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Kann mich nicht mehr auf meinen Freund einlassen, mache dumme Sachen und brauche dringend Rat.

22. September 2014 um 21:20

Hallo zusammen,

ich grübele im Augenblick in jeder freien Minute über meine Beziehung nach und so geht es einfach nicht weiter. Ich weiß nicht genau, was ich mir erhoffe - vielleicht hat jemand einen guten Rat oder ein paar Gedanken, auf die ich noch nicht selbst gekommen bin. Vorweg: Dieser Text ist elend lang. In meinem Schreibprogramm sind es viereinhalb DinA4-Seiten. Nur dass ihr wisst, worauf ihr euch einlasst.


Mit meinem Freund bin ich seit zweieinhalb Jahren zusammen. Die Beziehung war keineswegs immer problemfrei. Ziemlich zu Beginn unserer gemeinsamen Zeit, im Sommer 2012, wurde ich von ihm schwanger. Wir hatten vorher noch einen fantastischen Urlaub zusammen gehabt, wahrscheinlich der betse meines Lebens, und da muss es passiert sein. Ich habe damals mit NFP verhütet und mein Zyklus hatte sich verschoben, ich habe eine Kurve falsch interpretiert... ja.

Ich habe damals abgetrieben - er selbst fühlte sich noch viel zu jung für Kinder und ich bin zwar ein paar Jahre älter, wollte aber etwas Anderes von meinem Leben. Es war trotzdem keine leichte Entscheidung, an der ich noch eine ganze Weile zu knabbern hatte. Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bereue die Entscheidung nicht. Sie war nicht falsch oder richtig. Sie war einfach nur eine Entscheidung.
In der Zeit nach der Abtreibung sind mein Freund und ich zunächst stärker zusammengewachsen. Mir ging es eine Zeitlang nicht gut und er war für mich da. Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Kinderkriegen dachten wir verstärkt über eine gemeinsame Zukunft nach, fragten uns, ob wir eines Tages eine Familie miteinander gründen wollen. Damals war die Antwort noch eindeutig Ja. Wir dachten darüber nach, im nächsten Sommer zusammenzuziehen, und ich habe wirklich bewegende Liebeserklärungen von ihm erhalten. Für mich stand damals fest: Das ist der Mann, mit dem ich meine Zukunft verbringen möchte, selbst wenn wir das mit dem Kinderkriegen jetzt noch ein paar Jahre auf Eis legen. Wir hatten damals trotz aller Aufgewühltheit und Trauer eine sehr gute Zeit, haben intensive Momente miteinander erlebt, die Nächte durchgefeiert, viel geredet, waren richtig beieinander und füreinander da. Ich habe noch nie so tief für einen Mann gefühlt wie damals für ihn.

Für mich stand auch fest, dass ich in dieser Beziehung voranschreiten möchte. Dass ich mir Verbindlichkeit wünsche, eine gemeinsame Planung, Perspektiven. Ich bin damals davon ausgegangen, dass er das genauso sieht. Da habe ich vielleicht was projiziert, aber er hat sich damals auch tatsächlich so verhalten, als wolle er diesen Schritt ebenfalls mit mir gehen. Ich habe auch entsprechend meine Ansprüche weiterentwickelt. Ich habe beispielsweise erwartet, dass er bei Zukunftsentscheidungen nicht nur seine persönliche Zukunft, sondern auch unsere Zukunft als Paar einbezieht (das heißt aber nicht, dass er diesem Wir alles unterordnen sollte - ich wollte nur, dass unsere Zukunft auch eine Rolle spielt und bedacht wird). Nach weniger als einem Jahr Beziehung würde ich das normalerweise nicht erwarten, aber die Situation war eben besonders und er hat mir tatsächlich auch signalisiert, dass er mit mir diesen Schritt Richtung Verbindlichkeit gehen möchte.

Das wurde ihm dann aber leider doch zuviel. Er war gerade erst 23 geworden, hatte sich vielleicht auch von der emotionalen Ausnahmesituation verleiten lassen... auf jeden Fall hat er einen Rückzieher gemacht. Meine Erwartungen wurden ihm zu hoch und er strebte beruflich neue Wege an. Dazu kommt, dass ich nicht gerade ein unkomplizierter Mensch bin - ich bin wirklich sehr emotional, neige dazu, Drama zu schieben, und kann Enttäuschung oder Traurigkeit oder Wut nicht für mich behalten. Dann lernte er noch eine Frau kennen, mit der zwar nichts lief (das glaube ich ihm auch, er ist echt nicht der Typ dafür), die er mir aber vorzog und mich beispielsweise an einem für mich wichtigen Abend, an dem mein Theaterstück Premiere hatte, aus einem belanglosen Grund für sie versetzte. Und nach nicht allzu langer Zeit trennte er sich dann von mir.

Ich war am Boden zerstört, habe mich aber ganz gut zusammengerissen. Eine neue Sportart begonnen, viel geheult, bei Freunden geschlafen und nach vorne geschaut. Ich hing an ihm, liebte ihn nach wie vor, ging aber davon aus, die Lage schon zu überleben.
Nach zwei Wochen kam er zu mir zurück. Hatte sich sehr in das Vermissen hineingesteigert und hielt die Trennung für den Fehler seines Lebens und sagte, er habe nachgedacht und wolle alles, was ich auch wollte - eine Zukunft, Verbidnlichkeit, gemeinsame Lebensplanung. Wie gesagt, ich liebte ihn. Ich nahm ihn zurück, viel zu früh.

Nachdem er sich zwei Wochen lang richtig ins Zeug gelegt hatte, kehrten wie langsam wieder zum alten Zustand zurück: Ich wollte die Beziehung intensivieren, er nicht. Wir stritten häufiger und es ging immer um das selbe Thema: Ich wollte mehr, als er mir gab. Er wollte inzwischen nicht einmal mehr zusammenziehen, auch wenn es uns in dieselbe Stadt verschlagen sollte. Er wurde ganz schön kalt und gemein in dieser Zeit - wenn ich mir seine Unterstützung bei etwas wünschte, sagte er, er sei nicht meine Wunscherfüllungsmaschine, er wurde rücksichtslos (fing beispielsweise an, mitten in der Nacht Computer zu spielen, wenn er nicht schlafen konnte, obwohl ich am nächsten Morgen früh raus musste) und weigerte sich, mir mal einen Gefallen zu tun. Nach einer Situation, in der dann beruflich die Weichen für mich neu gestellt wurden und ich erstmal ziemlich überrumpelt war, verhielt er sich dann sehr fies mir gegenüber und es folgte die zweite Trennung, die wieder mehr von ihm ausging als von mir. Das war letztes Jahr im Oktober.
In der folgenden Zeit war ich dann auf mich gestellt - Jobwechsel, Umzug, alles innerhalb von einer Woche, alles habe ich alleine oder mit der Hilfe von Freunden durchgezogen. Mir ging es wieder schlecht mit der Trennung, aber ich hatte Ablenkung, habe mich in die neue Arbeit gestürzt, ein wenig mit einem Kollegen geflirtet und versucht, wieder auf die Beine zu kommen. Ja, und nach drei Wochen stand er dann wieder auf der Matte. Ich habe zugelassen, dass er mich besucht, hatte diesmal aber wesentlich mehr Vorbehalte. Habe viele Gespräche mit ihm geführt, bin auf Distanz geblieben. Ich wollte sowas nicht nochmal erleben. Er war dann derjenige, der davon anfing, man müsse ja nicht gleich wieder eine Beziehung aufbauen, sondern könnte sich einfach nur regelmäßig sehen. Das klingt zwar ganz schön blöd von ihm, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er auch nur Bedenken hatte, dass es nicht funktionieren würde. Trotzdem hielt ich das für keine Lösung, weil meiner Meinung nach zum Gelingen einer Beziehung erstmal die Entscheidung gehört, diese Beziehung führen zu wollen und daran arbeiten zu wollen, und ich seine Vorschläge als ziemlich halbherzig empfand. Ich sagte ihm das, und er schwankte trotzdem weiterhin hin und her, wollte das Ganze nicht Beziehung nennen.
An dem Punkt war ich irgendwann dann so angepisst, dass ich dachte, bitteschön, wenn du keine Beziehung willst, dann haben wir eben keine - aber dann auch mit allen Konsequenzen. Ich hörte auf, mich auf meinen (damals Nicht-)Freund zu verlassen, verknallte mich ein bisschen in den Kollegen, mit dem ich zuvor auch geflirtet hatte, und schlief mit ihm. Mein Freund kriegte das raus und interessanterweise hatte es einen eher guten Einfluss - plötzlich war er bereit, sich für mich zu entscheiden, die Beziehung zwsichen uns neu zu definieren, an unseren Problemen zu arbeiten. Er bemühte sich richtig um mich. Ich war erstmal fasziniert von der Situation und sehr glücklich. Das mit meinem Kollegen beendete ich sofort. Seitdem ist die Kommunikation zwischen meinem Freund und mir ziemlich gut. Wir streiten wenig und haben seitdem unsere Macken gegenseitig akzeptiert. Wir hatten auch erstmal wieder eine sehr gute Zeit - haben viel herumgeturtelt, uns beide sehr für die Beziehung engagiert und uns - trotz der Fernbeziehung, die wir mittlerweile führten - regelmäßig gesehen. Wir schmiedeten gemeinsame Pläne und überlegten, wann wir wieder in dieselbe Stadt ziehen könnten.

Was sich bei mir leider nie wieder einstellte, und das habe ich mir erst sehr spät eingestanden: Das Vertrauen von früher. Ich war inzwischen wohl irgendwie zu der Ansicht gekommen, mich auf diese Beziehung nicht verlassen zu können. Ich gestaltete mein Alltagsleben weitestgehend ohne ihn und hatte auch kein großes Bedürfnis, ihn einzubeziehen, ihn zum Beispiel meinen neuen Freunden und Kollegen vorzustellen; wenn er da war, waren wir meist zu zweit. Ich genoss meine Unabhängigkeit von ihm. Und ich war glücklich - glücklicher als damals, als mein Glück so eng mit ihm zusammenhing. Auch jetzt kann ich sagen: Ich bin zufrieden mit meinem Leben. Ich fürchte, ich kann mich nicht mehr richtig auf ihn einlassen. Ich lasse mich nicht richtig auf ihn ein. Und ich habe kein Rezept gefunden, in all den Monaten seitdem, wie ich das wieder hinkriege. Und das, obwohl er sich inzwischen wirklich ziemlich toll verhält: Er geht auf mich ein, er bezieht mich ein, er akzeptiert mich. Dass er als Mensch nach wie vor total anziehend ist, intelligent, talentiert, selbstbewusst, psychisch sehr gesund, kritisch, begeisterungsfähig - das muss ich eigentlich gar nicht mehr erwähnen, das war er schon immer und das hat sich nicht geändert. Deswegen habe ich mich in ihn verliebt, damals. Nur: Ich kann mich nicht mehr richtig auf ihn einlassen. Ich kann mich vor ihm nicht mehr verletzbar machen.
Inzwischen ist er der, der von Perspektiven redet. Vom Kinderkriegen, von gemeinsamen Auslandsaufenthalten, vom Zusammenziehen. Und ich will das alles eigentlich gar nicht mehr. Denn ich sehe, dass es mir jetzt gut geht. Dass ich im Job aufgehe, leicht Menschen kennenlerne, gute Freunde habe und vielseitige Interessen. Ich genieße meine Freiheit, die sich durch die Fernbeziehung ergibt. Wenn ich ihn mal einen Tag lang schlecht erreiche und er dann fragt, ob woir nicht in anderthalb Stunden telefonieren könnten, nervt mich das fast ein bisschen, weil ich dadurch nicht mehr spontan entscheiden kann, mit irgendwem was trinken zu gehen, sondern in anderthalb Stunden in meinem Zimmer sitzen muss. Es ist mir klar, dass das alles sehr selbstverständlich zu einer Beziehung gehört und er auf keinen Fall zuviel fordert. Aber ich möchte das irgendwie nicht mehr.
Trotzdem genieße ich es wirklich, mit ihm zu telefonieren und meine Zeit mit ihm zu verbringen. Aber sobald mich das in irgendeiner Hinsicht einschränkt, bin ich schnell genervt. Am liebsten möchte ich maximale Freiheit. Ich habe schon darüber nachgedacht, mich zu trennen, glaube aber, dass ich das bereuen würde. Ich meine, ich bin keine 18 mehr, ich bin fast 30 und ich hab mich in meinem Leben ganz schön ausgetobt. Was soll denn bitte noch kommen, was ich verpassen könnte? Ich möchte irgendwann mal eine Familie haben und dafür hab ich jetzt auch keine zwanzig Jahre mehr Zeit, und ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie gut ich mir vorstellen konnte, mit diesem Mann alt zu werden. Vielleicht ist all das nur irgendwo verschüttet und ich bin zu blöd, es wiederzufinden? Ich hab damals doch nicht ohne Grund geglaubt, dass er der Mann für's Leben ist. Und jetzt? Jetzt glaube ich gar nichts mehr. Ich sehe meine Zukunft weder mit ihm noch explizit ohne ihn. Ich möchte mich nur nicht mehr von ihm abhängig machen... auch wenn ich seine Ansprüche sehr gut verstehen kann.

Das alles ist an sich schon latent unangenehm. Aber jetzt ist die Situation kürzlich noch komplizierter geworden. Ich bin schon immer ganz gut beim anderen Geschlecht angekommen und mittlerweile merke ich das Bedürfnis, wieder mit anderen Männern Sex zu haben, manchmal auch einfach nur Körperkontakt. Ich flirte viel, lasse es aber nicht zum Sex kommen... aber nicht, weil ich nicht will, sondern wegen meines Freundes. Ich fühle mich ziemlich charakterschwach, zumal ich meine Grenzen da schon häufiger sehr weit ausreize. Und mittlerweile mache ich regelmäßig etwas, von dem ich weiß, dass mein Freund nicht einverstanden wäre, wenn er davon wüsste: Ich habe seit Anfang des Monats einen Mitbewohner, mit dem ich schon vorher befreundet war und mit dem ich mich sehr gut verstehe. Wir verbringen viel Zeit zusammen, reden über sehr intime Dinge - und wir schlafen im selben Bett. Fast jede Nacht. Meistens kuscheln wir; wir sind ohnehin beide Menschen, die viel Körperkontakt zu Anderen suchen, und in den Situationen wirkt das noch stärker. Händchenhalten, Bauch-an-Rücken-einschlafen, Massagen. Manchmal merke ich eine sexuelle Spannung zwischen uns, aber weiter geht das nicht und er macht da auch keine Anstalten (er hat selbst eine Freundin, die grad längere Zeit im Ausland ist). Ich genieße seine Gesellschaft total, seinen Körper, die Gespräche vor dem Einschlafen... und ich weiß ganz genau, dass mein Freund, entschuldigung, im Dreieck kotzen würde, wenn er davon wüsste. Er weiß, dass ich gelegentlich im Nebenzimmer übernachte, wenn mein Mitbewohner und ich z.B. eine Serie geschaut haben und ich dann nachher einfach liegen geblieben bin, und das findet er auch okay. Ja. Nur leider habe ich ihm nicht erzählt, dass es fast jeden Abend zu dieser Situation kommt. Und von der extremen Körperlichkeit zwischen uns weiß er auch nichts. Durch ein paar blöde Umstände, seine Urlaubsreise zum Beispiel, hat mein Freund mich noch nicht in der neuen WG besucht; meinen Mitbewohner kennt er vom Sehen. Die Lage wird nicht besser dadurch, dass er eh leicht eifersüchtig auf diesen Mitbewohner ist - der ist sehr attraktiv, hat eine starke Ausstrahlung und kommt gut bei Frauen an. Mir gefällt er auch und mein Freund merkt das.

Ich fühle mich ziemlich mies in dieser Situation und habe ein schlechtes Gewissen - zumindest immer tagsüber, nachts vergesse ich das wieder und genieße die Gesellschaft. Mit meinem Mitbewohner habe ich übrigens kein Problem, ich erwarte nichts, wir gehen sehr entspannt miteinander um und harmonieren im Alltag sehr gut, unser Verhältnis zueinander macht mir keine Schwierigkeiten. Ich bin mir auch sehr sicher, wenn jetzt einer von uns sagen würde, lass uns wieder in getrennten Betten schlafen, würden wir uns vielleicht ein paar Nächte alleine fühlen, aber es würde unser Verhältnis zueinander nicht dauerhaft beeinträchtigen, wenn wir einen Schlussstrich unter diese Art der Intimität ziehen.

Aber ich habe wirklich überhaupt kein Bedürfnis, das zu tun. Ich genieße es sehr, auch wenn es falsch ist. Im Moment sind mir solche Sachen wichtig. Und wahrscheinlich denke ich total kurzfristig und sollte mich lieber auf meinen Freund konzentrieren, weil ich von dem länger was habe als von diesen momentanen Genüssen und meinen Freiheiten und ein bisschen Gekuschel, aber obwohl ich mir das sage, möchte ich das alles weiterhin haben. Ich kann mich doch nicht von meinem Freund trennen, nur weil ich gerne mit meinem Mitbewohner im selben Bett schlafe un d nicht darauf verzichten will! Aber auf meinen Freund kann ich mich eben auch nicht mehr richtig einlassen und ich weiß nicht, ob das daran liegt, dass der Zug für immer abgefahren ist oder ob ich mich einfach nur nicht genug bemühe. Und ich genieße meinen Alltag ohne ihn. Klingt fies und ist auch fies. Ich telefoniere gerne mit ihm, ich fahre gerne zu ihm, ich habe gerne Sex mit ihm, seine Stimme lässt mein Herz immer noch manchmal heftiger schlagen - aber im Alltag vermisse ich ihn nicht und, das macht es noch schlimmer, mein Mitbewohner tut mir besser als mein Freund. In dessen Gegenwart esse ich gesünder, gehe früher ins Bett, bin ordentlicher und habe das Gefühl, mich mit nichts hinter dem Berg halten zu müssen. Obwohl ich meinen Mitbewohner nicht liebe.

An dieser Situation habe ich gerade ganz schön zu knabbern und es geht so nicht weiter. Um meines Freundes willen nicht und um meinetwillen nicht. Immer, wenn er jetzt von gemeinsamen Zukunftsplänen anfängt, zieht sich mein Magen zusammen und ich weiche aus... und ich glaube, er merkt, dass ich ihm entgleite, und das macht ihn total unglücklich. Morgen Abend fahre ich zu ihm und bleibe ein paar Tage, und als wir eben telefoniert haben, sagte er, er wolle bei meiner Ankunft etwas aus einem bestimmten Kochbuch für mich kochen, das sei inzwischen Tradition. Und ich fragte, wie, das hast du doch bislang nur einmal gemacht... und er schwieg kurz und meinte dann, vielleicht habe er das nur so betrachten wollen, als Tradition. Mir hat es fast das Herz zerrissen und ich habe mich so gemein gefühlt.
Nach meinem Besuch bei ihm will er wahrscheinlich noch ein paar Tage hier bei mir verbringen - und der Gedanke, dass er und mein Mitbewohner sich über den Weg laufen, macht mir auch nur Bauchschmerzen. Ich glaube, wenn ich jetzt mit meinem Mitbewohner einen Schlussstrich unter unsere Körperlichkeiten ziehen würde, könnte ich es meinem Freund verschweigen, und das könnte ich auch mit mir vereinbaren. Aber ich will nicht. Verdammt, ich will nicht. Und deswegen fühle ich mich noch gemeiner.

Es muss irgendetwas passieren, die Lage ist unerträglich. Aber ich weiß nicht, was richtig ist. Ich weiß nicht, ob meine Beziehung ihr Verfallsdarum erreicht hat oder ob ich vielleicht im Augenblick einfach nicht beziehungsfähig bin (was im Alter von 30 Jahren und mit mehr oder minder ausgeprägtem Kinderwunsch schon fatal wäre). Oder ob ich mich einfach nur mal zusammenreißen müsste.

Mir ist schon klar, dass niemand dieses Problem für mich lösen kann. Aber vielleicht hilft es mir ja, mal anderen Ansichten zu diesem Thema zu hören. Mit meinen Freunden kann ich nicht so gut reden - hier vor Ort sind wir alle ein Kollegium und ich möchte Tratsch vermeiden, und meine Freunde in anderen Städten sind größtenteils auch mit meinem Freund befreundet. Ich glaube, ich brauche aber mal Meinungen von außen, Einschätzungen, vielleicht auch nur einen Tritt in den Hintern oder so.

Danke jedenfalls, dass ihr euch bis hierhin durch diesen Monstertext gekämpft habt.

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23. September 2014 um 12:55

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Danke erstmal für eure Antworten.

kaffee: Zum Fremdgehen tendiert mein Freund nicht. Nichtmal in den Zeiten der Trennung lief was mit anderen Frauen. Er sieht gut aus und kommt gut an, aber er ist so ein typischer Intellektueller - immer ein bisschen weg aus dieser Welt, hat oft nichtmal einen Blick für das Geflirte von Frauen, ist ein ehrlicher Mensch. Dessen bin ich mir sicher.
Wo ich mir aber seit der letzten Trennung ganz und gar nicht mehr sicher bin, ist die Frage, ob ich mich auf ihn verlassen kann. Er hat sich zweimal getrennt. Er könnte es jederzeit auch ein drittes Mal tun. Jetzt gerade will er die Zukunft mit mir, er will das sehr, aber das wollte er damals auch schonmal - und trotzdem hat er die Beziehung dann lieber beendet, als daran zu arbeiten, sich aber kurz danach wieder umentschieden. Ich kann nicht recht glauben, dass sich diese Wankelmütigkeit geändert haben soll. Ich selbst brauche zwar manchmal ziemlich lange, um eine Emntscheidung zu treffen (das hat kira schon richtig bemerkt), aber wenn ich sie getroffen habe, ziehe ich sie auch durch. So wie er könnte ich mich nicht verhalten.
Deshalb habe ich auch die Vermutung, dass es mir dadurch nicht mehr gelingt, mich auf ihn einzulassen. Vielleicht liebe ich ihn wirklich nicht mehr und analysiere, wo Analysen eigentlich überflüssig sind... aber trotzdem glaube ich, dass an meiner Vermutung was dran ist.
Ja. Die Leidenschaft hat stark nachgelassen. Sie ist nicht ganz weg, aber sie liegt irgendwo im Winterschlaf. Ich sage mir aber selber, dass Leidenschaft wieder geweckt werden kann, man muss es nur wollen, und habe dann ein schlechtes Gefühl, weil ich nichts dafür tue.
Du wählst harte Worte, aber das ist auch gut so. Vielleicht könnte ich es alles besser machen, wenn ich mich nur wieder für ihn entscheiden würde, mich zusammenreißen würde, mich anstrengen würde. Aber mein Wille, es wieder hinzukriegen, scheint nicht mehr stark genug dafür zu sein. Weil wir nicht mehr zu einander passen oder weil ich mich nicht mehr auf ihn einlassen kann? Das ist die Frage, die ich mir stelle...


kira: Du hast Recht damit, dass ich gerne Umwege gehe im Leben und auch gerne einfach mal die schöne Landschaft genieße. Und ich mag das Abenteuer, ich sammele gerne Erfahrungen und ja, ich treffe meine Entscheidungen aus dem Bauch heraus - aber wenn sie einmal getroffen sind, ziehe ich sie trotzdem durch, und zwar sehr rational. Und es stimmt nicht, dass ich mich bereits gegen meinen Freund entschieden habe. Wie gesagt, ich weiß noch sehr gut, wie es war, sich eine Zukunft mit diesem Mann vorstellen zu können, und es hat sich gut und richtig angefühlt. Wenn ich mir sicher wäre, dass er sich nicht wieder trennen würde, ohne zuvor an der Beziehung zu arbeiten, und ich es mir einfach so aussuchen könnte, dann würde ich wieder so fühlen wollen.

Ich sehne mich tatsächlich nach Ruhe und Sicherheit. Und mein Freund wirkt gerade sehr bereit, mir das auch zu geben. Aber ich verlasse mich nicht mehr darauf. Ich habe Angst, dass er sich mir wieder entzieht, wenn ich auf ihn zugehe, dass er sich wieder trennt, dass ich wieder das Gefühl haben muss, um seine Liebe zu betteln. Mir geht es gut, jetzt gerade. Ich bin zufrieden mit meinem Leben, ich blühe im Job auf, komme gut mit mir alleine und mit anderen zurecht und finde meine Freizeitgestaltung sehr erfüllend. Ich brauche (tatsächlich ) gerade keinen Mann, der das mit mir teilt, auch wenn ich mich gerne verknalle, Sex habe, die ganze Palette. Ich habe auch, um Missverständnissen vorzubeugen, kein Bedürfnis, mir groß um das Verhältnis zu meinem Mitbewohner Gedanken zu machen. Es ist schön, dass er da ist, so wie er da ist. Das Ganze Waswärewenn drum herum kümmert mich gerade nicht. In der Beziehung zu meinem Freund ist er gerade nur der Auslöser, mir einzugestehen, dass sich etwas ändern muss. Jetzt. Denn mein Verhalten in der Hinsicht ist nicht richtig und ich möchte mich nicht weiterhin wie ein Mensch verhalten, der ich nicht sein möchte.

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Von: bumblebeeep
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23. September 2014 um 9:22
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