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Ist ER ein Kontrollfreak?

23. November 2014 um 16:03 Letzte Antwort: 24. November 2014 um 22:27

Hallo liebe Forenmitglieder,

ich bin seit fast zwei Jahren in einer festen Beziehung und mache mir seit einiger Zeit (spätestens seit unserem Zusammenzug in die gemeinsame Wohnung) ernsthaft Sorgen. Ist mein Freund ein Kontrollfreak?

- Er kontrolliert jeden Abend, ob ich die Pille genommen habe
- Er achtet im Haushalt penibel auf die kleinsten Kleinigkeiten (habe ich die Arbeitsfläche abgewischt? benutze ich den richtigen Schwamm? Ist der Wasserhahn nach dem Waschen zu? lege ich die Beine richtig aufs Sofa, damit das Polster nicht leidet? Habe ich auch wirklich einen Untersetzer benutzt? Usw.)
- gemeinsamer Urlaub: Stress pur (zum Bahnhof rennen, um ja den Zug nicht zu verpassen, 10 Wecker, damit man nicht verschläft, bloß keinen km/h zu schnell auf der spanischen Autobahn usw,)
- er ist überall und immer auf Sicherheit bedacht
(kein Buch unter die Lampe legen, die kann zu heiß werden; Sportarten wie Kiten oder Klettern - zu gefährlich, er ist fest verbeamtet und würde das auf keinen Fall aufgeben wollen)
- er neigt zum Besitzergreifen und Kontrollieren (sobald mal eine Tasse auf dem Schreibtisch steht oder ein Buch aus seinem Regel fehlt, ist er genervt, seine Bücher und CDs sind überall mit seinem Namen beschriftet...als mir mal eine Tasse von Tschibo herunterfiel, war er verärgert, dass die Serie jetzt nicht mehr komplett ist)

Ist das noch normal? Seine Familie findet das nicht ungewöhnlich, aber ich schon! In Gesellschaft ist er zudem sehr locker, spontan und empathisch. Doch im Alltag gibt es wegen dieser Dinge immer wieder Stress...

Kennt ihr ähnliche Situationen? Wer weiß Rat?

Liebe Grüße
eisflocke

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23. November 2014 um 20:53

Er fühlt sich angegriffen...
Naja, das schlimme ist ja, dass er sich dadurch ständig angegriffen fühlt und sich dann erst recht Streit entwickelt ("du akzeptierst mich nicht" - ich werde zu demjenigen, der mit der Beziehung hadert und unzufrieden ist).

Sein Sicherheitsbedürfnis hat sich vermutlich z.T. durch seine Familiensituation ergeben, da wurden offenbar oft falsche Entscheidungen getroffen und es herrschte später auch Geldmangel, Unsicherheiten. Er behauptet sogar, er hätte die Familie vor dem Abstieg retten können, hätten seine Eltern so gehandelt, wie er vorgeschlagen hatte.

Für ihn ist sein Verhalten jedenfalls nicht pathologisch (er hasst Pathologisierungen) und sein Bruder, mit dem ich an sich ein sehr gutes Verhältnis habe, nimmt ihn ebenfalls eher in Schutz - klar. Er hat auch früher einmal in einer WG gelebt, da war alles "kein Problem". Auch seine Exfreundin hätte das nie so beobachtet. Vielmehr sieht er in mir schlechte Erziehung und einen "leichten Autismus" (ich bin selbstständig und habe keinen festen Abläufe wie er, da bin ich dann auch mal sehr fokussiert, wenn es z.B. einen spontanen Auftrag gibt und ich schnell vom Schreibtisch aus arbeiten muss). Aber nur weil ich eine Kerze anmache und dann kurz ins Arbeitszimmer gehe, um den Ausdruck zu holen, gibt es Ärger - denn das Haus könnte abbrennen! Ja, manchmal bin ich etwas verträumt, aber eins sicher nicht: schluderig oder gar schlampig.

Zum Thema wer übernimmt was: also wir haben zum Glück eine recht faire Einteilung im Haushalt, es ist entsprechend nicht so, dass ich alles übernehmen muss oder zumindest große Teile des Haushalts. Schade ist dennoch, dass wir einfach kein Teamwork können, da er immer alles allein machen will, wenn er einmal eine Aufgabe übernimmt. Und er gibt zu, dass er Teamarbeit auch einfach nicht kann - und auch komplett blödsinnig findet. Entsprechend schaffen wir es leider nur in den seltensten Fällen, ohne Stress und Frust gemeinsam zu kochen (davon abgesehen, dass er ziemlich kritisch zu meinen "Kochkünsten" steht und findet, ich würde mich zu sehr selbst loben).

Zum Schluss zu der Frage, ob er schon immer so war... ich glaube, im Grund genommen, ja. Allerdings hat er seit 1 1/2 Jahren unheimlich Frust im Job und ich glaube, dass er das teils über seinen Ordnungsfimmel und das Kontrollierende kompensiert. Zudem ist er Pädagoge und vielleicht sieht er in mir etwas, dass noch "erzogen werden muss"? Er findet so z.B., dass ich nicht ordentlich mit Messer und Gabel umgehe (ich benutze wohl das Messer zu wenig) und u.a. schnell etwas auf meine Sachen spritze (wäre ungeschickt/ würde manchmal auch nicht darauf achten) und dass meine Eltern daran Schuld hätten, dass ich Probleme als Kind gehabt hätte (ich wurde z.T. in der Schule gehänselt, weil ich etwas verträumt war).

Lebe ich in der falschen Welt oder er? Warum komme ich mir manchmal vor wie mit einer strengen Oma aus den 70er Jahren?

Liebe Grüße
Eisflocke

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23. November 2014 um 21:01

Wecker...
Achja,

zum Thema Urlaub und Stress. Naja, er hat einfach kurz vorm Urlaub Angst, er könnte etwas vergessen/zu spät kommen/den Flieger verpassen oder ähnlich.

Wir sind schon zweimal länger in den Urlaub gefahren und beide Male war die Anreise alles andere als entspannt. Wenn morgens früh wirklich alles für die Abreise bereit war (alle Jalousien dicht, Zeitschaltuhren an, Kühlschrank leer, alle Stecker von Haushaltsgeräten raus, nochmal rein, checken, ob etwas auf der Herdplatte liegt...) hetzten wir nur noch zur S-Bahn. Meine Bitte, doch ohne Stress und gemütlich-freundig in den Urlaub zu starten, kam da nicht an. Und waren wir immer zeitig, es blieb noch genug Zeit, wir hatten beide Male noch zwei Stunden am Flughafen. Aber er ist einfach so!

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24. November 2014 um 22:27

Au weia
Du Arme!! das hört sich ja an wie aus einer Komödie..wie von findet Nemo der Clownfisch Marlin
Ich kann mir sehr gut vorstellen das es im echten Leben weniger Lustig ist so einen Mann an seiner Seite zu haben der so drauf ist.Ich glaube auch das solche Menschen sich nicht ändern weil sie einfach so sind und das so fest in ihren Köpfen drin ist das sie auf biegen und brechen ihre Verhaltensmuster nicht ablegen wollen.Da bleibt wirklich nur eins und zwar sich selbst die Frage zu stellen:Komm ich mein Leben lang mit so einer Person klar?Wünsch dir da Viel Gluck.

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