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In eine Krise stecken, trotz guter Beziehung

12. Juli 2015 um 22:51

Ich habe lange überlegt, ob ich euch meine Sorgen erläutere und habe mich entschieden, dass es mir doch ganz gut täte, wenn ich eine unabhängige Meinung höre, die den Nebel in meinem Kopf beseitigen könnte.

Vielleicht kommt euch mein Problem nicht wirklich problematisch vor, aber für mich ist es schwer dort Ordnung rein zu bringen. Dazu muss ich sagen, dass ich mal unter einer Angststörung gelitten habe, die zwar behandelt ist, aber mich anfälliger macht in stressigen Phasen Dinge dunkler und trüber zu sehen als sie sind.

Mein Partner und ich sind 25 Jahre alt und wir führen seit beinah drei Jahren eine wirklich glückliche Beziehung. Ich habe noch nie so etwas Schönes erlebt wie mit ihm. Ich hatte davor lange Beziehungen und auch Phasen in denen ich Single war, doch die Zufriedenheit stellte sich nie bei mir ein, oder verebbte nach einer Zeit. Seine Vorgänger waren alle samt Männer/Jungs, die ein freundliches und treues Wesen hatten, aber mehr reden konnten als Taten walten zu lassen. Typen die viele Freunde hatten und gerne viel unterwegs waren.

Mein jetziger ist beinah das komplette Gegenteil von ihnen. Er ist ein ruhiger introvertierter Mann, der zwar einen großen Freundes bzw. Bekanntenkreis hatte, aber dieser sich bereits vor Jahren auseinander gelebt hatte. Er ist von seiner Heimat weggezogen und will gar keinen richtigen Freundeskreis mehr. Trotzdem hat er viele Kontakte, die über seiner und meiner Familie hinausgehen mit denen er sich regelmäßig online zum Spielen trifft.

Er kümmert sich auch gut um mich. Wir geben uns gegenseitig die Freiheiten, die wir brauchen und die Zeit, die wir gerne gemeinsam verbringen möchten. Er plant gerne Unternehmungen mit mir, weil wir viele gemeinsame Interessen haben und dieselben Dinge wertschätzen. Gleichzeitig darf ich kritisch sein und wir können stundenlang tiefgründige Gespräche führen. Also eigentlich alles extrem gut und ich sollte zufrieden sein, doch er mag nicht immer zu meinen Freunden gehen, wenn wir beide eingeladen sind.

Diese Einladungen geschehen eh schon selten, da wir alle in der Woche viel zu tun haben und nicht nebenan Wohnen. Er hat auch nicht unbedingt die gleichen Interessen wie sie und geht eher mir zur Liebe mit. Wenn wir da sind benimmt er sich tadellos und führt auch interessante Gespräche mit ihnen. Seine Lustlosigkeit breitet sich aber auch auf meine anderen Freundeskreise aus. Spontan ist er nicht. Es muss alles geplant werden und wenn er keine Lust hat, dann muss ich alleine gehen und fühle mich irgendwie schlecht. Das heißt aber auch nicht, dass ich nicht alleine weggehe. Ich plane häufiger Treffen mit meinen Mädels und bin froh auch alleine unterwegs seien zu können. Er hat damit keinerlei Probleme, gönnt mir meine Freiheit und empfängt mich mit einem Lächeln, wenn ich wieder Heim komme. Wenn ihm allerdings etwas Spaß macht findet er auch leichter Kontakt zu anderen und wäre auch irgendwann für eine Wiederholung bereit.

Irgendwie macht mich dies fertig, weil ich immer ein Mensch war, der nie seine Füße still halten konnte und immer etwas erleben musste, denn als Teenie war es schon inakzeptabel nichts zu unternehmen. Er entschleunigte mein Leben somit vollkommen und eigentlich habe ich angefangen endlich auf mich selber zu hören und gemerkt, dass mein Körper auch Ruhe braucht um zu funktionieren.

Anstatt glücklich über diese Erkenntnis zu sein bin ich betrübt und bekomme schon die Krise, wenn ich in den sozialen Netzwerken die schönen Ereignisse der Anderen sehe. Seit ich meinen Uniabschluss und einen guten Job in der Tasche habe, wird diese Betrübtheit nur noch schlimmer. Mein Leben änderte sich logischer Weise komplett. Keine frei verfügbare Zeit mehr, kein spontaner Kaffeeklatsch in der Uni, keine spontanen Unternehmungen. Dafür habe ich sehr liebe Kollegen und einen Job den ich sehr gerne mache bzw. mich auch weiter bringt. Ich bin natürlich finanziell auch unabhängig, aber das interessiert meine Betrübtheit gar nicht. Dazu kommt noch, dass meine langjährigen Freunde beginnen zu heiraten und wir (mein Freund und ich) vor dem 30. Geburtstag gar nicht darüber nachdenken wollen.

Irgendwie kommen zu dieser Betrübtheit auch noch die Fragen, ob mein Lebensweg der richtige ist und eine klare Antwort ist nicht wirklich zu finden, obwohl die meisten in meinem Alter damit zu kämpfen haben. Natürlich denke ich auch oft nach, ob die Beziehung noch einen Sinn hat und bin traurig, obwohl es wirklich bis auf dieser einer Sache alles gut ist. Er trinkt nicht, raucht nicht mehr, geht nicht fremd er will dass ich glücklich bin ich komme mir mit meiner Gedankenwelt mittlerweile mehr als kindisch vor. Als wäre ein Rest dieser 16-jährigen vorhanden, die keinen Stillstand verkraftet Wie würdet ihr mit meinem Gedankensalat umgehen?

Vielen Dank im voraus und eine gute Nacht wünsche ich euch!!

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13. Juli 2015 um 22:09

Schön gesagt!
Ich denke, du hast da einen echten Schatz bei dir zu Hause und das was dich an ihm stört, ist ein ziemliches Luxusproblem. Wenn er dir zuliebe ja sogar auch immer wieder mitkommt, um Freunde zu treffen, habt ihr doch im Prinzip bereits einen Kompromiss gefunden.

Vielleicht musst du dich in deinem neuen Leben erst ein bisschen einleben, dass du kein Student mehr bist sondern es langsam alles reifer und erwachsener ist.
Aber wozu auf die anderen neidisch sein? Du sagst selbst, ihr macht auch schöne Dinge zusammen. Also konzentrier dich darauf was ihr wollt und nicht was andere machen.

Und wenn dir ein Kaffeeklatsch mit alten Freunden fehlt, dann triff dich mit ihnen. Wenn es nicht spontan geht, dann eben unspontan. Das sollte ja aber nicht das Problem sein.

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14. Juli 2015 um 20:59

Ich danke euch!
Vielen Dank für eure ehrlichen Meinungen. Sie haben mir wirklich geholfen den Nebel aus meinem Kopf zu vertreiben. Ich habe die letzten zwei Tage genutzt den Wert an meinem Partner zu suchen und habe einige seiner Qualitäten erkannt und genieße es mich an den Gedanken zu erfreuen, dass ich einen wahren Schatz ganz nah bei mir habe Ich bin auch froh, dass anscheinend seine Macke nicht komisch erscheint, sondern akzeptierbar ist. Daran werde ich arbeiten und versuchen mich noch mehr in seine Lage zu versetzen

@ Violetluna3: Für mich persönlich war es immer wichtig einen Beruf auszuüben, der mir wirklich Spaß macht und Sicherheit bietet. Beides habe ich zurzeit und ich würde diesen nicht aufgeben. Obwohl ich die Spontanität wirklich vermisse, brauche ich mittlerweile diesen geregelten Tagesablauf, den ich als Student nicht hatte. Ich hatte sogar ein paar Homeoffice Tage und war sehr froh wieder im Büro arbeiten zu können. Irgendwie hat es mich aber auch immer genervt, dass mein Leben nur aus lernen (und die daraus resultierende Freizeit/Spontanität) bestand. Plötzlich ist man Mitte zwanzig und muss sich bei Bekanntgabe der Abschlussnote für ein Lebensweg entscheiden, während jeder Fremde an einem zweifelt, weil man sich für ein geisteswissenschaftliches Studium entschlossen hatte. Die Zeit tickt einfach, bleibt nicht stehen und man beginnt zu zweifeln, ob man überhaupt das Richtige tut. Man nabelt sich plötzlich ab, auch wenn man schon lange nicht mehr bei den Eltern wohnt und wird zwangsläufig zu den Erwachsenen, der man eigentlich schon lange seien sollte.

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