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Koennen uns nicht auf Wohnort einigen...

10. Juni 2012 um 3:43

Hallo liebe Leute,
meine Beziehung ist momentan ernsthaft bedroht und mir wuerde es ungemein helfen, wenn ich wuesste wie Aussenstehende die Sachlage bewerten.

Hintergrund:
Ich (26m) bin nun seit sechs Jahren durchaus gluecklich in einer Beziehung. Kennen gelernt haben wir beide uns zu Beginn des Studiums wofuer wir beide in eine fremde Stadt gezogen waren. Bereits damals sagte sie (26) mir, dass fuer sie schon immer fest stuende, dass sie nach dem Studium wieder in ihr Heimatdorf nach Oberbayern ziehen werde. Ihre Familie fuehre dort einen Familienbetrieb und diesen moechte sie unbedingt irgendwann uebernehmen. Auch sonst ist sie heimatverbunden wie ich es selten bei einem Menschen gesehen habe. Ist sie einmal einige Wochen am Stueck nicht daheim gewesen, redet sie von Heimweh. Ich hingegen bin durch und durch Grossstaedter, habe unuebersehbaren Migrationshintergrund und kann mir momentan nicht vorstellen in naechster Zukunf auf dem Land in Oberbayern zu leben. Allerdings empfinde ich auch keine besondere Verbundenheit gegenueber einer bestimmten Stadt, Region oder gar einem Land. Ich waere somit also relativ flexibel bei der Wahl des Wohnorts, aber wie gesagt nur sofern der Ort nicht zu laendlich ist.
Nun ist es natuerlich nicht so, dass dieses Problem uns voellig unerwartet getroffen hat. Wir haben bereits viel und auch von Anfang an hierueber gesprochen. Zu Beginn lautete die Argumentation, dass wir selbst in Anbetracht einer vorherzusehenden Trennung uns in der Abwaegung fuer einander entscheiden, weil die bevorstehenden Jahre zusammen schoener als getrennt sein werden. Ehrlich gesagt, glaube ich jedoch, dass wir beide damals nicht damit gerechnet haben, dass die Beziehung so lange haelt (und auch so schoen wird), denn im Grunde sind wir ziemlich gegensaetzliche Charaktere. Da es doch so gut lief wurde der Gedanke an eine Trennung mit der Zeit immer unangenehmer und irgendwann setzte bei uns beiden ein Stueck weit Verdaengung ein.
Mittlerweile haben wir beide fertig studiert und haben an das Studium eine lange Reise angehaengt, in der wir uns nochmal naeher gekommen sind. Mein weg fuehrte mich seitdem beruflich ins europaeische Ausland, wo ich zeitweise (~1Jahr) stationiert sein werde. Sie ist wieder daheim und arbeitet dort u.a. in ihrem Familienbetrieb.
Trotzdem koennen und wollen wir beide nicht voneinander loslassen und fuehren daher seit einigen Monaten schon eine de facto Fernbeziehung (Entfernung 700km).
Das Dilemma ist offensichtlich. Haetten wir eine Perspektive auf ein gemeinsames Leben an einem Ort mit dem beide einverstanden sind, liesse es sich in einer Fernbeziehung durchaus eine Zeit lang aushalten. Aber so ist es schwierig...
Die Beziehung wird momentan vor allem von der Hoffnung getragen, dass es irgenwann zu einem Kompromiss kommt, wobei ich glaube, dass beide Seiten hoffen, dass sich der jeweils andere bewegt.

Ein herzliches Danke an alle die bis hierher gelesen haben. Das niederschreiben hat mir schon sehr geholfen. Noch mehr wuerde ich mich ueber eure Kommentare, Ratschlaege und Meinungen freuen

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10. Juni 2012 um 4:54

Ich
komme aus Österreich und habe daher keine Ahnung von Oberbayern und Umgebung, aber gebe es da nicht eine Art Kompromiss? Also eine Stadt, die nahe bei Oberbayern liegt, so dass sie nahe an ihrem "Zuhause" ist und du dir nicht wie ein Landei vorkommst?

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10. Juni 2012 um 12:41

Hallo
also ich verstehe eure Situation sehr gut.

Ich kann deine Freundin verstehen und würde ihr auch ihre Bedürfnisse einräumen, denn Sie hat von Anfang an geplant wieder zurückzugehen. Die Familienbande ist eng und für Sie wird kein anderer Wohnort in Frage kommen.

Ich bin der Meinung, dass da die Kompromissbereitschaft von dir, als Cosmopolit kommen muss. Wurzeln sind äußerst bedeutend und können auch dir ein Gefühl von Festigkeit, Geborgenheit, Zugehörigkeit vermitteln. Du musst ja nicht alles in vollem Umfang so mitnehmen, dazu wäre ich an deiner Stelle auch nicht bereit.

Deine Freundin muss deinen Drang in der Großstadt sein zu wollen akzeptieren. Ich kann das Gefühl sehr gut nachvollziehen, da ich selber mit einem Ausländer zusammen war und es für ihn, unter anderem, auch ein Grund war mich zu verlassen, da er nicht aufs Land wollte. Aber das ist ein anderes Thema, er hatte noch GANZ andere Probleme.

So, bei mir ist es so. Ich habe vor einem Jahr aufgrund meines Kleinkindes Eigentum auf dem Land erworben. Es ist herrlich für mein Kind, es kann im Garten spielen, ALLES ist hier so viel entspannter.
Ich arbeite aber in der Großstadt, nehme jeden Tag einen sehr langen Anfahrtsweg in Kauf. Ich brauche die Großstadt auch! Der Vater meines Kindes wohnt in der Großstadt in der ich arbeite. Jedes Wochenende bringe ich ihn dort hin. Ich lebe das Großstadtleben, gehe tanzen, ins Cafe, in die Museen, treffe meine Stadtfreunde.

Mein Rat: Du brauchst BEIDES! Und es macht einen ungeheuren Reiz aus beides zu leben, es macht sehr viel Spaß!

Du sagst ja du bist emotional nicht an die Großstadt gebunden, in der ihr jetzt wohnt. Du könntest dir doch ein kleines Zimmer in einer Großstadt nahegelegen des Dorfes deiner Freundin suchen und einen Job? Es wäre hervorragend wenn eine größeres Stadt nicht all zu weit entfernt wäre, seien es auch 100 km,

Ihr würdet euch zwar nicht jeden Tag sehen, aber für alle wäre gesorgt. Irgendwann, wenn ihr Kinder habt, wird dir das mit der Großstadt wahrscheinlich sowieso nicht mehr so wichtig sein. Biis dahin wirst du sicher über gute Kontakte in dem Dorf verfügen und dich wohl fühlen. Vielleicht wär das eine Lösung?

Ich finde es so cool, dass eure Beziehung schon soviel überdauert hat, also wäre es schade, wenn es deswegen kaputt gehen würde.

Übrigens ist eine Nachbarin für ihren Mann hier ins Dorf gezogen. Sie hat viele Jahre gebraucht sich daran zu gewöhnen. Aber wie gesagt ich finde du musst dich auch nicht und solltest dich auch nicht ganz daran gewöhnen müssen.

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10. Juni 2012 um 18:49

Hey..
Ingolstadt ist die kleinste Großstadt Deutschlands.

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10. Juni 2012 um 19:13

Ich komme ja aus Oberbayern...
Und ich kann seine Vorbehalte nicht wirklich nachvollziehen. (bin aber jetzt nicht objektiv)

1. Oberbayern hat die niedrigsten Arbeitslosenzahlen. Wir haben hier fast Vollbeschäftigung. Er könnte hier ein leichtes einen Job finden.

2. Hat Oberbayern fast gar nichts ländliches mehr. Gerade in der Nähe von Städten. Also kein Bauerhofidyll wie man sich das immer vorstellt.

3. Gibt es wirklich ein paar 'Großstädte' die wirklich schön sind. Mir persönlich gefällt Landshut gut. Aber München ist auch toll.

Wenn er so ungebunden ist, kann man in der Gegend bestimmt einen Kompromiss finden. z. B. in der Nähe von München eine Wohnung nehmen, wo beide gleich weit pendeln müssten. Vielleicht kann er ja in der Firma einsteigen, wenn er ja das Gleiche wie seine Freundin studiert hat?

Man(n) muss nur wollen.

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11. Juni 2012 um 6:50

...
Vielen herzlichen Dank fuer all eure hilfreichen Kommentare. Ich werde mal versuchen auf einige davon einzugehen. Bitte entschuldigt es, dass ich nicht elle beruecksichtigen kann.

@puschlwuschl 8:49
Ich wollte Landmenschen sicher keinen generellen Rassismus unterstellen. Meiner Erfahrung nach aber falle ich als phänotypisch gekennzeichneter Mensch in laendlichen Gebieten schon haeufig auf. Darueber hinaus hatte ich immer den Eindruck, dass Herkunft in der Stadt deutlich seltener ein Thema ist als auf dem Land. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass viele andere damit weniger ein Problem haetten als ich.

@pfefferminze 11:03
Du hast schon recht. Heute wuerde ich wahrscheinlich auch mit niemandem eine Beziehung eingehen, wenn eine Trennung absehbar ist. Aber damals waren wir beide gerade einmal 20 und in dem Alter stellt man solche Gedanken gerne mal zurueck.

@puschlwuschl 12:08
Ganz ehrlich, ich wuerde mir niemals eine derartige Meinung ueber einen Ort bilden ohne dort ausreichend viel Zeit verbracht zu haben
Wie gesagt wir sind schon seit 6 Jahren zusammen und in der Zeit waren wir haefig bei ihr im Dorf und ich hatte viele Moeglichkeiten ausloten wie ich dem Leben dort gegenueber stehe.

@chanel 12:37
Ohh Militaer, das klingt schon fast anschluldigend
Ich habe mich wahrscheinlich falsch ausgedrueckt, denn tatsaechlich habe ich eine akademische Laufbahn eingeschlagen. Von daher ist sicher anzunehmen, dass ich haeufiger den Wohnort wechselns muesste, sollte ich diese Laufbahn weiterverfolgen. Ich waere zwar bereit fuer sie beruflich teilweise zurueck zu stecken, aber wie gesagt habe ich grosse Probleme damit gleich ganz in ihr Dorf zu ziehen. Dort sehe ich mich zu vieler Moeglichkeiten beraubt

@viele
Eure Kompromissvorschlaege finde ich ausnahmlos sehr gut. Auch wir haben schon haeufig versucht aehnliche Szenarien fuer unsere Zukunft durchzuspielen. Das Problem dabei ist, dass meine Freundin eine Idyllkindheit wie aus dem Bilderbuch hatte und sich dasselbe relativ kompromisslos fuer ihre eigenen Kinder wuenscht. Sie haelt also wenig von Wochenendbeziehungen oder einem Ortswechsel weg vom Anwesen ihrer Eltern. Ich versuche sie momentan davon zu ueberzeugen, dass ihre Vorstellung eher die Ausnahme als die Regel ist. Ich habe ihr auch schon haeufig vorgeschlagen mit mir zu einer Partnerberatung zu gehen. Vielleicht kann ich eure Beitraege ja nuetzen, um meine Argumentation zu untermauern

Nochmal vielen herzlichen Dank fuer eure Beitraege. Ueber weitere wuerde ich mich freuen.

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11. Juni 2012 um 9:32


Jaaa...ich kann deine Überlegungen gut verstehen. Wenn zwei Unterschiedlich lebende Menschen sich zusammentun ists nie leicht aber immer spannend und letztendlich hoffentlich breeichernd.
Irgendwie werdet ihr was arrangieren müssen sonst wirds nix mit euch.
Erinnert mich an diesen schönen Film "Salz auf unserer Haut"...wo sie die Liebe ihres Lebens ziehen lässt weil sie aus so unterschiedlichen Welten kommen...
Ich habe auch ein schönes Leben und würde mich total freuen wenn mein Hasi sich mal eben so darin vor Ort einklinken würde. Ich weiss aber auch, dass das nicht so einfach geht und dass er bei mir auf dem Land beruflich und vielleicht auch für seine Person nicht sehr glücklich würde, egal wie sehr er mich liebt. Also werde ich irgendwann vor der Entscheidung stehen mich zu ihm in die Stadt oder an einen dritten noch zu überlegenden Ort zu begeben und komplett neu zu orientieren. Ich bin weniger Stadtmensch und hasse die Idee alles in meinem Leben wieder mal umzubauen schon aber wenns um mein Hasi geht weiss ich sind die Prioritäten klar und ich würde mich wohl fühlen egal wo das wäre- Hauptsache bei ihm. Dieses Gefühl läßt mich diesen Entscheidungen sehr gelassen gegenüber stehen.

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11. Juni 2012 um 20:08


Weißt du, es gibt Menschen die in ihrem Leben eben nicht immer mehr oder etwas anderes haben wollen. Menschen, die glücklich sind versäumen überhaupt nichts. Warum sollte man das was einen glücklich macht aufgeben, weil irgendwelche anderen (Wenn es um Forennutzer geht auch unbekannte) Leute meinen, dass man soooooooo viel verpasst.

Weißt du Coleen, auch wenn es nicht in deine Welt passt - es gibt genug Leute, die ihren Platz im Leben mit Mitte 20 bereits gefunden haben. Dem ein oder anderen gelingt das früher, dem anderen später. Diese Menschen zu beleidigen spricht höchstens dafür, dass man eben selbst noch ein gutes Stück davon entfernt ist oder die eigenen Defizite meint auf andere Menschen übertragen zu müssen. Wäre das nicht der Fall, dann könnte man ja darüber nachdenken die unterschiedlichen Lebensentwürfe zu akzeptieren auch wenn man sie sich für das eigene Leben nicht vorstellen könnte. Ich empfinde übrigens intolerante Menschen als weit schlimmer, als solche, die sich in meinem Alter an irgendeinem Ort Heimat und Familie aufgebaut haben!

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