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Ist es egoistisch von mir?

31. März 2003 um 11:57

Hallo zusammen,

ich (23) habe ein großes problem und habe auch schon öfter mit freunden darüber diskutiert.
Alle sind eigentlich der gleichen meinung und sprechen mir für mein vorhaben zu. Nur ich persönlich habe zweifel und mein gewissen plagt mich.

Jetzt mal butter bei die fische....
Wohne noch zu hause mit meiner mutter und meinen beiden brüdern (20 und 16). Mein vater ist letztes jahr im januar ausgezogen. War für uns alle nicht leicht, aber wir sind klar gekommen. Er liefert einmal in der woche geld für den einkauf ab und das war es auch schon. Sonst interessiert ihn nichts an uns. Wir interessieren uns aber auch nicht mehr für ihn. Also egal.

Meine mutter ist krank. Sie hat mit wasser im körper (hauptsächlich in den beinen) und daraus resultierenden übergewicht zu tun. Das kommt daher, daß die lymphe nicht richtig arbeiten. Ihre beine und füße sind so dick geschwollen, sie kommt in keinen schuh hinein. Jeder schritt den sie macht schmerzt sie. Sie kann keinen tag ohne schmerzmittel auskommen. Eigentlich müßte sie ins krankenhaus, schämt sich aber für ihr aussehen.

Ich kann sie nicht dazu zwingen. Sie blockt immer direkt ab, wenn ich auf das thema zu sprechen komme. Seit ca. 10 jahren machen wir kinder das nun schon so mit. Wir drei sind immer zu hause gewesen. Ich bin dann ab einem gewissen alter immer ab und zu mit meinen freunden weg gewesen, war aber sonst immer zu hause und habe im haushalt geholfen. Seit ich auto und führerschein habe, bin ich auch immer für alle gefahren, wann immer ich konnte. Hatte ja sonst nichts anderes vor. Habe meinen bruder täglich von der arbeit abgeholt, einmal in der woche den ganzen einkauf alleine gemacht, etc. war auch nicht weiter schlimm, habe ich schließlich gerne gemacht.

War natürlich für alle praktisch und angenehm. Bis zu jenem zeitpunkt, als ich meinen jetzigen freund kennenlernte. Ich bin mit ihm seit fast 9 monaten zusammen und da er nur 30 km von mir entfernt wohnt, sehen wir uns täglich. Wir führen eine sehr schöne, harmonische beziehung und durch das tägliche zusammensein, erleben wir auch schon alltag zusammen. Bisher konnte ich ihn zu hause nicht vorstellen, meine mutter will es nicht aufgrund ihres aussehens. Sie will ihm den anblick nicht zumuten. Tut aber auch nichts dafür, daß sich ihr zustand ändern könnte.

Tja, und da er nicht zu uns kommen kann, bin ich täglich bei ihm. D. h. ich bin nach der arbeit 1-2 stunden zu hause, mache da ein bißchen etwas im haushalt und fahre dann zu meinem freund und komme abends spät wieder und gehe auch dann direkt ins bett. Seit wir zusammen sind, habe ich mit meiner familie nur noch streit, daß ich egoistisch geworden sei und nicht mehr für sie da wäre, was gar nicht stimmt. Es ist zwar weniger geworden, aber wenn not am mann ist springe ich sofort. Sie würden mich kaum noch sehen und man könnte mit mir gar nichts mehr machen. Es gäbe nur noch meinen freund und sonst keinen. Schlafen darf ich bei ihm nur am wochenende, weil sie mich ja sonst gar nicht mehr zu sehen bekämen.
Ok, auf den kompromiss habe ich mich eingelassen. Mein freund aktzeptiert meine situation voll und ganz und hat auch für vieles verständnis.

Jetzt hätte ich die möglichkeit in 4-5 monaten mit meinem freund zusammen zu ziehen und ich weiß nicht, wie meine familie dann klar kommen will. Mein bruder, der zwanzigjährige, sieht nicht ein einen führerschein zu machen und sich ein auto zu zulegen. Wäre ihm zu teuer. Aber ich kann doch nicht mein leben lang zu hause bleiben und mich um meine familie kümmern. Oder auch nach dem auszug noch den haushalt und den einkauf übernehmen. Bin doch jetzt in einem alter, wo ich mein eigenes leben leben sollte. Aber andererseits ist es doch irgendwo auch verantwortungslos meine familie darin im stich zu lassen. Oder wie sieht ihr das? Sie wissen noch nichts von meinen plänen. Es entscheidet sich erst in ein paar tagen, ob ein zusammenziehen klappt oder nicht (ob wir die wohnung bekommen oder nicht).

Ich liebe meine familie, auch wenn sie meint, daß ich voll und ganz nur noch für meinen freund da wäre. Mein vater hat uns im stich gelassen, ich will nicht, daß sie dasselbe von mir denken und unsere beziehung dadurch kaputt geht. Was soll ich tun? Wie soll ich reagieren? Wie bringe ich es ihnen bei und was für eine lösung gibt es, mit der alle einverstanden wären?

Ich danke euch schon jetzt, daß ihr euch die zeit genommen habt meinen beitrag zu lesen und für die hilfreichen antworten .


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31. März 2003 um 12:40

Kenn ich gut....
liebe willow,
ich kenne dein problem nur zu gut. ich war und bin teilweise heute noch in derselben situation. mit meiner mutter fing das nach dem tod meines vaters an. ich war damals schon ausgezogen und hatte ein permanentes schlechtes gewissen ihr gehenüber, weil sie ja "immer sooo alleine ist". ich war also jedes freie wochenende, die gesamten semesterferien und alle feiertage bei ihr.

eskaliert ist die situation, als ich meinen jetzigen freund kennengelernt habe und nicht permanent der babysitter meiner eigenen mutter sein wollte. ich habe die besuche bei ihr drastisch reduziert und sie hat mich am telefon permanent vollgeheult, was für eine schlechte tochter ich doch wäre, egoistisch, gemein und ich wolle ihr nur schlechtes. es war hart, mein freund war bei ihr sowieso der a...

aber weißt du, unsere mütter schaffen sich ihr eigenes gefängniss, das ist nicht unsere aufgabe, den wärter zu spielen deine mutter schiebt ihre krankheit vor und tut auch nix dagegen, man könnte ja von ihr erwarten, nämlich das sie sich wie eine erwachsene verhält und sich behandeln läßt. meine mutter ist einsam, aber selbst daran schuld, sie vertraut niemandem, ist streitsüchtig und will nicht auto fahren lernen, jammert aber permanent darüber, daß sie auf andere angewiesen ist und macht mich bzw meine schwestern schlecht.

liebe willow, GEH!!!! leb dein leben so wie du es willst. ich weiß, es ist nicht einfach mit jahrelang eingetrichterten schuldgefühlen zu leben, aber es geht. schaff dir ein dickes fell an, du wirst es brauchen, ich spreche aus erfahrung du bist nicht für deine familie bzw deine mutter verantwortlich, nur für dich selbst.
und deinem geizigen brüderchen... dem würde ich an deiner stelle mal kräftig in der a.... treten *g*

ich wünsch dir alles gute und viel kraft

lg sephrenia

p.s.: meine derzeitige situation: ich fahre einmal im monat zu meiner mom. wenn sie anfängt, schalte ich auf "durchzug" oder fahre einfach früher heim. ist das etwa egoistisch.. ich nenne das selbstschutz....

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31. März 2003 um 13:29

Kann mich
meinen beiden Vorrednern nur anschliessen. Irgendwie finde ich überhaupt nicht das du egoistisch bist, eher deine Mutter und deine Brüder! Du hast ein recht darauf dein Leben zu leben und nicht das deiner Familie und überhaupt, was machen deine Geschwister denn für dich? Für mich sieht das eher so aus als würden sie dich ausnutzen. Wenn dein Bruder schon 20 ist und keine Lust hat den Führerschein zu machen kann er nicht von die verlangen das du in fährst, das kann man mal machen, ja klar, aber immer? Sorry wenn sich das etwas hart anhört, aber deine Leute sind alle in einem alter wo sie für sich selber verantwortlich sind und um das zu verstehen muss man sie vielleicht mal ins kalte Wasser werfen. Deine Mutter sollte mal dringend zum Arzt gehen um ihre Lebensqualiäten wieder zu erhalten aber wenn du ihnen immer alles machst ist das ja nicht nötig, ist ja dann viel einfacher. Und noch zu der Aussage das du nur am Wochenende bei deinem Freund schlafen darfst, ist doch wohl ein schlechter Scherz oder? Nix für ungut aber leb endlich dein eigenes Leben! ))

LG

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31. März 2003 um 13:32

Sicher nicht
Hallo Willow,

das klingt, als wärst Du die ganzen Jahre der Mutterersatz, nur weil Du die Älteste bist und Deine Mutter das nicht geregelt bekommt.

Auch ich denke, daß es für Dich Zeit ist, das Nest zu verlassen. Und davon solltest Du Dich nicht abbringen lassen. Daß Du Dich um die Familie bis jetzt so gut gekümmert hast, ist klasse. Aber das können sie von Dir nicht ewig erwarten.

Deine Mutter könnte etwas gegen Ihre Misere tun, nämlich endlich ins Krankenhaus und vernünftig behandeln lassen. Daß sie es nicht tut, ist ihre Entscheidung, also muß sie auch die Konsequenzen tragen.

Und daß Dein Bruder den Führerschein nicht macht, ist auch seine Sache. Du bist jedenfalls nicht sein Chauffeur, oder?

Ich jedenfalls würde mir an Deiner Stelle auch nicht die Übernachtung bei Deinem Freund verbieten lassen. Es ist schließlich Dein Leben und Deine Freizeit. Und so können die sich auch schonmal daran gewöhnen, daß sie in absehbarer Zeit selbst Ihre Probleme in den Griff bekommen müssen.

Und laß' Dich nicht erpressen mit Worten wie "verantwortungslos". Du hast Verantwortung, und zwar für Dich. Und ebenso sollte auch Deine familie endlich die Verantwortung für sich selbst übernehmen und sie nicht ständig Dir aufdrücken.

Und Du läßt Deine Familie ja auch nicht im Stich, denn in Notsituationen stehst Du doch sicher weiterhin zur Verfügung, oder?

Und noch etwas anderes: Vielleicht redest Du noch einmal mit Deinem Vater. Immerhin ist er bei der Familie geblieben, bis die "Kinder groß waren" sozusagen, und er sorgt ja auch jetzt noch zumindest finanziell für Euch. Er hatte sicher seine Gründe, daß ein Zusammenleben mit seiner Frau so nicht mehr möglich ist, oder?

Möglicherweise hilft Dir das, den Absprung zu schaffen. Ein schlechtes Gewissen mußt Du jedenfalls nicht haben.

Acy

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31. März 2003 um 13:57

Raus da
Hallo Willow,

hast Du schon mal (in Filmen oder real), diese leicht altjungferlichen, mauerblumenmässigen Frauen gesehen, die ihr ganzes Leben für die Pflege der Eltern aufgegeben haben. So wie bei dir fing es bei ihnen an.

wir haben so einen ähnlichen Fall in der Familie, die Cousine Deiner Mutter
Ihr Vater starb als sie Anfang 20 war und sie verschob deshalb ihre Hochzeit und blieb bei der Mutter wohnen.
Der Freund hatte irgendwann die Schnauze voll und beendete die Beziehung. Andere Beziehungen scheiterten auch-am Widerstand der Mutter,

Als sie fast 50 war starb ihre Mutter und sie merkte auf einmal was sie alles aufegegeben hatte, eine eigene Familie, Freunde, ein eigenes Leben. sie fiel in ein tiefes Loch und es fiel ihr sehr schwer ihr Leben in den Griff zu kriegen. Sie war einsam. Inzwischen geht es ihr ganz gut, aber sie hat eine harte Zeit hinter sich und ist traurig, dass sie viele Jahre ihres LKebens vergeudet hat.

Mach nicht den selben fehler. Du hast ein recht auf eine eigens Leben. Du bist nicht das dienstmädchen Deiner Familie. Du bist alles andere als egoistisch, eher schon zu selbstlos.

LG

RedDevil

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31. März 2003 um 15:51
In Antwort auf RedDevil1

Raus da
Hallo Willow,

hast Du schon mal (in Filmen oder real), diese leicht altjungferlichen, mauerblumenmässigen Frauen gesehen, die ihr ganzes Leben für die Pflege der Eltern aufgegeben haben. So wie bei dir fing es bei ihnen an.

wir haben so einen ähnlichen Fall in der Familie, die Cousine Deiner Mutter
Ihr Vater starb als sie Anfang 20 war und sie verschob deshalb ihre Hochzeit und blieb bei der Mutter wohnen.
Der Freund hatte irgendwann die Schnauze voll und beendete die Beziehung. Andere Beziehungen scheiterten auch-am Widerstand der Mutter,

Als sie fast 50 war starb ihre Mutter und sie merkte auf einmal was sie alles aufegegeben hatte, eine eigene Familie, Freunde, ein eigenes Leben. sie fiel in ein tiefes Loch und es fiel ihr sehr schwer ihr Leben in den Griff zu kriegen. Sie war einsam. Inzwischen geht es ihr ganz gut, aber sie hat eine harte Zeit hinter sich und ist traurig, dass sie viele Jahre ihres LKebens vergeudet hat.

Mach nicht den selben fehler. Du hast ein recht auf eine eigens Leben. Du bist nicht das dienstmädchen Deiner Familie. Du bist alles andere als egoistisch, eher schon zu selbstlos.

LG

RedDevil

Vielen lieben dank für eure zuschriften.
Dann bin ich froh, daß meine einstellung nicht verkehrt ist und ihr das genauso seht

Meine freizeit verbringe ich mit meinem freund und meinen freunden so oft wie möglich.
Ich genieße es, wo es nur geht. Meine freunde haben mich auch in das leben hinein geführt. Da bin ich denen total dankbar für.

Und ich hoffe bei meiner mutter macht es irgendwann klick. Ich hoffe sogar, wenn ich ihr sage, daß ich ausziehe, das es dann klickt. Sie hat leider nur noch uns kinder. Ihre beste freundin, die ihr hätte zusprechen können und von der sie auch etwas angenommen hätte ist leider vor zwei jahren gestorben. Seitdem sucht sie sich gesprächspartner über internet. Aber das kann es auf dauer auch nicht sein. nur spricht sie mit denen über alles andere als über ihre probleme.

Naja, ich hoffe, daß sich trotzdem alles noch zum guten wenden wird.

Nochmals danke.

Bye Willow

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