchem gesellschaftlichen Ziel auch immer folgt (beispielsweise Nachwuchs zu produzieren und ansonsten mit sich selbst beschäftigt zu sein und fortwährend durch Konsum nach dem Glück zu suchen, welches man als Verliebtgebliebenseiender längst hätte)?

Danke im voraus für Eure Ideen und Gedankenansätze.

Jassin
 

Wenn ich dich richtig verstehe, willst du ein Stückchen Orientierung, was überhaupt möglich ist in unserer gegenwärtig desorientiert wirkenden Gesellschaft.
Ich lese: Für dich gibt es nur zwei Zustände.
1. total verliebt, heiße Liebe, gleichbedeutend mit sexueller Aktivität
2. Langeweile
Richtig?

Mir ist das mindestens in diesen beiden Aussagen aufgefallen:
Auch in den Folgebildern, selbst wenn sie Liebe im allgemeinen darstellen, findet sich ein starker körperlicher Bezug - Liebe scheint also als primär körperlich-sinnlicher Begriff in uns repräsentiert zu sein.

daß ich mich umso geachteter und begehrter von meinem Partner fühlen muß, je weniger tatsächliches Interesse er an mir zeigt, je mehr ich zu einem Einrichtungsgegenstand seines Lebens verkomme, der letztlich fast schon beliebig und austauschbar ist, auf jeden Fall keine tägliche Beschäftigung mit starker Emotionalität und Körperlichkeit wert?


Also da kann ich dich beruhigen. Es ist nicht so, dass man gar kein Interesse mehr aneinander hat, wenn man sich dann einig geworden und ganz folgerichtig an die 20 Jahre verheiratet ist.
Du müsstest nur zur Kenntnis nehmen, dass hier viel männlich geprägt ist. Nicht nur Wikipedia-Artikel können stümperhaft sein. Auch wissenschaftliche Studien. (Gestern erst eine gelesen, in der plötzlich eine "Rabenmutter" auftauchte. Als ob persönliche Wertung eines Schreibers Wissenschaft sei.) Nicht nur Liebe wird mit Sex verwechselt, auch Sex mit Erotik. Wobei technische oder pharmazeutische Hilfsmittel, die gern unter dem Namen geführt werden, gerade das Gegenteil bedeuten. 
Und wenn ich noch einen draufsetzen darf: Jedes Säugetier kann Geschlechtsverkehr, ohne lesen oder beten zu können.

LIEBE ist eine lebende Beziehung, die laufend gepflegt werden will. Wenn sich einer nur noch als Einrichtungsgegenstand des anderen erlebt, ist das schon misslungen. Denn gewöhnlich sehen sich Liebende positiv, mindestens in ihrer Grundeinstellung zueinander.

Ich könnte hier noch etwas zur politischen, vermischt mit religiösen Situation schreiben, aber ich beschränke mich darauf, dir zu empfehlen, selbst die Äuglein zu öffnen.

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15. Dezember 2018 um 22:31

Die Prämisse ist - wie es anne123 schon erwähnt - falsch. Und der Wikipedia-Artikel ist in diesem Fall so, als ob du in einem Fastfood-Laden etwas über Gourmet-Essen erfahren wolltest. Zum Nachlesen über die Liebe wird gern Erich Fromm empfohlen. Probiere es mal mit seinem Buch. Ansonsten hilft nur eigene Erfahrung und die Beobachtung der Menschen.

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15. Dezember 2018 um 22:37

Hallo, Anne,

danke für Deine Antwort. Ich verstehe, wie Du zu dem Schluß kommst, daß es nur zwei Möglichkeiten für mich gibt, aber ich denke, daß Du mich da mißverstehst, zumindest mit der Überbetonung des Körperlichen.

Verliebtheit beinhaltet folgende Komponenten: Selbstredend eine ausgeprägte Körperlichkeit. EBENSO aber auch eine noch extremere emotionale Hingabe und tiefes Interesse an den geistigen Aspekten der Person. Und als exakt das definiere ich Liebe, als Zusammenspiel von tiefer Emotionalität, Geistigkeit und Körperlichkeit. Fällt eines davon weg, ist die Liebe in meinen Augen nicht besser geworden, sondern schlechter.

Die Körperlichkeit fällt zuerst und am deutlichsten sichtbar weg. Aber es ist soviel mehr: Es sind die Blicke, die man sich zuwirft, es ist das tiefe Interesse am anderen auch wenn da noch andere interessante Dinge sind, es ist das Gefühl, daß der andere die ganze Welt für einen ist.

Das aufs Körperliche zu reduzieren, geht meilenweit an dem vorbei, was ich meine.

Es ist nie mehr. Immer nur weniger plus mehr Geschichte. Aber es wird zum Leben von und in einer Geschichte. Die meisten Beziehungen basieren für mich auf einer Erinnerung daran, wie schön es einmal war und der mehr oder minder sinnfreien Hoffnung, sie würde je wieder so werden. In der einen oder anderen gibt es ein plötzliches Wiederaufkeimein, genannt „zweiter Frühling“, aber der verschwindet meist ebensoschnell wie der erste.

Ich frage mich, wo die Leute sind, die auch den 10.000 Frühling erleben wollen...

Und dazu interessieren mich andere Erfahrungen.

Danke für Deine!

Besten Gruß

Jassin

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15. Dezember 2018 um 22:39

Fromms Buch habe ich schon vor sehr vielen Jahren gelesen und prinzipiell für gut befunden und trotzdem habe ich nie ein Wachsen von Beziehungen gesehen, sondern immer nur ein Schrumpfen - dies bei mir selbst und ebenso bei vielen Beziehungen, die ich mitbekomme. Es ist ein ganz seltsames Nebeneinanderher, dem ich in keiner Weise folgen kann.

Deshalb die Frage, ob irgendwer diese Sichtweise nachvollziehen kann...

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15. Dezember 2018 um 22:52

Weil hier beide Antwortenden so auf die Wikipedia eingehen - es ging mir bei der Lektüre des Artikels um eine Darstellung vieler unterschiedlicher Ansichten und exakt das leistet der Artikel, er betrachtet Liebe aus einer Vielzahl an Blickwinkeln. Den Artikel pauschal als "Fastfood" zu verunglimpfen, erscheint mir als wenig fair seinen Autoren gegenüber.

Mir ging es auch in keiner Weise hier um die tieferen Inhalte, sondern es ging darum, welcher Film in anderen Menschen gemeinhin beim Begriff "erotische Liebe" (also der zwischen Mann und Frau, um die es hier ja geht) mehr oder minder von allein abläuft und das ist einer mit viel Körperlichkeit, egal wo die nun anfängt oder aufhört. Aber intensives Küssen dürfte bei 95% aller Menschen sich geradezu aufdrängen, würde man sie unvermittelt zu ihrer ersten visuellen Assoziation bezüglich dieser Begriffe befragen.

Nur: Später ist das genau davon meist wenig wahrzunehmen, was ich beim besten Willen nicht als Fortschritt wahrzunehmen in der Lage bin.

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16. Dezember 2018 um 16:19

Hallo, Aasha,

Gott sei es geträllert und gepfiffen - ich bin scheinbar doch nicht komlett verrückt. *michfreu* DANKE für Deine Erfahrung! Das Fatale ist ja, daß man gar nicht so schnell schauen kann, wie man einsortiert wird in Schubladen wie "liebesunfähig", "oberflächlich", "sexsüchtig", "gesellschaftszersetzend" und was den geneigten Mitmenschen dann sonst noch so einfällt, tendenziell gingen die Aussagen der beiden bisherigen Antwortenden ja in eine ähnliche Richtung.

Darf ich Dich fragen, was Dich hier ins Forum zieht? Du klingst ziemlich glücklich und liebestechnisch bestens versorgt... Das Problem solcher Foren ist natürlich tendenziell immer, daß man mehr Menschen mit eigenen Problemen als mit tollen Lösungen antrifft...

Meine Fragen haben natürlich ebenfalls einen persönlichen Anlaß und Hintergrund: Meine Freundin und ich lieben uns auf eine Weise, die man nicht in Worte fassen kann - da ist seit Urzeiten eine Tiefe zwischen uns, die ich noch nie mit irgendwem je gespürt habe (ich bin 42, sie ist 38, wir sind entfernt verwandt und kennen uns seit 34 Jahren, hatten als Fastnochkinder schonmal ne kurze Verbindung, dann fast 18 Jahre nichts miteinander zu tun und seit gut 6 Jahren ist da wieder was, stellenweise auch verdammt viel). Gleichzeitig gibt es aber auch höchst massive Probleme, die speziell damit zu tun haben, daß ich so ticke wie beschrieben, sie aber nur sporadisch leidenschaftlich ist, wenngleich dann sehr stark.

Nur dazwischen ist dann nichts und ich habe das Gefühl, es mit zwei verschiedenen Personen zu tun zu haben, die eine glühend vor Leidenschaft und die andere ne Mutti, die nichtmal ahnt, daß es da auch nen (Stief-)Papi gibt, der mit Sicherheit kein Interesse an ner Ausschließlichmutti hat und haben kann, die ab und an versehentlich mal Frau ist, wenngleich dann richtig und mit Gefühlsfeuerwerk jenseits dieser Welt.

Wir versuchen beide, das Problem zu lösen. Ob das möglich ist, steht in den Sternen. Räumliches Getrenntsein wird ein Teil der Lösung sein müssen und ist es tendenziell auch schon, gleichwohl hier auch wieder ein Problem liegt, weil die Wohnungen nämlich über 500 km entfernt voneinander sind.

Es ist für mich nur unglaublich schwer, eine sinnvolle Argumentation für ein Nichtnachlassen von Leidenschaft zu finden, wenn nahezu JEDER mit Inbrunst das Märchen von der reifen Liebe erzählt, die umso toller ist, je weniger leidenschaftlich sie ist, was ja am Ende die extreme Trennungsrate, die doch recht hohe Fremdgehrate, etc. schon deutlich sichtbar ins Reich der Märchen verweisen, was die meisten Leute aber nicht kapieren, weil sie die Ursachen des Scheiterns nicht da suchen, wo sie meines Erachtens liegen: In der Vergangenheit, an genau der Stelle, wo sie das erste mal zuließen, daß große Gefühle gegen laues Nichts ersetzt wurden.

Selbstredend wäre es schlimm, wenn zum Rausch des Anfanges nicht noch Geschichte und anderweitige Tiefe HINZUkämen - klar, soll, darf und muß Liebe einem Reifeprozeß unterliegen. Nur eben nicht auf Kosten der Leidenschaft - Du findest da die Worte der Worte!

Liebe sollte mehr werden. Immer und immer mehr. Nicht weniger. Und erst recht nicht an der Stelle, die eben so ziemlich jedem als erster visueller Eindruck von Sichlieben in den Sinn kommt, der aber eben im Normalfalle alsbald dann zur "schönsten NEBENsache der Welt" umfunktioniert wird, nur, um spätestens 10 Jahre später dann doch wieder zur Hauptsache zu werden, nur eben mit einem anderen Partner...

Also, nochmals ganz lieben Dank für Deine Ausführungen, Aasha!

Herzlich

Jassin
 

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16. Dezember 2018 um 17:27
In Antwort auf jassin76

Hallo, Anne,

danke für Deine Antwort. Ich verstehe, wie Du zu dem Schluß kommst, daß es nur zwei Möglichkeiten für mich gibt, aber ich denke, daß Du mich da mißverstehst, zumindest mit der Überbetonung des Körperlichen.

Verliebtheit beinhaltet folgende Komponenten: Selbstredend eine ausgeprägte Körperlichkeit. EBENSO aber auch eine noch extremere emotionale Hingabe und tiefes Interesse an den geistigen Aspekten der Person. Und als exakt das definiere ich Liebe, als Zusammenspiel von tiefer Emotionalität, Geistigkeit und Körperlichkeit. Fällt eines davon weg, ist die Liebe in meinen Augen nicht besser geworden, sondern schlechter.

Die Körperlichkeit fällt zuerst und am deutlichsten sichtbar weg. Aber es ist soviel mehr: Es sind die Blicke, die man sich zuwirft, es ist das tiefe Interesse am anderen auch wenn da noch andere interessante Dinge sind, es ist das Gefühl, daß der andere die ganze Welt für einen ist.

Das aufs Körperliche zu reduzieren, geht meilenweit an dem vorbei, was ich meine.

Es ist nie mehr. Immer nur weniger plus mehr Geschichte. Aber es wird zum Leben von und in einer Geschichte. Die meisten Beziehungen basieren für mich auf einer Erinnerung daran, wie schön es einmal war und der mehr oder minder sinnfreien Hoffnung, sie würde je wieder so werden. In der einen oder anderen gibt es ein plötzliches Wiederaufkeimein, genannt „zweiter Frühling“, aber der verschwindet meist ebensoschnell wie der erste.

Ich frage mich, wo die Leute sind, die auch den 10.000 Frühling erleben wollen...

Und dazu interessieren mich andere Erfahrungen.

Danke für Deine!

Besten Gruß

Jassin

hierbei habe ich gelernt, es ''einfach zu halten'' und stattdessen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Wer die Höhenflüge kennt und anfällig für Süchte ist, ist gut beraten, sich in Bescheidenheit zu üben. Und sich mehr mit der Spiritualität zu befassen.
Denn nur über sie bin ich an die Liebe, wie ich sie schon immer erfahren wollte, geführt worden.

Dafür brauchte ich noch viele Umwege und Irrwege - doch es hat sich gelohnt - obwohl ich es manchmal noch immer nicht fassen kann.

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16. Dezember 2018 um 18:46

Hallo, Gabriela,

so sehr ich mühe, tue ich mich schwer, Deinen Ausführungen zu folgen. Sind das Deine eigenen Gedanken? Oder ist es mehr ein Zitat? Oder beides gemischt? Da ist für mich etwas zuviel Interpretationsspielraum, um wirklich zu verstehen, was Du mir sagen willst.

Süchte zum Beispiel sind so ein Thema: Beispielsweise bin ich einigermaßen überzeugt davon, daß der Grad der Süchtigkeit bei allen Menschen mehr oder minder gleich ist - wir unterscheiden uns nur darin, worauf sich unsere Sucht bezieht. Der eine ist klassisch substanzsüchtig, der nächste betreibt wie besessen einen Sport, der übernächste rennt von einem Berg zum nächsten, viele Eltern sind in krasser Weise kindersüchtig (womit wir tendenziell wieder beim Thema wären) - ich sehe da wenig prinzipielle Unterschiede. An Bergen sterben möglicherweise ähnlich viele Menschen wie an manchen Drogen...

Süchtige sind auf der Suche und wir sind jede Sekunde unseres Lebens auf der Suche nach Glück und den Dingen, Menschen und Aktionen, die dieses Glück auslösen - mithin eben alles Süchtige.

J.

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16. Dezember 2018 um 19:15

Dann war meine Idee ja goldrichtig, Aasha,

mal zu mutmaßen, daß man in so einem Forum auch entgegen dem gesellschaftlichen Trend jemanden finden kann, der wenigstens rudimentär nachvollziehen kann, was ich meine.

Umso schöner, nun wem begegnet zu sein, der sogar mehr oder minder volles Verständnis mitbringt, gleichzeitig aber nachvollziehen kann, wie sehr man damit gegen den gesellschaftlichen Stachel leckt.

Genau das, was Du beschreibst, ist das, was Liebe ist und auch zu sein hätte, würde man je eine sinnvolle Definition für sie aufstellen wollen. Ich habe sowohl Fromms "Die Kunst des Liebens" als auch Peter Lausters "Die Liebe - Psychologie eines Phänomens" vor gut 20 Jahren gelesen und eine wahrhaft sinnvolle Definition für Liebe am Ende dann doch vermißt, so sehr ich diese Bücher ansonsten beide schätze.

Unser Körper ist integraler Teil dessen, was uns ausmacht. Unsere Seele und unser Geist können sowohl ohne ihn nicht existieren als auch kein wahres Wohlbefinden vermitteln, denn Wohlbefinden stellt sich immer nur über den Körper ein. Die Wärme der platonischen Liebe beispielsweise wird am Ende auch über den Körper vermittelt, weil Geist und Seele hier auf den Körper rückwirken. Trotzdem bleibt der Körper der eigentliche Wohlbefindensvermittler und deshalb dreht sich für mich am Ende alles um den besten Zustand für den Körper.

Und da kommen natürlich sehr schnell die 2 Quadratmeter Hautoberfläche mit ihren Myriaden an Berührungs- und sogar speziellen STREICHEL-Rezeptoren ins Spiel nebst natürlich den Steigerungen, die Körperlichkeit so mitsichbringen kann.

Wie eine Gesellschaft je so vollkommen verrückt sein konnte, diesem Wunderwerk der Wohlfühltechnik eine Schattenrolle, eine Ekelrolle, was auch immer, zuzuweisen, wird mir immer mehr oder minder ein Rätsel bleiben, denn nichts wird sich je besser anfühlen, als von einem geliebten Menschen körperlich verwöhnt zu werden. Würde ich den Himmel beschreiben müssen, er bestünde zu nicht kleinem Teil aus exakt diesen Gefühlen.

Natürlich wollen auch Geist und Seele zu ihrer Geltung kommen und die machen den Rest aus, selbstredend kann alle Körperlichkeit der Welt keine seelische und geistige Ergriffenheit von der Welt, den Dingen und manchen Mitmenschen ersetzen.

Aber im Ideal der Liebe verdichtet sich alles zu einem großen Ganzen und die Körperlichkeit ist letztlich der integralste Part des Ganzen, schon deshalb, weil es alles andere auch mit sehr vielen anderen Menschen auf dieser oder jener Ebene geben kann und auch geben wird.

Mir ist aber tatsächlich in meiner realen Erfahrungswelt noch niemand begegnet, bei dem ich vollumfänglich das Gefühl gehabt hätte, in dieser Hinsicht verstanden zu werden. Speziell meine Freundin versteht mich hier nicht, ihre Psychologin ebensowenig, und auch sonst fällt es schwer, für diese Sichtweise irgendeinen glühenden Unterstützer zu finden, deshalb mein Problem mit den Schubladen.

An sich hat es mich nie interessiert, ob mich wer in Schubladen steckt - ich wußte meist sehr genau, daß die anderen sich damit irren. Aber trotzdem hat es Folgen, wenn man zu oft und zu gründlich in Schubladen gesteckt wird, weil einem dann sozusagen diejenigen fehlen, die einen nicht nur nicht dorthineinstecken, sondern speziell die, die einen mindestens argumentativ unterstützen.

Wie will man denn ein Beziehungsproblem lösen, bei dem solche Dinge fast immer eine größere Rolle spielen, wenn schon alle Paartherapeuten in Wahrheit mehr oder minder körperfeindlich sind und dem Ideal der "reifen Liebe" hinterherrennen und es ihren Klienten schmackhaft zu machen versuchen, statt zu begreifen, daß Liebe ein Ding ist, wo uns die Bonobos sicher mehr zu erzählen haben, als die meisten unserer Mitmenschen, weil sie "wissen" und "spüren", welche extreme Bedeutung unsere Körper für unser Wohlbefinden an sich hat, aber auch für das unserer Seelen und unseres Geistes.

Ich tue mich einfach schwer, meiner Freundin zu erklären, daß ich nicht den Verstand verloren habe - so kann man es vielleicht am ehesten erklären, warum mich die Schubladen interessieren.

Schön, daß Du diese Sichtweise auf das Lieben in die Welt trägst - das hat diese so bitter nötig. Meinen Dank dafür, selbst wenn das jetzt etwas pathetisch und/oder großkotzig klingen mag... 

Ich würde mich so sehr freuen, wenn meine Freundin aus ihrem zu oft erregungsfreien Sein endlich aufwachen würde und die Erregung in ihrem Leben willkommenhieße, um sie in alles mögliche Wundervolle zu verwandeln, zuerst einmal in eine Beziehung, die funktioniert, und danach in so vieles mehr...

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16. Dezember 2018 um 21:01

Hach ja, die Liebe. Ich bin mit meinem Mann nun über 5 Jahre zusammen und bald ist wieder unser Hochzeitstag. Wenn ich nur an meinen Mann denke, kribbelt es überall. Er hat sich so wahnsinnig immer ins Zeug gelegt bei mir und es ist noch genauso wie am Anfang, nur dass uns jetzt noch so viel mehr verbindet.

Aber tatsächlich ist die Leidenschaft bei uns nie weniger geworden, sondern immer mehr. Wir reißen uns immer noch täglich die Klamotten vom Leib, täglicher Sex 1 bis 2 mal sind "normal" bei uns, am Wochenende oder wenn unsere Kleine Tochter bei den Großeltern oder Tanten ist, gerne noch öfter. Er ist mein Traummann, mein bester Freund und mein Liebhaber, einfach der perfekte Mann für mich, einer der mit meinem explosiven Temperament klar kommt und mir die Welt zu Füßen legt.

Ohne diese Leidenschaft könnte ich keine Beziehung führen, damit würde die Nähe die uns verbindet verschwinden. Ich finde es so unglaublich wichtig, dass wir nicht nur Freunde sind oder Eltern, wie es bei den vielen Paaren der Fall ist, die ich kenne, die sich einfach auseinander gelebt haben und sexuell nicht mehr so zufrieden sind.

Wir leben all unsere sexueller Wünsche miteinander aus, brauchen da kein Blatt vor den Mund nehmen und das tolle an ihm er zeigt mir ständig, dass ich für ihn die "geilste" bin, jede noch so Schöne Frau lässt ihn kalt, er sagt mir dass ich die schönste bin für ihn und das zeigt er mir, unseren Freunden, unserer Familie, sogar jeden anderen da draußen. Und für mich gilt das Gleiche, es gibt einfach keinen erotischeren Mann für mich und das zeige ich ihm auch.

Wir können Monate aufeinander hocken, aber gehen uns nicht auf die Nerven, noch nie, wir harmonieren einfach super miteinander. 

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16. Dezember 2018 um 21:27

Hallo, Herzchen,

danke für Deinen einblickreichen Beitrag. Ich freu mich für Euch, daß Ihr soviel Spaß miteinander und aneinander habt.

Ja. Irgendwie so sollte es sein und Kinder sollten beim besten Willen nicht Eltern zu asexuellen Volltrotteln machen, die weniger Sex haben als ihr Nachwuchs, weil die Kinder angeblich darunter leiden, wenn sie ahnen, daß die Eltern Sex haben oder sie sogar mal weggeschickt werden, weil es halt mal ne Zeit am Tag nicht um sie geht...

Zumindest hab ich jetzt die Knallerargumentation meiner Freundin gegenüber: Ich bin ja fast schon konservativ mit dem, was ich mir so vorstelle... *grins*

Thanks!

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16. Dezember 2018 um 22:26
In Antwort auf jassin76

Hallo, Anne,

danke für Deine Antwort. Ich verstehe, wie Du zu dem Schluß kommst, daß es nur zwei Möglichkeiten für mich gibt, aber ich denke, daß Du mich da mißverstehst, zumindest mit der Überbetonung des Körperlichen.

Verliebtheit beinhaltet folgende Komponenten: Selbstredend eine ausgeprägte Körperlichkeit. EBENSO aber auch eine noch extremere emotionale Hingabe und tiefes Interesse an den geistigen Aspekten der Person. Und als exakt das definiere ich Liebe, als Zusammenspiel von tiefer Emotionalität, Geistigkeit und Körperlichkeit. Fällt eines davon weg, ist die Liebe in meinen Augen nicht besser geworden, sondern schlechter.

Die Körperlichkeit fällt zuerst und am deutlichsten sichtbar weg. Aber es ist soviel mehr: Es sind die Blicke, die man sich zuwirft, es ist das tiefe Interesse am anderen auch wenn da noch andere interessante Dinge sind, es ist das Gefühl, daß der andere die ganze Welt für einen ist.

Das aufs Körperliche zu reduzieren, geht meilenweit an dem vorbei, was ich meine.

Es ist nie mehr. Immer nur weniger plus mehr Geschichte. Aber es wird zum Leben von und in einer Geschichte. Die meisten Beziehungen basieren für mich auf einer Erinnerung daran, wie schön es einmal war und der mehr oder minder sinnfreien Hoffnung, sie würde je wieder so werden. In der einen oder anderen gibt es ein plötzliches Wiederaufkeimein, genannt „zweiter Frühling“, aber der verschwindet meist ebensoschnell wie der erste.

Ich frage mich, wo die Leute sind, die auch den 10.000 Frühling erleben wollen...

Und dazu interessieren mich andere Erfahrungen.

Danke für Deine!

Besten Gruß

Jassin

Ich sehe dich gefährdet, zu weit abzuheben und auch deshalb nicht zu erreichen, was du dir wünschst. Zu abgehobene Ziele können auch gleichzeitig wie (Über-)Forderungen auf der anderen Seite ankommen.
Zunächst müsstest du dir diese indirekt gestellte Frage erst einmal selbst beantworten.
Die lautet nach meinem Verständnis: "Gibt es denn mehr für mich als kurzfristige Verliebtheit?" Ja/Nein. Oder noch konkreter: "WILL ich das denn ..."
Ich habe dir geschrieben, dass dauerhaft liebevolle Partnerschaften viel mehr befriedigen. Da kann ich dir nur den Rat geben, dir keine Vorurteile einreden und dich ständig auf Negatives fokussieren zu lassen. Das ist Politik, sehr langfristige, die aber leicht durchschaubar ist. Man stehle Frauen alle Rechte - sie verzichten ja so gern freiwillig darauf - und schon kuscht der Pöbel insgesamt wieder.   

Aus meiner Sicht müsstest du auch ein bisschen sortieren, welche Rolle du in dieser Partnerschaft selbst spielen willst. Ist es eine männliche oder eine weibliche? Beides zusammen geht häufig nicht gut. Also beide wollen sowohl Mann als auch Frau in der Beziehung sein. Wohlgemerkt: Hier geht es um eine Paarbeziehung, nicht um einen Job. Darüber sollte man also reden. Es geht dabei um Schwerpunkte, Aufgaben, wer hat die besseren Fähigkeiten wofür. Viel, viel, was Emotionen betrifft, ist vorwiegend feminin. Das Körperliche ist eng damit verbunden.

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16. Dezember 2018 um 23:40

Liebe Anne,

daß Du mir antwortest und Dich um mich bemühst, nehme ich erfreut zur Kenntnis.

Gleichwohl verstehe ich nicht, wie Du auf die vollständig abwegige Idee kommst, ich hätte irgendein Interesse an kurzen Verliebtheiten? In meinen ganzen Zeilen ist vom genauen Gegenteil die Rede, nämlich von immerwährender Verliebtheit, der sich das, was Du Liebe nennst, hinzugesellt.

Ich rede vom exakt selben wie Du - nur mit dem Unterschied, daß das eine das andere nicht ersetzt, sondern es erweitert und bereichert.

Oder machen Aasha und Herzchen auf Dich den Eindruck oberflächlicher Dumpfbacken? Ich will nichts anderes als das, was die beiden mit ihren Partnern leben. In meinen Augen das allernormalste von der ganzen Welt. Eine Beziehung, die beständig mehr wird und wo nicht irgendwas verschwindet, um etwas anderem Platz zu machen.

Ehrlich gesagt will ich in einer Partnerschaft gar keine Rolle spielen, sondern einfach der Partner eines anderen Menschen sein mit exakt identischen Rechten und Pflichten.

So sehr es manchen Unterschied zwischen den Geschlechtern objektiv gibt, so wenig interessieren mich irgendwelche Geschlechterrollen gleich welcher Art. Menschen sind Individuen und Beziehungen auch...

Ich versuche, Deinen Zeilen trotz allem soviel als möglich zu entnehmen. Vielleicht möchtest Du noch näher erklären, wie Du das mit dem Übefordern meinst. Zu lieben (welches nach meiner Definition das Körperliche einschließt), ist nun eigentlich das einfachste und banalste, was ein Liebenkönnender hinbekommen sollte. In der PRAXIS mag das manche Menschen überfordern und für meine Freundin gilt das dummerweise - aber in der Therorie ist es keine Überforderung, sondern das allernormalste auf der ganzen Welt.

Wer nicht gehen kann, der hält das Gehensollen für eine unverschämte Überforderung. Wer es gelernt hat, kann das ganze Gewese darum schwer nachvollziehen.

Mich schockiert, daß Menschen tatsächlich angedichtet wird, es wäre zu schwer für sie, sich als seelisch-geistig-körperliches Wesen zu begreifen, welches sich sowohl allein als auch im Wechselspiel mit dem Partner um eben alle drei dieser Persönlichkeitsaspekte kümmert und zwar mit Freude und Stolz auf die damit errungenen Erfolge.

Wenn man natürlich das Liedchen trällert, daß ein Job prinzipiell so abzulaufen hat, daß man schon als Wrack den Arbeitsplatz verläßt, dann mag es überfordern sein, dann auch noch irgendwie mit sich und dem Partner irgendwas Liebevolles gleich welcher Art tun zu sollen. Doch objekitv liegt die Überforderung nun wahrlich nicht beim Partner oder der Partnerschaft, sondern sie liegt in einem Job, der Wracks produziert, statt zufriedener und stolzer Menschen, die sich daran erfreuen, etwas sinnvolles eine sinnvoll lange Zeit mit sinnvollem Kraftaufwand zu tun.

Ich würde eher den Job in die Tonne treten als die Partnerschaft. Ich hatte beispielsweise lange den Wunsch, irgendeine IT-Firma aus Amiland würde mich einstellen und zwar in Amiland selbst - ich hätte dieses Angebot niemals und unter keinen Umständen angenommen, wenn das meine damalige Partnerschaft auch nur entfernt bedroht hätte. Meine Partnerschaften gingen und gehen mir über alles.

Soviel - nochmal - zur oberflächlichen Verliebtheit...  ))

Besten Gruß
Jassin

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17. Dezember 2018 um 8:54
In Antwort auf jassin76

Liebe Anne,

daß Du mir antwortest und Dich um mich bemühst, nehme ich erfreut zur Kenntnis.

Gleichwohl verstehe ich nicht, wie Du auf die vollständig abwegige Idee kommst, ich hätte irgendein Interesse an kurzen Verliebtheiten? In meinen ganzen Zeilen ist vom genauen Gegenteil die Rede, nämlich von immerwährender Verliebtheit, der sich das, was Du Liebe nennst, hinzugesellt.

Ich rede vom exakt selben wie Du - nur mit dem Unterschied, daß das eine das andere nicht ersetzt, sondern es erweitert und bereichert.

Oder machen Aasha und Herzchen auf Dich den Eindruck oberflächlicher Dumpfbacken? Ich will nichts anderes als das, was die beiden mit ihren Partnern leben. In meinen Augen das allernormalste von der ganzen Welt. Eine Beziehung, die beständig mehr wird und wo nicht irgendwas verschwindet, um etwas anderem Platz zu machen.

Ehrlich gesagt will ich in einer Partnerschaft gar keine Rolle spielen, sondern einfach der Partner eines anderen Menschen sein mit exakt identischen Rechten und Pflichten.

So sehr es manchen Unterschied zwischen den Geschlechtern objektiv gibt, so wenig interessieren mich irgendwelche Geschlechterrollen gleich welcher Art. Menschen sind Individuen und Beziehungen auch...

Ich versuche, Deinen Zeilen trotz allem soviel als möglich zu entnehmen. Vielleicht möchtest Du noch näher erklären, wie Du das mit dem Übefordern meinst. Zu lieben (welches nach meiner Definition das Körperliche einschließt), ist nun eigentlich das einfachste und banalste, was ein Liebenkönnender hinbekommen sollte. In der PRAXIS mag das manche Menschen überfordern und für meine Freundin gilt das dummerweise - aber in der Therorie ist es keine Überforderung, sondern das allernormalste auf der ganzen Welt.

Wer nicht gehen kann, der hält das Gehensollen für eine unverschämte Überforderung. Wer es gelernt hat, kann das ganze Gewese darum schwer nachvollziehen.

Mich schockiert, daß Menschen tatsächlich angedichtet wird, es wäre zu schwer für sie, sich als seelisch-geistig-körperliches Wesen zu begreifen, welches sich sowohl allein als auch im Wechselspiel mit dem Partner um eben alle drei dieser Persönlichkeitsaspekte kümmert und zwar mit Freude und Stolz auf die damit errungenen Erfolge.

Wenn man natürlich das Liedchen trällert, daß ein Job prinzipiell so abzulaufen hat, daß man schon als Wrack den Arbeitsplatz verläßt, dann mag es überfordern sein, dann auch noch irgendwie mit sich und dem Partner irgendwas Liebevolles gleich welcher Art tun zu sollen. Doch objekitv liegt die Überforderung nun wahrlich nicht beim Partner oder der Partnerschaft, sondern sie liegt in einem Job, der Wracks produziert, statt zufriedener und stolzer Menschen, die sich daran erfreuen, etwas sinnvolles eine sinnvoll lange Zeit mit sinnvollem Kraftaufwand zu tun.

Ich würde eher den Job in die Tonne treten als die Partnerschaft. Ich hatte beispielsweise lange den Wunsch, irgendeine IT-Firma aus Amiland würde mich einstellen und zwar in Amiland selbst - ich hätte dieses Angebot niemals und unter keinen Umständen angenommen, wenn das meine damalige Partnerschaft auch nur entfernt bedroht hätte. Meine Partnerschaften gingen und gehen mir über alles.

Soviel - nochmal - zur oberflächlichen Verliebtheit...  ))

Besten Gruß
Jassin

Gleichwohl verstehe ich nicht, wie Du auf die vollständig abwegige Idee kommst, ich hätte irgendein Interesse an kurzen Verliebtheiten? In meinen ganzen Zeilen ist vom genauen Gegenteil die Rede, nämlich von immerwährender Verliebtheit, der sich das, was Du Liebe nennst, hinzugesellt.
Ich rede vom exakt selben wie Du - nur mit dem Unterschied, daß das eine das andere nicht ersetzt, sondern es erweitert und bereichert.

Mir fällt auf, dass du schnell in einer Verteidigungshaltung bist. Völlig abwegig. Dir ist das Problem aber bekannt. In der heißen Phase der Verliebtheit spielen Projektionen eine erhebliche Rolle. Besonders im Netz, wo man viel selbst interpretieren muss, werden dem Gegenüber gern persönliche Gedanken angedichtet. Hier spielen Erfahrungen oder Bilder eine große Rolle. Einmal Glorifizierung, dann wieder Negatives, das nicht passen will.
Ich bin bemüht, das mitzudenken, was du schreibst. Lehnst du das ab: Sie sehen romantische Komödien mit ">Julia Roberts oder ">Cameron Diaz und heulen so manches Taschentuch dabei voll;
Diese kurze Aussage liest sich anders als z.B. "Sie schluchzen/weinen ins Taschentuch". Dein "vollheulen" drückt vielmehr Belästigtsein, also Ablehnung dieser Gefühle aus. Das bist du, der sie ablehnt.
Aber es geht dir so wie vielen Männern. Deshalb meine Empfehlung an dich, von deiner Partnerin nicht zu erwarten, dass sie stets auf deine Gefühle eingeht. Besser andersherum. Achte auf ihre und frage sie, wenn du dir unsicher bist. Du erwartest zu viel, wenn du überall im Mittelpunkt stehen willst. Unter dem Strich ist das die Einseitigkeit, die du nicht haben willst.

Oder machen Aasha und Herzchen auf Dich den Eindruck oberflächlicher Dumpfbacken?
Nein, aber um die beiden geht es hier nicht. Du bist es, der geschrieben hat. Aus all deinen Gedanken - nicht schlechte übrigens - in einem Frauenforum leite ich haarscharf ab: Du hast ein Problem.

sondern einfach der Partner eines anderen Menschen sein mit exakt identischen Rechten und Pflichten.
Siehe oben. Das funktioniert so nicht. Beispiel: Sie hat vor etwas Angst (das ist ein Gefühl), weil ihr Gedanken durch den Kopf gehen, auf die du nicht gekommen bist. Du hast keine Angst, verstehst es nicht, findest ihre Gedanken sogar lächerlich. Und jetzt kommt der Fehler. Du fragst sie einfach nicht, sondern es wird gemacht, was du für richtig hältst. Und schon ist sie nicht mehr die gleichberechtigte Partnerin. Natürlich leidet die Liebe darunter, weil sie sich übergangen fühlt. Ihr Gefühl "verschwindet" in dieser "gleichberechtigten" Partnerschaft einfach.
Es geht nicht um Rollen, also diese bösen Geschlechterrollen, die stets abzulehnen sind. Es geht vielmehr darum, wie beide in ihrer Partnerschaft harmonieren und sich ergänzen können.
Hier ein Link.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/40/18_Jh_Polarisierung_Geschlechtsrollen.jpg/450px-18_Jh_Polarisierung_Geschlechtsrollen.jpg
Das wird gern in die Vergangenheit gelegt. Uralte Beobachtungen und Verallgemeinerungen, die es nicht ohne Grund gibt. Die einen Männer wollen Frauen gern zu hohlen Blumentöpfen machen, die anderen Männer (und Frauen, die auf sie hören) versuchen sie zu zweitklassigen Männern zu machen. In der Gegenwart möchte die Schwangere mit ihren alleinerzogenen Kleinkindern ebenso schnell eine Stange hochklettern wie der Athlet, der schon einfach mehr Zeit hat als sie. Das nennt sich dann Gleichberechtigung, und dafür sollen Frauen bitteschön kämpfen. Ha, man kann sich das Kämpfen auch verkneifen und Männer Männer sein lassen, die zeigen und stolz auf das sein dürfen, was sie können.
Was glaubst du, wie der Saubermann bejubelt wird, dem dann mit dem Segen der Arbeitgeberkirche und dem Segen der Arbeitgebermedien einfällt, dass die Ehe doch keine so schlechte Erfindung ist.

Wer nicht gehen kann, der hält das Gehensollen für eine unverschämte Überforderung. Wer es gelernt hat, kann das ganze Gewese darum schwer nachvollziehen.
Meinst du damit deine Partnerin? Das wäre übel. Aber ich denke, da spricht in erster Linie Unwissenheit. Wenn du nähere Erklärung willst, dann schreibe es. Ich freue mich, wenn ich dir helfen kann.
 

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17. Dezember 2018 um 12:52

Das "Vollheulen" ist keine Verächtlichmachung des Weinens, sondern eine Form von Ironie, die darauf abzielt, daß man nicht einerseits furchtbar gerührt sein kann, im eigenen Leben dieses Gerührtsein aber partout nicht haben will, weil es da dann angeblich nicht mehr hingehört.

Anders gesagt: Verächtlich mache ich nicht das Heulen, sondern die Diskrepanz im Handeln.

Ähnliche Dinge interpretierst Du meines Erachtens öfter anders als ich sie meine.

Wofür Du schätzungsweise nichts kannst - wir alle lesen so, wie wir es gewöhnt sind und wie es bisher uns beim Verständnis geholfen hat. Gerade Menschen, die zu Ironie neigen oder gar zu Sarkasmus werden gerne mißverstanden, weil die, die Dinge gerne wörtlich nehmen, die tiefere Ebene meist mißverstehen.

Ich danke Dir für Deine Anregungen und versuche abermals aus Deinen Gedanken für mich etwas zu entnehmen, auch wenn ich nur sehr zum Teil das Gefühl habe, richtig verstanden worden zu sein.

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17. Dezember 2018 um 13:01

Nachtrag:

Bezüglich des Problemes, daß Männer eine Tendenz haben, weibliche Wahrnehmung vermännlichen zu wollen und daß das auf mich zutrifft, will ich nicht pauschal einen Widerspruch bringen. Da sprichst Du eine durchaus bedeutsame Sache an.

Nur: Die gilt meines Erachtens für JEDE Frau-Mann-Konstellation und wird in Büchern wie "Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus" ausführlich thematisiert.

Und ebenso ist die Sache andersherum: Frauen versuchen ebenfalls, den Mann verweiblichen zu wollen und das ist auch logisch und nie hundertprozentig vermeidbar, selbst die Geschlechter untereinander beeiflussen sich ja gegenseitig, in jeder Kommunikation kommt es zur tendenziellen Überstülpung von eigenen Sichtweisen.

Mein Ansatz ist deshalb schon immer: Ich bin für die E-MANN-zipation der Frau, also dafür, daß Frauen ihre rationale Seite stärker entwickeln und ich bin für die E-FRAU-zipation des Mannes, also dafür, daß Männer ihre emotionale Seite entwickeln.

Im Ergebnis führt das zu zwei deutlich ähnlicheren Wesen, die deutlich besser miteinander harmonieren. Und ganz allgemein denke ich, daß nahezu alle Themen einen rationalen und einen emotionalen Anteil haben und daß diese Anteile von JEDEM Beteiligten möglichst exakt ihrer Tatsächlichkeit beurteilt werden sollten.

Um Dein Beispiel aufzugreifen: Angst. Sie ist als Gefühl natürlich oft im Leben ein Problemfall, weil sie nur dann zielführend ist, wenn sie berechtigt ist und nicht so stark, daß sie sinnvolles Reagieren auf den Auslöser verunmöglicht.

Also ist die Sache letztlich so zu werten: Ist die Angst der Frau objektiv berechtigt, hat der Mann sie mindestens zu würdigen und sie sich tendenziell zueigen zu machen. Ist sie unberechtigt, kann man der Frau nur raten, sie loszuwerden, was bei Ängsten gerne mal ne Kraftanstrengung ist, weil sie so tiefgreifende Emotionen sind, daß sie schwer zu beeinflussen sind.

Einseitigkeit ist nicht mein Credo. Wirklich nicht.

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