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Ich schäme mich so, "Geliebte" und abhängig von verheiratetem Mann gewesen zu sein

3. Februar 2013 um 1:27

Hallo!

Ich leide unter sozialen Ängsten, d.h., ich habe große Angst vor Kontakt mit Menschen, weil ich Angst habe, sie denken schlecht über mich und werten mich ab. Meine Angst und das daraus resultierende Vermeidungsverhalten sind so groß, dass ich praktisch keine Freunde habe und mich isoliere. Kontakt mit Menschen ist für mich mit großer Anspannung, Unwohlsein und Nervosität verbunden. Ich leide oft unter meiner Einsamkeit.

Während meines Studiums habe ich einen deutlich älteren (verheirateten) Mitstudenten kennen gelernt, der mich angesprochen hat. Ich hatte es bis dahin noch nie geschafft, mit irgendwelchen Gleichaltrigen in der Uni in Kontakt zu kommen, weil ich immer zu ängstlich bin und mich abschotte. Aber dieser ältere Mann hat es trotz meiner ängstlich-abweisenden Art geschafft, mit mir ins Gespräch zu kommen und wollte mit mir ein Referat übernehmen. Das hat mich sehr gefreut, weil ich es bis dahin nie geschafft hatte, mit irgendwem in der Uni Kontakt aufzubauen. Und da ich auch große Angst vor den Seminaren, in denen man Referatgruppen bilden muss, hatte, war er mir eine große Hilfe. Der Mann wollte sich dann auch vor und nach unseren Kursen zum Lernen treffen, damit wir das Referat gründlich vorbereiten konnten.. Das fand ich alles sehr gut, weil ich das Gefühl hatte, er nimmt das alles sehr ernst und sieht in mir eine gute Lernpartnerin. Das Ganze hat mir Selbstvertrauen gegeben, auch wenn dieser Mann deutlich älter als ich war. Aber ich war dankbar für diesen einzigen Sozialkontakt, den ich durch ihn hatte.

Mit der Zeit hat sich aber regelrecht eine Abhängigkeit zu diesem Mann entwickelt. Ich hatte das Gefühl, ich komme gar nicht mehr ohne ihn klar und würde ohne ihn kein Referat mehr schaffen. Der Mann hat dann irgendwann, was ich nie erwartet hätte, versucht mir näherzukommen. Er hat mich einmal beim Lernen einfach geküsst und ich war erst mal total geschockt, hab mich aufgrund meiner immer noch vorhandenen sozialen Ängste aber nicht getraut, ihn wirklich zur Rede zu stellen. Hab einfach nur ablehnend reagiert.. Irgendwann hab ich dann aber das gemacht, was er wollte. Er wollte mich küssen und irgendwann habe ich mitgemacht, weil ich Angst hatte, ich enttäusche ihn und weil ich mich so abhängig von ihm gefühlt habe. Irgendwann kam es auch zu Sex, ich habe mit ihm geschlafen zu Zeiten und an Orten, an denen ich überhaupt keine Lust hatte, alles nur, um ihm zu gefallen. Das Schlimme war ja zusätzlich die Tatsache, dass er verheiratet war.. Jedenfalls war die Abhängigkeit zu ihm so schlimm, dass ich mir sogar verbieten lassen habe, männliche Bekannte zu treffen, weil er dann eifersüchtig gewesen wäre.. Ich habe mich immer mehr von meinen einzigen wenigen Sozialkontakten abgeschottet aus Angst, sie kriegen irgendwas von der Affäre mit... Und ich habe alles gemacht, was er wollte.

Ich schäme mich so für die ganze Sache. Ich komme mir wie eine Schlampe vor oder wie jemand, der sich für das Weiterkommen im Studium prostituiert hat. Aber es bestand so eine große Abhängigkeit zu diesem Mann. Im Nachhinein komme ich mir so bescheuert vor, mir von einem verheirateten (!) Mann, der selbst eine Frau zuhause hat, die er belügt und betrügt, vorschreiben zu lassen, dass ich nicht mal männliche Bekannte treffen darf. Ich habe das Gefühl, diese ganze Sache hat mir meine Würde genommen und mich noch depressiver gemacht.

Wie empfindet ihr das, was ich erzähle? Ich bin seit einiger Zeit in Therapie wegen meinen sozialen Ängsten, aber ich traue mich einfach nicht, diese Affäre, die insgesamt über 2 Jahre ging, anzusprechen. Ich habe solche Angst, dass der Therapeut dadurch auf einmal ein ganz anderes Bild von mir hat und mich für eine egostische Schlampe hält, die anscheinend doch nicht so schüchtern ist, wenn sie sowas Unmoralisches mitgemacht hat... Bitte um eure ehrliche Meinung

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3. Februar 2013 um 3:56

Du bist erwachsen...
... und kannst mit jedem schlafen. Ich sehe dich also nicht als Schlampe.

Dass das alles aus einem Abhaengigkeitsverhaeltnis heraus entstanden ist, wuerde ich zumindest behaupten, kann man dem Typen nicht unbedingt zum Vorwurf machen - immerhin hast du ja auch gut geschauspielert.

Ich wuerde dir nahelegen weniger ueber einen moeglichen Schuldaspekt nachzudenken, sondern viel mehr wie es in deiner Zukunft weitergehen soll. Eine Therapie ist sehr begrueßenswert und eventuell musst du dich deinen Aengsten stellen (zB. ein Debattierclub oder aehnliches waere zu empfehlen).

Viel Erfolg und alles Gute!

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3. Februar 2013 um 12:49

Danke euch
Danke für eure Antworten!

Also die Affäre ist nicht mehr aktuell und schon 2 Jahre her und ich habe eigentlich gehofft, damit abzuschließen. Es war sehr schwer für mich, die Sache zu beenden, weil der Mann mir auch gedroht hat (wenn ich jemandem was von ihm zeigen würde, würde ich nirgendwo sicher sein können).

Ich glaube, ihm war auch bewusst, dass ich sowieso niemandem was erzählen kann, weil ich aufgrund meiner sozialen Ängste sowieso kaum Kontakt zu anderen Menschen hatte. Ich habe immer noch Angst, ihm irgendwo zufällig zu begegnen, sehe auch oft Männer, die ihm ähnlich sehen, und denke, er ist das. Er kommt aus einer anderen Kultur und sagte auch mal, dass in seinem Land Ehre einen hohen Stellenwert hat.. dass manche sogar andere umbringen, nur weil sie in ihrer Ehre beleidigt wurden. Das war nicht direkt auf mich bezogen, aber hat mir Angst gemacht, die Sache einfach abrupt zu beenden, weil er dann vielleicht hätte denken können, ich würde sofort zu irgendwem hingehen oder zu seiner Frau und was erzählen.. Ich war auch total naiv und eingeschüchtert damals.

Ich habe Angst, die Sache beim Psychologen anzusprechen, weil ich Angst habe, dass er mich nicht mehr ernst nimmt. So nach dem Motto: Wenn die sich sogar traut, Geliebte zu sein und sowas mitzumachen, können die sozialen Ängste ja nicht so groß sein, sondern ich habe einfach einen miesen Charakter. Oder dass er sich fragen könnte, warum ich ihm das erzähle, dass das ja keine Relevanz mehr hat für meine jetzige Situation, in der ich immer noch Angst vor Menschen, Gesprächen, Gruppensituationen usw. habe. Dass er denken könnte, ich will ihm nur beweisen, auch mal etwas Seltsames "erlebt" zu haben, indem ich diese Sache erzähle.

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