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Kaputte Ehe, Gewalt, Depression,...

25. Januar 2011 um 3:51 Letzte Antwort: 25. Januar 2011 um 6:42

Hallo liebes Forum,
mein name ist Nadine, ich bin eine junge frau im alter von 25 Jahren. Mit meinem mann bin ich seit 2 jahren verheiratet also noch recht frisch aber bei uns geht es drunter und drüber. Ich weiß auch nimmer was richtig und was falsch ist. Könnt ihr mir bitte einen Rat geben? Ich hab sonst leider nur wenige, die ich fragen könnte und meine story ist schon heftig, empfinde ich so und da fand ich jetzt den anonymen weg angenehmer.

Mein mann ist depressiv oder was weiß ich (ja, fängt schon gut an ich weiß). Er ist ganz anders als ich ihn kenne und ich kenne ihn eigentlich schon lange (schule und danach studium). Er ist definitiv kein mensch, den irgendwer als aggressiv oder so bezeichnen würde. Er ist freundlich zu allen, gilt eher als der witzbold in jeder runde, ein ganz spontaner und witziger kerl eigentlich. So "privat" ist er dann auch eher sensibel, sehr verschmust und so. Aber reden ist so gar net sein ding, ne ne. Wenn es um probleme geht, um diskussionen oder so, da zieht er den schwanz ein, sagt gar nix oder sagt einfach irgendwas, damit man ruhe gibt, das ist wirklich schon immer so gewesen. Er ist net sehr wortgewandt, kein guter redner.
So viel zu dem wie er üblicherweise ist.

Seit gut einem halben jahr aber ist er wie ausgewechselt. Kalt und gemein und aggressiv. Er hat schon oft von selbstmord geredet, weint wie ein kleines baby und noch schlimmer teilweise.
Ich spule jetzt noch mehr zurück. Vor einigen jahren ging es MIR scheiße. Ich komme aus einer sehr zerrütteten familie und hab viel erlebt und irgendwie bin ich da in eine schlimme phase gerutscht, da hab ich meinen mann (damals freund) mies behandelt, viel geschimpft und hab ihn auch körperlich angegriffen. Tat mir alles unheimlich leid. Bin in therapie gegangen und als man mich fragte, wieso ich da bin, sagte ich, dass ich mies zu meinem freund bin und er alles ist was ich habe und liebe und ich damit ganz dringend aufhören muss und mir helfen lassen muss. und das war ganz schrecklich für mich, die therapie am anfang, hab rotz und wasser geheult. mein freund hat schlimm gelitten. Aber wir haben es überstanden und er hat mir vergeben, zumindest sagte er das so oft und ich glaube, er hat es probiert. Na ja, wir lieben uns eigentlich wirklich sehr. Dann kam die hochzeit, was glaub ich ein großer fehler war. Wir waren naiv, dachten alle probleme sind jetzt hinter uns und wir fangen ganz neu an, machen alles besser. Ja, hat net lang gedauert, da ging es mit ihm bergab. Er studiert jetzt und es läuft net gut, wir streiten viel und das macht ihn fertig. Ich weiß einfach net.
Er fing irgendwann an, bei jeder kleinigkeit zu heulen. Irgendwann kamen selbstmordandrohungen. Ich hab alles versucht weil ich ja weiß wie schlimm so eine phase sein kann. Ich war mit ihm in der psychiatrischen ambulanz mitten in der nacht weil er wieder nur an selbstmord dachte und so, hab ihn zum arzt begleitet, hab ihm einen therapeuten gesucht und ihm auf einen zettel geschrieben, wie er sich am telefon dem therapeuten vorstellen soll und so. Hab versucht ihm alles an arbeit abzunehmen, ihm zu helfen. Ja, ende vom lied: Er ging (GING) zur therapeutin, hörte aber irgendwann wieder auf. Er bekam antidepressiva, hat er einfach nach ein paar monaten von alleine abgesetzt, einfach so. Ich weiß, dass man sowas nicht darf. Ihn kümmerts nicht. Geht nicht mehr zur therapie versteht sich mit der therapeutin nicht. Die hat ihm wohl gesagt, er sei gar nicht so depressiv und so und er fühlte sich wohl nicht ernstgenommen und außerdem hat sie wohl mich schlechtgemacht - kein wunder, dazu komm ich noch!
Ja, es geht bergab. Er schreit mich an, ich bin an ALLEM schuld (kann mir deshalb auch vorstellen, was er so der therapeutin gesagt hat), er beschimpft mich, alles an frust kommt bei mir an. Gestern hat er mich geschlagen. Davor hat er mich so dermaßen angeschrien, dass es alle nachbarn mitbekommen haben und ich mich so gedemütigt gefühlt habe und geweint habe und einfach raus wollte. Da hat er mich zu hause eingesperrt, ich durfte nicht raus, nichtmal mit dem hund kurz gassi. Und als ich darauf bestand, hat er mich geschubst und auf den boden geschleudert und alles. Nur weil ich eine hose aus dem schrank holen wollte.
Das tut mir so weh. Er behandelt mich wie dreck. Und ich bin das unglück seines lebens. Aber wenn wir vernünftig reden und ich ihm erzähle, was mich so kränkt, sieht er das ein und versteht es und sagt auch, dass ich nicht an allem schuld bin und dass es ihm einfach mies geht. Das kann aber nicht ewig eine ausrede sein, finde ich.
Vor einigen wochen habe ich ihm gesagt, er muss sich helfen lassen - irgendwie. Andere therapeutin, medikation, keine ahnung. Stationäre aufnahme wäre auch gar nicht übel. Er sagte ja, er kümmert sich drum. Nein, er macht nix. Hat immer anderes zu tun.
Und nochmal: Kein mensch auf der welt kennt ihn so. Er ist ein sehr lebensfroher und wirklich lieber kerl gewesen. Hab ich mich so dermaßen getäuscht oder ist er wirklich depressiv und es hat nur damit was zu tun?
Ich weiß, wie übel man sich verhalten kann, wenn man eine tiefphase hat. Wie gesagt, ich hatte sie und war ekelerregend. Und wer mir zu nahe kam (und mein mann versuchte damals eben, an mich ranzukommen irgendwie) den hab ich weggestoßen, egal wie. Das war schlimm. Aber ich ließ mir helfen, weil ich geliebten menschen nicht wehtun wollte. Ach ich weiß nicht...
Was soll ich tun?

Ist das jetzt eine Situation, der man klugerweise lieber den rücken kehren und weglaufen sollte oder ist das eine situation, die eine ehe bewältigen muss? Ich bin immerhin seine ehefrau. Gestern hat er wieder mit selbstmord gedroht. Allerdings habe ich inzwischen begriffen, dass es nur ein druckmittel ist. Er tut es im endeffekt nicht. er ging, wollte sich was antun (und diesmal hab ich mal nicht die polizei geholt, weil die uns schon kennen und es nicht das erste mal wäre und ich endlich gesehen habe, dass er mich nur unter druck setzt). Später kam er und wollte sein laptop holen und so. Grausam. Ich hoffe mal für euch, dass ihr nicht wisst, wie das ist, wenn man um das leben eines menschen bangen muss und dann feststellt, dass diese person einen absichtlich in diese lage bringt, nur damit man leidet.
Ich bin fix und fertig. Ich krieg das nicht gebacken.
Abhauen oder kämpfen, das ist die frage in kurz!

Ach, gebt mir doch bitte einen rat. Ich bin am verzweifeln. Und ich will mich nicht mehr schlagen und schubsen, anschreien, beleidigen und einsperren lassen. ich bin doch auch ein mensch!
KANN man sowas verzeihen, liebe forenmitglieder? KANN man das rein theoretisch? DARF man das verzeihen? Darf man es, wenn der partner krank ist? Ich weiß einfach nix! Ich will mich nicht ausnehmen lassen und ganz ehrlich, ich kann in dieser situation nicht sagen, dass ich ihn doch aber so liebe. Ne, ich habe im moment nur wut in mir und das ist gut so. Und eine ordentliche, ordentliche portion trauer. denn was wir hatten, war auch schön, auch wenn es sich hier nicht so liest. klar gab es schöne zeiten. Und wenn wir auch nur einen schönen tag haben, merke ich, wieso ich mit ihm eigentlich zusammenkam, denn er kann unheimlich viel liebe geben und versteht mich auf eine art und weise, wie es sonst keiner bisher konnte und er gibt mir ein gefühl von zu hause. Nicht falsch verstehen, das alles bezieht sich auf gute zeiten. im moment ist er ein ekel. ach ja, vielleicht ist das auch wichtig: seine ekelhafte seite kommt plötzlich. also gestern zum beispiel stand ich auf, sagte guten morgen, er umarmte mich, sagte mir, wie hübsch er mich findet, war so lieb zu mir. dann bat ich ihn drum doch lieber im schlafzimmer am tisch zu lernen und nicht im wohnzimmer, wo ich tv schauen wollte und da eskalierte es und er "platzt" dann und aus heiterem himmer ist er das gegenteil davon, was er vor 10 minuten war.

Ich frage mich: kann es ein happy end geben?

Liebe und verzweifelte grüße,
Naddi

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25. Januar 2011 um 6:42

Hallo
das alles hört sich für mich sehr schlimm an. eine depression ist immer auch eine aggression gegen sich selbst oder in deinem fall auch gegen den partner.
für mich liest sich eure beziehung wie eine ständige überforderung. jeder von euch beiden klammert sich an die strohhalme des anderen. das kann nicht der weg sein.
ich denke es ist sehr wichtig, dass du nach dir schaust, wie es dir damit geht und wie sich das für dich anfühlt. natürlich sollte in einer ehe auch nach dem partner geschaut werden, aber man ist nicht für alles verantwortlich.
die ständige überforderung von euch beiden führt anscheinend deinen mann unter zusätzlichen druck. die frage für mich wäre auch, wo ist die überforderung deines mannes? - im studium, mit geldproblemen...oder wo genau liegen diese probleme?
ansonsten muss ich dir leider sagen, gewalt in einer ehe oder auch beziehung geht gar nicht. das ist eine absolute grenzüberschreitung und das weißt du auch.
du kannst nicht ständig für sein wohlbefinden sorgen, dass muss jeder mensch selbst tun.
schau auf dich und frag dich, wie es dir mit dieser ehe geht und dann findest du auch die antwort, ob du eine solche weiterhin führen möchtest.
setze ihm klare grenzen. du bist nicht sein therapeut und wenn er denkt, dass er keine therapie nötig hat und seine depressionen dann in aggressionen nach dir umschlagen, dann mach ihm deutlich, dass du damit auf keinen fall weitermachen willst und kannst, denn auch du bist mit dieser situation überfordert.

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