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Liebe und trotzdem untreu - wie geht das?

2. September 2015 um 12:21

Liebes Forum,

es ist ein ganz ungewöhnlicher Schritt für mich, Rat über ein Forum zu suchen. Da ich aber für mich keine Lösungen finde, wäre es für mich hilfreich, unabhänigige Meinungen zu hören, von Menschen, die mich und meinen Partner nicht kennen. Leider ist der Text sehr lang geworden, da alles so komplziert ist. Daher bin ich für Antworten, nachdem ihr euch durch den langen Text gelesen habt, um so dankbarer.

Mein Partner und ich sind seit drei Jahren ein Paar. Sehr lange war alles wunderbar. Überall galten wir als das absolute Traumpaar, vor allem auch, weil wir so aufmerksam und liebevoll miteinander umgegangen sind und Familie und Freunde ganz offen an unserem Glück haben teilnehmen lassen. Wir haben eine Nähe und Vertrautheit aufgebaut, die uns beiden in dieser Form nicht bekannt war. Ich habe sie vorbehaltlos genießen können, ihm hat dies - auch wenn er es genossen hat - auch immer mehr Angst gemacht. Er hatte vor mir nie eine wirklich feste Beziehung. Er ist immer von einer Frau zur nächsten gegangen (und es waren meines Wissens sehr viele Frauen). Jetzt ist er das erste Mal in seinem Leben bei einer Frau - nämlich mir - "gestrandet".

Jedoch macht ihm "Verantwortung" für das Glück des Partners Angst. Zu Beginn war es meiner Einschätzung nach nur eine diffuse Angst, jetzt ist ihm die "Verantwortung" zu viel. Er denkt, dass ich mein Glück ausschließlich von ihm abhänig mache. Das stimmt nicht - aber er glaubt mir nicht, da ich in letzter Zeit oft traurig bin, weil es in unserer Beziehung nicht gut läuft, doch das ist meines Erachtens ganz normal.
Auch fing er immer mehr an, an mir rumzumäkeln und Fehler an mir zu suchen. Immer öfter zu sagen, dass wir doch unterschiedlicher sind, als er dachte. Dardurch fühlte ich mich immer befangener und kann oft irgendwie nicht mehr natürlich mit ihm umgehen.

Dadurch, dass wir nie zusammen gezogen sind, haben wir uns sehr viele Freiheiten gelassen, uns auch meist nur drei oder vier mal die Woche gesehen. Wir brauchen beide viel Freiheit, jedoch gehört für mich zu dieser Freiheit NICHT, dass man sich mit anderen Menschen daten und schlafen darf.
Seit geraumer Zeit jedoch ist bei ihm der Wunsch vorhanden.

Es fing erst ganz harmlos an und unsere Gespräche gingen eher um eine theoretische Möglichkeit. Er hat mir gestanden, dass er andere Frauen attraktiv findet. Da unser Sexleben sehr erfüllend für uns beide war, habe ich dem keine größere Bedeutung zugemessen, weil ich dachte, dass es ganz normal ist, dass man Menschen außerhalb der Beziehung attrktiv findet. Mittlerweile ist es aber so, dass er immer öfter Abstand und Distanz von mir brauchte. Am Wochenende ohne mich ausgehen wollte. Und es ist klar warum...
Ich habe gedacht, dass ich ihn einfach mehr Freiraum geben sollte und gehofft, dass sich seine Ausbruchgedanken, vermindern, indem ich ihn vertrauensvoll "in die Welt entlasse".
Gemindert hat sich aber leider seine Zärtlichkeit und Verbundenheit zu mir. Sie ploppt nur immer kurz auf, um dann wieder scheinbarer Gefühlskälte zu weichen.
Er sieht, wie weh er mir damit tut, stößt mich dann erst recht weg oder sucht dann wieder Nähe und bleibt tagelang in meiner Wohnung. Dann wieder wird alles zu viel und er will tage- oder wochenlang alleine sein, hält aber diesen selbst auferlegten Abstand selber nicht ein. Hinzukommt, dass unser Freudeskreis der selbe ist, dass es ohnehin schwierig wird Abstand zu halten.

Wenn wir doch keinen Abstand halten konnten, verhindern aber seine Ausbruch- und Fremdgehgedanken und meine damit verbundene Unsicherheit alle Leichtigkeit zwischen uns. Zeitweise kann er mich nicht einmal mehr küssen oder mit mir schlafen. Es ist, als wenn er emotionale Distanz schafft und diese körperlich ausdrückt, in dem er nur noch wenig körperliche Nähe und Zärtlichkeit zulässt.
Und je mehr das so ist, desto mehr Versicherungen brauche ich eigentlich, dass er mich liebt und will - was ihn wiederum unter Druck setzt und uns nur weiter auseinander treibt - ein Teufelskreis.
Diese Situation ist jetzt schon ein viertel Jahr so. Es ist ein dauerhaftes Nähe und Distanz Hin&Her. Aber immer wieder kommt auch ganz "kleinlaut" die Bemerkung, dass er das, was wir haben nicht verlieren und nicht wegschmeißen will und er eigentlich sich schon auch gar nicht mehr traut, mir zu sagen, dass er mich liebt, bei all dem, wie er sich verhält.

Jetzt ist es am Wochenende zum finalen Ausbruch gekommen. Er sagte, er will seinen Wunsch fremdgehen nicht mehr unterdrücken. Bislang wäre er mir treu gewesen, sagt er. Er hätte "nur" einmal jemanden geküsst. Aber er will sich jetzt mit anderen Frauen treffen. Er sagt, er liebt mich, aber diese Form von Beziehung könne er nicht mehr führen. Er sieht, dass unsere Bedürfnisse andere sind und er mir nicht mehr wehtun kann und will. Und wir dadurch beide nicht mehr glücklich sind. Er es versucht hat seine Triebe zu unterdrücken, aber sich selbst damit nicht gut tut und sich selbst verletzt. Dass er weiß, dass es ihm dann auch erst mal beschissen, aber auf Dauer besser gehen wird, da er nicht glaubt, dass es noch die Möglichkeit gibt, dass wir uns glücklich machen können.
Nach diesen klaren Worten bin ich gegangen und habe ihn gebeten einer Freundin meine Sachen mitzugeben, damit ich sie nicht mehr bei ihm abholen muss. Gleich darauf meinte er jedoch, dass er keinen klaren Kopf mehr hat und wir doch noch mal eine Nacht darüber schlafen sollten. Am nächsten Tag hat er mich schon gegen Mittag wieder angerufen und mich gefragt, ob er zu mir kommen darf. Er entschuldigte sich nicht nicht dafür, was er gesagt und getan hat, aber er will und kann mich auch nicht loslassen.
Er will mich in den Arm nehmen und sagt das auch, sagt aber auch, dass er sich aber völlig im Unklaren ist, ob er das darf, nachdem, was er mir alles gesagt hat.
Ich bin wieder weich geworden, denn ich liebe ihn ja. Ich weiß nicht, ob das ein Fehler ist. "Strategisch" und längerfristig gesehen hätte ich hart bleiben müssen, wenn ich dem Ganzen noch mal eine Chance einräumen will. Er muss sich vielleicht auch mal der Konsequenzen klar werden und sie nicht nur hören... Aber ich will nicht mehr strategisch denken.
Nach dem er dann bei mir war, hatten wir einen erstaunlich wundervollen Abend, mit so viel Zärtlichkeit und Vertrautheit, wie wir sie lange nicht hatten. Es hat sich alles wieder gut zwischen uns angefühlt, aber das Chaos in seinem und meinem Kopf noch vergrößert. Ich bin sofort wieder in den Beziehungsmodus gerutscht, obwohl ich eigentlich nicht weiß, wie wir wieder einen normalen Umgang miteinander finden sollen, solange er nicht sagt, dass er auf Abenteuer und "Alternativen finden" verzichten will. Aber er hat nicht gesagt, dass er das will. Wir haben gesagt, dass wir noch ein Paar sind, aber wir jetzt über alles nachdenken müssen.

Ich habe gesagt, dass ich mich erst am Sonnabend bei ihm melden werde, da ich mich erst mal wieder ordnen muss und auch er meinte, dass er jetzt Zeit zum nachdenken brächte. Wir haben ja eine Basis, nämlich die, dass wir uns ja eigentlich lieben... nur dass wir uns einfach nicht mehr glücklich machen, weil unsere Bedürfnisse andere sind.
Ich will ihn nicht aus meinem Leben streichen, das steht fest, aber ich weiß auch nicht, wie ich mit dem Wissen umgehen soll, dass er auf der Suche nach anderen Frauen ist. Für mich ist Vertrauen das Wichtigste in einer Beziehung. Ich bin mir sicher, dass er mir nicht weh tun will, aber er will auch nicht meinem "Glück zu Gunsten" weitere Jahre alles in ihm unterdrücken. Gibt es da eine Lösung? Dass die Beziehung zu beenden keinen von uns beiden glücklich macht haben wir ja jetzt auch gesehen und letzlich auch keine Lösung ist.

Weiß jemand eine Ausweg aus dem Dilema? Es ist einfach nur großes Chaos in meinem Kopf und Herz...


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2. September 2015 um 13:18

Vielen Dank für die schnelle Antwort cefeu!
.... Ja, an Beziehungsangst habe ich auch gedacht und Sachen darüber gelesen. Ich denke, das ist auch so. Vor allem wurde es schlimm mit seinen Ausbruchgedanken, als "wir" beschlossen haben die Pille abzusetzen und einige Monate später tatsächlich meine Periode ausgeblieben ist. Es war nur ein Fehlalarm, aber ich denke da kam es zu dem endgültigen Wunsch sich zu befreien, weil er da gemerkt haben wird, wie erst wirklich alles ist.
Generell ist "reden" aber sehr schwierig für ihn - ich rede in der Regel, bis es aus ihm rausbricht, dann ist alles ungefiltert oder aggressiv - ich weiß nicht, ob ich dem dann einen wirklichen Wahrheitsgehalt bemessen kann. Ich weiß auch nicht, ob er seine Beziehungsunfähigkeit bewußt ist. Ich habe ihm bei unserem letzten Treffen gesagt, dass er ein generelles Problem mit Nähe und Distanz hat. Er will Nähe und Liebe und Geborgenheit, deswegen kann er mich ja auch nicht loslassen und wenn er sie hat, dann stößt er sie weg. Das Band zwischen uns spürt er nur, wenn er merkt, dass er mich wirklich verlieren könnte und mir und ihm alles wehtut.... ich glaube er war ein wenig erstaunt drüber das zu hören, aber ich glaube es hat Sinn für ihn gemacht.

So wie du geantwortet hast, klingt es, als wenn du vielleicht Erfahrungen mit einem Beziehungsunfähigen hast. Wie kann man darüber sprechen? Wenn ich ihn nämlich nach seinen Ängsten frage, dann sagt er in der Regel nur, dass er Angst hat mich zu verletzten und dann das Gefühl hat auf mich aufpassen zu müssen, weil er denkt, dass ich nicht alleine mit mir klar komme. Was natürlich Quatsch ist - nur weil ich sehr traurig bin, muss man nicht auf mich aufpassen.

Wie kann man jemanden vermitteln, dass er ein ersthaftes Problem mit zwischenmenschlichen Bindungen hat, dass er es aber vielleicht auflösen kann? Ich wil ja auch nicht in die Rolle eines Psychologen vor ihm gehen.
(echte psychologische Hilfe würde er sich nie holen, aber ich denke darüber nach, das zu einer "Bedingung" für das Fortführen unserer Beziehung zu machen, dass er es zumindest in Betracht zieht.)

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