Forum / Liebe & Beziehung

Immer funktionieren funktioniert irgendwie nicht (bei mir)

Letzte Nachricht: 5. August um 5:24
03.08.21 um 20:38

Hallo, 
bin schon länger mal in diesem Forum gewesen, allerdings eher jemand, der in die Kategorie "Schwarzleser*in" fallen würde. Vermute ich zumindest. 
Nun brauche ich allerdings selbst den ein oder anderen Ratschlag, da ich etwas verunsichert bin. Konstruktive Kritik an meiner Person und Tipps, sowie Verbesserungsvorschläge heiße ich gerne willkommen, sind sogar gewünscht. Ein neuer Blickwinkel auf folgende datierte Situationen wäre wirklich sehr hilfreich. Danke im Vorraus! 

In der Vergangenheit hatte ich schon die ein oder andere Beziehung, die aufgrund verschiedener Differenzen eher "unschöne" Enden angenommen haben. (Beidseitige psychische Erkrankungen, unterschiedliche Lebensweisen, keine überschneidenden Zukunftspläne, gegenseitige Manipulation, ab und an auch Betrug von dem männlichen Part - was ich aber nicht übel genommen habe, da ich keine einfache Person bin, es war seinerseits, so vermute ich, einfach nur ein Versuch, aus der Beziehung herauszukommen) 

Nach der letzten Beziehung (2018) habe ich erst einmal beschlossen, allein sein zu wollen und mich auf meine Zukunft / mich selbst (beruflich und auch gesundheitlich) zu konzentrieren. Neben meiner Ausbildung habe ich schließlich einen Nebenjob in einer Nachtschicht gefunden. Ich bin nicht mit dem Vorsatz hingegangen, dass ich jetzt unbedingt jemanden bräuchte, habe dort aber meinen jetzigen Freund kennen gelernt. 

Im Nachhinein betrachtet sind wir, meiner Meinung nach zumindest, viel zu schnell zusammen gekommen, haben nur auf die Sympathie des jeweils anderen aufgebaut. Gemeinsamkeiten sind vorhanden, aber man kann sie an einer halben Hand abzählen und auch die Gesprächsbasis beginnt meist mit dem Thema "Arbeit". (Dazu komme ich aber noch einmal)
Ich hatte ihn schon einmal darauf angesprochen, dass wir vielleicht zu schnell aufeinander eingegangen sind, aber er wollte es "damals" unbedingt vor seinem Urlaub (kurz nach unserem Treffen ist er für 5 Wochen weggewesen) geklärt haben, wo wir beide eigentlich stehen und hat gleich nach einem "ersten Kuss" daraus resultiert, dass wir zusammen sind. (Nur zum Verständnis, natürlich wollte ich mit ihm zusammen sein und habe auch keinen anderen Mann getroffen oder "an der Angel" gehabt, aber, dass es mir zu schnell ging, ist bei ihm irgendwie untergegangen)

Bis vor kurzem lief auch eigentlich alles gut. Ich zweifle auch eigentlich nicht an meinen Gefühlen ihm gegenüber, aber in letzter Zeit treten immer wieder "zweifelnde / hinterfragende" Gedanken auf, die ich eben nicht haben will. 
Wie bereits erwähnt, bin ich nicht der stabilste Mensch auf der Welt, man sieht es mir an, dass ich gewisse Konflikte mit mir selbst habe und auch aktiv ausübe. Deswegen bin ich auch in ambulanter Therapie, also es ist nicht so, dass ich mich strikt gegen eine positive Veränderung wehre / auflehne. Einen genauen Trigger* habe ich noch nicht gefunden, aber ich habe mich allgemein auch sehr aus meinem sozialen Umfeld zurückgezogen, meine Tagesstruktur vernachlässigt, etc. Die meiste Zeit neben laschem (wie es vor den Sommerferien eben so ist) Unterricht habe ich antriebslos im Bett oder mit Heulen verbracht. Mein Freund kommt aus einer heilen Welt, er ist mit so etwas bzw mit mir in solchen schlechten Zuständen maßlos überfordert. Was ich ihm nicht böse nehme, ich bin eben einfach anstrengend. (Aber ich arbeite wirklich an mir)

*zu dem Triggerpunkt: Ich habe meine sozialen Konflikte / den sozialen Rückzug bereits bei meiner Therapeuin angesprochen. Sie meinte, dass ich bei Unterforderung und Langeweile eben mit Stress und Frustration, sowie Burnoutsymptomen reagiere. Allerdings meinte sie auch, dass das nicht diese ganze psychische Misere ausgelöst hat. Das kann ich aber erst nächste Woche mit ihr besprechen. 

Aber am Wochenende ist es gründlich schief gelaufen. Meine Mama weiß, dass bei mir ab einem gewissen Grad Negativität auch eine gewisse Emotionslosigkeit gegenüber mir nahestehenden Menschen auftritt. Und das ist am Samstag passiert. Wir hatten von vornherein ausgemacht, dass mein Freund "nur" von Freitag auf Samstag bleibt und er hat es akzeptiert ohne Widersprüche (ich hatte ihn gefragt, ob das für ihn auch okay ist, ich musste noch einige Dinge für mich selbst aufarbeiten). Das Wochenende war voller Höhen und Tiefen (überwiegend Tiefen) und am Samstag konnte ich es nicht einmal mehr ertragen, mit Menschen in einem Raum zu sein. Ich habe ihn mehrfach gebeten, dass er (vor allem aus Eigenschutz bzw. weil ich sonst relativ schnell ein Gefühl des Ekels entwickle, wenn ich etwas tun muss, was ich nicht möchte) gehen soll und dass ich seine Berührungen, die natürlich lieb und tröstlich gemeint waren, gerade einfach nicht aushalte. (Er weiß von negativen Begegnungen mit anderen Männern aus meiner Vergangenheit, weswegen ich gehofft habe, dass er das respektiert) Für 5 Minuten hat er es gelassen, dann hat er wieder angefangen, meine Arme und meine Beine zu streicheln (nicht in Oberschenkelnähe oder so, aber das war mir schon zu viel). Meine abwehrende Körperhaltung hat er nicht registriert, weswegen ich es dann noch einmal mit deutlichem Rückzug (bin noch weiter auf körperliche Distanz gegangen) signalisiert habe. Daraufhin war die Situation noch angespannter und als er dann wirklich gegangen ist, kam vorwurfsvoll "Ich will eigentlich gar nicht gehen, aber jetzt muss ich". Ich habe mich für mein Verhalten entschuldigt, kann es aber nicht erklären, warum ich auf einmal so "leer" im Inneren bin. Zu einer Umarmung konnte ich mich leider aber dennoch nicht durchringen. (Mir wurde bei der Vorstellung, jetzt jemanden zu berühren unglaublich übel und ich wollte nur noch allein sein)

Seitdem passt für mich irgendetwas nicht. Ich habe ihn gebeten, dass wir erst einmal einige Schritte zurückschrauben, allerdings kam nur als Antwort "Schön finde ich es nicht, aber muss ich jetzt wohl akzeptieren". Natürlich ist es sein gutes Recht, so seine Meinung preis zu geben. Aber das baut in mir innerlich den Druck auf, warum ich nicht einfach wie eine normale Freundin sein kann und warum ich nicht richtig funktioniere? 

Wir sind gerade einfach auf keiner Wellenlänge (ich weiß, dass das meine Schuld ist, aber ich finde gerade auch keinen Weg da raus), wir können nur über zwei Themen reden und eines davon ist die Arbeit. Wenn ich versuche, ein neues Thema anzupeilen, interessiert es ihn entweder nicht oder er kann mit mir darüber nicht reden.
Unsere Ansichten auf die Zukunft sind ebenfalls sehr unterschiedlich. Während ich gerne etwas von der Welt sehen möchte (was mit meinem Beruf auch machbar wäre), bevorzugt er eher etwas Häusliches und möchte auch nicht aus seiner Komfortzone heraus, meine vor ihm erwähnten Träume (beispielsweise ein eigenes Wohnmobil zu besitzen oder mal nach Neuseeland / Australien zu reisen) wurden mit einem "da kannst du dann aber ein eigenes Haus / eine eigene Wohnung vergessen" oder mit "Das kannst du dir doch niemals leisten" wieder dementiert.
Meine unsichere Meinung bezüglich eigener Kinder (für mich spricht einfach vieles zum Wohle eines Kindes dagegen, auf der anderen Seite würde ich doch gerne eigene haben) kommentiert er auch mit "Für den Schritt eigene Kinder muss man bei mir schon einiges an Überzeugungsarbeit leisten". Ich weiß, dass das für viele ein Grund wäre, die Beziehung eventuell zu beenden, aber ich bin erst 22, folglich selbst noch ein halbes Kind. Er hingegen ist 32. 

Er ist ein sehr genügsamer und lieber Mensch, gibt sich mit wenigen Dingen zufrieden, ist sehr umweltbewusst und das finde ich unglaublich toll an ihm. Aber eben dieses "nicht aus der Komfortzone wollen" finde ich gleichzeitig so unglaublich schade. Klar, jeder hat sein eigenes Leben und ich habe keinen Anspruch darauf, ihn zu beeinflussen, aber er ist ein wirklich intelligenter Mann, der sein Potenzial mit einem sehr anspruchslosen, monotonen Job verschwendet (das, was ich nebenbei mache, macht er eben hauptberuflich, 18h die Woche). Er hat sein Studium damals abgebrochen aus psychischen Gründen, was ich ihm auch glaube, aber ihn spricht auch keine Ausbildung an, noch möchte er sich irgendwie körperlich wie geistig weiterfördern / - bilden. 
Heute hat er auch gemeint, dass eine Freundschaft zu einer früheren "Schwärmerei" dadurch in die Brüche gegangen ist, da die Frau so denkt wie ich (nur hat sie ihm die Arbeit, die wir machen, wirklich schlecht geredet, ich habe nur gemeint, dass er seine Interessen und sein Hobby doch auch einfach zum Beruf machen könnte). Es sind aber nicht nur wir beide, die das so empfinden, wenn ich mich auf der Arbeit oder in der Familie unterhalte, sieht das jeder so. Natürlich kann ich ihn nicht zwingen, aber es macht mir so zu schaffen, dass er ohne Studium und Ausbildung dort versauert. 

Ein weiterer Punkt ist, dass ich manchmal das Gefühl habe, dass ihn viele Dinge an mir allgemein nicht interessieren. Und dabei meine ich jetzt nicht meine negativen Seiten bzw. nicht alle. Selbst diese kleinen, banalen Fragen wie "Wie war dein Tag?" Oder so, kommen immer von mir, er beantwortet sie und dann ist das auch schon wieder gegessen. Ich habe am Freitag beispielsweise mein Zeugnis bekommen und war trotz einiger für mich "nicht so guten" Leistungen stolz auf meinen Schnitt. Von ihm kam nichts ... Ich weiß, dass so etwas ja auch eigentlich "interessant" sein müsste, aber er weíß, dass ich meine Ausbildung an und für sich liebe und deswegen auch sehr ehrgeizig bin, sie mit guten Noten abzuschließen. Er verbringt seine wachen Stunden außerhalb nur mit etwas Haushalt und zocken. 

Im Moment bin ich einfach sehr am Zweifeln. Mehr an mir selbst, aber gerade auch diese Unsicherheit bezüglich der Beziehung macht mir unglaublich zu schaffen und fördert nur meine Selbstabwertung, wenn ich so ehrlich sein darf. Ich stelle mir in letzter Zeit oft die Frage, warum ich nicht einfach mal normal bzw. Glücklich sein kann oder warum ich nicht einfach mal "normal" funktioniere. Ich habe auch schon mit meiner Mutter darüber geredet und gerade bezüglich der Gedanken, die ihn betreffen und gerade vermutlich eher in ein negativeres Bild stellen, als dass er es ist, habe ich aus Verzweiflung schon öfters das Weinen angefangen. Ich möchte ihn nicht verändern, nur damit er mir noch mehr gefällt. Aber ich habe festgestellt, dass ich mit den "Fehlgriffen" aus der Vergangenheit einfach eine höhere Erwartungshaltung entwickelt habe, die ich nicht immer unterdrücken kann. Die aufgelisteten Punkte sind eigentlich auch ganz banal, aber ich kann sie nicht einmal kommunikativ mit ihm gemeinsam lösen. 
Es ist mittlerweile so schlimm, dass ich auf der Arbeit nur noch monoton, roboterartig funktioniere (vermeide so gut es geht die Kommunikation mit einer Kollegin, die ich eigentlich mag) und auch so weiter in meiner depressiven Stimmung verharre. Sprich: Ich vergesse / verweigere wieder das Essen, empfinde es als grausam auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, will nach der Arbeit den ganzen Tag nur im Bett oder auf der Couch liegen und allein sein. Ich kann nicht einmal genau in Worte fassen, warum es mich so fertig macht, weil das an und für sich keine Probleme sind. Und selbst wenn, dann sollten sie mich nicht beschäftigen, weil sie mich nichts angehen. (Und hier fängt dann meine selbstabwertende, negative Abwärtsspirale an) 

Wieso kann ich nicht einigermaßen normal funktionieren? Wieso kann ich ihm nicht eine gute, "zweifelsfreie" Freundin sein und mich mit dem glücklich schätzen, was ich an ihm habe? 

 

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04.08.21 um 2:14

Hallo,
das klingt alles wirklich übel. Ich sag jetzt mal ganz klar meine Meinung: Trenne dich von ihm! 
Deine Aussagen, wie "warum kann ich ihm nicht eine Gute, "zweifelsfreie" Freundin sein..." sagen alles. Du setzt dich selbst unter Druck und das für einen Mann, der offenbar nicht in deine Zukunft passt. Du hast viel über andere Baustellen an dir berichtet und ich denke diese solltest du zuerst lösen, bevor du einen Partner haben kannst. Ein Partner kann ein toller Zufluchtsort sein, man kann ihm alles erzählen und er kann dich heilen, allerdings sehe ich in deinem aktuellen Freund nicht deinen "Heiler". Du sagst selbst, dass es dich belastet und ich denke der Druck wird auch immer höher, um so mehr du dich distanzierst, da er immer mehr versuchen wird, an dich ranzukommen. Und irgendwann läuft das Fass über... du erwähnst nicht konkret, das du ihn wirklich liebst? Ich gehe mal davon aus, sonst wäre er wohl nicht dein Freund, allerdings ist der Altersunterschied auch sehr enorm (was zumal erstmal nicht schlimm ist, jedoch könnte er deine Probleme, aus einer anderen Sicht sehen und versteht vielleicht gar nicht, was in dir vor geht). Genauso wie deine schlechten Erfahrungen mit Männern...ich denke er passt einfach nicht in dein aktuelles Leben..vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt? Wenn ihr euch wirklich über alles liebt und zueinander gehört, dann lernt ihr euch besser nocheinmal zu einem Zeitpunkt, an dem du dich besser fühlst kennen

Ich wünsche dir alles Gute, bleib stark und bestrafe bitte deinen Körper nicht! Sowas kann furchtbar enden, ich spreche aus Erfahrung einer engen Freundin...

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04.08.21 um 6:12

Cooler Username.

Habe den ganzen Text gelesen aber mir fällt leider nichts dazu ein. Wünsche Dir trotzdem viel Glück!

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04.08.21 um 18:04

Finde es da etwas schwierig, wirklich eine gute Lösung vorzuschlagen, die für dich zufriedenstellend klingen könnte. 
Aus deinem Thread lese ich einige Dinge heraus. Und einen ziemlichen Zwiespalt. Auf der einen Seite scheinst du ja (sehr) an deinem Freund zu hängen und willst diese Gedanken nicht wahrhaben. Auf der anderen Seite wirkt es etwas so, als würde dir diese Beziehung nicht gut tun, bzw., dass du zu früh wieder in eine eingetreten bist. Vielleicht bietet sich die Möglichkeit, dass ihr noch einmal einige Schritte zurück geht und du dich erst einmal auf dich konzentrierst. Rede mit ihm. Er wird es verstehen. 

Zu dem mangelnden Interesse bzw. den fehlenden Themen. Und wenn ihr sie gemeinsam zu schaffen versucht? Es gibt so viele Themen auf dieser Welt, ihr müsst sie einfach nur gemeinsam finden und ausprobieren. Vielleicht solltest du auch ihn mal mehr aus seiner Komfortzone bringen, in dem du ihn versuchst, zu den Dingen zu motivieren, die dich motivieren? Oder die dich mal motiviert haben? 

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05.08.21 um 5:24

Ich würde jetzt erstmal ganz weg gehen von der Beziehung, das kann man später genauer überlegen. 
Wie wäre es denn erstmal mit einer Klinik?
Die holt dich aus allem raus und an jeder Stelle ab.
Der Kontakt zu deinem Freund ist erstmal pausiert ohne dass du Druck hast und danach kannst du weitersehen, vielleicht bringt dir auch da die Klinik mehr Klarheit.
Die ambulante Therapie scheint mir jedenfalls bei dir etwas wenig.
Was sagt dein Therapeut eigentlich so?

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