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Ich brauche dringend Hilfe/Ratschläge für Beziehung

Letzte Nachricht: 28. April um 22:32
28.04.21 um 0:32

Guten Abend zusammen,

ich bin seit einem halben Jahr mit meinem Freund zusammen und dieser entpuppt sich in jeder Lebenslage mehr und mehr zum "Chaoten" und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich damit umgehen soll...
Es hat ziemlich lange gedauert, bis wir endlich zueinander gefunden haben und ich war auch wirklich sehr glücklich, als wir es dann endlich hinbekommen haben, aber je länger wir zusammen sind, desto größer werden meine Zweifel, ob das alles so gut gehen kann...

Punkt 1:
Mein Freund haust (leben kann man das nicht nennen) in einer richtigen Siffbude (bitte entschuldigt meine Ausdrucksweise).
Überall liegt Müll, alles ist dreckig und chaotisch und es ist wirklich einfach nur ekelig.
Er hat keinen Sammelzwang, aber im weitesten Sinne könnte man es schon als Messie-Haushalt bezeichnen (damit ihr eine Vorstellung bekommt).
Ich bin damit immer ganz offen umgegangen und habe ihm nie das Gefühl gegeben, dass er sich vor mir dafür schämen müsste, habe gelegentlich bei ihm übernachtet und nie etwas negatives gesagt.
Das einzige was ich getan habe war, dass ich ihm vorgeschlagen hatte, ihm doch beim Aufräumen helfen zu können, was er abgelehnt hat mit den Worten, das wäre seine Aufgabe.
Passiert ist aber in dem halben Jahr nichts.
Die meiste gemeinsame Zeit verbringen wir bei mir, da ist er auch alles andere als unordentlich, hilft im Haushalt usw...

Nun habe ich zwei große Probleme an dieser Situation:
Das erste Problem ist, er hat eine Tochter, die alle zwei Wochen am Wochenende bei ihm schläft und für die tut es mir wahnsinnig leid.
So sollte ein Kind nicht leben müssen, auch nicht wenn es nur zur Übernachtung ist (denn mehr macht er mit seinem Kind dort auch nicht).
Das zweite Problem was ich habe ist, dass ich ja schon einen Parter für die Ewigkeit suche mit dem ich auch irgendwann mal zusammenziehen möchte und da habe ich echt Angst vor weil ich nicht weiß wie er bzw. sein weiteres Verhalten sich entwickelt.

Punkt 2:
In seiner Wohnung liegen ganz viele ungeöffnete Briefe herum (Von Gerichten, Inkasso-Büros usw).
Er weiß nicht das ich es weiß und dieser Punkt bereitet mir ebenfalls große Bauchschmerzen.
Zum Einen hatte ich ja meine "Zukunftsplanung" schon angesprochen und nun habe ich Angst, dass er hoch verschuldet ist und zum Anderen weiß ich nicht wie ich damit umgehen soll.
Soll ich ihn darauf ansprechen?

Das sind definitiv 2 Punkte die mich zum Nachdenken bringen und bei denen ich mich wirklich frage, ob das mit uns eine Zukunft hat.
Es gibt auch noch 2,3 andere "Baustellen", aber die passen besser in andere Rubriken.

Versteht mich nicht falsch, ich will jetzt nicht vor den Problemen wegrennen und den "einfacheren" Weg gehen...
Ich würde ihm da ja sehr gerne helfen, aber ich weiß einfach nicht, wie ich das anstellen soll.

Habt ihr eine Idee oder seid / wart ihr vielleicht in einer ähnlichen Situation?
 

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28.04.21 um 8:16

Hallo schnatterinchen,

erst einmal finde ich es toll, dass du ihn akzeptierst und versuchst ihm zu helfen. Das ist trotzdem eine verzwickte Situation und ich würde das nicht auf die leichte Schulter nehmen und kann deine Bedenken absolut nachvollziehen.
Ich war auch mal in einer Beziehung mit einem Mann, der große psychische Probleme hatte (schwierige Kindheit etc.) und hinzu kam auch ein Alkoholproblem, das er nicht erkannt hat. Ich habe versucht ihm zu helfen und ihn überredet zu einem Psychologen zu gehen und ihn in allem unterstützt, bis ich selber nicht mehr weiter wusste und mich so verloren habe, weil es nur um ihn ging und meine Gefühle nie relevant waren. Irgendwann kann man dann nicht mehr, weil man immer wieder enttäuscht wird. Man denkt immer, dass man den Partner retten kann, aber meine Erfahrung zeigt, dass es nicht so ist.
Wenn du ihn liebst und er dich glücklich macht und du stark genug bist, um ihm beizustehen, dann ist das wirklich toll. Aber das würde ich mir sehr gut überlegen, weil man sich selbst so schnell aus den Augen verliert und das hat meiner Meinung nach nichts mit wegrennen zu tun.
Ich hoffe, dass du deinen Weg findest und eine Entscheidung triffst, die für dich persönlich die richtige ist.

LG 

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28.04.21 um 11:43

Vielen Dank für deine Antwort.

Ja, das ist so ein Punkt über den ich mir auch meine Gedanken mache.
Ich möchte gerne helfen, aber in wie weit schaffe ich das selber?!
Am frustrierendsten fänd ich glaube ich, wenn ich mich wer weiß wie bemühe, aber es nicht voran geht, wenn also einfach nichts passiert.

Ich bin schon bereit dazu mit ihm auch schwierige Wege zu gehen, es ist auch nicht der erste schwierige Weg...
Aber er muss da natürlich auch mitziehen, sonst kann ich nicht viel machen.
Und ich glaube wenn ich sehe, dass es wirklich was bringt, dann kann ich meinen Energieaufwand auch besser für mich selbst verkraften.

Muss das immer alles so kompliziert sein?!

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28.04.21 um 12:25

Hallo
ich weiß, dein Wille ihm zu helfen, ist nur gut gemeint. Aber es gibt mehrere Hacken.

1.
Messiales Verhalten kann das Symptom einer psychologischen Störung sein. Das Ding ist, das die meisten Messies nicht zu faul sind, sondern mit jedem Gegenstand  ( auch wenn es Müll ist ) eine unterbewusste Beziehung aufbauen und es ihnen deshalb weh tut, sich von den Dingen zu trennen.Oft sind davon Menschen betroffen die in Kinderzeiten beispielsweise keine feste Bezugsperon hatten oder lieblos aufgewachsen sind. Sie neigen dann dazu jedem Gegenstand einen Wert zu geben.
Dies trifft auch zu, wenn Erwachsene als Kinder nichts besitzen durften, kein eigenes Spielzeug hatten, ständig teilen mussten usw.
Ich fürchte also, das hier nur ein Therapeut helfen kann, der du ja nicht bist und in dessen Rolle du auch nicht schlüpfen solltest.
Und einen Therapeuten muss er aus eigenen Antrieb aufsuchen und das geschieht oftmals erst, wenn die Betroffenen gravierende Nachteile wegen dieser Verhaltensweisen erfahren.

2.In der Tat muss er aus eigenem Antrieb Hilfe finden. Solange ihn eine geliebte Person dazu antreibt oder ein aussenstehender Mensch dazu überredet, solange wird er jede Therapie abrechen.

3. Begib dich nicht in die Rolle einer "Helferin" oder "Therapeutin" denn wenn du erst einmal  in seinem Unterbewusstsein in die Rolle geraten bist, wird eure Beziehung scheitern. Denn für gewöhnlich habe ich eine erfüllte Partnerschaft mit einer geliebten Person und nicht mit einer "Therapeutin".

4. Was das Thema mit seiner Tochter angeht. Das geht dich nichts an. Es ist seine Tochter und nicht deine, auch wenn es dir weh tut.  Versuche auch hier nicht, irgendwelche Rollen zu übernehmen oder Aufgaben zu sehen oder Missionen zu vermuten. Die bist NUR seine geliebte Partnerin, nicht mehr und nicht weniger. Die bist nicht seine Pflegerin, nicht seine Therapeutin, nicht seine Lehrerin,nicht seine Managerin, nicht seine Verwalterin und auch nicht die Mutter des Kindes. Sie allein hat hier das Recht zu handeln.

Du siehst, du kannt im Grunde genommen gar nichts machen. Du kannst ihm EINMAL Hilfe anbieten und dann nur abwarten, ob er aus diesem Angebot etwas Gutes macht. Wenn er nichts daraus macht, dann hat du alles getan, was du tun konntest.

Ob das eine Beziehung aushält ist eine schwierige Frage...es ist genauso, wie mit Alkoholikern oder Süchtigen. Wir wissen nie, wie lange die Liebe das trägt.
 

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28.04.21 um 12:45

Das war jetzt nicht die Antwort die ich hören wollte, aber leider wirst du wohl Recht haben damit.

Ich werde das Gespräch noch einmal suchen und vielleicht auch einmal konkret meine ganzen Bedenken äußern und hoffe dann einfach, dass sich irgendetwas tut.

Vielleicht hat er auch einfach Angst, ich könnte ihn verlassen wegen seiner Probleme und verheimlicht mir deshalb die ganzen Briefe zum Beispiel.
Verstehe ich sogar, ist ja auch ein sehr unangenehmes Thema.

Ein Therapeut würde ihm sicher helfen, aber das er da hin geht halte ich aktuell eher für unwahrscheinlich.
Das wird ihm zu blöd sein und er wird denken, dass es schwachsinnig ist und er das nicht braucht.

Ich kenne ihn jetzt natürlich noch nicht so lange, aber ich habe seine Eltern ja schon kennen gelernt und ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass er in seiner Kindheit zu wenig Liebe bekommen hat.
Was aber vielleicht sein könnte... Er hat noch zwei jüngere Brüder, die er als Jugendlicher immer mitschleppen musste, das wäre spontan das einzig "schlechte" was mir zu seiner Kindheit spontan einfallen würde.
Aber so gut kenne ich seine Kindheit nicht deshalb kann ich da jetzt auch nur spekulieren...

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28.04.21 um 16:16

Also, ich hatte mal eine Mitbewohnerin die war genauso. In ihrem Zimmer war es auch mega dreckig und es hat übelst gestunken. Als es dann zm Eklat kam wegen mehrfach nicht überwiesenen Nebenkosten, habe ich bei ihr auch viele ungeöffnete Briefe von Inkasso etc. gefunden. Sie hatte mir das alles verschwiegen. Seit ihre Mutter gestorben war und sie deren Schulden übernehmen musste, war ihr einfach alles total über den Kopf gewachsen und sie hatte ihr Leben absolut nicht im Griff, deshalb wurden die Briefe auch gar nicht mehr aufgemacht, sondern geschlossen in einer Schublade aufbewahrt.
Was du schilderst lässt bei mir die Alarmglocken schrillen. Weißt du von irgendeinem Trauma, das dein Freund vielleicht noch nicht verarbeitet hat, der Verlust eines nahestehenden Menschen vielleicht? Ich würde ihn jedenfalls konfrontieren und zur Not auch härtere Worte anschlagen, versuche ihm deutlich zu machen, dass du ihn bei jedem Schritt unterstützen es aber nicht hinnehmen wirst, wenn sich dauerhaft nichts ändert, da es so unmöglich ist, eine gemeinsame Zukunft aufzubauen.
 

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28.04.21 um 22:32

Ja da gibt es einen Verlust in seinem Leben.
Als er noch recht jung war (um die 20) ist seine damalige Freundin bei einem Autounfall ums leben gekommen.
Ob er das noch nicht verarbeitet hat kann ich nicht sagen.
Ich weiß auch gar nicht ob er nach diesem Ereignis irgendwann mal eine eigene Wohnung alleine bewohnt hat (außer die aktuelle jetzt).
Ich weiß, dass er mit seiner damaligen Freundin (nicht die, die bei dem Unfall gestorben ist, sondern die Mutter seiner Tochter) zusammengelebt hat und nach der Trennung kurz mit seinem Bruder zusammengewohnt hat.
Seit 2016 ca hat er nun seine eigene Wohnung und ich befürchte, seitdem gammelt da auch alles so vor sich hin.
Allerdings habe ich bei den Briefen gesehen, dass sie sowohl an ihn als auch an seine damalige Freundin addressiert waren, zumindest dieses Chaos führt er schon länger.
Ob er in anderen Wohnungen auch so ein Chaot war weiß ich nicht.
Bei mir ist er immer ordentlich.

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