Home / Forum / Liebe & Beziehung / Ich kann nicht mehr...

Ich kann nicht mehr...

30. Juni 2010 um 18:42 Letzte Antwort: 1. Juli 2010 um 17:27

Hallo allerseits,
ich habe ein Problem, obwohl ich noch nicht mal weiß, ob es erwähnenswert ist. Denn ich weiß auch nicht wo ich anfangen soll.
Ich bin 17 Jahre alt und fühle mich von meinen Eltern vernachlässigt. Mich beschleicht schon seit geraumer Zeit das Gefühl, das sie einfach nicht so viel für mich empfinden wie für meine Schwester. Denn ich denke, dass sie sie einfach bevorzugen und mich in den Hintergrund drängen.
Bevor ich weiter mache, will ich erst mal klarstellen, dass ich meine Eltern nicht schlecht machen will, obwohl es sich wahrscheinlich danach anhören wird, wenn ich fortfahre.
Meine Eltern hatten es nicht leicht mit meiner vier Jahre älteren Schwester. Sie bekam schon während ihres vierten Lebensjahr, so wie ich es mitbekommen habe, Krebs. Es war eine schwere Zeit, die aber nie zur Sprache gebracht wird. Natürlich war es auch ein harter Kampf um ihr Leben, keine Frage, und ich bin auch so froh, dass ich meine Schwester heute in den Armen halten darf.
Und während dieses Zeitraums kam ich dann irgendwann zur Welt.
Wir wuchsen normal und gut behütet auf, hatten bis jetzt eigentlich auch ein schönes Leben, wenn ich ein paar große Aspekte außer acht lasse.
Meine Schwester kam in die Pubertät und der Ärger begann. Es gab nur noch Streit, Prügel und wirre Beschimpfungen. Die drei haben sich immer gestritten, aber dabei nie an mich gedacht. Denn ich habe das alles mit meinen 9/10 Jahren mitbekommen und es hat sich bei mir irgendwie eingebrannt, die Bilder, die Szenarien, einfach alles. Man kann das leider nicht in Worte fassen.
Auf jeden Fall habe ich das dann alles versucht zu verdrängen. Dann kam ich in die Pubertät. Ich war nicht schlimm, vielleicht zickig, bin aber nie abgehauen so wie es meine Schwester getan hat. Natürlich gab es auch mal Streit aber es hat sich alles in Grenzen gehalten. Und dann ist meine Schwester vor Zweieinhalbjahren ausgezogen und seit dem Zeitpunkt geht es mir nicht mehr gut. Es gibt kein Tag mehr, wo ich mich meine Mutter nicht streite. Ich sage ein falsches Wort: sie rastet aus. Ich vergesse das Waschbecken zu putzen: sie rastet aus. Eine Hose liegt bei mir auf dem Boden: sie rastet aus. Ich kann noch so viele belanglose Dinge aufzählen, doch es kann einfach nicht zeigen wie ich mich fühle.
Denn wie kann es sein, dass ich nach dem ganzen mindestens einmal im Monat in meinem Bett liege und mir die Augen ausheule? Das ich mit meinen Eltern nicht normal Kommunizieren kann? Das ich das Gefühl habe, sie nicht richtig zu lieben? Das sich meine Schwester nicht mehr versteht und ich mich nirgendwo melden kann, wenn es mir schlecht geht und ich Probleme habe?
Hat das alles jetzt mit meiner Vergangenheit zu tun, oder bilde ich mir alles nur ein und ist es gut, dass ich das alles runter spiele und versuche es zu verdrängen? Oder stimmt irgendwas nicht mit mir und ich übertreibe mit meinen Annahmen?
Ich werde mich sehr freuen, wenn ich ein paar Antworten bekommen würde.
Mit Freundlichen Grüßen
InnerMeIsChaos

Mehr lesen

30. Juni 2010 um 19:24

Hallo!
wir alle haben das erlebt: streit mit den eltern um eine liegengelassene hose, wegen dem waschbecken etc. etc....das hört sich erstmal "normal" an. das ändert aber nichts daran, dass du dich im moment schlecht fühlst. das ist rauszulesen und auch zu respektieren.
jede familie stellt ein "system" dar und es gibt immer individuelle beziehungen zwischen den einzelnen mitgliedern, hierarchien, kommunikationsmuster....du schreibst, dass es dir schlecht geht, seitdem deine schwester ausgezogen ist. es scheint also so zu sein, dass aus deiner sicht nun, da sie weg ist, etwas fehlt. durch ihren wegzug hat sich eure familie verändert, das "system" hat sich verändert. es ist eine person weniger da. du als schwester musstest dich erstmal damit abfinden und auch mit einer neuen rolle, die dir jetzt zukommt. wo war dein platz vorher? wo ist er jetzt?....

du schreibst, dass du das gefühl hast, deine eltern nicht richtig zu lieben und fühlst dich deshalb schlecht. ich glaube, dass da ganz viele ängste und schuldgefühle in dir sind, die du schon dein leben lang mit dir herumträgst. meine ideen sind: die schwester ist labil, ich bin stabil. ich muss fehler meiner schwester "ausbessern", das habe ich ja schon immer getan. schon meine geburt war ein trostpflaster für die eltern, als es meiner schwester so schlecht ging. ich muss es meinen eltern jetzt besonders recht machen, das war ja schon immer meine rolle.

mein eindruck ist, dass du deine eltern sehr liebst und dich dazu verpflichtet fühlst, eine gute tochter für sie zu sein, weil sie so viel leid erfahren mussten.

es ist sehr schade, dass du dich so schlecht fühlst. aber es ist auch kein wunder. denn bei euch herrscht, wie in vielen anderen familien übrigens auch, ein ungeschriebenes gesetz: über die krebserkrankung der schwester wird nicht gesprochen. dieses schwierige thema wird leider verdrängt und wurde gar nicht verarbeitet. das hängt euch allen wie ein dicker kloß im hals.
auf dir lastet ein unheimlicher druck. der kann nur gelindert werden, indem die dinge angesprochen und gemeinsam besprochen werden. das beste für euch wäre wahrscheinlich die familientherapie.
wenn es dir aber überhaupt nicht möglich zu sein scheint, mit deinen eltern darüber zu reden, dann würde ich dir raten, vielleicht mal alleine zu einem erstgespräch zu einem psychotherapeuten zu gehen. das kostet nichts und ist auch unverbindlich. nur die wartelisten sind halt etwas lang.
aber dann hättest du die möglichkeit, deine ängste mal zu bereden und zu schildern.
ich wünsch dir alles gute!

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
30. Juni 2010 um 20:43
In Antwort auf esra_11891307

Hallo!
wir alle haben das erlebt: streit mit den eltern um eine liegengelassene hose, wegen dem waschbecken etc. etc....das hört sich erstmal "normal" an. das ändert aber nichts daran, dass du dich im moment schlecht fühlst. das ist rauszulesen und auch zu respektieren.
jede familie stellt ein "system" dar und es gibt immer individuelle beziehungen zwischen den einzelnen mitgliedern, hierarchien, kommunikationsmuster....du schreibst, dass es dir schlecht geht, seitdem deine schwester ausgezogen ist. es scheint also so zu sein, dass aus deiner sicht nun, da sie weg ist, etwas fehlt. durch ihren wegzug hat sich eure familie verändert, das "system" hat sich verändert. es ist eine person weniger da. du als schwester musstest dich erstmal damit abfinden und auch mit einer neuen rolle, die dir jetzt zukommt. wo war dein platz vorher? wo ist er jetzt?....

du schreibst, dass du das gefühl hast, deine eltern nicht richtig zu lieben und fühlst dich deshalb schlecht. ich glaube, dass da ganz viele ängste und schuldgefühle in dir sind, die du schon dein leben lang mit dir herumträgst. meine ideen sind: die schwester ist labil, ich bin stabil. ich muss fehler meiner schwester "ausbessern", das habe ich ja schon immer getan. schon meine geburt war ein trostpflaster für die eltern, als es meiner schwester so schlecht ging. ich muss es meinen eltern jetzt besonders recht machen, das war ja schon immer meine rolle.

mein eindruck ist, dass du deine eltern sehr liebst und dich dazu verpflichtet fühlst, eine gute tochter für sie zu sein, weil sie so viel leid erfahren mussten.

es ist sehr schade, dass du dich so schlecht fühlst. aber es ist auch kein wunder. denn bei euch herrscht, wie in vielen anderen familien übrigens auch, ein ungeschriebenes gesetz: über die krebserkrankung der schwester wird nicht gesprochen. dieses schwierige thema wird leider verdrängt und wurde gar nicht verarbeitet. das hängt euch allen wie ein dicker kloß im hals.
auf dir lastet ein unheimlicher druck. der kann nur gelindert werden, indem die dinge angesprochen und gemeinsam besprochen werden. das beste für euch wäre wahrscheinlich die familientherapie.
wenn es dir aber überhaupt nicht möglich zu sein scheint, mit deinen eltern darüber zu reden, dann würde ich dir raten, vielleicht mal alleine zu einem erstgespräch zu einem psychotherapeuten zu gehen. das kostet nichts und ist auch unverbindlich. nur die wartelisten sind halt etwas lang.
aber dann hättest du die möglichkeit, deine ängste mal zu bereden und zu schildern.
ich wünsch dir alles gute!

Mhm.
es hat mich zum nachdenken angeregt. danke. denn ich habe noch nicht den Aspekt betrachtet, dass ich meinen Eltern alles recht machen möchte.
Aber auf einer Weise stimmt es.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
30. Juni 2010 um 21:20
In Antwort auf glenna_12856712

Mhm.
es hat mich zum nachdenken angeregt. danke. denn ich habe noch nicht den Aspekt betrachtet, dass ich meinen Eltern alles recht machen möchte.
Aber auf einer Weise stimmt es.


So'n klitzekleines Bisschen hat mich das an mich erinnert...ich war früher auch immer so ein "Mitläufer"
Bei uns war keiner krank...gottseidank...nur mein Bruder war so ein...öhm...etwas schwieriges Kind...und da ich die Jüngste von Dreien zu Hause war,hab ich mir immer abgekuckt,wofür meine älteren Geschwister immer Ärger bekommen haben..ich war dann immer die "liebe Kleine"
Daraus wurde dann später...du bist doch stark...du schaffst das...du hast doch immer alles gewuppt...
Nur weil ich eben nicht so "auffällig" war...also nicht soviel Aufmerksamkeit von meinen Eltern brauchte...angeblich
Naja...heute weiss ich...meine Eltern lieben mich...auf ihre Art und Weise...sie lieben uns alle...
Das mit dem System in der Familie hat Birnenkopp wirklich gut erklärt...
Ich bin mir ganz sicher,wenn du in einer ruhigen Minute mal mit deiner Mama über dein Empfinden redest,dann wird sie dir das auch sagen...das sie dich liebt...

sky

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
1. Juli 2010 um 16:29
In Antwort auf esra_11891307

Hallo!
wir alle haben das erlebt: streit mit den eltern um eine liegengelassene hose, wegen dem waschbecken etc. etc....das hört sich erstmal "normal" an. das ändert aber nichts daran, dass du dich im moment schlecht fühlst. das ist rauszulesen und auch zu respektieren.
jede familie stellt ein "system" dar und es gibt immer individuelle beziehungen zwischen den einzelnen mitgliedern, hierarchien, kommunikationsmuster....du schreibst, dass es dir schlecht geht, seitdem deine schwester ausgezogen ist. es scheint also so zu sein, dass aus deiner sicht nun, da sie weg ist, etwas fehlt. durch ihren wegzug hat sich eure familie verändert, das "system" hat sich verändert. es ist eine person weniger da. du als schwester musstest dich erstmal damit abfinden und auch mit einer neuen rolle, die dir jetzt zukommt. wo war dein platz vorher? wo ist er jetzt?....

du schreibst, dass du das gefühl hast, deine eltern nicht richtig zu lieben und fühlst dich deshalb schlecht. ich glaube, dass da ganz viele ängste und schuldgefühle in dir sind, die du schon dein leben lang mit dir herumträgst. meine ideen sind: die schwester ist labil, ich bin stabil. ich muss fehler meiner schwester "ausbessern", das habe ich ja schon immer getan. schon meine geburt war ein trostpflaster für die eltern, als es meiner schwester so schlecht ging. ich muss es meinen eltern jetzt besonders recht machen, das war ja schon immer meine rolle.

mein eindruck ist, dass du deine eltern sehr liebst und dich dazu verpflichtet fühlst, eine gute tochter für sie zu sein, weil sie so viel leid erfahren mussten.

es ist sehr schade, dass du dich so schlecht fühlst. aber es ist auch kein wunder. denn bei euch herrscht, wie in vielen anderen familien übrigens auch, ein ungeschriebenes gesetz: über die krebserkrankung der schwester wird nicht gesprochen. dieses schwierige thema wird leider verdrängt und wurde gar nicht verarbeitet. das hängt euch allen wie ein dicker kloß im hals.
auf dir lastet ein unheimlicher druck. der kann nur gelindert werden, indem die dinge angesprochen und gemeinsam besprochen werden. das beste für euch wäre wahrscheinlich die familientherapie.
wenn es dir aber überhaupt nicht möglich zu sein scheint, mit deinen eltern darüber zu reden, dann würde ich dir raten, vielleicht mal alleine zu einem erstgespräch zu einem psychotherapeuten zu gehen. das kostet nichts und ist auch unverbindlich. nur die wartelisten sind halt etwas lang.
aber dann hättest du die möglichkeit, deine ängste mal zu bereden und zu schildern.
ich wünsch dir alles gute!

Ja
vielleicht, wenn man mit ihr das könnte.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
1. Juli 2010 um 17:27
In Antwort auf glenna_12856712

Mhm.
es hat mich zum nachdenken angeregt. danke. denn ich habe noch nicht den Aspekt betrachtet, dass ich meinen Eltern alles recht machen möchte.
Aber auf einer Weise stimmt es.

Finde auch...
.. solche Familiensachen sind megakomplex immer ;S
Das mit dem Liebesmangel ist ne Sache, die kann einen sein Leben lang verfolgen, besonders wenn mans nicht früh genug erkennt, um zu lernen damit klarzukommen.
Auch wenn es nicht leicht war für deine Eltern, es gibt keinen Grund ihre Kinder unterschiedlich gut zu versorgen, bzw. unterschiedlich stark lieben!
Bin auf jeden Fall der Meinung, dass du genauso Ansprüche haben darfst und sollst und musst und vor allem das Recht hast, diese deinen Eltern mitzuteilen und bei ihnen einzufordern!
Finde wenn manche Eltern so überfordert sind, vergessen sie manchmal, das ein sehr junger Mensch meistens noch schwieriger mit solchen Sachen klarkommt und reden sich stattdessen ein, dass es für "die Kleinen" bestimmt nicht so schlimm ist u.s.w. ..
Du musst versuchen, den Platz, den du im Herzen deiner Eltern hast, auszufüllen und auch wachsen zu lassen.
Immerhin bist du die jüngste und du bist es genauso wert unbeschadet dein Leben leben zu können, auch wenn, bzw. doch gerade weil du gesund bist!
Versuche mit ihnen zu kommunizieren sodass sie merken, wo du ihre Unterstützung und Liebe und einfach deine Eltern halt, brauchst und wenn sie der Meinung sind, dass sie keine Kraft mehr haben durch die schlimme Krankheit u.s.w., dann sind sie es dir auf jeden Fall schuldig zu versuchen, sich dafür Hilfe zu holen.
Bist zwar schon fast erwachsen aber ich bin der Meinung, du hast viel zurückstecken müssen.
Versuch dir das zu holen von deinen Eltern was du brauchst, um dein eigenes Leben in Angriff zu nehmen!
Egal was war, das sind deine Eltern dir schuldig.
Und diese Schuldgefühle die du hast, sind das beste Zeichen dafür, inwiefern du schon dein eigenes Leben gelernt hast hinten anzustellen und aufgrund von anderen zurückzustecken.
Im Prinzip wurden damit die Probleme deiner Familie auch ein Stück weit auf deinem Rücken ausgetragen, denn solche Gefühlekommen ja nicht von irgendwo.
Und in deinem Alter bist du deinen Eltern überhaupt nichts schuldig! im Gegenteil und Eltern bekommen immer genau das von ihren Kindern wieder, was sie ihnen mitgegebn haben. Sie sind verantwortlich!
Ist meine Meinung.
Man soll nicht egoistisch sein, aber jeder hat nur ein Leben und niemand hat das Recht dieses irgendwie hinten anzustellen!
Hoffe ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen.
Wünsche euch viel Glück, dass ihr und besonders du schnell wieder glücklich werdet.
LG

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
Du willst nichts mehr verpassen?
facebook