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Klarkommen mit einem Bindungsängstlichen

25. August 2013 um 22:51 Letzte Antwort: 28. August 2013 um 9:41

Hallo allerseits,

man kann sich ja durch viele Foren klicken, die das Thema Freiraum in der Beziehung behandeln. Der Tenor lautet immer, es gibt unterschiedliche Bedürfnisse, Probleme kommen dann, wenn beide Partner in der Hinsicht etwas anderes wollen. Was aber nun, wenn diese Probleme da sind - genauso wie das Potential der Beziehung?

Mein Freund geht aufgrund seiner selbst vermuteten Bindungsangst zu einem Psychologen. Das verändert die Tatsache allerdings nicht, dass ich mit der Situation zu kämpfen habe. Ich bin nach den zweieinhalb Jahren, die wir zusammen sind, durchaus bereit, ihm seinen benötigten Freiraum einzugestehen und versuche, dieses Bedürfnis nicht persönlich zu nehmen. Dennoch habe ich eine andere Vorstellung von einer Beziehung und hoffe, dass sich die Situation auf lange Sicht ändern wird, da ich wiederum meine Bedürfnisse in der Hinsicht nicht vollends zurückstellen möchte.

Manchmal fuktioniert es gut. Ich kann mich gut alleine beschäftigen, ausgehen, Freunde treffen etc. Aber manchmal stört mich der Gedanke, alleine sein zu MÜSSEN so sehr, dass ich nichts mit mir anzufangen weiß. Ich wünsche mir dann einfach nur, dass die Zeit schnell vorüber geht und stelle mir die Frage, ob unsere Beziehung Zukunft hat. Diese verlorene Zeit deprimiert mich dann wiederum so sehr, dass ich mir einrede, dass es keinen Sinn mehr hat.

Ein paar Mal kam es schon zu einer Trennung - die nie lange anhielt. Nach der letzten (für mich endgültigen) hat er mich zu einem neuen Versuch bewogen und sich zu einer Therapie entschlossen.

Hoffnungsloser Fall, oder wert, die Umstände in Kauf zu nehmen? Lieben Dank schonmal für eure Meinungen!

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25. August 2013 um 23:30

Naja..
ich schreibe über mein Problem, eine Beziehung mit einem Bindungsängstlichen zu führen, der mehr Freiraum braucht, als ich ihm (manchmal) zugestehen will, ich meine, dass mir das schwerfällt und ich bezwecke, Meinungen dazu zu bekommen, die mir weiterhelfen könnten.

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26. August 2013 um 13:53

Ziemlich entmutigend
Hast du denn selbst Erfahrungen mit sowas gemacht?

Und meinst du denn nicht, dass es sich lohnen kann, das jetzt "auszusitzen" und auf Besserung zu hoffen? Eine unterschiedliche Vorstellung davon, wieviel Zeit man gemeinsam verbringt, müsste doch zu bewältigen sein..

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26. August 2013 um 13:56

Bindungsängste...
... also meine habe ich soweit im Griff, dass ich die Beziehung halten kann (seit über 15 Jahren) - aber ich muss ständig (alle 2-5 Monate) neu (mit mir und selbst) darum kämpfen. Jedes Mal von vorn.

Aber ohne die Möglichkeit, von Zeit zu Zeit allein wegzugehen, dass wir auch mal getrennt wegfahren und nicht immer zusammen oder einfach 5h die Woche mindestens in meinem eigenen Zimmer (in der gemeinsamen Wohnung) einfach allein zu sein, würde ich das nicht schaffen.

Und das ist der Zustand *mit* dem, was man (sofern die funktioniert) in einer Therapie lernt.

Jetzt mag das bei Deinem Partner vielleicht nicht so stark sein wie bei mir und / oder andere Ursachen haben, die man vielleicht auflösen könnte oder... da kann ich nichts dazu sagen. Aber was mich selbst betrifft, ist alles ohne diesen Freiraum oder mit dessen drastischer Einschränkung nicht möglich.

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27. August 2013 um 1:45
In Antwort auf an0N_1189750099z

Bindungsängste...
... also meine habe ich soweit im Griff, dass ich die Beziehung halten kann (seit über 15 Jahren) - aber ich muss ständig (alle 2-5 Monate) neu (mit mir und selbst) darum kämpfen. Jedes Mal von vorn.

Aber ohne die Möglichkeit, von Zeit zu Zeit allein wegzugehen, dass wir auch mal getrennt wegfahren und nicht immer zusammen oder einfach 5h die Woche mindestens in meinem eigenen Zimmer (in der gemeinsamen Wohnung) einfach allein zu sein, würde ich das nicht schaffen.

Und das ist der Zustand *mit* dem, was man (sofern die funktioniert) in einer Therapie lernt.

Jetzt mag das bei Deinem Partner vielleicht nicht so stark sein wie bei mir und / oder andere Ursachen haben, die man vielleicht auflösen könnte oder... da kann ich nichts dazu sagen. Aber was mich selbst betrifft, ist alles ohne diesen Freiraum oder mit dessen drastischer Einschränkung nicht möglich.

Wenn ich nochmal nachfragen darf..
Was genau bedeutet es, dass du alle 2-5 Monate darum kämpfen musst? Weil du an der Beziehung zweifelst, oder ist das mehr ein unerklärliches Zweifeln, das ohne bestimmten Grund einbricht?

Es freut mich, zu hören, dass es bei dir seit 15 Jahren funktioniert! Wenn man offen besprechen kann, was die Bedürfnisse des einzelnen sind, denke ich auch, dass man sich sogar mit Dingen arrangieren kann, die einem zunächst abwegig erscheinen (wobei ich alleine weggehen und alleine sein auch für mich benötige). Nur der Gedanke, dass meine Wünsche auf der Strecke bleiben (weil keine Tendenz ersichtlich ist, dass es irgendwann auch mal anders wird - wir uns häufiger sehen, zusammenziehen o.ä.), macht mir Angst.

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27. August 2013 um 10:21
In Antwort auf darwin_12047524

Wenn ich nochmal nachfragen darf..
Was genau bedeutet es, dass du alle 2-5 Monate darum kämpfen musst? Weil du an der Beziehung zweifelst, oder ist das mehr ein unerklärliches Zweifeln, das ohne bestimmten Grund einbricht?

Es freut mich, zu hören, dass es bei dir seit 15 Jahren funktioniert! Wenn man offen besprechen kann, was die Bedürfnisse des einzelnen sind, denke ich auch, dass man sich sogar mit Dingen arrangieren kann, die einem zunächst abwegig erscheinen (wobei ich alleine weggehen und alleine sein auch für mich benötige). Nur der Gedanke, dass meine Wünsche auf der Strecke bleiben (weil keine Tendenz ersichtlich ist, dass es irgendwann auch mal anders wird - wir uns häufiger sehen, zusammenziehen o.ä.), macht mir Angst.

Teils - teils
ohne Grund - immer. Es gibt keinen Grund.

Einen konkreten Anlass gibt es manchmal, aber auch nicht immer.

An der Beziehung zweifeln:

In meinem (!) Falle:
Entweder an meiner Fähigkeit zweifeln, eine Beziehung zu führen. Ich weiss (inzwischen auch in diesem Moment) ganz, ganz genau, dass ich unserem Sohn eine gute Mutter und meinem Mann eine gute Frau bin. Aber ich habe das ganz brutal starke *Gefühl*, dass ich das niemals hin bekomme, mich damit hoffnungslos übernommen habe. Das ich alles nur vergeige (nein, tue ich nicht) und dass die beiden ohne mich ungleich besser dran wären (stimmt auch nicht). Das habe ich auch nur in Bezug auf Beziehungen, solche unberechtigten, aber übermässigen Selbstzweifel habe ich in keinem anderen Bereich.
Oder es ist einfach das Gefühl, nur eingesperrt zu sein, überall nur gegen Wände, Grenzen, Kompromisse, Einschränkungen, Verpflichtungen zu rennen und darin selbst völlig unter zu gehen. Auch da weiss ich, dass das so nicht stimmt. (Inzwischen) auch in diesem Moment. Das macht nur leider das Gefühl, dass es so ist, nicht schwächer.
Diese verzerrte Wahrnehmung habe ich in anderen Bereichen aber auch, bei mir steht einiges mehr auf der Liste als Bindungsängste - daher weiss ich auch nicht, inwieweit meine Erfahrungen für andere gelten, weil sich das schwer trennen lässt.

Wenn man offen besprechen kann, was die Bedürfnisse des einzelnen sind, denke ich auch, dass man sich sogar mit Dingen arrangieren kann, die einem zunächst abwegig erscheinen
=> jein. Es gibt Grenzen, was ich kann, was ich kann, mich aber viel mehr Kraft kostet als "normale" und einiges, was ich eben nicht kann. Wenn man über so etwas sprechen kann, ist das ja alles ganz niedlich, aber auch wenn mein Mann weiss, dass ich richtig dicke Probleme damit habe, umarmt zu werden, wenn es mir schlecht geht (aus anderen Gründen, aber es ist ein gutes Beispiel) dann heisst es noch lange nicht, dass es ihn nicht verletzt, wenn er an dieser Stelle zurückgewiesen wird. Da kann ich 1000x sagen, dass das mit ihm nichts zu tun hat und er kann es auch wissen - aber wird das immer verhindern, dass es ihm "einen Stich versetzt"? Da muss man wohl so ehrlich sein und die Frage mit "nein" beantworten.

Nur der Gedanke, dass meine Wünsche auf der Strecke bleiben, macht mir Angst.
=> teilweise berechtigt. Rücksicht ist ein sehr zweischneidiges Schwert, gerade bei psych. Problemen.
Natürlich braucht es die manchmal, aber da gilt der gute alte Apothekerspruch "die Dosis macht das Gift" - keine zwischenmenschliche Beziehung, sei es Partnerschaft oder eine andere Beziehungsart kann und wird je funktionieren, wenn einer der Beteiligten das Gefühl hat (sei es tatsächlich oder nicht), immer nur zurückstecken zu müssen. Nur ist es eben so, dass wir sehr auf Rücksicht konditioniert sind (und deswegen oft mehr geben, als gut für uns wäre) und es ist auch so, dass es auch schwer ist, Mass zu halten, wenn man die erhält, nicht gibt. Die Versuchung, damit auch gleich das zu umgehen was einfach nur unangenehm ist, ist riesig und es ist einem selten bewusst, wann man da übertreibt.
Daher: achte unbedingt auf Deine eigenen Bedürfnisse und sprich die auch an.

Generell gilt aber eines: Du kannst da nicht viel tun. Entweder er löst es oder es wird nichts.
Es geht nicht nur um "unterschiedliche Vorstellungen, wie viel Zeit man miteinander verbringt" bei Bindungsängsten. So etwas kommt an zig Stellen immer wieder hoch. Eine Beziehung, die regelmässig droht, völlig zu kippen, wird die Beteiligten einfach nur auffressen. Das Gefühl, immer zurückstehen zu müssen, wird Dich auffressen. Das Gefühl, etwas nicht zu haben, was Dir sehr wichtig ist und das Du Dir wünschst, wird Dich auffressen. Dass er vermutlich auch recht genau weiss, was seine Aktionen / Reaktionen für Folgen für Dich haben, wird die Beziehung belasten usw.

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28. August 2013 um 9:41

Man muss ständig über den eigenen Schatten springen...
... und dieses Gefühl "am liebsten reißaus nehmen zu wollen" ist unglaublich stark, wenn es hoch kommt - und man muss es jedes verdammte Mal wieder besiegen.

Ganz ehrlich, es gibt nur einen Menschen und es wird nur einen geben, der mir das wert ist. Sollte das je auseinander gehen, werde ich nichts mehr näher als Affäre an mich heran lassen.

Ich weiss nicht, ob es Fälle / Formen von Bindungsangst gibt, wo das Gefühl irgendwann einmal (durch Therapie oder wie auch immer) nicht wiederkommt, bei mir gehe ich nicht davon aus, dass das möglich ist. Für mich gibt es wohl nur "Augen zu und durch".

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