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Ich kann mich nicht mehr verlieben

31. August um 11:27 Letzte Antwort: 31. August um 12:51

Hallo an alle  

Ich habe mich gerade neu in diesem Forum angemeldet, weil ich als sonst eher stiller Mitleser einfach mal um Rat fragen muss. Kann sich hier noch jemand einfach nicht verlieben?

Ich habe mir das als Jugendliche immer so schön vorgestellt und, da ich ahnte ein Spätzünder zu sein, die Beziehungen von Freundinnen aus der Ferne bewundert und analysiert. Irgendwann, so dachte ich zumindest, werde ich auch mit einer rosaroten Brille durch die Welt schreiten und jemanden so richtig toll finden, mit ganz Bauchkribbeln. 

Als ich 22 war habe ich dann auch so jemanden über eine Dating-App kennengelernt. Ich war sofort beim ersten Treffen hin und weg von ihm, wir haben uns auch direkt an diesem ersten Abend geküsst und er hat mich nach Hause gebracht. Seine Art von sich zu erzählen, zu lachen, wie er mich angesehen und mir zugehört hat, all das hat mich total fasziniert. Bei ihm konnte ich sofort ich selbst sein und fand auch die Intimitäten sehr schön. Blöd nur, dass ich damals noch zu sehr in der Annahme lebte, dass man mich gar nicht lieben kann. Ich war in der Schule immer der Außenseiter, hatte bis zu meinem Studium noch nie Freunde und mitmeinen vergleichsweise jungen 22 Jahren ein geringes Selbstwertbewusstsein. Zudem hatte ich auch noch nie vorher jemanden mehrmals getroffen und konnte seine Annäherungsversuche null einschätzen.. So aufgeregt wie ich war, musste ich meine Gefühle natürlich mit meinen beiden Freundinnen teilen und wollte hören, was sie so dazu sagen. Die eine Freundin hat mich sehr verunsichert und mich gewarnt, die andere fand es einfach schön. 

Auf jeden Fall hat mein Kopf dann erstmal die Notbremse gezogen und wir haben uns beim zweiten Date nicht geküsst, weil ich sehen wollte, wie er mir ohne die ganzen Hormone beim Küssen gefällt. Das Treffen war schön, aber deswegen auch ein bisschen verkrampft. Ich war mal wieder durcheinander, und hatte Angst, dass er nur auf das Eine aus sein könnte. Aus lauter Angst habe ich auch förmlich nach Fehlern an ihm gesucht. Gefunden hatte ich so einen Fehler z. B. in einem sehr gefährlichen Hobby von ihm, bei dem ich mir nicht vorstellen konnte das in einer Beziehung akzeptieren zu können. Seine ständigen Nachrichten haben mich zusätzlich in die Enge getrieben. Ich habe versucht ihn etwas an meinem Gefühlschaos teilhaben zu lassen, aber wollte das natürlich auch nicht übertreiben. Im Nachhinein weiß ich natürlich, dass er halt verliebt war und mich so oft wie möglich sehen wollte, aber in dem Moment war ich einfach nur verwirrt. Ich schlidderte dann auch in eine leicht depressive Phase, wie ich sie damals öfter hatte. Nichts diagnostiziertes, nur das Gefühl in einer solchen Phase zu sein. Ich kam kaum aus dem Bett, mein Gedankenkarrusell hat mich sehr runtergezogen und ich habe kaum noch mit ihm geschrieben. Es kam dann trotzdem noch zu einem dritten, wieder sehr schönen Date, bei ihm in der Wohnung. Einfach weil ich mir dachte: das probierst du jetzt doch noch mal aus. Es war superschön, wir haben gekocht und einen Abend auf der Couch verbracht und ich habe mich die ganze Zeit wohl gefühlt.

Trotzdem fiel ich danach in mein Loch zurück und konnte nicht über meinen Schatten springen. Schluss gemacht habe ich dann ganz formal per WhatsApp, in einem Moment purer Verzweiflung. Das tat mir wenig später sehr leid, es war eine Kurzschlussreaktion, weil ich so überfordert war, aber ich hatte auch das Gefühl nicht mehr zurück zu können. Ich hatte ihn sehr verletzt und obwohl mir das von vornherein klar war, tat es mir vor allem deswegen leid. 

Ich habe dann beschlossen an mir selbst zu arbeiten, mich besser kennenzulernen und Erfahrungen zu machen, die man nur als Single machen kann, bevor ich nochmal in so ein Chaos reingerate.

Dazu gehörte, dass ich viel Neues ausprobiert habe: Ich bin zum ersten Mal in ein Flugzeug gestiegen und habe mit einer Freundin zusammen Urlaub gemacht (und das auch noch in Irland!), habe meine Arbeitskollegen besser kennengelernt und ganz viele Ausflüge mit ihnen unternommen. Ich habe Volkshochschulkurse gemacht und neue Freunde gefunden. Außerdem habe ich die Fotografie als festes Hobby etabliert und fest vor, daraus mal nebenberuflich was zu machen. Das ist was Großes für mich, weil ich immer nach etwas gesucht habe für das ich brenne! Ansonsten bin ich einfach ein viel positiverer Mensch geworden, ich bin dankbar für so vieles in meinem Leben und habe mir die Fähigkeit angeeignet, mich ziemlich schnell aus eher depressiven Phasen rauszureißen. Ich weiß jetzt was mir gut tut: Raus in die Natur, Zeit mit Freunden und der Familie, kreativ werden, was backen, auch mal richtig alle Emotionen rauslassen. Ich bin auch viel mutiger, habe sogar mit einer Freundin einen Backpackingtrip durch Neuseeland gemacht und festgestellt, dass ich es liebe. Das wäre für mich vor noch zwei Jahren undenkbar gewesen. Da hätte ich gedacht, dass ich bestimmt sofort Heimwehbekomme. Aber das war gar nicht der Fall, im Gegenteil hätte ich noch lange so weitermachen können! Kurzum: Ich fühle mich zu weiten Teilen wie ein neuer Mensch. Ich gebe sehr gerne Liebe, auch wenn sie nicht immer erwidert wird, und weiß auch, dass ich sie von meinem Freunden und der Familie erhalte. Am wichtigsten: Ich liebe mich selbst, mit meinen Macken und den schwierigen Erfahrungen in meiner Vergangenheit (ständiges Alleinsein, Mobbing).
 
Von Zeit zu Zeit habe ich mich auch von den Dating-Apps wieder hinter dem Sofa hervorlocken lassen und bin mit Männern ausgegangen, oft nur einmal, aber vor allem seit letztem Jahr versuche ich meinen Gefühlen länger eine Chance zu geben. Dabei habe ich herausgefunden, dass ich bis zu einem bestimmten Punkt ziemlich offen für Erfahrungen bin und die Männer auch oft optisch ansprechend und sympathisch finde, aber der berühmte Funke ist nie wieder übergesprungen. Es war im Vorfeld eines jeden Treffens Stress für mich im negativen Sinne, weil ich immer Angst habe, dass sich derjenige in mich verlieben könnte und ich ihn dann enttäuschen muss, weil es bei mir schon wieder nicht klappt.Ich fühle mich da schon sehr verantwortlich, weil ich im Allgemeinen ein sehr empathischer Mensch bin. Mittlerweile habe ich diese Grundeinstellung, weil es einfach schon so oft passiert ist und fühle mich ganz schlimm, wenn es wieder passiert. Wie ein Stein. Wie gesagt finde ich die Männer auch oft sympathisch, aber beim Küssen fühle ich einfach nichts. Da ist auch keine wirkliche Vorfreude auf Treffen, ich vermisse sie nicht, ich finde Nachrichten von ihnen eher belastend und beim Gedanken daran, dass sie das wahrscheinlich ganz anders sehen, wird mir direkt beim Schreiben wieder flau im Magen. 

Ich habe beobachtet, dass ich dann auch eher wieder in eine kurze depressive Phase abrutsche, ohne Online Dating geht es mir kurzzeitig viel besser. – Bis ich mich wieder nach einem Partner sehne. Denn das starke Verlangen nach einer Beziehung habe ich jetzt schon die letzten Monate. Vorher war es für mich eher ein Spiel, ich hatte das Gefühl auch ohne Partner glücklich zu sein, aber jetzt hätte ich halt schon gerne jemanden zum Nachhause kommen. Aber eben auch nicht irgendjemanden – den könnte ich ja vielleicht haben – sondern jemanden, in den ich auch verliebt bin. 

Ist das zu viel verlangt? Brauche ich mehr Geduld? Was soll ich anders machen? Bin ich wirklich so anders und alleine mit dem was ich durchmache? Oder habe ich meine Chance auf die große Liebe schon verspielt? 

Ich würde mich sehr über Ratschläge oder Nachrichten von Gleichgesinnten freuen, wenn es dir denn gibt 🙈 

und ihr seid wirklich Helden, wenn ihr bis hierhin durchgehalten habt! 
 

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31. August um 12:51

Ne nicht zu viel verlangt aber du gibst dich ohne Verliebt sein nicht her 😉

Weil ohne Verliebt zu sein ist es nur ne Farse. 

Was macht der Typ von Früher eig. 
Da hatts ja geknistert ggf ist er auch nicht mehr allzu verletzt 😉

Auch wenns mal scheppert kann man das wieder zusammen Puzzlen. 

Nur den Mut haben sich zu melden und sich zu entschuldigen 😁

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