Home / Forum / Liebe & Beziehung / Ich glaube mein Partner ist depressiv - Hilfe

Ich glaube mein Partner ist depressiv - Hilfe

29. Juli 2016 um 7:44

Mein Freund und ich kennen uns seit 6 Jahren, sind davon 3,5 Jahre zusammen und wohnen nun seit Kurzem zusammen.
Schon länger habe ich gemerkt, dass etwas mit ihm "nicht stimmt". Er zog sich des Öfteren zurück, litt unter Schlafstörungen und Ruhelosigkeit. Außerdem zog er sich aus Streigkeiten immer so zurück, dass er "flüchtete" bzw. emotional komplett mauerte. Seit kurzem geht er zu einer Verhaltenstherapeutin ( erst 3 Termine absolviert ) und hat so genannte "Notfalltabletten" zur Beruhigung, wenn er wirklich absolut nicht schlafen kann.

Ich hab das immer auf mich bezogen und gedacht, er zieht sich einfach nur von mir zurück aus irgendwelchen Gründen und ihn dementsprechend in die Mangel genommen. Ganz schön egoistisch, oder ?

Vorgestern dann der große Knall: Ein klärendes Gespröch zwischen uns beiden. Er sagte mir, er spüre bereits länger eine Art Leere und Emotionslosigkeit- nicht nur mir gegenüber auch seiner Arbeit und seine Freunden/Familienangehörigen gegenüber. Er hätte die ganze Zeit versucht, dieses Gefühle "vorzugeben" damit niemand traurig sei. Ich denke zwar er hat das eher getan um nicht über das eigentliche Problem zu sprechen bzw. es nicht auszusprechen, aber das lassen wir nun mal dahingestellt.

Ich bin natürlich tieftraurig jetzt gerade,habe große Angst vor Trennung etc...aber von seiner Seite hat er mir zu verstehen gegeben, dass er nicht möchte dass wir getrennt leben, er aber erstmal jetzt gerade keine Emotionen und Arbeit in diese Beziehung stecken kann, weil er mit sich selber nicht zurechtkommt. Und, dass er mir keine Versprechungen machen möchte weil er grad selber nicht weiß wie er aus dieser Leere rauskommen kann.

Ich möchte ihn und uns nicht aufgeben :/ ... Ist jetzt slles vorbei oder schaffe ich es mit Liebe und Geduld da durchzukommen? Ich wäre so dankbar für Ratschläge und Tipps von jemanden der damit Erfahrung hat.

Mehr lesen

29. Juli 2016 um 8:38

Ein bißchen...
nimmst Du ihn damit jetzt wieder "in die Mangel", ehrlich gesagt.

Bei einer psychischen Erkrankung sind die Emotionen, die "Seele" krank. Seelische und emotionale Belastungen sind für ihn damit das, was das Gehen mit einem gebrochenen Bein ist. Wenn er sich jetzt um Deine Ängste kümmern müsste, könntest Du auch gleich einen Menschen mit einem gebrochenen Bein nach einer Bergwanderung fragen...
Er muss sich da erst einmal zurücknehmen und sich um seine Heilung kümmern - so lange das nicht für lange so bleibt (!) und nicht zum Alibi (nicht zu Letzt auch für ihn selbst - die Gefahr ist hoch) wird, sich um nichts mehr zu kümmern, ist das völlig normal und richtig.

Informiere Dich mal über Depressionen. Informiere Dich selbst mal darüber, wie man da z.B. mit Verhaltenstherapie wieder heraus kommen kann. Informiere Dich darüber, was es für ihn bedeutet - aber auch, was es für nahestehende Menschen bedeutet (und da halte ich so ein Forum eher nicht für die optimale Wissensquelle, ehrlich gesagt) - das hilft Dir dabei, ihm zu helfen - und vor allem hilft die Information auch gegen Deine eigenen Ängste.
Eventuell kannst Du auch mit seinem Therapeuten / Therapeutin sprechen, die Dich -in seinem und Deinem Interesse- da unterstützen können. Es gibt sehr viele Selbsthilfegruppen (auch online) für Angehörige u.ä.

Wie kommst Du überhaupt darauf, dass jetzt "alles vorbei" sein sollte?!?

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

29. Juli 2016 um 8:41

Wenn....
..er von einer Emotionslosigkeit spricht die auch mir gegenüber herrscht, und er mir momentan nicht mehr geben kann, dann habe ich natürlich die Vermutung dass er mich verlassen will.

Es ist alles so widersprüchlich :/. Er gibt mir keine körperliche Zuwendung ( bis auf Umarmungen ) aber will gleichzeitig nicht, dass ich gehe. Er sagte er möchte auch, dass es mir gut ginge, nennt mich auch nach wie vor bei meinem Kosenamen. Aber auf der anderen Seite sagt er auch, dass er mir nichts versprechen könne weil er gerade aus seinem eigenen Tief keinen Ausweg sieht.
Ich weiß auch nicht, meine Gedanken kreisen momentan nur darum, ob er vielleicht eine andere Frau kennengelernt hat oder sowas :/ . Wie blöd von mir.

Ich möchte ihm durch die Zeit durchhelfen, aber er lässt mich nicht wirklich an sich ran und deshalb denke ich, dass er sich immer weiter von mir entfernt.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

29. Juli 2016 um 8:58
In Antwort auf kolby_13022149

Wenn....
..er von einer Emotionslosigkeit spricht die auch mir gegenüber herrscht, und er mir momentan nicht mehr geben kann, dann habe ich natürlich die Vermutung dass er mich verlassen will.

Es ist alles so widersprüchlich :/. Er gibt mir keine körperliche Zuwendung ( bis auf Umarmungen ) aber will gleichzeitig nicht, dass ich gehe. Er sagte er möchte auch, dass es mir gut ginge, nennt mich auch nach wie vor bei meinem Kosenamen. Aber auf der anderen Seite sagt er auch, dass er mir nichts versprechen könne weil er gerade aus seinem eigenen Tief keinen Ausweg sieht.
Ich weiß auch nicht, meine Gedanken kreisen momentan nur darum, ob er vielleicht eine andere Frau kennengelernt hat oder sowas :/ . Wie blöd von mir.

Ich möchte ihm durch die Zeit durchhelfen, aber er lässt mich nicht wirklich an sich ran und deshalb denke ich, dass er sich immer weiter von mir entfernt.

Die Emotionslosigkeit...
... gehört bei Depressionen oft zum Krankheitsbild und hat mit Dir gar nichts zu tun.

Du beziehst die Sympthome einer Erkrankung als etwas persönliches auf Dich, das ist eher nicht hilfreich. Für Euch beide nicht.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

29. Juli 2016 um 12:41

Vielen Dank..
..für die ausführliche Antwort. Es ist einfach schwer das Mitanzusehen und auch schwer zu ertragen dass er mich besipielsweise momemtan nicht küsst usw...das höchste der Gefühle ist eine Umarmung. Klar wir schlafen noch zusammen im Bett, aber was heißt das schon :/?

Er war jetzt für ein paar Tage allein weg, zumindest sagt er das. Eine Freundin von mir ist der festen Überzeugung, dass er einfach nur ne andere hat und mor deswegen alles "vorspielt" bzw. die Krankheit als Ausrede nimmt mir nicht näherkommen zu müssen .

Das macht mich alles verrückt!! Ich habe versucht mir einiges über die Krankheit anzulesen um ihn dadurch besser unterstützen zu können. Ich rede ihm auch gut zu, sage ihm, dass er sich nicht selber unter Druck setzen soll und dass ich ihm nichts zumuten werde, was er nicht kann. Jedoch wird alles von dieser Verlustangst überschattet . Was ist wenn er nur mir gegenüber keine Liebe mehr spürt? Was ist, wenn diese Gefühle von ihm nie wiederkommen?

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

29. Juli 2016 um 12:44

Ich habe..
..einfach enorme Angst ihn zu verlieren. Das ist nicht gut, das weiß ich selber. Und die Vernunft in mir sagt mir auch, dass das alles logische Gründe hat und ich mich nun einfach zurückhalten muss. Aber dieser eine Funken Verrücktheit von mir bringt alles wieder ins Wanken und lässt immer die Gleichen Fragen hochkommen .

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

29. Juli 2016 um 13:26
In Antwort auf kolby_13022149

Vielen Dank..
..für die ausführliche Antwort. Es ist einfach schwer das Mitanzusehen und auch schwer zu ertragen dass er mich besipielsweise momemtan nicht küsst usw...das höchste der Gefühle ist eine Umarmung. Klar wir schlafen noch zusammen im Bett, aber was heißt das schon :/?

Er war jetzt für ein paar Tage allein weg, zumindest sagt er das. Eine Freundin von mir ist der festen Überzeugung, dass er einfach nur ne andere hat und mor deswegen alles "vorspielt" bzw. die Krankheit als Ausrede nimmt mir nicht näherkommen zu müssen .

Das macht mich alles verrückt!! Ich habe versucht mir einiges über die Krankheit anzulesen um ihn dadurch besser unterstützen zu können. Ich rede ihm auch gut zu, sage ihm, dass er sich nicht selber unter Druck setzen soll und dass ich ihm nichts zumuten werde, was er nicht kann. Jedoch wird alles von dieser Verlustangst überschattet . Was ist wenn er nur mir gegenüber keine Liebe mehr spürt? Was ist, wenn diese Gefühle von ihm nie wiederkommen?


echt jetzt? "ist der festen Überzeugung, dass er einfach nur ne andere hat und mor deswegen alles "vorspielt" bzw. die Krankheit als Ausrede nimmt mir nicht näherkommen zu müssen " - und es stört sie nicht in ihrer "Logik", dass es vielleicht ETWAS übertrieben wäre, eine Therapie zu machen, um Dir wegen einer anderen etwas vorzuspielen?!?!? Wow.

Auch ich kenne Deinen Freund nicht, aber die Krankheit und ich kann mich @diesendungmitderkatz nur anschliessen. Wenn Du Dich informiert hast, solltest eigentlich auch Du wissen, dass das alles zu den häufigen Symtomen gehört.

Auch dass es als Teil der Therapie sehr oft empfohlen wird, mal ein paar Tage "Auszeit" von *allem* - inklusive Partner zu nehmen. Nicht, um da zu "einer anderen" zu gehen, sondern tatsächlich und nicht nur "angeblich" allein. Weil da mal emotionale STILLE um einen herum ist und man sich so auf sich selbst am besten konzentrieren kann - und das ist für ihn dringendst notwendig.

Ich für meinen Teil sehe jedenfalls nicht den geringsten Hinweis, dass nicht alles uneingeschränkt wahr ist - aber hast Du Dir mal überlegt, wie gemein und verletzend Deine Unterstellungen, er würde "angeblich allein" fahren etc. für ihn in seiner Situation sind?!? (Auch wenn Du sie nicht explizit aussprichst!)
Ja, ich weiss sehr wohl, dass eine psychische Erkrankung eines Partners schmerzhaft und sehr belastend für nahestehende Menschen ist. Keine Frage. Ich weiss sehr wohl, wie es ist, wenn man sich zurückgestossen, abgelehnt fühlt. Wenn er Depressionen hat, dann ist das aber ziemlich sicher (ich kann nicht sicher sein, weil ich ihn nicht kenne!) nicht wahr - und wenn Du Deine Verlustängste da nicht in den Griff bekommst, reißt Du ihn tiefer hinein in die Depression - oder führst die Trennung herbei (!), die Du so fürchtest.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

29. Juli 2016 um 13:27

Ok...
..du bist also selber betroffen und sprichst aus eigener Erfahrung heraus. Es ist heutzutage so schwer weil kaum einer über diese Krankheit gerne spricht, bzw. viele sie nur als "Launen" abtun. Genau das was du beschreibst hat er mir auch gesagt. Er sagte er ist emotional momentan nicht bei mir, wüsste aber, dass ich die Einzige sei mit der er sich wohlfühlt und dass er mich zwar nicht traurig machen will weil er sich damit selber weh tut, aber dass er momentan an seinem Verhalten nichts ändern könne. Wie lange dauern denn diese Schübe bei dir? Ist das immer unterschiedlich?

Für jemanden der die Krankheit nicht kennt ist es total einfach zu sagen: Mensch der will dich einfach nicht mehr! Zieh die Reißleine bevor es zu spät ist.
Und wenn ich dann sage: ich liebe ihn und lasse ihn nicht alleine!! Dann werde ich gleich als bescheuert oder naiv abgestempelt.
Gestern sagte ich ihm, dass ich nun auch wieder an mir selber arbeiten wolle, meine Eifersucht bekämpfen in der Zeit wo er den Freiraum brauchte. Seine Augen haben sich sofort mit Tränen gefüllt und dann hat er mich gefrat ob ich jetzt gehen wolle? Ich sagte nein, ich lasse dir nur Zeit für dich allein. Da war er sichtlich total erleichtert.

Es ist eben alles so widersprüchlich, und wenn man mit jemandem redet der selber davon betroffen ist dann kann man sich diese Gefühle oder besser gesagt "Nicht- Gefühle" einfach besser vorstellen.

Ich will ihm helfen und ihm die Zeit geben die er braucht. Wie macht deine Tochter es denn sich nicht schlecht zu fühlen wenn du einen deiner Schübe hast? Ich brauche eine Strategie, auch wenn es dazu keine Gebrauchsanweisung gibt- ich bin für jede Hilfe sehr sehr dankbar.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

29. Juli 2016 um 13:51

Ich wollte...
...keinem zu nahe treten und bin dankbar dafür, dass ihr hier so ehrlich seid und mich damit auf den Boden der Tatsachen zurückholt.
Ich hatte keine Ahnung davon wie sich die Krankheit auf ihn auswirkt- er hat leider nie wirklich mit mir darüber gesrochen weil er dachte ich könne ihn als schwachen Menschen betrachten. Er hatte wohl sehr große Angst davor ich würde mich trennen und nicht mit ihm alles durchstehen. Aber natürlich will ich das!

In meinen knapp 30 Jahren auf dieser Erde habe ich es mit dieser Krankheit noch nicht zu tun gehabt, deswegen schockiert mich diese Beeinflussung so. Es ist nicht gerecht ihm gegenüber und wie gesagt, ich möchte ihn jetzt keinesfalls mehr unter Druck setzen oder ihm die Pistole auf die Brust setzen. Ich habe da einen langen Atem, und wenn du sagst, dass es Monate dauern kann dann werde ich in der Zeit bei ihm sein.

Ich habe gerade seiner Therapeutin auf Band gesprochen und um ein Gespräch gebeten bzw. Strategien die sie mir aufzeigen kann wie ich gut mit ihm umgehen kann.

Was hilft dir denn in der Zeit eines Schubes? In Ruhe gelassen werden oder eher Ablenkung? Nimmst du Medikamente?

Er hat es mir auchso erklärt...er musste einfach weg von allem und kennt ein schönes kleines Appartement in Österreich durch seine Mama. Und dass er nicht wollte dass ich ihm nachfahre oder Ähnliches weil er mit sich komplett allein sein wollte. Den Gedanken an eine andere Frau muss ich bei Seite schieben...es ist einfach Quatsch und unfair, auch wenn ich es nur denke und nicht sage.

Aber meiner Freundin werde ich auf jeden Fall sagen dass sie mich zukünftig mit so einem Mist in Ruhe lassen soll.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

29. Juli 2016 um 13:59
In Antwort auf avarrassterne1


echt jetzt? "ist der festen Überzeugung, dass er einfach nur ne andere hat und mor deswegen alles "vorspielt" bzw. die Krankheit als Ausrede nimmt mir nicht näherkommen zu müssen " - und es stört sie nicht in ihrer "Logik", dass es vielleicht ETWAS übertrieben wäre, eine Therapie zu machen, um Dir wegen einer anderen etwas vorzuspielen?!?!? Wow.

Auch ich kenne Deinen Freund nicht, aber die Krankheit und ich kann mich @diesendungmitderkatz nur anschliessen. Wenn Du Dich informiert hast, solltest eigentlich auch Du wissen, dass das alles zu den häufigen Symtomen gehört.

Auch dass es als Teil der Therapie sehr oft empfohlen wird, mal ein paar Tage "Auszeit" von *allem* - inklusive Partner zu nehmen. Nicht, um da zu "einer anderen" zu gehen, sondern tatsächlich und nicht nur "angeblich" allein. Weil da mal emotionale STILLE um einen herum ist und man sich so auf sich selbst am besten konzentrieren kann - und das ist für ihn dringendst notwendig.

Ich für meinen Teil sehe jedenfalls nicht den geringsten Hinweis, dass nicht alles uneingeschränkt wahr ist - aber hast Du Dir mal überlegt, wie gemein und verletzend Deine Unterstellungen, er würde "angeblich allein" fahren etc. für ihn in seiner Situation sind?!? (Auch wenn Du sie nicht explizit aussprichst!)
Ja, ich weiss sehr wohl, dass eine psychische Erkrankung eines Partners schmerzhaft und sehr belastend für nahestehende Menschen ist. Keine Frage. Ich weiss sehr wohl, wie es ist, wenn man sich zurückgestossen, abgelehnt fühlt. Wenn er Depressionen hat, dann ist das aber ziemlich sicher (ich kann nicht sicher sein, weil ich ihn nicht kenne!) nicht wahr - und wenn Du Deine Verlustängste da nicht in den Griff bekommst, reißt Du ihn tiefer hinein in die Depression - oder führst die Trennung herbei (!), die Du so fürchtest.

Das..
..war ihr erster Spruch als ich ihr weinend erzählt habe, dass er praktisch vor mir oder uns geflüchtet ist. Irgendwie rechnet niemand damit, dass jemand aus dem Umfeld depressiv sein könnte. Das wird immer abgetan als Stimmungsschwankung etc...

Ich fange gerade erst an mich mit der Krankheit zu befassen, mir war bis vor kurzem nicht klar, dass es so schlimm um ihn steht und er mich eigentlich "belügt" damit es mir nicht schlecht damit geht. Es muss furchtbar kräftezehrend für ihn sein. Deswegen bin ich ja so dankbar, dass ihr mir hier Rede und Antwort steht. Ihr haltet meine Fragen vielleicht für dumm...aber ich muss sie stellen damit ich irgendwie eine Lösung finden kann.

Ich denke die Therapie greift noch nicht richtig bei ihm, er war wie gesagt erst 4 mal da und auch in zu langen Abständen weil die Therapeutin zwischendurch im Urlaub war.

Auslöser dieses Schubes war glaube ich die Planung unseres gemeinsamen Urlaubs. Es ging alles holter die Polter und er fühlte sich plötzlich mit allem überfordert- im Nachhinein betrachtet verstehe ich nun auch warum :/. Es ist genau so wie ihr es beschreibt, es kommt schubweise. Es gibt Wochen wo er mega "anhänglich" ist, gerne mit mir was unternimmt und auch kuschelt bis der Arzt kommt. Und ein paar Tage später ist er dann "erkaltet" kann meine Zuneigung nur schwer erwidern. Es ist ein Hin- und Her für jemanden, der nicht weiß dass er krank ist. Mein Freund ist einfach ein hochsensibler Mensch, Dinge die für andere Kleinigkeiten sind belasten ihn teilweise massiv.

Ich nehme so gerne eure Ratschläge an. Und versuche wirklich stark zu sein und zu bleiben.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

29. Juli 2016 um 14:11
In Antwort auf kolby_13022149

Ich wollte...
...keinem zu nahe treten und bin dankbar dafür, dass ihr hier so ehrlich seid und mich damit auf den Boden der Tatsachen zurückholt.
Ich hatte keine Ahnung davon wie sich die Krankheit auf ihn auswirkt- er hat leider nie wirklich mit mir darüber gesrochen weil er dachte ich könne ihn als schwachen Menschen betrachten. Er hatte wohl sehr große Angst davor ich würde mich trennen und nicht mit ihm alles durchstehen. Aber natürlich will ich das!

In meinen knapp 30 Jahren auf dieser Erde habe ich es mit dieser Krankheit noch nicht zu tun gehabt, deswegen schockiert mich diese Beeinflussung so. Es ist nicht gerecht ihm gegenüber und wie gesagt, ich möchte ihn jetzt keinesfalls mehr unter Druck setzen oder ihm die Pistole auf die Brust setzen. Ich habe da einen langen Atem, und wenn du sagst, dass es Monate dauern kann dann werde ich in der Zeit bei ihm sein.

Ich habe gerade seiner Therapeutin auf Band gesprochen und um ein Gespräch gebeten bzw. Strategien die sie mir aufzeigen kann wie ich gut mit ihm umgehen kann.

Was hilft dir denn in der Zeit eines Schubes? In Ruhe gelassen werden oder eher Ablenkung? Nimmst du Medikamente?

Er hat es mir auchso erklärt...er musste einfach weg von allem und kennt ein schönes kleines Appartement in Österreich durch seine Mama. Und dass er nicht wollte dass ich ihm nachfahre oder Ähnliches weil er mit sich komplett allein sein wollte. Den Gedanken an eine andere Frau muss ich bei Seite schieben...es ist einfach Quatsch und unfair, auch wenn ich es nur denke und nicht sage.

Aber meiner Freundin werde ich auf jeden Fall sagen dass sie mich zukünftig mit so einem Mist in Ruhe lassen soll.

Bei mir...
... hilft tatsächlich erst einmal Distanz und Rückzug sehr. Ruhe. Teilweise auch bis hin zur Realitätsflucht, um mich erst einmal völlig abzuschirmen. Da muss ich nur aufpassen, dass ich es damit nicht übertreibe, kann sehr schnell mehr schaden als nutzen und ist soooooooo unglaublich verlockend.
Dann versuche ich mich gezielt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Immer noch alles außen vor, was sehr anstrengend ist (ich kann zu meinem Glück Gepräche auch aussen vor lassen, Freunde und Bekannte wissen, dass ich mich in solchen Zeiten völlig zurück ziehe, mein Mann kommt zum Glück damit klar und nimmt es nicht persönlich) - aber wieder aktiver werden. Mir unseren Hund schnappen und 3h lang spazieren gehen beispielsweise.
Dann die Kommunikation auf leichterem Wege wieder aufnehmen (meint: erst einmal schriftlich und mit Menschen, bei denen ich nicht sehr darauf achten muss, was ich sage und wie ich es sage).
Mein Leben auf den Prüfstand stellen und mit dem Rotstift durchgehen. Was in meinem Alltag kostet mich viel Kraft, ist aber eigentlich gar nicht so wichtig wie anstrengend? - Das ist eine super Chance, um mal gründlich aufzuräumen - und oft genug auch notwendig. Ausserdem führt es auf diesem Wege positiv, konstruktiv "ins Leben zurück".
Mehr darauf achten, sich selbst zu belohnen und sich auszugleichen gehört da ebenfalls dazu.

Auch bei mir ist es nicht "nur" eine depressive Episode, auch ich gehöre zu denen, bei denen es regelmässig in Schüben wieder kommt. Auch ich habe gelernt damit umzugehen und bin damit in 1-2 Wochen aus einem Schub wieder heraus. Bevor ich das gelernt hatte, ging ein Schub über mehrere Monate. (damals mit Medikamenten, ohne... möchte ich mir nicht vorstellen...)

Noch ein Wort zu Deiner Freundin: Menschen, die so reagieren, sind genau der Grund, warum so wenige über die Krankheit sprechen. Sich für Krankheitssymptome noch rechtfertigen und entschuldigen zu müssen, sich wegen einer Krankheit gegen verletzende Anschuldigungen wehren zu müssen ist echt etwas, was niemand braucht.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

29. Juli 2016 um 14:26
In Antwort auf kolby_13022149

Das..
..war ihr erster Spruch als ich ihr weinend erzählt habe, dass er praktisch vor mir oder uns geflüchtet ist. Irgendwie rechnet niemand damit, dass jemand aus dem Umfeld depressiv sein könnte. Das wird immer abgetan als Stimmungsschwankung etc...

Ich fange gerade erst an mich mit der Krankheit zu befassen, mir war bis vor kurzem nicht klar, dass es so schlimm um ihn steht und er mich eigentlich "belügt" damit es mir nicht schlecht damit geht. Es muss furchtbar kräftezehrend für ihn sein. Deswegen bin ich ja so dankbar, dass ihr mir hier Rede und Antwort steht. Ihr haltet meine Fragen vielleicht für dumm...aber ich muss sie stellen damit ich irgendwie eine Lösung finden kann.

Ich denke die Therapie greift noch nicht richtig bei ihm, er war wie gesagt erst 4 mal da und auch in zu langen Abständen weil die Therapeutin zwischendurch im Urlaub war.

Auslöser dieses Schubes war glaube ich die Planung unseres gemeinsamen Urlaubs. Es ging alles holter die Polter und er fühlte sich plötzlich mit allem überfordert- im Nachhinein betrachtet verstehe ich nun auch warum :/. Es ist genau so wie ihr es beschreibt, es kommt schubweise. Es gibt Wochen wo er mega "anhänglich" ist, gerne mit mir was unternimmt und auch kuschelt bis der Arzt kommt. Und ein paar Tage später ist er dann "erkaltet" kann meine Zuneigung nur schwer erwidern. Es ist ein Hin- und Her für jemanden, der nicht weiß dass er krank ist. Mein Freund ist einfach ein hochsensibler Mensch, Dinge die für andere Kleinigkeiten sind belasten ihn teilweise massiv.

Ich nehme so gerne eure Ratschläge an. Und versuche wirklich stark zu sein und zu bleiben.

Hm...
... je nach dem wie schlimm es bei ihm ist, wäre er mit einer stationären / teilstationären Therapie vielleicht auch besser dran als mit "1x die Woche die 45 min" - mit Urlaubspause...

Ja, Auslöser ist oft eine tatsächliche oder gefühlte Überlastung.

Das mit dem "vor mir verborgen" hat auch meist etwas mit "vor sich selbst verborgen" zu tun.
Du schreibst. dass keiner damit rechnet, dass jmd. im persönlichen Umfeld betroffen ist - nun, stell Dir das aus der Sicht des Betroffenen vor.
Fast alle haben auch nicht mehr Informationen als Du darüber, wenn sie zum ersten Mal vor dem Problem stehen (und leider einige auch beim zweiten oder dritten mal nicht).
Also wie sieht das aus? Man merkt, dass man keine Kraft mehr hat, keine "Energie". So "ausgelutscht" und auch emotional leer - oder tief traurig (oder beides im Wechsel, ist von Person zu Person unterschiedlich).
Die Wahrnehmung ändert sich. Total. Das ist aber eine fiese Sache, denn von "innen" kann man nicht unterscheiden, ob jetzt alles "finsterer" aussieht, oder ob es "nur" so ERSCHEINT.
Damit Du Dir das vorstellen kannst: Stell Dir vor, Du hast einen super Tag. Dein innerliches Lächeln reicht von Ohr zu Ohr. Eine Person, die Du sehr magst, kommt zu Dir und sagt "hey, tolles Kleid, ist das neu?" Soweit so gut. Jetzt ändere die Situation. Einer dieser Tage, wo alles, was man anfasst auch prompt auf dem Boden landet und auch sonst alles schief geht. Noch dazu eine Person, der Du nicht weiter traust, als Du sie werfen kannst - und schon wird aus dem gleichen Satz, sogar mit der gleichen Absicht gesprochen, in Deinen Ohren etwas ganz anderes.
Was bei einer Depression passiert, ähnelt dem in vielerlei Hinsicht sehr. Alle Eindrücke, die man bekommt, sind quasi "schwarz gestrichen" - bei dem was mir hilft, sind daher auch immer Techniken zum "Reset" der Wahrnehmung dabei, die hatte ich unten vergessen.

Urgs, jetzt bin ich aber abgeschweift... however: aus all dem muss man auch erst einmal SELBST den Schluss ziehen, dass man krank ist und nicht faul. Oder blöd. Oder ein Weichei und Warmduscher und Schattenparker, der sich nicht mal ein bißchen zusammen reissen kann. - Auch daher kommt viel von dem "vor anderen verbergen".

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

29. Juli 2016 um 15:03

Ist...
..wahrscheinlich von Patient zu Patient unterschiedlich mit den Medikamenten, oder? Er hat ja wie gesagt jetzt etwas zur Nachtruhe bekommen, falls er Abends so rastlos ist, dass nichts mehr geht dann soll er davon eine Tablette nehmen. Ich weiß jetzt nicht ob da noch "richtige" Anti- Depressiva hinterherkommen, ich denke je nachdem wie er oder die Krankheit sich entwickeln wird das noch eine - vorübergehende - Lösung sein.

Ich denke das mit dem eingestehen "der Schwäche" ist so eine Sache. Wenn von einem immer erwartet wurde, dass man DER MANN im Haus ist und zu Hause früh den Verdiener ersetzen musste, dann hatte man eben nie die Möglichket schwach zu sein, bzw. es hat einem keiner gestattet.
Bei mir darf er "schwach" sein, er darf weinen wenn ihm danach zu Mute ist. Es ist bestimmt sehr schön für dich zu wissen und gibt dir Kraft, dass du weißt dass die Menschen in deinem Umfeld Verständnis haben und dich auf eine für dich annehmbare Art "auffangen" können.
Ich muss mir dieses Vertrauen von ihm erst erarbeiten, ihm zeigen, dass er sich bei mir zu 100 Prozent fallen lassen kann.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

9. August 2016 um 17:01
In Antwort auf avarrassterne1

Die Emotionslosigkeit...
... gehört bei Depressionen oft zum Krankheitsbild und hat mit Dir gar nichts zu tun.

Du beziehst die Sympthome einer Erkrankung als etwas persönliches auf Dich, das ist eher nicht hilfreich. Für Euch beide nicht.

Danke...
...für eure zahlreichen Antworten.

Inzwischen sehe ich - jedenfalls im Moment - die Sachen etwas klarer. Ich denke nicht, dass die Depression bei ihm der Ursprung des Übels ist. Er hatte letzte Woche ein paar gute Tage, hat sich wirklich bemüht und sich nicht vor mir Zurückgezogen. Aber dann kams wieder....nachts ist er weggeblieben um Zeit für sich zu haben.
Er hat mir geschrieben dass ich mir bitte keine Sorgen machen solle dass er einfach Abstand und Zeit für sich braucht aber nichts Schlimmes tut sondern einfach an nichts denken will.

Natürlich habe ich mir Sorgen gemacht!!

Der erste Gedanke war wieder: Er ist bei einer anderen Frau!! Ich hab ihm das natürlich nicht vorgehalten, warum auch?? Es hätte alles nur verschlimmert.

Es hat ihn an diesem Tag wieder voll erwischt, eine Panikattacke aus dem Nichts. Ich glaube er leidet noch an keiner Depression, wenn es so weitergeht dann wird das aber bald der Fall sein.
Er ist so verzweifelt darüber, dass es ihm so mies geht, weint unkontrolliert wenn er zur Ruhe kommt. Das einzige womit er sich ablenkt ist die Arbeit, Freude daran hat er aber momentan keine.

Und ich denke Ablenkung löst das Problem ja auch nicht, oder? Ich mache mir wirklich schlimme Sorgen, mache mir auch Sorgen um mich selber muss ich gestehen.

Ich weiß, für jemanden der Krank ist müssen meine Gedanken absolut unverständlich sein....ich frage mich eben des Öfteren ob ich mir das alles nur "schön" rede um die Beziehung irgendwie aufrecht zu erhalten.

Viele aus meiner Umgebung sind der festen Überzeugung, dass er zwar wirklich eine Angststörung hat, dass diese aber nichts mit seiner Emotionslosigkeit zu tun hat oder mit dem "Abhauen". Sie glauben es einfach nicht und reden mor täglich ein ich solle mich trennen weil der Grund für sein Verhalten eine andere Frau in seinem Leben ist.

Das ist so anstrengend immer dagegen zu halten- und es bleibt bei mir hängen. Ich kann und will das alles nicht glauben, zumal das alles nicht zusammen passt!! Man kann den Leuten immer nur vor den Kopf gucken und er hat mir in den ganzen Jahren keinen Grund gegeben so etwas zu denken. Das ist immer nur dieses ABER WENN !! in meinem Kopf .

Ich bin so verzweifelt gerade.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Diskussionen dieses Nutzers
Du willst nichts mehr verpassen?
facebook

Das könnte dir auch gefallen