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Ich versteh mich selbst nicht mehr.

10. April 2013 um 18:58

Hey,

ich hab ein riesen Problem und hoffe, dass ich hier etwas Hilfe fände. Es wäre super lieb, wenn sich jemand bei mir melden würde um mir seine Meinung mitzuteilen. Ich bin mittlerweile nämlich sehr verzweifelt.

Vorab möchte ich sagen, ich bin kein schlechter Mensch - auch, wenn das nun sehr eingebildet klingt!

Also, ich habe seid knapp 8 Monaten einen Freund. Er ist der wundervollste Mensch auf Erden. Er macht und tut wirklich alles, um mich glücklich zu machen. Er ist sehr tolerant und sehr rücksichtsvoll.
Er ist mein erster fester Freund, vorher hatte ich mehrere lose Beziehungen, wo es aber nicht wirklich um Bindungen irgendeiner Art ging.

Das Problem ist, mein Freund und ich haben uns im Internet kennengelernt und es fing als Spaß zwischen uns an. Viel geschrieben, telefoniert etc. Er hatte, ebenso wie ich, noch nie eine ernsthafte Beziehung und stellte sich zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens eine Sklaven-Meister-Beziehung vor. Er setzte, mit meinem Einverständnis, dann auch eine Art Sklavenvertrag auf, der aber nie zum wirken kam, da unser erstes Treffen sehr magisch und wunderschön war. Ziemlich bald darauf waren wir zusammen. Das ansich wäre ja auch wirklich toll, allerdings hatte ich im Internet falsche Angaben zu meiner Vergangenheit gemacht, und auch auf erneutes und wiederholtes Nachfragen seinerseits diese nicht revidiert. Nun ist es zu spät ihm die Wahrheit zu sagen, da ich wirklich massivst gelogen habe. Ich habe deswegen ein sehr schlechtes Gewissen, bin aber zu feige, es gerade zu rücken. Ich weiß, dass es nicht richtig ist, aber, ach, ich weiß auch nicht.

Desweiteren habe ich ein sehr schlechtes familiäres Klima zuhause, da mein Stiefvater ein Tyrann ist, der meine Familie tyrannisiert und alles verbietet was auch nur ansatzweise Spaß macht. Deswegen bin ich oft depressiv, da er uns schlägt und psychisch erniedrigt. Mein Freund versucht mich zu unterstützen und will mich hier raus holen, doch ich nehme einfach keine Hilfe an. Soetwas kann ich nicht. Bei uns in der Familie gibt es keine Familienbande. Meine Mutter ist schwer krank und ich muss mich um sie kümmern. Mein Bruder hat sich vor einigen Jahren das Leben genommen. Mein Stiefvater hat manchmal gewissen sexuelle Bedürfnisse, die er an mir auslässt, da meine Mutter zu schwach dafür ist. Liebe oder Unterstützung habe ich von zuhause nie so wirklich bekommen. Ich stehe momentan mitten in meinem Abitur, fühle mich auch gut vorbereitet und weiß, dass ich es schaffe, dies ist also kein Stressor für mich.


Mein größtest Problem was ich habe ist, dass ich momentan immer so tue, als ob es mir schlecht geht.
Ich kann damit nicht aufhören, so gern ich es will. Es geht nicht. Oft wenn ich bei meinem Freund bin, der alleine wohnt, täusche ich Schwindelanfälle vor oder "kippe um". Ich weiß, dass ich eine gute Schauspielerin bin, dass haben mir schon mehrere Leute gesagt.
Da ich Migränepatientin bin und an Eisenmangel leide, bin ich meist sehr blass, so dass man mir das "schlecht gehen" durchaus abnehmen kann. Oft fragen mich Lehrer/Freunde/Bekannte, ob ich schwer krank wäre, weil ich so blass bin mit dunklen Augenrändern, und jedesmal wünsche ich es mir, dabei sehe und weiß ich doch, was eine schwere Krankheit auslösen kann. Es ist krank! Absolut gestört, dass weiß ich, kann aber nichts gegen meine Gedanken machen.
Auf jedenfall liebe ich die Aufmerksamkeit, die Zärtlichkeit, die mein Freund mit entgegen bringt, wenn es mir so "schlecht" geht. Nicht, dass er das sonst nicht tun würde, er ist stehts aufmerksam, besorgt, zärtlich und liebevoll... Aber diese Sorge, diese aufrichtige Sorge in seinen Augen, seinen Bewegungen... Das tut mir gut.
Und das schlimme ist, ich fühl mich bei meiner Schauspielerei noch nicht mal schlecht! Da ich aber weiß, dass es nicht okay ist, gerade weil es ihn auch belastet, fühle ich mich schlecht, weil ich mich nicht schlecht fühle.
Generell sieht es bei mir Gefühlsmäßig mau aus. Ich weiß, dass er mir was bedeutet, aber liebe ich ihn? Ich brauche ihn. Brauche ihn zum ausjammern, obwohl ich auch Freunde habe, die immer für mich da sind.
Ich weiß nicht, wie liebe sich anfühlt. Er kann seine Gefühle immer so gut ausdrücken. Er sagt mir immer, wie sehr er mich liebt, und ich denke mir "ich weiß nicht, ob ich dich überhaupt liebe". und dann geht es mir wieder schlechter und ich stürze in ein erneutes Loch.
Ich schauspielere ihm jeden Tag schlechte Laune vor, per Sms, Telefon oder Real, nur damit er besorgt ist und mir seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Total bescheuert ist das. Ich habe wirklich nichts dagegen, wenn er was mit seinen Freunden macht, Haushalt, für die Uni lernen etc.., aber wenn ich Langeweile habe, dann suche ich was, damit ich was habe..

Beim Sex mit ihm spüre ich absolut gar nichts, was mich ebenso belastet. Ich sage ihm das nicht und tu meistens so, als ob es mir gefällt. Er gibt sich immer so viel Mühe und ihm bedeutet es so viel, wenn es mir "gefällt". Ich kann ja jetzt nicht einmal sagen, dass es mir unangenehm ist, ich habe ja auch Lust, aber ich empfinde einfach nichts. Weder beim langen, noch kurzen Vorspiel, weder beim wilden noch ruhigen Sex, egal in welcher Stellung. Einfach nichts.. Von Selbstbefriedigung halte ich nichts, will und werde es auch nie ausprobieren...

Wenn ihr jetzt denkt, ich wäre eine absolut grauenhafte Freundin und wie ein so toller Kerl mit jemanden wie mir Zusammensein kann, glaubt mir, dass frag ich mich auch oft.. Aber ich kann ja lieb, nett, fröhlich usw sein, leider hält das nie lange an und meine Stimmungsschwankungen ins negative sind enorm. Er meint auch immer, ich hätte ihn selbstbewusster und offener gemacht. Er ist ja glücklich mit mir (paradox, ich weiß)! Er denkt ja auch, alles was ich vorspiele ist echt und er mag das Gefühl, gebraucht zu werden.

Ansich bin ich super integriert und habe auch Freunde, bis auf meine Familienverhältnisse geht es mir gut.

Bitte, ihr müsst mir helfen. Das ich so bin, wie ich bin macht mich so wahnsinnig fertig. Ich weiß nicht mehr weiter. Mit meinen Freunden will ich da nicht drüber sprechen.
Ich brauche dringend einen Rat...


Lieben Gruß


Imani.


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10. April 2013 um 19:44

...
Schonmal über ne Therapie nachgedacht?!

Und was bitte ist ein Sklavenvertrag?

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11. April 2013 um 10:40

Danke erstmal
für eure Antworten, als erstes möchte ich sagen, ja, ich belüge meine Umwelt. Ich kreiere gern ein Bild von einer Kindheit, welche ich nicht hatte. Ich habe oben ja auch bereits geschrieben, dass ich meinen Freund zu Anfang sehr angelogen habe. Ich hab eben immer wieder behauptet, dass ich viel mit Freunden unternommen habe und viele schöne Erlebnisse hatte, weil es sich so Trist anhört zu sagen: ich durfte nie was machen. Zum Teil glaube ich das mittlerweile auch selbst, aber soll ich mir diese Illusion nicht vielleicht lassen?

Über eine Therapie habe ich natürlich auch schon mehrfach nachgedacht, da ich selber die Notwendigkeit sehe. Das Problem ist, ich lebe in einem Kaff, was man nicht mal Dorf nennen kann. Ich spare mir mühsam meinen Führerschein zusammen, in dem ich nachmittags arbeiten gehe, aber selbst wenn ich den schon hätte, hätte ich noch lange kein Auto und die Busverbindung ist sehr schlecht, so das ich zur nächste Stadt, wo ein Psychologe sitzt fast 2 Stunden Bus fahren müsste und 3 mal umsteigen muss. Das würde ich ja noch so in Kauf nehmen, wenn es mir helfen würde, aber ich habe dort schon mehrfach angerufen und mir wurde mitgeteilt, dass es keine freien Termine geben würde.

Ich war auch bereits beim Jugendamt und habe angedeutet, dass ich familiäre Probleme habe. Ihr Vorschlag war ein Gespräch mit meinen Eltern. Da meine Mutter zu so einem Gespräch nicht in der Lage ist und mein Stiefvater seid ihrer Erkrankung vor 13 Jahren das volle Sorgerecht für mich hat, würde nach dem Gespräch alles nur noch schlimmer werden, da er sehr freundlich sein kann.

Ihn anzuzeigen, wie oft wünsche ich mir die Kraft dazu. Wie oft will ich das wirklich tun.
Wieso ich es nicht mache? - meine Mutter.
Wenn ich ihn anzeigen würde, würden 2 Dinge passieren. Entweder ich werde aus der Familie "rausgenommen" oder aber er geht in den Knast. Beides nicht gerade Traumoptionen für meine Ma. Wenn ich nicht da wäre, würde sich niemand um sie kümmern, niemand kochen, niemand den Haushalt machen, niemand ihn von ihr fernhalten. Wenn er in den Knast geht, habe ich ein finanzielles Problem. Selbst mit der Behindertenrente meiner Mutter, meiner Halbwaisenrente und meinen Nebenverdienst kann ich unseren Haushalt nicht führen. Möglich, dass es weitere finanzielle Unterstützungen geben könnte, aber, wie käme ich denn einkaufen, wenn ich kein Auto habe? Wer kümmert sich um meine Mutter, wenn ich nicht da bin?
Ich pflege sie seid 13 Jahren zuhause, seid 8 Jahren ist sie nicht mehr in der Lage irgendwas im Haushalt zu erledigen, möchte aber partou nicht ins Heim oder zu längeren stationären Aufenthalten. Kann ich durchaus nachvollziehen, denn wer möchte schon in sowas dahin vegetieren? Ich will sie dazu auch gar nicht zwingen!
Da ich in wenigen Monaten, eher Wochen, eh ausziehe, um ein Studium zu beginnen, bin ich auf die Unterstützung meines Stiefvaters angewiesen.

Die Sache mit meinem Freund und dem Sklavenvertrag hat ja nur als Spaß begonnen. Wir haben es ja nie! mehr danach in Betracht gezogen, er ist wirklich ein guter Kerl und ich kann an ihm nichts Tyrannisches erkennen. Aber vielleicht hindert mich ja auch nur meine rosa rote Brille daran...


Ich wollte mich aufjedenfall bei euch für eure Antworten bedanken und auf diese Antworten!


Lg,

Imani.

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11. April 2013 um 12:29

Vielen lieben Dank
Danke, dass ist sehr lieb von dir , ich bin sicher, ich bekomme das irgendwie unter einen Hut.

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