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Krankheitsphobien meines Freundes - Beziehungsende

28. Dezember 2013 um 9:41

Guten Morgen

das Thema gehört eigentlich auch in den Bereich Sexualität, aber andererseits passt es glaube ich auch hier her.

Ich bin 20 Jahre alt, mein Freund ist 24 Jahre alt. Wir sind beide erst seit knapp einem halben Jahr zusammen. Da wir gemeinsam eine Ausbildung in unterschiedlichen Unternehmen machen, sind wir zusammen gezogen, da es sich angeboten hat. Auch wenns schnell war.

Die Meinungen meines Freundes und meine gehen weit auseinander, was ein bestimmtes Themenfeld betreffen. Das fängt mit dem Händewaschen und Waschverhalten an und hört bei Krankheiten auf.

Aber entscheidend ist das Letzte. Mein Freund hatte von Beginn an mit mir Safer Sex, er hat dann irgendwann einen AIDS Test, besser gesagt HIV Test verlangt, er selbst macht den alle 3 Monate (!!!). Ich muss zugestehen, dass ich das Thema wenig ernst genommen habe und auch nie wirklich aufgeklärt wurde, erst durch ihn bin ich tatsächlich extrem sensibilisiert worden. Und ich bin bis heute trotzdem der Meinung er übertreibt es.

Ich muss leider zugestehen, dass ich auch schon zwei Ohne Night Stands hatte ohne mit Gummi zu verhüten, im Nachinein war das Lotto, Russisches Roulette. Auch meine Freunde vor dem jetzigen waren alle keine Trauerklöße, aber an HIV dachte hier niemand. Ich komme aus einem bayrischen Dorf, nicht aus der Großstadt, wo die Kids besser aufgeklärt werden im Teeniealter. Das Thema HIV kannte man hier irgendwie unter den Kids kaum, erst durch meinen Freund wurde es massiv Thema in meinem Leben.

Wir waren knapp 1 Monat zusammen, da war ich dann beim Gesundheitsamt und habe dort den Test machen lassen. Der war negativ. Ich musste aber persönlich dort hingehen und mir das Ergebnis sagen lassen, schriftlich bekam ich es nicht. Das machen die dort überlicherweise nicht. Und schon gab es Zoff mit meinem Freund, der mir unterstellte, dass ich eventuell nicht die Wahrheit sage. Das fand ich schon ziemlich frech von ihm, aber ich habe für sein Misstrauen Verständnis, die ganze Familie von ihm ist extrem misstrauisch.

Anschließend schliefen wir ohne Kondom. Doch wenige Wochen später dann fing er an, Panik zu bekommen, hatte Fieber, hatte geschwollene Lymphknoten und Hautausschlag am Rücken. Er schob das sofort auf eine HIV Infektion. Seit dem rennt er von Arzt zu Arzt, war beim Hautarzt wegen allen möglichen Krankheiten, die er hat untersuchen lassen und rechnet nun herum, wann ich wohl oder ob ich wohl 12 Wochen vor meinem HIV Test noch mal schnell fremdgegangen sei oder mit einem anderen Typen in die Kiste gestiegen sei.

Er hat die Beziehung beendet und ist mit seinen Siebensachen zu seinen Eltern gezogen, er will jetzt warten, bis er sich erneut aussagekräftig testen lassen kann. Kommende Woche will er zur AIDS Hilfe und einen sog. PCR Test machen lassen, das Geld leiht er sich von den Eltern, 300 Euro kostet der Spaß. Test direkt auf das Virus.

Dass mein Test negativ war, interessiert ihn nicht, er sagt, ich könnte ja Tage, Wochen zuvor mit einem Typen noch mal Sex gehabt haben.

Wir hatten gestern Abend ein langes Gespräch. Er gab mir an, dass er mich sehr gern habe, aber die Symptome seien zu eindeutig. Er bereue es zutiefst, keinen Safer Sex konsequent durchgeführt zu haben.

Schlimm hinzu ist, sein bester Kumpel studiert Medizin und macht ihn jetzt zusätzlich verrückt, indem er ihm schon einmal Zahnärzte heraussucht, die ihn eventuell auch behandeln, wenn er HIV Positiv sei, er gibt ihm Tipps, wie er und wann mit irgendwelchen Therapien beginnen solle, was weiß ich. Das schaukelt ihn noch hoch.

Durch seine Mutter habe ich vor einiger Zeit mal nebenbei erfahren, dass das Thema bereits seine vorherige Beziehung schwer belastet hat.

Ich weiß wirklich nicht weiter, ich will ihn nicht verlieren, kann diese Angstzustände aber kaum nachvollziehen und nicht teilen. Mein Freund lebt was das betrifft in einer Welt, die sich mir nie erschließen wird, umgekehrt aber ist ihm diese Welt so wichtig, dass ich bezweifle, dass wir je wieder zusammen kommen.

Er hat sich zwischenzeitlich auch bei einem Psychologen zumindest schon einmal auf die Warteliste setzen lassen, wo er eine Therapie beginnen will.

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28. Dezember 2013 um 12:39

Antwort
Wir haben noch Kontakt. Ich hänge schon sehr an ihm, weil er so ganz anders ist, als meine bisherigen Freunde. Meine bisherigen Freunde waren das Kontrastprogramm zu ihm, total unbesorgt, vögelten wild durch die Gegend. Wirklich total sorglos. Nicht mal ich war so unbekümmert!

Meine Ex Freunde nahmen auch Drogen, kifften. Er raucht nicht einmal, er steht im Leben, er weiß, was er will, hat Prinzipien und Vorstellungen.

Ich habe mit meiner besten Freundin über das Thema geredet, sie war zwar auch etwas irritiert, aber meinte, sei doch froh, dass du mal einen anständigen Kerl hast, zu dem du auch noch so starke Gefühle hast. Ich habe viel geheult und der Sache wirklich sehr nachgetrauert.

Doch ich bin hin und hergerissen, da ich ja dachte es sei nun mit diesem HIV Test von mir getan.

Klar hatte ich eine Vergangenheit, die war auch recht wüst im Vergleich zu ihm, aber sie ist Vergangenheit und durch den HIV Test quasi ja verifiziert negativ verlaufen - man kann jetzt sagen Glück gehabt. Wie auch immer, ja ... Glück gehabt.

Aber ich habe ihm gesagt, er kann das Thema jetzt wirklich mal abhaken, weil ich ihm treu bin.

Er denkt halt, weil ich eine recht wilde Männerwelt in der Vergangenheit hatte, viel mehr Partner als er, eben vielmals ungeschützt, wiederhole ich das ständig und brauche das auch in der Beziehung, das bekommt er nicht in den Kopf, dass das Vergangenheit ist. Fertig ist.

Ich weiß nicht, ob wir eine Chance haben, es gibt Tage, da glaube ich dran, es gibt Tage, da vermisse ich ihn so sehr, dass ich am liebsten sofort hinfahren würde, es gibt Tage, da denke ich, es ist gut so wie es ist.

Ich weiß, dass ich so jemanden nicht mehr finde, er ist extrem speziell, so aufmerksam, er ist so feinfühlig, so sensibel, er ist immer für mich da, er ist eben sehr besonders mit dieser besonderen Macke.

Er würde zurück kommen, sagt er, aber ich bin mir sicher nur mit Safer Sex und Gummi, für mich wäre das alles nicht mehr so, wie vorher, vielleicht fühlt er sich aber auch unter Druck gesetzt, wenn ich ihm das so sage.

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28. Dezember 2013 um 12:53

Ich sehe das auch so
Ich sehe das mittlerweile wirklich so, dass ich es zu locker und leichtsinnig gesehen habe. Ich bin ihm auch dankbar, dass er meinen Horizont dahingehend erweitert hat. Kenne leider extrem viele, die keine Gummis nehmen.

Aber wir zwei sind ja jetzt eigentlich in einer Beziehung, so betrachtet ist das eine geschlossene Sache, die abgesichert ist durch einen Test, das ist meine Vorstellung.

Er ist jetzt schon seit einer Woche krank geschrieben, hat alle möglichen Probleme, der Kopf sicher am meisten. Er hat eine schwere Erkältung, ständig ist was anderes, dann hat er Migräne, fühlt sich schlapp, Lichtempfindlich, Lymphe geschwollen, ich glaube er macht sich so krank, dass er wirklich krank wird.

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28. Dezember 2013 um 13:12

Ich weiss es nicht
wie er so werden konnte, aber ich glaube er ist generell extrem misstrauisch. Wobei er mich das nie hat spüren lassen, er ließ mich auch allein in die Diskothek gehen mit männlichen Kumpels (da hatten viele Kerle ein großes Problem mit)....auch hat er nie mein Handy kontrolliert oder sowas, keine Kontrollanrufe etc.

Nur dieses Thema scheint sein Leben zu überschatten, er hat Phasen, wo er wirklich an nichts anderes denkt, von nichts anderem spricht. Es nervt mich schon ziemlich. Und ich weiß auch, dass ihn das Thema belastet und er mich zuletzt auch nicht mehr darauf angesprochen hat, weil er weiß, dass mich das nervt.

Seine Ängste insbesondere in unserer Beziehung kommen daher, dass er mich nicht einschätzen kann, er glaubt, ich habe mich wild durch das ganze Dorf gevögelt, was so nicht stimmt, auch wenn ich viele Männerbekanntschaften hatte. Aber wie gesagt, dass das fahrlässig war, weiß ich. Nur dass ich gesund bin, weiß ich eben halt auch.

Ich glaube er denkt, ich hab wenige Tage vor unserem ersten Sex mit anderen Männern noch herumgemacht. Er meint, dass quasi das Virus bei mir noch nicht nachweisbar gewesen sei. Nun ja. Also ich muss zugestehen, dass ich ziemlich geblockt habe, weil ich bei dem Thema mittlerweile dicht mache, auf Durchzug schalte.

Irgendwie kann ich verstehen, wieso er so ist, seine Freunde sind nämlich noch krasser als er, da gibt es keinen unsafen Sex, weder mit noch ohne HIV Test, da gibt es generell nur Safer Sex.

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28. Dezember 2013 um 16:31


ich geb dir recht.

der spinnt und braucht eigentlich psychologische unterstützung.

ob du dir das antun möchtest, musst du selbst wissen.

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28. Dezember 2013 um 16:50

OMG
Das Problem bei euch ist nicht nur die Hypochondrie deines Freundes, sondern auch sein fehlendes Vertrauen in dich und deine Treue. Er vermutet ja tatsächlich, dass du fremdgegangen bist. Demnach kannst du dich so viel testen lassen wie du willst, er vermutet trotzdem immer wieder neu eine Erkrankung, weil er dir misstraut. Und genau DAS lässt eure Beziehung scheitern.

Ich kann verstehen, dass dein Freund Angst vor HIV hat und nur Sex mit Gummi betreibt. Das ist vernünftig. Mach ich auch so. Aber dein Freund übertreibt maßlos. Und in seiner Panik vergisst er, dass Fieber, Ausschlag und geschwollene Lympfknoten keine einzigartigen Anzeichen für HIV sind, sondern bei jeder harmlosen Infektion auftreten können. Das kann ein ganz normaler Schnupfen sein, den er da hat. Dass er alle drei Monate einen Test macht, zeigt ganz deutlich, dass er dir extrem misstraut und vermutet, dass du ständig fremdgehen würdest. Dieses Misstrauen ist absolut keine Basis für eine Beziehung.

Dein Freund ist definitiv ein Fall für den Psychotherapeuten! Seine Hypochondrie und auch sein Misstrauen sind nicht normal. Er schadet sich selbst damit. Es gibt nämlich auch eine HIV-Präventivtherapie, die man machen kann, wenn es zu einem Risikokontakt gekommen ist. Hier nimmt man reguläre HIV-Medikamente, die man vorsorglich nimmt, um mögliche Viren zu unterdrücken, sodass es gar nicht erst zu einer Infektion kommen kann. Diese Therapie ist nicht ohne und kostet etwa 1.000 Euro. Ich traue ihm bei deinen Worten zu, dass er sich irgendwann sogar solch einer Therapie unterzieht, weil er Gespenster sieht. Und gesund ist das nicht. Es nutzt ihm gar nichts, weil da nichts ist. Daher sollte er da dringend einen Riegel vorschieben. Das muss aber von ihm selbst kommen, zwingen kann ihn dazu niemand. Er muss überzeugt sein, dass sein Verhalten schädlich ist - in erster Linie für ihn selbst.

Weiß jemand von seiner Familie, woher die Hypochondrie bei ihm kommt? Gab es einen Auslöser? Erkranktes Familienmitglied oder infizierte Freunde?

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