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Ich war grenzüberschreitend und schäme mich dafür

20. Oktober 2008 um 1:35 Letzte Antwort: 20. Oktober 2008 um 15:18

Hallo,

vor ein paar Wochen hat sich meine 21 jährige Freundin von mir (m, 23) getrennt. Begonnen hatte alles mit einem Streit, der dann in Handgreiflichkeiten meinerseits endete.
Der anfängliche Streit aus relativ banalen Gründen entwickelte sich zu einem hitzigen Konflikt, infolgedessen sie mich und ein Familienmitglied auf eine sehr persönliche Art und Weise massiv beleidigte. Daraufhin verlies ich zunächst kommentarlos den Raum und begab mich in ein anderes Zimmer, da ich meine Ruhe haben wollte. Doch statt dies zu akzeptieren lief sie mir hinterher und warf mir weitere Dinge an den Kopf. Auch dies ignorierte ich. Als ich nach etwa 15 Minuten in die Küche gehen wollte, folgten sofort weitere Beleidigungen.
Was dann geschah, kann ich mir bis heute nicht verzeihen. Ich packte sie grob am Kinn und sagte zu ihr, dass sie mich in Ruhe lassen solle und dass das, was sie hier abziehen würde, wirklich das Letzte sei. Direkt darauf bespuckte ich sie noch

Es gibt für das, was ich getan habe keine Entschuldigung. Ich bin mir im klaren, dass ich einen rießengroßen Fehler begangen habe und schäme mich dafür vor mir selbst. Ich verachte es, in einer Beziehung Gewalt anzuwenden und trotzdem habe ich eine massive Grenzüberschreitung begangen. Soetwas habe ich noch nie zuvor getan und weiß ehrlich gesagt selbst nicht, wie es so überhaupt kommen konnte. Erstrecht nicht bei dem Menschen, der mir im Leben am meisten bedeutet.

Unmittelbar nach dieser Geschichte verlies sie die gemeinsame Wohnung und wir hatten ein paar Tage gar keinen Kontakt. Danach trafen wir uns, versuchten die Dinge zu "klären" und einigten uns eigentlich darauf, es dennoch noch einmal zu versuchen. Ein paar Tage danach flog sie in Urlaub, den sie schon vor Monaten geplant hatte. Wahrscheinlich hätte ich ihr erst einmal Zeit geben sollen, doch stattdessen schrieb ich ihr noch in der ersten Woche täglich jede menge Mails, da mir das was ich getan hatte immer noch leid tat und ich mich um die Beziehung sorgte. Dass ich sie damit bedrängte und die ganze Situation nur noch verschlechterte, wurde mir erst später wirklich bewusst. Da sie mir nach einiger Zeit nur noch unregelmäßig antwortete, war ich mir selbst im Unklaren darüber, wie es um unsere Beziehung stand und begang einen weiteren Fehler:
Da sie mir einmal ihr Passwort für ihren email-Account gesagt hatte, konnte ich eine mail von ihr an eine Freundin lesen. Ich hatte sie also im Grunde ausspioniert und ihr Vertrauen zu mir komplett zerstört.

Bevor sie von dieser Sache Wind bekam (bzw habe ich es ihr dann gestanden) telefonierten wir noch miteinander und ich hatte das Gefühl, dass wir wieder einen gewissen Draht zueinander hatten.
Seitdem sie jedoch von der Geschichte mit der gelesenen email weiß, will sie gar nichts mehr von mir wissen.
Ich hatte ihr das Angebot gemacht, dass wir vielleicht mal von Angesicht zu Angesicht über diese Sachen reden sollten, wenn ich mich auch im Urlaub befände (ich sollte nach vier Wochen für drei Wochen nachkommen). Daraufhin meinte sie jedoch nur, dass es nichts mehr zu klären gäbe, da so viel kaputt sei. Sie wolle blos noch ihre Ruhe haben.

Ich akzeptierte ihren Wunsch und suchte mir eine andere Unterkunft um ihr nicht ständig über den Weg zu laufen. Während meiner Urlaubszeit und bis zum heutigen Tage, hatten wir keinen Kontakt und ich weiß nicht, was ich nun tun soll. Ich liebe sie noch immer und der Gedanke, nicht mehr mit ihr zusammen zu sein, macht mich komplett fertig. Ehrlich gesagt ging es mir noch nie schlechter in meinem Leben
Wir führten in den zwei Jahren eine wirklich innige und ehrliche Beziehung. Vertrauen war für uns das A und O. Es ist nicht so, dass wir uns in dieser Zeit einfach auseinander gelebt hätten oder verschiedene Vorstellungen von einer Beziehung entwickelt hätten. Der Grund für unsere Trennung war vielmehr ein radikaler Bruch, bedingt durch die Fehler, die ich begangen habe.
All dies fand innerhalb kürzerste Zeit (vielleicht drei Wochen) statt.

Noch in den ersten Wochen ihrer Urlaubszeit schrieb und sagte sie mir, dass sie mich lieben würde. Doch nachdem ich ihr diese viele Mails geschrieben hatte und eine e-Mail von ihr an eine Freundin gelesen hatte, herrscht Funkstille.
Natürlich kann ich nach den Fehlern, die ich begangen habe, verstehen, dass sie mich nicht sehen möchte, aber ich denke, dass ein Gespräch unter vier Augen vielleicht besser wäre, als die Situation in der wir uns jetzt befinden ... Aber vielleicht ist es dafür noch zu früh.

Neben der Tatsache, dass unsere Beziehung nun vorbei ist, finde ich es auch sehr traurig, dass es niemals ein Gespräch darüber gab. Ich kann es nicht so ganz verstehen, weshalb sie niemals ganz offen die Beziehung beendete, sondern stattdessen einfach auf Distanz ging und mich irgendwann komplett ignorierte.
Es ist sicherlich auch nicht leicht für sie, aber ich würde mir nach zwei Jahren doch zumindest eine Aussprache wünschen, auch wenn wir nicht mehr zusammen sein können. Mir persönlich lag an der Beziehung zu viel, als dass ich quasi von heute auf morgen alles einfach ignorieren und so tun könnte, als hätte es diese zwei Jahre nie gegeben.

Ich weiß nicht, weshalb ich nach unserem ersten Streit auch noch so blöd war und sie mit emails bombadiert und sie ausspioniert habe. Vermutlich weil ich einfach nicht genug nachgedacht habe und diese große Ungewissheit hatte. Hinzu kommt vielleicht, dass ich mich noch nie in einer Situation befunden habe, in der ich über Probleme mit meiner Freundin nicht von Angesicht zu Angesicht reden konnte, sondern in der man tausende Kilometer voneinader entfernt ist.
Ich habe ihr Vertrauen zu mir zerstört und selbst wenn ich zu ihr meine, dass es mir wirklich leid tut, so kann sie mir nicht glauben.

Durch meine Dummheit / Unsicherheit / Ignoranz habe ich die tollste Frau verloren. Für mich war sie das Wichtigste in meinem Leben. Nun weiß ich nicht mehr weiter

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20. Oktober 2008 um 8:50

Unschöne geschichte

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20. Oktober 2008 um 9:00

Ich bin eine Frau
und ich denke, dass du auf keinen Fall ganz falsch gehandelt hast. Was jetzt nicht heißen soll, dass es gut war, was du getan hast. Man kann streiten und sich richtig in die Wolle bekommen aber irgendwann kommt eine Grenze und wenn einer diese überschreitet (und das war in meinen Augen deine Freundin zuerst) dann darfst du dich auch in gewisser art und weiße wehren. Dass du sie was harter anfasst, finde ich keine tragödie, das mit dem spucken allerdings schon. dafür hättest du von mir blaue eier bis ostern bekommen.

Ich hatte auch schon oft extremsituationen zuhause aber, bevor es bei uns eskaliert verlässt einer den raum und der andere folgt NIEMALS. wir lassen die situation immer abkühlen bevor wir wieder gemeinsam in einen raum gehen. ich würde ihm niemals nachlaufen weil ich weiß, dass auch er dann ausflippen würde und wozu sollte ich das provozieren? ebenso andersrum, wenn er mir nachlaufen würde und mich stressen würde, könnte ich auch für nichts garantieren.

mach dir nicht so ein kopf. fehler habt ihr beide getan, an so situationen ist niemals nur einer schuld.

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20. Oktober 2008 um 10:25

...
Mein Freund ist jemand, der sich schnell aufregt, und wenn er das tut, dann geht er erstmal, um sich abzuregen. Eben aus dem Grund, um nichts Falsches zu machen.
Wenn jemand jetzt so blöd ist, da auch noch nachzulaufen und zu sticheln, bis es eben mal knallt, bekommt er überhaupt kein Verständnis von mir.

Deine Freundin ist genau so eine dumme Kuh, die DEINE Grenze nicht akzeptiert hat.
Kein Mensch bleibt bei ständiger böswilliger Reizung dauerhaft ein braves Lämmchen.

Selbst ich, die noch niemals jemanden geschlagen hat, kann mir durchaus die Umstände vorstellen, unter denen ich auf jemanden losgehen könnte. Und zwar wenn jemand mich nach mehrmaliger verbaler Warnung und Zurückziehen meinerseits noch immer bedrängt.

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20. Oktober 2008 um 10:32

...
"pack nie wieder ne Frau an"

Ach ja, aber Frauen dürfen, oder wie?
Ich lese hier erstens nichts von Prügel, sondern von einer verständlichen Überreaktion auf dauerhafte Belästigung und Beleidigung.

Um jemanden anzuspucken, bedarf es einer ziemlichen Verachtung, die man einer Person in dem Moment entgegenbringt. Und um sowas als eigentlich geliebte Freundin auszulösen, muss man sich schon wie der letzte Dreck benehmen und das hat sie offensichtlich gemacht.

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20. Oktober 2008 um 11:19

Nicht so streng mit dir...
Ich habe nicht alles gelesen ..: ( du hast ja wirklich sehr viel geschrieben)
Aber zu eurem großen Streit, als du Sie am Kinn gepackt und angespuckt hast möchte ich dir folgendes mitteilen:

Gewalt wird nicht nur durch körperliche Gewalt definiert. Sie hat dich verbal die ganze Zeit unter Druck gesetzt und dich in die Enge getrieben. Die häufigste Art von Gewalt in Beziehungen ist die verbale und die geht größtenteils von Frauen aus.
Also, nur weil du der Mann bist heißt das nicht, daß du dich in keiner Art und Weise wehren darfst. Natürlich will ich das nicht verharmlosen, jedoch muß immer die Ausgangsposition und die äußeren Einflüsse miteinbezogen werden bevor man ein Urteil fällt. Also sei bloß nicht zu streng mit dir selber und deiner Freundin würde ich das ruhig auch mal sagen, daß sie dich nicht aufs übelste herausfordern und dann sich als Opfer hinstellen darf. Das ist nicht fair.

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20. Oktober 2008 um 15:18

...
JEmanden so beleidigen ist auch eine Grenzüberschreitung.
Du wusstest dir halt nicht anders zu helfen. Wäre es besser gewesen, du wärst auch mit Worten gewalttätig gewesen?
Nein, oder? Also sieh mal auch, was sie absichtlich mit dir gemacht hat. Frauen wissen ganz genau, wo Grenzen sind und was sie tun müssen, um einen Mann aus der Fassung zu bringen. Wann bitte hat sie mal über ihre Fehler nachgedacht?

So, richtig ist beides nicht. Deswegen rate ich dir, mit der Sache abzuschließen. Bei euch hat es einfach nicht gepasst. Konfliktmanagement will auch gelernt sein.

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