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Ich kann ihn nicht verlassen, aber es tut so weh. Kein Sex mehr in der Beziehung.

3. März um 12:32

Liebes Forum,

ich (32) befinde mich mit meinem Mann (36) seit vier Monaten vor der Frage, ob, und wenn ja, wie unsere Ehe weitergeht.

Kurz zu uns: Wir sind seit 9 Jahren ein Paar und seit 5 Jahren verheiratet. Wir sind beide voll berufstätig (Ärztin/Anwalt), haben keine Kinder, besitzen eine vermietete Immobilie und wohnen selbst zur Miete.

Zwischen meinen Mann und mich passt kein Blatt Papier, es gibt kein Lebensthema, das zwischen uns steht (bspw.: Möchten wir derzeit keine Kinder), mein Mann ist verständnisvoll und ein sehr liebender Ehemann. Wir verstehen uns blind und sind meiner Ansicht nach ein super Team. Sein Intellekt zieht mich an, ich liebe es, wenn er für uns kocht, die Abende mit ihm und einem guten Glas Wein sind immer sehr schön. Er überrascht mich mit tollen Geschenken, wir machen schöne Ausflüge und haben bisher tolle Urlaube gemacht.

Wir haben ein Problem: Seit rund 2 Jahren haben wir keinen Sex mehr. Und das fehlt mir total, zumal ich oft genug die Möglichkeit gehabt hätte, fremd zu gehen und das Gefühl habe, dass mich viele andere Männer begehren. Ich habe einfach das Gefühl, dass er mich nicht attraktiv findet.

Nun wird es kompliziert: Wie gesagt, seit zwei Jahren haben wir das Problem mit dem Sex. Davor war alles relativ normal, am Anfang natürlich heißer, später mit mehr "Routine", aber das ist in gewissem Maße ja auch normal. Mein Mann hat mir geschildert, seit wann er Probleme hat, mit mir Sex zu haben: An einem Samstagnachmittag saß mein Mann in seinem Arbeitszimmer, schaute Bundesliga und spielte nebenher ein Computerspiel. Also so ein ganz normales "Männderding". An diesem Nachmittag begehrte ich unheimlich, weswegen ich ihm eine Freude machen wollte und in Reizwäsche sein Arbeitszimmer betrat, mich ihm von hinten näherte und meinen Arm um seine Schultern legte. Wir versuchten dann, Sex zu haben, aber es funktionierte bei meinem Mann nicht. Das an sich ist ja nicht schlimm, nur diese Situation hat bei meinem Mann leider etwas ausgelöst:

Wir wir jetzt zwei Jahre später wissen, wurde mein Mann in dieser Situation retraumatisiert. Tief in seinem Gedächtnis waren Dinge verboren, von denen er allenfalls ahnte, aber nicht wusste: Mein Mann wurde von seinem Großvater in seiner Kindheit wohl mehrfach sexuell missbraucht, insbesondere dann, wenn man Mann gerade am Spielen war.

Diese Erinnerungen kamen meinem Mann jedoch nicht sofort. Ich merkte seit diesem Ereignis jedoch, dass er weitere Eigenschaften entwickelte, die - wie wir jetzt wissen - klassische Begleiterscheinungen eines sexuellen Missbrauchs in der Kinderheit sind: Mein Mann fing an zu klammern, er isolierte sich von seinen Freunden, da ich sein einziger Fixpunkt war, er war sauer, wenn ich wochenends arbeiten musste oder mit Freundinnen ausgehen wollte. Er entwickelte Geiz, fing ständig an, über die Zukunft zu grübeln, wurde impulsiv, und hatte schlicht in allem Angst, die Kontrolle zu verlieren und dass es etwas Unvorhergesehenes passieren könnte. Mein Mann entwickelte mannigfaltige Ängste, zuletzt war es so schlimm, dass er noch nicht einmal mehr alleine zum Italiener gehen konnte, um dort bestellte Pizza abzuholen. Alles mussten wir zu zweit machen. Hinzu kam oft Streit. Ich hatte Probleme auf der Arbeit und musste meinen Arbeitgeber wechseln. Das hat uns kurzzeitig vor einen finanziellen und mittlerweile längst ausgewetzten Engpass gestellt. Ich hätte damals die Unterstützung meines Ehemanns gebraucht, aber er reagierte gereizt - wie wir jetzt wissen: Weil er Angst vor unvorhersehbaren Dingen und vor Kontrollverlust hat. Außerdem war er total schreckhaft und erschrak teilweise mehrmals am Tag nur wenn mal irgendwo in der Wohnung mal etwas geknackt hat oder so. Viele von den Eigenschaften hatte er schon immer, aber nicht so stark ausgeprägt, sodass ich sie nicht als pathologischen Zustand wahrgenommen habe, sondern oftmals als liebenswürdigen "Spleen".

Wir lebten dann eine ganze Weile mit den Problemen meines Mannes und verschlossen davor - das räume ich ein - auch unsere Augen. Aber die ganzen Probleme haben in mir sehr viel kaputt gemacht und ich sage auch ganz offen: Ich habe mich während der zwei Jahren Enthalsamkeit von meinem Mann sexuell entwöhnt und frage mich, ob ich überhaupt jemals wieder mit ihm Sex haben möchte.

Als wir das letzte Mal Sex hatte - das war im Juli vergangenen Jahren - war er sehr verkrampft und wirkte sehr angespannt auf mich. Ich meinte danach zu ihm, dass ich fast das Gefühl gehabt hätte, ihn vergewaltigt zu haben. Wenige Tage danach erlitt mein Mann einen Weinkrampf und war einem Nervenzusammenbruch zumindest sehr nahe. Auf einen Schlag löste sich in seinem Unterbewusstsein eine Schublade und mehrere Szenen mit seinem Großvater kamen zum Vorschein. Tatzeiten waren waren ungefähr im Lebensalter meines Mannes von drei bis ca. acht. Sein Großvater ist schon viele Jahre tot. Seit dem Tag befindet sich mein Mann in Therapie und es ist schon vieles besser geworden. Er klammert nicht mehr, kommt alleine klar, klingelt sogar bei neuen Nachbarn um "Hallo" zu sagen. Er ist selbständig und gibt mir den Freiraum, den ich brauche. Er suchte das Gespräch mit seinen Eltern, diese haben überrascht, aber verständnisvoll reagiert. Ich bin darüber sehr froh.

Problem ist derzeit, dass mein Mann absolute Probleme hat, Nähe zuzulassen. Selbst Berührungen am Arm sind ihm zuwider. Er schämt sich, bspw. nach dem Duschen nackt zu zeigen. Ergo: An Sex in der nächsten Zeit ist nicht zu denken.

Aber deswegen weiß ich nicht weiter, mir fehlt der Sex, irgendwie habe ich mir andererseits den Sex schon fast abgewöhnt. Gegenüber meinem Mann habe ich nicht das Gefühl, derzeit Sex mit ihm zu wollen, weil es der Normalzustand ist, keinen Sex mit ihm zu haben. Ich bin aber zu jung, um ein sexfreies Leben zu haben. Ich habe aber auch Angst, ihn zu verlassen. Er kann für seine Probleme nichts, ihm wurde schlimmes angetan. Er ist abgesehen davon ja auch ein toller Ehemann, ich kann mir keinen besseren vorstellen. Es passt ihm übrigen auch alles, mit unseren Familien, mit unseren Hobbies, wir haben ein fianziell sicheres Leben. Andererseits habe ich Angst, nur aus Gewohnheit bei ihm zu bleiben. Aber dem setze ich entgegen, dass ein Großteil von Liebe eben Gewohnheit und absolute Vertrautheit sind - und diese spüre ich. Manchmal denke ich, ich bleibe nur da, um keinen finaziellen Rückschlag zu erleiden, dann denke ich wieder an auch die tollen Dinge, die wir zusammen entdeckt und erlebt haben. Ich weiß einfach nicht weiter und suche bei euch Rat. Derzeit treibe ich exzessiv Sport und trinke zu viel Wein. Mir geht es einfach schlecht.

LG

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3. März um 13:10

Hast Du meit Deinem Mann schon mal darüber geredet?
Oder mit seinem Therapeuten?

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3. März um 13:20

Du erlebst, was viele andere ebenfalls erleben. Es war einfach der falsche Zeitpunkt und vielleicht hat euch beide ein neuer Reiz gefehlt. GV ist sicher nicht alles, würde versuchen erst mal wieder mit Streicheleinheiten anzufangen. So ganz ohne Druck. Vielleicht mit gut warmem Massageöl den Körper des anderen erkunden, jedoch ohne das mehr passiert.
Alles andere würde ich im Moment zur Seite stellen. Wenn er dich liebt, wird es dies auch zulassen können. Auch Männer haben mal Phasen wo gar nichts geht. Macht euch bitte keine Vorhaltungen und geniesst das was möglich ist. Irgendwann kommen dann auch wieder die Gespräche zwischen euch. Glaub mir.

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3. März um 13:54

Sagst du ihm was dir fehlt?

Es gibt jede Menge Platz u Raum für seine Bedürfnisse. 

Wo dürfen deine Platz finden?

Dass Sex isV gv nicht geht derzeit ist eine Sache.  Aber keine Zärtlichkeit? Kein streicheln? Kein einander wieder näher kommen?

was glaubt er denn wie es weiter geht?

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3. März um 14:52
In Antwort auf interpolis

Liebes Forum,

ich (32) befinde mich mit meinem Mann (36) seit vier Monaten vor der Frage, ob, und wenn ja, wie unsere Ehe weitergeht.

Kurz zu uns: Wir sind seit 9 Jahren ein Paar und seit 5 Jahren verheiratet. Wir sind beide voll berufstätig (Ärztin/Anwalt), haben keine Kinder, besitzen eine vermietete Immobilie und wohnen selbst zur Miete.

Zwischen meinen Mann und mich passt kein Blatt Papier, es gibt kein Lebensthema, das zwischen uns steht (bspw.: Möchten wir derzeit keine Kinder), mein Mann ist verständnisvoll und ein sehr liebender Ehemann. Wir verstehen uns blind und sind meiner Ansicht nach ein super Team. Sein Intellekt zieht mich an, ich liebe es, wenn er für uns kocht, die Abende mit ihm und einem guten Glas Wein sind immer sehr schön. Er überrascht mich mit tollen Geschenken, wir machen schöne Ausflüge und haben bisher tolle Urlaube gemacht.

Wir haben ein Problem: Seit rund 2 Jahren haben wir keinen Sex mehr. Und das fehlt mir total, zumal ich oft genug die Möglichkeit gehabt hätte, fremd zu gehen und das Gefühl habe, dass mich viele andere Männer begehren. Ich habe einfach das Gefühl, dass er mich nicht attraktiv findet. 

Nun wird es kompliziert: Wie gesagt, seit zwei Jahren haben wir das Problem mit dem Sex. Davor war alles relativ normal, am Anfang natürlich heißer, später mit mehr "Routine", aber das ist in gewissem Maße ja auch normal. Mein Mann hat mir geschildert, seit wann er Probleme hat, mit mir Sex zu haben: An einem Samstagnachmittag saß mein Mann in seinem Arbeitszimmer, schaute Bundesliga und spielte nebenher ein Computerspiel. Also so ein ganz normales "Männderding". An diesem Nachmittag begehrte ich unheimlich, weswegen ich ihm eine Freude machen wollte und in Reizwäsche sein Arbeitszimmer betrat, mich ihm von hinten näherte und meinen Arm um seine Schultern legte. Wir versuchten dann, Sex zu haben, aber es funktionierte bei meinem Mann nicht. Das an sich ist ja nicht schlimm, nur diese Situation hat bei meinem Mann leider etwas ausgelöst:

Wir wir jetzt zwei Jahre später wissen, wurde mein Mann in dieser Situation retraumatisiert. Tief in seinem Gedächtnis waren Dinge verboren, von denen er allenfalls ahnte, aber nicht wusste: Mein Mann wurde von seinem Großvater in seiner Kindheit wohl mehrfach sexuell missbraucht, insbesondere dann, wenn man Mann gerade am Spielen war. 

Diese Erinnerungen kamen meinem Mann jedoch nicht sofort. Ich merkte seit diesem Ereignis jedoch, dass er weitere Eigenschaften entwickelte, die - wie wir jetzt wissen - klassische Begleiterscheinungen eines sexuellen Missbrauchs in der Kinderheit sind: Mein Mann fing an zu klammern, er isolierte sich von seinen Freunden, da ich sein einziger Fixpunkt war, er war sauer, wenn ich wochenends arbeiten musste oder mit Freundinnen ausgehen wollte. Er entwickelte Geiz, fing ständig an, über die Zukunft zu grübeln, wurde impulsiv, und hatte schlicht in allem Angst, die Kontrolle zu verlieren und dass es etwas Unvorhergesehenes passieren könnte. Mein Mann entwickelte mannigfaltige Ängste, zuletzt war es so schlimm, dass er noch nicht einmal mehr alleine zum Italiener gehen konnte, um dort bestellte Pizza abzuholen. Alles mussten wir zu zweit machen. Hinzu kam oft Streit. Ich hatte Probleme auf der Arbeit und musste meinen Arbeitgeber wechseln. Das hat uns kurzzeitig vor einen finanziellen und mittlerweile längst ausgewetzten Engpass gestellt. Ich hätte damals die Unterstützung meines Ehemanns gebraucht, aber er reagierte gereizt - wie wir jetzt wissen: Weil er Angst vor unvorhersehbaren Dingen und vor Kontrollverlust hat. Außerdem war er total schreckhaft und erschrak teilweise mehrmals am Tag nur wenn mal irgendwo in der Wohnung mal etwas geknackt hat oder so. Viele von den Eigenschaften hatte er schon immer, aber nicht so stark ausgeprägt, sodass ich sie nicht als pathologischen Zustand wahrgenommen habe, sondern oftmals als liebenswürdigen "Spleen".

Wir lebten dann eine ganze Weile mit den Problemen meines Mannes und verschlossen davor - das räume ich ein - auch unsere Augen. Aber die ganzen Probleme haben in mir sehr viel kaputt gemacht und ich sage auch ganz offen: Ich habe mich während der zwei Jahren Enthalsamkeit von meinem Mann sexuell entwöhnt und frage mich, ob ich überhaupt jemals wieder mit ihm Sex haben möchte. 

Als wir das letzte Mal Sex hatte - das war im Juli vergangenen Jahren - war er sehr verkrampft und wirkte sehr angespannt auf mich. Ich meinte danach zu ihm, dass ich fast das Gefühl gehabt hätte, ihn vergewaltigt zu haben. Wenige Tage danach erlitt mein Mann einen Weinkrampf und war einem Nervenzusammenbruch zumindest sehr nahe. Auf einen Schlag löste sich in seinem Unterbewusstsein eine Schublade und mehrere Szenen mit seinem Großvater kamen zum Vorschein. Tatzeiten waren waren ungefähr im Lebensalter meines Mannes von drei bis ca. acht. Sein Großvater ist schon viele Jahre tot. Seit dem Tag befindet sich mein Mann in Therapie und es ist schon vieles besser geworden. Er klammert nicht mehr, kommt alleine klar, klingelt sogar bei neuen Nachbarn um "Hallo" zu sagen. Er ist selbständig und gibt mir den Freiraum, den ich brauche. Er suchte das Gespräch mit seinen Eltern, diese haben überrascht, aber verständnisvoll reagiert. Ich bin darüber sehr froh.

Problem ist derzeit, dass mein Mann absolute Probleme hat, Nähe zuzulassen. Selbst Berührungen am Arm sind ihm zuwider. Er schämt sich, bspw. nach dem Duschen nackt zu zeigen. Ergo: An Sex in der nächsten Zeit ist nicht zu denken. 

Aber deswegen weiß ich nicht weiter, mir fehlt der Sex, irgendwie habe ich mir andererseits den Sex schon fast abgewöhnt. Gegenüber meinem Mann habe ich nicht das Gefühl, derzeit Sex mit ihm zu wollen, weil es der Normalzustand ist, keinen Sex mit ihm zu haben. Ich bin aber zu jung, um ein sexfreies Leben zu haben. Ich habe aber auch Angst, ihn zu verlassen. Er kann für seine Probleme nichts, ihm wurde schlimmes angetan. Er ist abgesehen davon ja auch ein toller Ehemann, ich kann mir keinen besseren vorstellen. Es passt ihm übrigen auch alles, mit unseren Familien, mit unseren Hobbies, wir haben ein fianziell sicheres Leben. Andererseits habe ich Angst, nur aus Gewohnheit bei ihm zu bleiben. Aber dem setze ich entgegen, dass ein Großteil von Liebe eben Gewohnheit und absolute Vertrautheit sind - und diese spüre ich. Manchmal denke ich, ich bleibe nur da, um keinen finaziellen Rückschlag zu erleiden, dann denke ich wieder an auch die tollen Dinge, die wir zusammen entdeckt und erlebt haben. Ich weiß einfach nicht weiter und suche bei euch Rat. Derzeit treibe ich exzessiv Sport und trinke zu viel Wein. Mir geht es einfach schlecht. 

LG

Du bist schockiert und in Depression gesunken, daher eine paartherapie soll gemeinsam mit der Psychotherapie deines Ehemannes laufen

- Aufgrund von der ungünstigen Geschichte deines Ehemannes in seiner Kindheit, bist du schockiert, hast Angst mit ihm zukünftig umzugehen 

- Das Bild des idealen Ehmannes ist in deiner Überzeugung geschüttelt und er ist dir fremd geworden 

- Du hast nicht mehr die Überzeugung und Gefühle der Beschützer und Geborgenheit 

- Dein Verhalten momentan ist ein depressives Verhalten und Flucht Mechanismen 
 

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3. März um 18:21

Stimmt. 2012. In 7 Jahren kann viel passieren 🤪

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4. März um 12:01
In Antwort auf interpolis

Liebes Forum,

ich (32) befinde mich mit meinem Mann (36) seit vier Monaten vor der Frage, ob, und wenn ja, wie unsere Ehe weitergeht.

Kurz zu uns: Wir sind seit 9 Jahren ein Paar und seit 5 Jahren verheiratet. Wir sind beide voll berufstätig (Ärztin/Anwalt), haben keine Kinder, besitzen eine vermietete Immobilie und wohnen selbst zur Miete.

Zwischen meinen Mann und mich passt kein Blatt Papier, es gibt kein Lebensthema, das zwischen uns steht (bspw.: Möchten wir derzeit keine Kinder), mein Mann ist verständnisvoll und ein sehr liebender Ehemann. Wir verstehen uns blind und sind meiner Ansicht nach ein super Team. Sein Intellekt zieht mich an, ich liebe es, wenn er für uns kocht, die Abende mit ihm und einem guten Glas Wein sind immer sehr schön. Er überrascht mich mit tollen Geschenken, wir machen schöne Ausflüge und haben bisher tolle Urlaube gemacht.

Wir haben ein Problem: Seit rund 2 Jahren haben wir keinen Sex mehr. Und das fehlt mir total, zumal ich oft genug die Möglichkeit gehabt hätte, fremd zu gehen und das Gefühl habe, dass mich viele andere Männer begehren. Ich habe einfach das Gefühl, dass er mich nicht attraktiv findet. 

Nun wird es kompliziert: Wie gesagt, seit zwei Jahren haben wir das Problem mit dem Sex. Davor war alles relativ normal, am Anfang natürlich heißer, später mit mehr "Routine", aber das ist in gewissem Maße ja auch normal. Mein Mann hat mir geschildert, seit wann er Probleme hat, mit mir Sex zu haben: An einem Samstagnachmittag saß mein Mann in seinem Arbeitszimmer, schaute Bundesliga und spielte nebenher ein Computerspiel. Also so ein ganz normales "Männderding". An diesem Nachmittag begehrte ich unheimlich, weswegen ich ihm eine Freude machen wollte und in Reizwäsche sein Arbeitszimmer betrat, mich ihm von hinten näherte und meinen Arm um seine Schultern legte. Wir versuchten dann, Sex zu haben, aber es funktionierte bei meinem Mann nicht. Das an sich ist ja nicht schlimm, nur diese Situation hat bei meinem Mann leider etwas ausgelöst:

Wir wir jetzt zwei Jahre später wissen, wurde mein Mann in dieser Situation retraumatisiert. Tief in seinem Gedächtnis waren Dinge verboren, von denen er allenfalls ahnte, aber nicht wusste: Mein Mann wurde von seinem Großvater in seiner Kindheit wohl mehrfach sexuell missbraucht, insbesondere dann, wenn man Mann gerade am Spielen war. 

Diese Erinnerungen kamen meinem Mann jedoch nicht sofort. Ich merkte seit diesem Ereignis jedoch, dass er weitere Eigenschaften entwickelte, die - wie wir jetzt wissen - klassische Begleiterscheinungen eines sexuellen Missbrauchs in der Kinderheit sind: Mein Mann fing an zu klammern, er isolierte sich von seinen Freunden, da ich sein einziger Fixpunkt war, er war sauer, wenn ich wochenends arbeiten musste oder mit Freundinnen ausgehen wollte. Er entwickelte Geiz, fing ständig an, über die Zukunft zu grübeln, wurde impulsiv, und hatte schlicht in allem Angst, die Kontrolle zu verlieren und dass es etwas Unvorhergesehenes passieren könnte. Mein Mann entwickelte mannigfaltige Ängste, zuletzt war es so schlimm, dass er noch nicht einmal mehr alleine zum Italiener gehen konnte, um dort bestellte Pizza abzuholen. Alles mussten wir zu zweit machen. Hinzu kam oft Streit. Ich hatte Probleme auf der Arbeit und musste meinen Arbeitgeber wechseln. Das hat uns kurzzeitig vor einen finanziellen und mittlerweile längst ausgewetzten Engpass gestellt. Ich hätte damals die Unterstützung meines Ehemanns gebraucht, aber er reagierte gereizt - wie wir jetzt wissen: Weil er Angst vor unvorhersehbaren Dingen und vor Kontrollverlust hat. Außerdem war er total schreckhaft und erschrak teilweise mehrmals am Tag nur wenn mal irgendwo in der Wohnung mal etwas geknackt hat oder so. Viele von den Eigenschaften hatte er schon immer, aber nicht so stark ausgeprägt, sodass ich sie nicht als pathologischen Zustand wahrgenommen habe, sondern oftmals als liebenswürdigen "Spleen".

Wir lebten dann eine ganze Weile mit den Problemen meines Mannes und verschlossen davor - das räume ich ein - auch unsere Augen. Aber die ganzen Probleme haben in mir sehr viel kaputt gemacht und ich sage auch ganz offen: Ich habe mich während der zwei Jahren Enthalsamkeit von meinem Mann sexuell entwöhnt und frage mich, ob ich überhaupt jemals wieder mit ihm Sex haben möchte. 

Als wir das letzte Mal Sex hatte - das war im Juli vergangenen Jahren - war er sehr verkrampft und wirkte sehr angespannt auf mich. Ich meinte danach zu ihm, dass ich fast das Gefühl gehabt hätte, ihn vergewaltigt zu haben. Wenige Tage danach erlitt mein Mann einen Weinkrampf und war einem Nervenzusammenbruch zumindest sehr nahe. Auf einen Schlag löste sich in seinem Unterbewusstsein eine Schublade und mehrere Szenen mit seinem Großvater kamen zum Vorschein. Tatzeiten waren waren ungefähr im Lebensalter meines Mannes von drei bis ca. acht. Sein Großvater ist schon viele Jahre tot. Seit dem Tag befindet sich mein Mann in Therapie und es ist schon vieles besser geworden. Er klammert nicht mehr, kommt alleine klar, klingelt sogar bei neuen Nachbarn um "Hallo" zu sagen. Er ist selbständig und gibt mir den Freiraum, den ich brauche. Er suchte das Gespräch mit seinen Eltern, diese haben überrascht, aber verständnisvoll reagiert. Ich bin darüber sehr froh.

Problem ist derzeit, dass mein Mann absolute Probleme hat, Nähe zuzulassen. Selbst Berührungen am Arm sind ihm zuwider. Er schämt sich, bspw. nach dem Duschen nackt zu zeigen. Ergo: An Sex in der nächsten Zeit ist nicht zu denken. 

Aber deswegen weiß ich nicht weiter, mir fehlt der Sex, irgendwie habe ich mir andererseits den Sex schon fast abgewöhnt. Gegenüber meinem Mann habe ich nicht das Gefühl, derzeit Sex mit ihm zu wollen, weil es der Normalzustand ist, keinen Sex mit ihm zu haben. Ich bin aber zu jung, um ein sexfreies Leben zu haben. Ich habe aber auch Angst, ihn zu verlassen. Er kann für seine Probleme nichts, ihm wurde schlimmes angetan. Er ist abgesehen davon ja auch ein toller Ehemann, ich kann mir keinen besseren vorstellen. Es passt ihm übrigen auch alles, mit unseren Familien, mit unseren Hobbies, wir haben ein fianziell sicheres Leben. Andererseits habe ich Angst, nur aus Gewohnheit bei ihm zu bleiben. Aber dem setze ich entgegen, dass ein Großteil von Liebe eben Gewohnheit und absolute Vertrautheit sind - und diese spüre ich. Manchmal denke ich, ich bleibe nur da, um keinen finaziellen Rückschlag zu erleiden, dann denke ich wieder an auch die tollen Dinge, die wir zusammen entdeckt und erlebt haben. Ich weiß einfach nicht weiter und suche bei euch Rat. Derzeit treibe ich exzessiv Sport und trinke zu viel Wein. Mir geht es einfach schlecht. 

LG

Grüß dich. 
Ich weiß sehr gut wie sich das anfühlt da es mir genauso geht.Meine Freundin wurde als Kind ebenfalls missbraucht.
Das wird immer in eurer Beziehung stehen bleiben.
Man hat solche Sehnsucht nach seinem Partner und man vermisst ihn obwohl er genau neben einem liegt.
Du musst dir klar sein ob du deinen Mann wirklich liebst?! ....in guten wie in schlechten Zeiten??

Sehr schön ist es ja das dein Mann Hilfe sucht und annimmt. Das kann ich von meiner Freundin z.b. nicht behaupten. Wir haben zwar Sex...aber eher selten und dann meistens nur wenn sie getrunken hat. Zärtlichkeiten gehen fast immer von mir aus.Man fühlt sich automatisch ungeliebt und abgewießen.Und das nagt extrem an einem.
Versuche erstmal keinen Druck aufzubauen.

Ich weiß das klingt blöd....aber du bist nicht die einzige der es so geht.Können auch gerne mal per PN schreiben.

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5. März um 9:28

Sexueller Missbrauch im Kindesalter ist ganz furchtbar und schlimm. Nun geht jeder Mensch unterschiedlich damit um. Manche kehren es auch um und gehen in die Promiskuität. Ein Klinik aufenthalt in einer psychosomatischen würde ich empfehlen. Du darfst Dir auch bei der schlimmen Vergangenheit Deines Mannes sicher sein über Deine Bedürfnisse sprechen zu können und zu dürfen. Sag ihm was Dir fehlt und überlegt zusammen wie Du es dir holen kannst. Es wird in Zukunft immer wieder Trigger geben die Deinen Mann in die wehrlose Situation des Kindes katapultiert, es gilt für Deinen Mann rauszufinden wie er in Zukunft damit umgeht. Er muss lernen zu vertrauen und zu verstehen das er jetzt " Groß" ist  und nicht mehr "Klein". Ich wünsche Dir und Deinem Mann ganz viel Kraft!
 

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5. März um 9:40
In Antwort auf kathrinmali

Sexueller Missbrauch im Kindesalter ist ganz furchtbar und schlimm. Nun geht jeder Mensch unterschiedlich damit um. Manche kehren es auch um und gehen in die Promiskuität. Ein Klinik aufenthalt in einer psychosomatischen würde ich empfehlen. Du darfst Dir auch bei der schlimmen Vergangenheit Deines Mannes sicher sein über Deine Bedürfnisse sprechen zu können und zu dürfen. Sag ihm was Dir fehlt und überlegt zusammen wie Du es dir holen kannst. Es wird in Zukunft immer wieder Trigger geben die Deinen Mann in die wehrlose Situation des Kindes katapultiert, es gilt für Deinen Mann rauszufinden wie er in Zukunft damit umgeht. Er muss lernen zu vertrauen und zu verstehen das er jetzt " Groß" ist  und nicht mehr "Klein". Ich wünsche Dir und Deinem Mann ganz viel Kraft!
 

Das mit der Promiskuität kann ich nur bestätigen. Das war bei meiner Schwester, die als Kind missbraucht wurde auch so... den Missbrauch in etwas Positives umkehren zu wollen.

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5. März um 9:46
In Antwort auf sonnenwind4

Das mit der Promiskuität kann ich nur bestätigen. Das war bei meiner Schwester, die als Kind missbraucht wurde auch so... den Missbrauch in etwas Positives umkehren zu wollen.

Ja, kommt oft auf die Art des Missbrauch an. War er aggressiv? Und besonders Qualvoll?  Oder wurde das Opfer vom Täter gelobt etc. Wenn letzteres der Fall war ist es häufig so, dass das Kind / Erwachsene Liebe mit Sex verbindet( häufiger bei Frauen). 

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5. März um 9:55
In Antwort auf kathrinmali

Ja, kommt oft auf die Art des Missbrauch an. War er aggressiv? Und besonders Qualvoll?  Oder wurde das Opfer vom Täter gelobt etc. Wenn letzteres der Fall war ist es häufig so, dass das Kind / Erwachsene Liebe mit Sex verbindet( häufiger bei Frauen). 

Er war nicht aggressiv, er war manipulativ. Ja, sie wurde gelobt und belohnt. Er lobte sie stets offen und hob sie hervor. Er bezeichnete sich gerne als harmoniesüchtig, sanft und edelmütig...

(wir wurden über die Hintergründe erst 30 Jahre später von meiner Schwester informiert)

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5. März um 10:01
In Antwort auf sonnenwind4

Er war nicht aggressiv, er war manipulativ. Ja, sie wurde gelobt und belohnt. Er lobte sie stets offen und hob sie hervor. Er bezeichnete sich gerne als harmoniesüchtig, sanft und edelmütig...

(wir wurden über die Hintergründe erst 30 Jahre später von meiner Schwester informiert)

Ja, wenn es so ist, ist es für das Kind besonders verwirrend. Es weiß gar nicht mehr was gut und schlecht ist. Durch Lob und Anerkennung wird das Kind je nach Charakter zum Bedürfnis-Befriedigendem-Sklaven abgerichtet. Kann auch bei GROßER Folter und Qual sein, wobei diese Menschen sich komplett von ihren Gefühlen abspalten. Wie geht Deine Schwester heute damit um? 

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5. März um 10:10
In Antwort auf kathrinmali

Ja, wenn es so ist, ist es für das Kind besonders verwirrend. Es weiß gar nicht mehr was gut und schlecht ist. Durch Lob und Anerkennung wird das Kind je nach Charakter zum Bedürfnis-Befriedigendem-Sklaven abgerichtet. Kann auch bei GROßER Folter und Qual sein, wobei diese Menschen sich komplett von ihren Gefühlen abspalten. Wie geht Deine Schwester heute damit um? 

Sie war lange Zeit orientierungslos, labil, ambivalent. ...Heute ist sie gefestigt, ich würde meinen, sie hat es überwunden.  

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5. März um 10:11

Ja das ist abartig. Wir krank muss man denn sein und sich so was ausdenken??
Da macht man sich die Mühe zu Antworten und auch mal sein eigenes Herz auszuschütten....und dann ist das n Fake. Sehr unschön

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5. März um 10:11
In Antwort auf sonnenwind4

Sie war lange Zeit orientierungslos, labil, ambivalent. ...Heute ist sie gefestigt, ich würde meinen, sie hat es überwunden.  

Es war jemand aus der Familie vermute ich? 

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5. März um 10:22
In Antwort auf kathrinmali

Es war jemand aus der Familie vermute ich? 

Ja, ein 'Onkel' 2. Grades. 

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