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Kommunikationsschwierigkeiten & unterschiedliche Vorstellungen von gemeinsamer Zukunft

2. Mai 2017 um 17:58

Liebes Forum,
mein Partner und ich (beide 24) sind seit gut 1,5 Jahren zusammen.
Mein Partner arbeitet in der Landwirtschaft, allerdings nicht selbständig, sondern als Angestellter. Ihm gefällt diese Arbeit sehr, er sieht sie als Berufung an, auch wenn er oft sehr viel arbeiten muss und der Lohn eher gering ist. Ich selbst bin angehende Lehrerin. Grundsätzlich sehe ich diese zwei Berufe eher schwer zu vereinbaren.
 
Früher wollte ich eine Familie mit Haus und 2 Kindern. Momentan sehe ich alles etwas anders, ich weiß noch nicht, ob ich (ein) Kind(er) möchte. Wenn überhaupt, dann wäre das sowieso erst in 10 Jahren geplant, da ich zuerst mein Studium beenden und arbeiten möchte. Ich bin eine Person, die gerne reist, gerne etwas Neues ausprobiert und neue Leute kennenlernt und viel über gesellschaftskritische Themen nachdenkt und diskutiert. Das Hobby meines Partners ist sein Beruf und die Liebe zur Natur, die uns beide stark verbindet. Jedoch ist er der Typ Mensch, der seine Zukunft schon fix festgelegt hat, wobei ich mir da noch Zeit lasse.
Das Problem: als wir vor Kurzen wieder über das Thema „Kinder“ gesprochen habe, teilte er mir mit, dass er mich als Mama zu Hause und als Hausfrau sehe. Ich war erst einmal baff, denn diese Ansicht halte ich für extrem veraltet, zudem ist für mich die Vorstellung Hausfrau und Mama und jahrelang nur zu Hause zu sein, schrecklich. Bitte nicht falsch verstehen: ich finde es gut, dass es Mütter gibt, die diesen wichtigen und  arbeitsreichen Job gerne übernehmen. Jedoch sehe ich mich selbst nicht als Hausfrau und weiß, dass mir trotz Kind und Haushalt  sehr schnell „die Decke auf den Kopf fallen würde“. Außerdem frage ich mich dann, wozu überhaupt studieren? Zuvor hatten wir darüber gesprochen, dass der/diejenige von uns beiden, der/die mehr verdienen würde, Vollzeit arbeiten gehen würde und vermutlich würde auch ich das sein nach meinem Studium. Nun sieht er mich aber komplett als Hausfrau und Mama und ich kann mit dem null anfangen. Das Problem ist einfach, er hat fixe Vorstellungen im Kopf und was mich betrifft, meine Wünsche und Vorstellungen, lässt er links liegen. Alleine dieses veraltete Rollenbild ist mir ein Graus, zudem das quasi „Alleinentscheiden“ meines Partners macht mich traurig und wütend. Ich meinte daraufhin, dass wenn wir beide entscheiden würden ein Kind zu bekommen, wir auch beide die Verantwortung dafür tragen müssten und es viele verschiedene Modelle zur Kinderbetreuung und Vollzeit/Teilzeit gäbe. Und das mir Gleichberechtigung mehr als wichtig ist in meiner Beziehung. Allerdings ist er der Ansicht, eine Mutter braucht ihr Kind usw. Dem stimme ich vollkommen zu, ich könnte mir beispielsweise vorstellen, 2-3 Jahre zu Hause zu bleiben und dann z.B. zu sagen dass ich wieder Vollzeit arbeite und er Teilzeit. Jedoch beharrte er so sehr auf seinem Standpunkt, obwohl ich nie zu ihm gesagt hätte „du musst zu Hause bleiben“, ich wollte lediglich aufzeigen, dass ich mir besonders in diesem Punkt, Gleichberechtigung wünsche. Bis jetzt erschien er mir immer als so verständnisvoll, aber hierbei ließ er einfach nicht mit sich reden. Ich weiß, dass das alles jetzt noch kein Thema ist, aber ich will doch nicht mit einem Partner zusammen sein, der genaue Vorstellungen von seinem zukünftigen Leben hat, aber mich dabei einfach außen vorlässt und alles alleine entscheiden möchte? Ich kann nicht nachvollziehen, wie mein Partner mich in gewissen Punkten außen vorlässt. Ich fühle mich wirklich null respektiert und nicht wertgeschätzt mit meinen Wünschen und Vorstellungen über ein gemeinsames, zukünftiges Leben. Warum sollte denn ich alles aufgeben für eine Familie?
Das ist nur der eine Punkt, der mich belastet, Auslöser für eine Menge Überlegungen. Denn es war immer schwer, an meinen Partner heranzukommen, wir haben ein, meiner Meinung nach, massives Kommunikationsproblem. Er sagt oft er „verstehe mich“, jedoch kann er es nicht argumentieren oder zeigen. Zudem kann er über seine Gefühle und Probleme nicht sprechen. Es hat sehr, sehr lange gedauert, bis ich endlich von ihm erfahren habe, dass er sich im Job aufgrund des hohen Arbeitspensums im Sommer, überfordert und schon fast ausgebrannt fühle. Gemerkt habe ich es wohl, nur habe ich wochenlang gebraucht, bis ich es endlich aus seinem eigenen Mund gehört habe. Früher hat er wohl, so sagt er, noch nie mit irgend jemanden über seine Probleme gesprochen und alles in sich hineingefressen. Er meinte aber auch, es sei gut, mit jemandem zu reden. Ich habe von ihm erfahren, dass er als Kind von seinem Vater regelmäßig geschlagen wurde. Das ist der Grund für ihn, es besser zu machen und ein super Papa zu werden, den ich natürlich voll und ganz nachvollziehen kann – jedoch nicht um jeden Preis, denn ich will auch mitbestimmen dürfen. Außerdem haben seine Eltern immer den größeren Bruder bevorzugt. Die Arbeit meines Partners wurde immer mies gemacht, er wurde auch im Freundeskreis öfter deswegen gehänselt.
Ich glaube einfach, seine Kindheit hat viel damit zu tun und es fällt ihm darum sehr schwer über gewisse Dinge zu reden. Ich weiß einfach oft nicht, wie ich ihm helfen könnte, sich mir zu öffnen. Wir reden oft aneinander vorbei, obwohl ich oft versuche einen Schritt auf ihn zuzugehen. Oft muss ich lange bohren, bis ich wieder etwas über seine Probleme erfahre. Ich will ihm doch eigentlich nur helfen, damit es ihm besser geht + ich weiß, dass eine gute Beziehung  auf guter Kommunikation beruht. Es wäre also auch für uns beide gut. Doch oft bin ich ziemlich unglücklich, weil ich ihm nicht helfen kann, weil er nicht redet oder nicht auf mich eingeht (oder es nicht kann). Es ist für mich oft auch ziemlich belastend und ich möchte ihm auch Zeit geben, doch oft habe ich selbst nicht so viel Kraft und Geduld. Das zerrt an unseren Nerven.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen? Tipps, wie ich es besser machen könnte? Müsste er seine Kindheit zuerst aufarbeiten? Wie können wir auf einer Basis miteinander kommunizieren und Lösungen finden? Sollten wir uns Hilfe von außen suchen?

DANKE für eure Hilfe
 

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2. Mai 2017 um 18:38

Danke für die Antwort

Ja, da gebe ich dir vollkommen Recht. Nur komme ich an meinen Partner einfach nicht heran. Er kann einfach nicht über seine Gedanken und Probleme offen und ehrlich sprechen. Ich kann noch 100 mal sagen "sprich mit mir" - dann blockt er nur noch mehr ab.

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