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Liebe ich meinen Freund wirklich oder bin ich nur allein?

3. Juli 2011 um 18:01 Letzte Antwort: 7. Juli 2011 um 17:01

Hallo ihr alle!

Ich bin 20 Jahre alt, gerade als Au Pair in den Staaten und habe hier einen 29-jaehrigen Mann kennen gelernt, der seit einem halben Jahr mein Freund ist. Er heiBt Oliver und ist ein wundervoller Mensch.

Als ich Oliver also kennenlernte, hatte ich einen Freund in Deutschland (Fernbeziehung) und ich machte Oliver von Anfang an klar, dass das zwischen uns keine Beziehung sein kann, sondern nur Freundschaft.

Oliver und ich lernten uns besser kennen und weil wir beide Musiker und Trauemer sind, schrieben wir uns Lieder und malten uns aus, wie wir die Welt erobern mit unserer Musik und wie er mit mir nach Deutschland kommt und ich ihn heirate, nur damit er da bleiben kann, nicht weil ich ihn liebe (ich hatte ja meine vermeintlich groBe Liebe in Deutschland).

Ich fand Oliver nie wirklich attraktiv. Er ist ein wundervoller Mann mit einer so reinen Seele wie ich sie noch nie bei jemand anderem gefunden habe. Er ist ein durch und durch guter Mensch.
Eine Sache, die uns wohl unendlich verband, war, dass wir beide schrecklich einsam waren. Wie zwei einsame Kuenstlerseelen, total romantisch. Ich kannte niemanden in den Staaten und fuehlte mich zu niemandem verbunden. Er war die erste Person hier, die mich verstand und mit der es geklickt hat.
Aber ich habe ihn nie angesehen und dachte: "WOW! Er sieht gut aus, ich will ihn kuessen!" oder sowas.
Mit ihm zu schlafen schien laecherlich.

Weil wir aber so eine enge emotionale Bindung eingegangen waren, vor allem weil wir uns jeden Tag sahen und viel Zeit miteinander verbrachten, passierte es dann eines Abends. Er kuesste mich und ich wollte das alles eigentlich nicht, aber ich verlor meine Hemmungen und schlief mit ihm.

Danach hatte ich ein schrecklich schlechtes Gewissen wegen meines deutschen Freundes und da ich die emotionale Bindung zu ihm komplett verloren hatte, machte ich kurzerhand mit ihm Schluss. Zu Oliver sagte ich, dass ich immer noch keine Beziehung mit ihm wollte. Er allerdings gestand mir keinen Monat spaeter, dass er sich in mich verliebt hatte. Ich fuehlte mich auch von ihm angezogen, er ist genau wie ich, der Sex war phaenomental, wir hatten tiefe Gespraeche und lachten und alles schien eh schon wie in einer Beziehung. Also lieB ich mich einige Wochen spaeter auf eine Beziehung ein. Ich hatte nie kribbeln, wenn er mich kuesste, aber wenn ich sagte, dass ich ihn liebte, stimmte das. Ich war sozusagen von Kribbel-Verliebtheit sofort in die "wahre Liebe" uebergegangen. Zumindest glaubte ich das.

Alle meine anderen Beziehungen folgten einem bestimmten Rhythmus oder Weg. Ich verliebte mich ein bisschen in einen Jungen, kam mit ihm zusammen, blieb 4 Monate bei ihm, bis ich mich absolut unwohl fuehlte in seiner Gegenwart, ich hatte ein schlechtes Gewissen, ein ungutes Gefuehl im Bauch, fuehlte mich eingeengt und wollte einfach nur noch raus. Wenn ich nicht dann mit ihm Schluss machte, betrog ich ihn. Ich war auch nie wirklich in der Beziehung und NUR bei ihm, sondern flirtete hier und da ein bisschen und schaute mir alle Maenner auf der StraBe an, als sei ich noch immer auf der Suche.

Mit Oliver war es wohl Einsamkeit, die mich mit ihm zusammenbrachte. Ich zweifelte alle paar Wochen an meiner Liebe zu ihm, war mir nicht sicher, ob ich mich binden will und kriegte mich bald wieder ein, weil er ja absolut perfekt und gut fuer mich ist.

Allerdings war Oliver ziemlich labil. Er hatte vor mir furchtbare Beziehungen mit manisch-depressiven Maedchen, die ihn total zu Grunde gerichtet hatten. Immer wenn es ernst wurde, hatten die Maedchen ihn verlassen, nachdem er viele Kompromisse eingegangen war und sich eingeredet hatte, dass er die Maedchen aendern koennte. Er hatte auch, waehrend zwischen uns alles noch gut war, Panikattacken und schreckliche Angst, mich zu verlieren, was mich ziemlich abschreckte. Auf der anderen Seite wollte ich auch fuer ihn da sein und ihm helfen.
Ich begann mich so zu fuehlen, wie mit allen meinen Exfreunden aber redete mir ein, dass ich diesen Punkt einfach nur ueberwinden muesse, um zu sehen, was es heiBt, mit jemandem richtig zusammen zu sein.

Nach 4 Monaten betrog ich ihn mit einem Typen, der mir anscheinend das gab, was Oliver mir nicht geben konnte. Der Typ war superaktiv und kannte soo viele Leute und sah supergut aus und nahm mich ueberallhin mit. Mit ihm zu schlafen war irgendwie das Resultat des Zuammenseins mit ihm, wie ein weiterer Teil unserer "Freundschaft".

Da ich Oliver aber nicht verlieren wollte, gestand ich ihm diese Untat nach 3 Wochen. Ich fuehlte mich wirklich furchtbar, zurecht, und ich erwartete nicht von ihm, dass er noch weiter mit mir zusammensein wollen wuerde.

Eine Woche lang war er komplett traumatisiert. Weil er aber niemand anderen als mich hatte, klammerte er sich an mich und weil ich ihn liebte und ihm helfen wollte, war ich die ganze Woche bei ihm und habe ALLES gemacht, wirklich ALLES, damit es ihm besser geht.

Wir begannen eine Paartherapie. Mit 20. Das klingt so laecherlich. Die Therapeutin sagte mir, ich sei erwachsener als er. Er habe riesige Schwierigkeiten, sein Leben auf die Reihe zu kriegen, sei komplett disorganisiert und ich solle mich nicht gezwungen fuehlen, mich zu binden. Es sei normal, Angst zu bekommen, wenn man so jung sei wie ich.

Alles klar. Unsere Liebe ist so stark, dachten wir, dass wir das alles ueberstehen. Und das stimmte wohl auch.
Er vergab mir und nach langer Zeit vergab ich mir auch selbst.
Er ist sich 100%ig sicher, dass ich die Frau seines Lebens bin und dass er mich heiraten will, ich bin es aber nicht.

Unser Plan ist, in einem Monat zusammenzuziehen, um dann zu sehen, ob das zwischen uns wirklich klappt.

Der hoehere Plan ist dann, ihn mit nach Deutschland zu nehmen. Er lernt Deutsch. Wir machen Musik miteinander. Ich helfe ihm, sein Leben zu organisieren, sein Zimmer aufzuraeumen. Er ist ein so unendlich groBartiger Mensch und er hat mich 100% verdient. Ich will ihn nicht verlassen und wir sind durch so viel Kacke gegangen und ich weiB, dass ich mit ihm gluecklich werden kann. Er ist treu, ein guter Mann, witzig, schlau, talentiert, ein bisschen verrueckt, lebensfroh und gutmuetig. Er kann wunderbar mit Kindern umgehen und unterstuetzt mich, wo er nur kann.

Trotzdem zweifle ich wie bekloppt an uns. Aber ich weiB, dass ich das in allen meinen vorherigen Beziehungen auch so gemacht habe, ohne jeden Grund. Ich renne umher und breche Herzen. Ich will das nicht mehr und moechte den Kreislauf mit ihm unterbrechen. Ich weiB, dass wir ein wunderbares Paar sind und dass eine Beziehung IMMER Arbeit bedeutet. Und ich moechte alles mit ihm teilen und ihn immer um mich haben. In guten und in schlechten Tagen. Ich habe so schreckliche Angst, dass ich irgendwann merke, dass ich wirklich immer noch nur aus Einsamkeit mit ihm zusammen bin. Ich liebe ihn doch!

Nun kenne ich ihn so gut, dass ich auch gar keinen anderen will. Mein Herz zerbricht gerade, weil ich ihm gesagt habe, wie sehr ich zweifle und er mich gerade nicht sehen will.
Will ich ihn nur, weil ich keinen anderen habe?
Entwickelt sich wahre Liebe nicht ueber lange Zeit?
Kann eine Beziehung sich in DIE Beziehung verwandeln, wenn man lange genug zusammen ist?
Kann ich mich mit 20 ueberhaupt so binden?
Will ich ihn nur nicht verletzen oder habe Angst, alleine zu sein?
Kann es in Deutschland nicht alles besser werden, wenn ich alle meine Freunde um mich habe??

Ich weiB einfach nicht weiter, weiB auch nicht mehr, wer ich bin und was ich will. Will ich studieren oder drauf pfeifen und einfach freie Musikerin sein?

Man, ICH HASSE DIE 20ger!

Ich hoffe, irgendwer da drauBen kann mir helfen!

Eure Eva

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7. Juli 2011 um 17:01

Kommt mir so bekannt vor
deine situation. Ich bin 29 und ich kann dir sagen, es wird nicht einfacher Um so älter man wird, um so höher werden auch die Erwartungen an den Partner. Meinst du, du würdest in Deutschland keine Angst vor dem alleine sein haben? Liebe braucht immer Zeit zum wachsen, aber wenn der Funke nicht überspringt, wird das nicht einfach. Man kann nichts erzwingen, scheint der jenige noch so nett zu sein. Es klingt dann eher wie einer Freundschaft die sich da entwickelt und in der man nicht das Verlangen nach körperlicher Nähe hat. Natürlich kann man sich mit 20 binden, warum auch nicht

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