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Leben nach Gewaltbeziehung

13. März 2010 um 0:57

Hallo Ihr

ich habe gesehen, dass es doch einiges zu dem Thema hier im Forum gibt.
Nun ja ich war auch ein Opfer. Bei mir ist das jetzt 9 Jahre her. Ich habe 5,5 Jahre in einer Gewaltbeziehung gelebt und wuerde es als einmal Hoelle und zurueck bezeichnen. Trotz alledem konnte ich danach vielen ebenfalls betroffenen Frauen helfen und einige aus solch einer Beziehung retten. Aus allem schlimmen kann man etwas positives machen auch wenn das vielleicht eigenartig klingt. Ich bin danach in eine Frauen Therapie gegangen ein halbes Jahr und habe das Gefuehl das ich die ganze Sache mehr oder weniger gut ueberstanden habe.
Nun aber meine Frage vielleicht an diejenigen die aehnliches oder dasselbe erlebt haben wie geht Ihr heute damit um? Habt ihr auch immer wieder momente in denen es schwer faellt und alte Erinnerungen zurueckkommen? Was hilft Euch dann?
Vielleicht habe ich mich der Illusion hingegeben, dass ich dieses Thema ganz hinter mir lassen koennte?! Im Moment holen mich die Erinnerungen jedoch etwas ein.

Liebe Gruesse

Mondstei

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13. März 2010 um 1:48

Zurückkehrende Erinnerungen....
Entschuldigung, wenn ich mich als nicht Betroffener melde.

Ich denke, was Du ansprichst ist ziemlich wichtig.
Viele Leute denken, dass das Thema Gewalt beendet ist, wenn die körperlichen Wunden verheilt sind und man zum Gewalttäter keinen Kontakt mehr hat. Das mag äußerlich so sein. Aber ich glaube dass Gewalt und Erniedrigung tiefe Wunden auf der Seele zurück lässt. Das ist nicht nur innerhalb von Partnern so, sondern auch besonders zwischen Eltern und Kindern.

Man sagt ja im Volksmund "Eine gescheite Watschn hat noch nie jemanden geschadet". Das stimmt so nicht. Denn Leute, die nach solchen Philosophien leben, belassen es eben nicht bei EINER Watschen. Mag sein, dass die körperlichen Wunden heilen. Aber das Gefühl der Demütigung bleibt und man hat als Opfer lange damit zu kämpfen, wieder Selbstvertrauen aufzubauen. Immer wieder erinnert man sich daran und stellt seinen eigenen Selbstwert in Frage.

Zwar kenne ich niemand (bzw. weiss von niemenden) der in der Partnerschaft Gewalt erfahren hat. Aber ich habe Leute mit sehr "dominanten" Eltern im Bekanntenkreis.
Durchwegs haben sie Schwierigkeiten mit ihrem Selbstwertgefühl. Sie sind Kontaktscheu und trauen sich kaum was zu. Dementsprechend schwer haben sie es im Leben was zu erreichen, was das Selbstvertrauen noch mehr drückt.....
Ich denke, dass längere Beziehungen mit gewaltätigen und unterdrückenden Partnern ähnliche Spuren hinterlässt. Oft ist es wohl auch so, dass jemand der schon als Kind unter gewalttätigen Eltern litt, auch als Erwachsener in solch eine Beziehung gerät. So verfolgt manchen dieser Alptraum ein Leben lang....

Gesellschaftlich wichtig ist, dass man sich auch als aussenstehender einmischt und dem Gewalttäter zu erkennen gibt, dass man sein Verhalten bemerkt. - Am Ende kann sich aber nur das Opfer selbst helfen, indem es die Beziehung zum Täter kappt oder genug Mumm sammelt um sich der Aggression entgegen zu stellen.

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13. März 2010 um 10:20

Erinnerungen
Hallo Mondstei ,

ob man diese erlebnisse je übersteht , denke nein.
kurz zu meiner geschichte ;
der vater meiner kinder wurde von mir angezeigt wegen 2fachen versuchten todschlags ,vergessen nein , aufarbeiten halb/halb
ich gab mir jahre selbst die schuld bis ich anfing mich mit dem geschehen selbst auseinanderzusetzen.hat es geholfen ?
halb / halb
verdrängung ,funktioniert
ich feier im stillen meinen 2 geburtstag ,ging jahre nicht ohne " knüppel" ins bett , alle türen waren offen damit ich jedes geräusch in der wohnung höre,meinen söhnen bei gebracht , ich will immer wissen wo sie sind ,
der richter fragte , ob ich todesangst verspürte,beim ersten mal- nein , denn ich wußte gar nicht was passiert -beim zweiten mal; ja
erinnerungen - sie haben mein leben geprägt bis heute
deine illusion kann ich verstehen , die habe ich auch , eben nur eine illusion

ich lese gerne , lebensgeschichten von frauen den es ähnlich oder schlimmer erging , doch keine konnte unbeschwingt wieder in das leben zurück ,
es wird mein leben begleiten , wie ein schatten ,der still immer hinter mir ist ,ich versuche das er mich nicht überholt , besitz ergreift , doch diese prägung bleibt , wie ein brandmal ,man kann rouge drauf legen nur es verschwindet nicht .

am ende , habe ich mich in arbeit gestürzt ,alles ist jetzt 9 jahre her und ich komm mir vor als ob ich 9 jahre in meinem eigenen gefängnis war ,wollte neu anfangen , eine beziehung aufbauen , bin gescheitert
die angst bleibt , bis heute

lg






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13. März 2010 um 23:14
In Antwort auf martabugati

Erinnerungen
Hallo Mondstei ,

ob man diese erlebnisse je übersteht , denke nein.
kurz zu meiner geschichte ;
der vater meiner kinder wurde von mir angezeigt wegen 2fachen versuchten todschlags ,vergessen nein , aufarbeiten halb/halb
ich gab mir jahre selbst die schuld bis ich anfing mich mit dem geschehen selbst auseinanderzusetzen.hat es geholfen ?
halb / halb
verdrängung ,funktioniert
ich feier im stillen meinen 2 geburtstag ,ging jahre nicht ohne " knüppel" ins bett , alle türen waren offen damit ich jedes geräusch in der wohnung höre,meinen söhnen bei gebracht , ich will immer wissen wo sie sind ,
der richter fragte , ob ich todesangst verspürte,beim ersten mal- nein , denn ich wußte gar nicht was passiert -beim zweiten mal; ja
erinnerungen - sie haben mein leben geprägt bis heute
deine illusion kann ich verstehen , die habe ich auch , eben nur eine illusion

ich lese gerne , lebensgeschichten von frauen den es ähnlich oder schlimmer erging , doch keine konnte unbeschwingt wieder in das leben zurück ,
es wird mein leben begleiten , wie ein schatten ,der still immer hinter mir ist ,ich versuche das er mich nicht überholt , besitz ergreift , doch diese prägung bleibt , wie ein brandmal ,man kann rouge drauf legen nur es verschwindet nicht .

am ende , habe ich mich in arbeit gestürzt ,alles ist jetzt 9 jahre her und ich komm mir vor als ob ich 9 jahre in meinem eigenen gefängnis war ,wollte neu anfangen , eine beziehung aufbauen , bin gescheitert
die angst bleibt , bis heute

lg






Liebe Martabugati


Vielen Dank das du Deine Geschichte mit mir geteilt hast!
Ich finde mich in Deinen Worten genau wieder. Obwohl ich mir wahrscheinlich erst seit kurzem bewusst bin inwieweit mich die Geschichte doch noch verfolgt und im Alltag beeinflusst. Meine Illusion hat doch sehr lange standgehalten.
Das mit den Beziehungen kenne ich und ich konnte mich seither nie mehr wirklich auf eine Beziehung einlassen.
Dabei wuerde ich doch gerne einfach nur gluecklich sein.
Ich habe vor kurzem einen Mann kennengelernt und wir verstehen uns auch sehr gut. Wie es der Zufall will hat seine Mutter mit seinem Vater dasselbe erlebt. Er ist also sozusagen auch ein gebranntes Kind. Seit ich das weiss haben wir uns auch schon oft darueber unterhalten aber genau da liegt das Problem die alten Wunden gehen wieder auf. Ich werde mir auch immer wieder alten Verhaltensmuster bewusst das ich mich immer noch in die Opferrolle begebe. Im Sinne das ich genau Bescheid gebe wann ich wieder zu erreichen bin oder das ich mich entschuldige wenn ich nicht erreichbar war. Der Mann den ich kennengelernt habe vor kurzem irritiert das teilweise sehr und das ist mir auch sehr peinlich aber es geschieht aus einem Automatismus. Das hat mich sehr schockiert. ich habe meine Beziehungen in den letzten 9 Jahren Revue passieren lassen und ich habe nie mehr einen gewalttaetigen Mann kennengelernt aber ich habe mich immer wieder durch Kleinigkeiten untergeordnet bis ich dann davon lief und ich denke die Maenner haben oft nicht verstanden warum, da sie mir auch keinen Grund dazu boten. Hat mich irgendwie wachgeruettelt und ich moechte eigentlich nicht das ich diesen neuen Mann bevor es ueberhaupt begonnen hat schon wieder von mir wegschiebe.

Mir faellt einfach immer auf das es zwar wenig Aufklaerung und wirkliche Unterstuetzung auf diesem Gebiet gibt aber fuer Menschen die das vor Jahren erlebt haben und vielleicht etwas brauchen gibt es rein gar nichts. Ich kann auch mit meinen Freunden nicht mehr wirklich darueber sprechen. Obwohl ich ueberzeugt bin das jeder einzelne gerne da waere aber irgendwie weiss ich nicht was ich sagen soll. Das wichtige wurde gesagt damals als die Situation akut war aber was ist danach? Was in den Momenten in denen es einem einholt?



Mondstei

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13. März 2010 um 23:23
In Antwort auf mannmitharmonica

Zurückkehrende Erinnerungen....
Entschuldigung, wenn ich mich als nicht Betroffener melde.

Ich denke, was Du ansprichst ist ziemlich wichtig.
Viele Leute denken, dass das Thema Gewalt beendet ist, wenn die körperlichen Wunden verheilt sind und man zum Gewalttäter keinen Kontakt mehr hat. Das mag äußerlich so sein. Aber ich glaube dass Gewalt und Erniedrigung tiefe Wunden auf der Seele zurück lässt. Das ist nicht nur innerhalb von Partnern so, sondern auch besonders zwischen Eltern und Kindern.

Man sagt ja im Volksmund "Eine gescheite Watschn hat noch nie jemanden geschadet". Das stimmt so nicht. Denn Leute, die nach solchen Philosophien leben, belassen es eben nicht bei EINER Watschen. Mag sein, dass die körperlichen Wunden heilen. Aber das Gefühl der Demütigung bleibt und man hat als Opfer lange damit zu kämpfen, wieder Selbstvertrauen aufzubauen. Immer wieder erinnert man sich daran und stellt seinen eigenen Selbstwert in Frage.

Zwar kenne ich niemand (bzw. weiss von niemenden) der in der Partnerschaft Gewalt erfahren hat. Aber ich habe Leute mit sehr "dominanten" Eltern im Bekanntenkreis.
Durchwegs haben sie Schwierigkeiten mit ihrem Selbstwertgefühl. Sie sind Kontaktscheu und trauen sich kaum was zu. Dementsprechend schwer haben sie es im Leben was zu erreichen, was das Selbstvertrauen noch mehr drückt.....
Ich denke, dass längere Beziehungen mit gewaltätigen und unterdrückenden Partnern ähnliche Spuren hinterlässt. Oft ist es wohl auch so, dass jemand der schon als Kind unter gewalttätigen Eltern litt, auch als Erwachsener in solch eine Beziehung gerät. So verfolgt manchen dieser Alptraum ein Leben lang....

Gesellschaftlich wichtig ist, dass man sich auch als aussenstehender einmischt und dem Gewalttäter zu erkennen gibt, dass man sein Verhalten bemerkt. - Am Ende kann sich aber nur das Opfer selbst helfen, indem es die Beziehung zum Täter kappt oder genug Mumm sammelt um sich der Aggression entgegen zu stellen.

Lieber mannmitharmonica
Vielen Dank fuer Deine Antwort. Es ist schoen zu sehen, dass sich auch nicht Betroffene mit dem Thema ausseinandersetzen das laesst hoffen das die Gesellschaft das Thema doch einmal wahr nimmt. Wobei einem das oft nicht so vor kommt und bei mir ganz klar der Grund war warum ich mich nicht frueher retten konnte aus dieser Beziehung. Ich war damals sehr jung 17 und ich hatte zuvor von haeuslicher Gewalt sehr wenig gehoert. Mit allen mit denen ich das Thema vorsichtig angeschnitten hatte bekam ich zur Antwort das diese Frauen / Maenner selber Schuld seien. Das hat mich automatisch zum Schweigen gezwungen die Scham auch so eine "dumme" Frau zu sein die sich das gefallen laesst.
Aber eigentlich ging es ja um das Leben danach Du hast vollkommen recht auf diesem Gebiet besteht ein absolutes Defizit. Auch wenn die Gesellschaft aufhorcht und auch mehr Praevention macht. Im Moment oder kurz nach der Gewaltbeziehung ist man in besten Haenden und alle wollen einem helfen aber was ist Jahre danach? Wie geht man damit um? Mann ist sich selber ueberlassen und das macht das ganze doch ganz schoen schwierig.
ich konnte mich wie schon erwaehnt lange in meiner neuen perfekten Welt der Illusion hergeben aber ich denke ein Teil von Menschen wie uns ist fuer immer zerstoert.

Liebe Gruesse

Mondstei

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13. März 2010 um 23:27

Liebe Hausmutti
Vielen Dank fuer Deine Antwort. Das war bis vor kurzem meine Taktik mit der ich immer Erfolg hatte und hatte auch 2 - 4 Rueckfaelle im Jahr. Wie gehst Du aber in Bezug mit Mitmenschen damit um? Erkennst Du alte Verhaltensmuster? Hast Du eine neue Beziehung?

Liebe Gruesse

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