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Ich war jung, verwegen und frei...

8. Februar 2006 um 17:02

...wie wahr!

Ich war männlich, verwegen, ich war frei und hatte lange Haare.

Meine Frau lernte mich kennen, nicht umgekehrt. Sie stellte mir förmlich
nach. Egal wo ich hinkam, sie war schon da. Es ist nun zwölf Jahre her.
Damals war ich eingefleischter Motorradfahrer, trug nur schwarze
Sweat-Shirts, ausgefranzte Jeans und Bikerstiefel, und ich trug lange
Haare.

Selbstverständlich hatte ich auch ein Outfit für besondere Anlässe. Dann
trug ich ein schwarzes Sweat-Shirt, ausgefranzte Jeans und weisse
Turnschuhe.

Hausarbeit war ein Übel, dem ich wann immer es möglich war aus dem Weg
ging.

Aber ich mochte mich und mein Leben. So also lernte sie mich kennen. "Du
bist mein Traummann. Du bist so männlich, so verwegen und so frei."
Mit der Freiheit war es alsbald vorbei, da wir beschlossen zu heiraten.
Warum auch nicht, ich war männlich verwegen, fast frei und ich hatte lange
Haare.

Allerdings nur bis zur Hochzeit. Kurz vorher hörte ich sie sagen: " Du
könntest wenigstens zum Frisör gehen, schliesslich kommen meine Eltern zur
Trauung." Stunden, - nein Tage später und endlose Tränen weiter gab ich
nach und liess mir eine modische Kurzhaarfrisur verpassen, denn schliesslich
liebte ich sie, und was soll`s, ich war männlich, verwegen, fast frei und
es zog auf meinem Kopf. Und ich war soooo lieb.

"Schatz ich liebe Dich so wie Du bist" hauchte sie.
Das Leben war in Ordnung obwohl es auf dem Kopf etwas kühl war. Es folgten
Wochen friedlichen Zusammenseins bis meine Frau eines Tages mit einer
grossen Tüte unterm Arm vor mir stand. Sie holte ein Hemd, einen Pollunder
(Bei dem Wort läuft es mir schon eiskalt den Rücken runter ) und eine neue
Hose hervor und sagte:" Probier das bitte mal an." Tage, Wochen, nein
Monate und endlose Papiertaschentücher weiter gab ich nach, und trug Hemden,
Pollunder ( Ärrrgh) und Stoffhosen.
Es folgten schwarze Schuhe Sakkos, Krawatten und Designermäntel. Aber ich
war männlich, verwegen, totchic und es zog auf meinem Kopf.

Dann folgte der grösste Kampf. Der Kampf ums Motorrad.
Allerdings dauerte er nicht sehr lange, denn im schwarzen Anzug der ständig
kneift und zwickt lässt es sich nicht sehr gut kämpfen. Ausserdem drückten
die Lackschuhe was mich auch mürbe machte. Aber was soll`s, ich war
männlich, spiessig, fast frei, ich fuhr einen Kombi, und es zog auf meinem
Kopf.

Mit den Jahren folgten viele Kämpfe, die ich allesamt in einem Meer von
Tränen verlor. Ich spülte, bügelte, kaufte ein, lernte Deutsche Schlager
auswendig, trank lieblichen Rotwein und ging Sonntags spazieren. Was soll`s
dachte ich, ich war ein Weichei, gefangen, fühlte mich scheisse und es zog
auf dem Kopf.

Eines schönen Tages stand meine Frau mit gepackten Koffern vor mir und
sagte:" Ich verlasse Dich."
Völlig erstaunt fragte ich sie nach dem Grund.
"Ich liebe Dich nicht mehr, denn Du hast Dich so verändert. Du bist nicht
mehr der Mann den ich mal kennengelernt habe."

Vor kurzem traf ich sie wieder. Ihr "Neuer" ist ein langhaariger Biker mit
zerrissenen Jeans und Tättowierungen der mich mitleidig ansah.

Ich glaube ich werde Ihm eine Mütze schicken.


(Quelle unbekannt)

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8. Februar 2006 um 19:40

Mal ne Frage
hallo Kleinezicke,

wenn ich mich recht entsinne, hattest du mal gepostet, dass du in deiner Beziehung unglücklich seist, weil er dir jeden Wunsch erfüllen würde, aber im Endeffekt nicht mehr er selbst war. Du hattest ihn als "Wasserreicher" bezeichnet, was ich sehr treffend fand.
Mich würde interessieren, wie die Geschichte weiter gegangen ist.

Liebe Grüße
kratzamkopp

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8. Februar 2006 um 21:30
In Antwort auf runa_12850644

Mal ne Frage
hallo Kleinezicke,

wenn ich mich recht entsinne, hattest du mal gepostet, dass du in deiner Beziehung unglücklich seist, weil er dir jeden Wunsch erfüllen würde, aber im Endeffekt nicht mehr er selbst war. Du hattest ihn als "Wasserreicher" bezeichnet, was ich sehr treffend fand.
Mich würde interessieren, wie die Geschichte weiter gegangen ist.

Liebe Grüße
kratzamkopp

To be continued....
Hallo kratzamkopp,
genau das hab ich mal geposted. Mensch, du hast aber ein Gedächtnis wie ein weißer Elefant *staun* Tja, wie ist es weiter gegangen? Gerne würde ich jetzt mit einem konkreten Ergebnis aufwarten aber irgendwie trete ich immer noch, und das nun nach so langer Zeit, auf der Stelle. Zwischendurch gabs mal ein sehr kurzes Techtelmechtel mit jemandem, der mir vermeintlich die Paroli bieten konnte, die mir so gefehlt hat (auch hier nachzulesen irgendwo übrigens ), aber letzendlich haben wir immer noch Kontakt. Keine richtige Beziehung zwar, aber immer noch mehr als freundschaftlich. Was ich will? Ich weiß es immer noch nicht und finds furchtbar. Never ending story? Das hoff ich für uns beide eigentlich nicht, aber zu einem Ergebnis kommen wir trotzdem nicht. Er hat zwar schon einiges geändert aber als ich diese Geschichte gelesen habe, hatte das Gefühl ich hab meinem "Vögelchen" (klingt bescheuert, mir fiel grad kein besserer Vergleich ein ) auch die Flügel gestutzt und beschwere mich nun, dass er nicht mehr fliegen kann.
Lieben Gruß an dich zurück
kleinezicke

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9. Februar 2006 um 9:40
In Antwort auf sheena_12362348

To be continued....
Hallo kratzamkopp,
genau das hab ich mal geposted. Mensch, du hast aber ein Gedächtnis wie ein weißer Elefant *staun* Tja, wie ist es weiter gegangen? Gerne würde ich jetzt mit einem konkreten Ergebnis aufwarten aber irgendwie trete ich immer noch, und das nun nach so langer Zeit, auf der Stelle. Zwischendurch gabs mal ein sehr kurzes Techtelmechtel mit jemandem, der mir vermeintlich die Paroli bieten konnte, die mir so gefehlt hat (auch hier nachzulesen irgendwo übrigens ), aber letzendlich haben wir immer noch Kontakt. Keine richtige Beziehung zwar, aber immer noch mehr als freundschaftlich. Was ich will? Ich weiß es immer noch nicht und finds furchtbar. Never ending story? Das hoff ich für uns beide eigentlich nicht, aber zu einem Ergebnis kommen wir trotzdem nicht. Er hat zwar schon einiges geändert aber als ich diese Geschichte gelesen habe, hatte das Gefühl ich hab meinem "Vögelchen" (klingt bescheuert, mir fiel grad kein besserer Vergleich ein ) auch die Flügel gestutzt und beschwere mich nun, dass er nicht mehr fliegen kann.
Lieben Gruß an dich zurück
kleinezicke

Ich kann mich noch so gut daran erinnern,
weil ich den Begriff "Wasserreicher" so treffend fand. Außerdem passte dein gewählter Nick ziemlich gut zum Thema; man "zickt" sich halt so durch den Tag

Hmmm...dass ihr immernoch so halb verbunden seid, hätte ich beim besten Willen nicht gedacht: Entweder getrennt oder noch zusammen, aber so...? Was hält dich denn noch? Ich hatte bei diesem Typ Mann eher das Problem, dass ich den Absprung nicht geschafft habe bzw. mir nicht eingestehen wollte, dass es nicht immer ein positives Zeichen ist, wenn man sich nicht streitet; wie auch, wenn er eh alles macht was man sagt. Wie steht er eigentlich zu dem ganzen Thema?

Liebe Grüße
kratzamkopp

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10. Februar 2006 um 15:29
In Antwort auf runa_12850644

Ich kann mich noch so gut daran erinnern,
weil ich den Begriff "Wasserreicher" so treffend fand. Außerdem passte dein gewählter Nick ziemlich gut zum Thema; man "zickt" sich halt so durch den Tag

Hmmm...dass ihr immernoch so halb verbunden seid, hätte ich beim besten Willen nicht gedacht: Entweder getrennt oder noch zusammen, aber so...? Was hält dich denn noch? Ich hatte bei diesem Typ Mann eher das Problem, dass ich den Absprung nicht geschafft habe bzw. mir nicht eingestehen wollte, dass es nicht immer ein positives Zeichen ist, wenn man sich nicht streitet; wie auch, wenn er eh alles macht was man sagt. Wie steht er eigentlich zu dem ganzen Thema?

Liebe Grüße
kratzamkopp

Halb verbunden...
...trifft es so ziemlich genau. Eigentlich ist (fast) alles als wenn wir noch zusammen wären, jedoch hat keiner von uns beiden das Thema Beziehung mehr angesprochen. Wohl um keine schlafenden Hunde zu wecken und so dümpelt es momentan so mehr oder weniger vor sich hin. Mehr als einmal hab ich mit ihm Tacheles gesprochen und seiner Einsicht sind in dem vergangenen Jahr auch Taten gefolgt. Er hat einiges verändert, ist nicht mehr der bedingungslose Wasserreicher, nicht mehr nur der Ja und Amen - Sager. Aber irgendwie fehlt mir der Mut oder wirklich die Entschiedenheit eine klare Entscheidung zu treffen. Obwohl zwischendurch mal jemand in mein Leben gekommen ist, der mir (vermeintlich) das bieten konnte, was mir bei ihm fehlt, hat dieses Feuer nie lange angehalten und es hat mich doch wieder zu meinem "Wasserreicher" zurückgezogen. Letztendlich habe ich im Vergleich festgestellt, dass die anderen mir zwar einiges bieten können, was mir bei ihm fehlt er andersrum aber viele Vorzüge hat, die mir mindestens genauso wichtig sind, und die ich bei anderen missen müsste.
Er steht dem Thema halt sehr passiv gegenüber, hat zwar viel verändert, aber thematisiert die ganze Sache nicht. Er lässt es so laufen, wie es momentan läuft, um wie gesagt besser keine schlafenden Hunde zu wecken.
Verz(w)ickte Situation!
Lieben Gruß an dich!

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