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Hirn verloren???

6. Juni 2016 um 15:50

Liebe Leute,

ich schreibe euch, obwohl ich direkt weiß, was ich tun und lassen muss. Ich muss abwarten. Trotzdem will ich mich prüfen.
Es begab sich, dass ich vor guten sechs Wochen von einem Arbeitskollegen (andere Abteilung) privat angetextet wurde. Es ging um ein gemeinsames Hobby, was wir allerdings nie zusammen ausgeübt haben und von dem wir wussten, dass der andere es auch macht. Wir kennen uns schon über ein Jahr, haben einen gemeinsamen Kollegenkreis, aber er ist mir vorher nie besonders aufgefallen.
So fingen wir an zu schreiben, vor sechs Wochen, und haben damit bis heute nicht aufgehört. Das Hobby ist natürlich fast kein Thema mehr. Wir haben uns näher kennengelernt und festgestellt, dass wir beide in unseren kinderlosen Ehen nicht glücklich sind. Beide haben Partner, die sich offensichtlich nicht mehr um uns Bemühen, obwohl wir beide zu Hause gesagt haben, dass wir uns das Leben so nicht vorgestellt haben. Wir sind beide sehr aktiv, sind fleißig, hilfsbereit, machen viel im Haus, im Garten, unternehmen gerne was. Wir haben die gleichen Vorstellungen und Erwartungen vom Leben und vom Partner. Von Liebe und Leidenschaft.
Wir schreiben täglich, er fängt morgens an und nach der Arbeit schreibe ich, wenn ich kann und nicht unter Beobachtung stehe.
Mit der Zeit erzählten wir uns, dass wir beide jemandem begegnet sind, den wir toll finden, von dem man aber nicht weiß, was der andere denkt. Er hat mir erzählt, dass er seine Frau schon mal betrogen hat, allerdings nur, für Spaß im Bett. Eine Beziehung mit der Anderen stand von beiden Seiten aus nicht zur Debatte.
Nach dem ersten gemeinsamen Kaffeetrinken haben wir dann erkannt, okay, wir meinen uns gegenseitig. Beim zweiten Kaffeetrinken haben wir uns geküsst, beim dritten Mal hat er mich zum Abschied mit Zunge geküsst - ich dachte, ich falle in Ohnmacht. Auf einmal sehe ich ihn mit ganz anderen Augen.
Wir haben uns nun zu unserem Hobby verabredet, weil das am Arbeitsplatz langsam gefährlich wird mit uns. Wenn wir uns im Freundeskreis treffen, grabbeln wir schon unterm Tisch. Dies soll nächste Woche stattfinden, und wenn wir weniger große Klappe haben, als ich hoffe, werden wir uns nächste Woche anspringen. Wir haben uns fest vorgenommen, nicht miteinander zu schlafen. Wirklich. Der Hobbyort bietet dafür auch Gottseidank nicht so viele Möglichkeiten. Trotzdem können wir ein bisschen intimer werden, als sonst.
Was unsere Zukunftsaussichten angeht, habe ich schon vor der Erkenntnis, dass wir uns mögen, gefragt, was er will. Er meint, was passieren soll wird passieren. Ich habe ihn dann später gefragt, ob er ins Bett will oder mehr. Die Antwort darauf war leider nicht so eindeutig, wie sie hätte sein können... Er schließt nichts aus. Das würde ich natürlich auch sagen, wenn ich jemanden in Bett kriegen wollte. Ich hingegen habe ihm gesagt, dass ich mehr will. Nun kennt er meine Absichten etwas besser, als ich seine. Alles kann, nix muss. Ich will alles.
Er meint, wir hätten das Recht, glücklich zu sein. Und wenn unsere Partner uns missachten, obwohl wir uns bemerkbar machen, dann haben wir das Recht uns selbst glücklich zu machen. Er und seine Frau wissen voneinander nicht, ob sie sich betrogen haben. Ihm wäre es inzwischen auch egal, sagt er. Ich habe meinen Mann noch nie betrogen, und hadere ernsthaft mit mir, was ich da gerade tue, obwohl es mir unfassbar gut tut, wenn ich meinen Arbeitskollegen sehe. Ich habe vorher nicht mal jemand anderen geküsst. Nun habe ich das getan und nicht einen Funken schlechtes Gewissen.
Nun komme ich mir auch dumm vor. Zwischen uns besteht ein Unterschied von 12 Lebensjahren. Er ist 18 Jahre liiert, ich 9 Jahre. Ich weiß, ich bin nicht bei Disney, es wird nicht alla "er verlässt seine Frau für mich wir reiten in den Sonnenuntergang". Ich frage mich, ob er es ernst mit mir meint, oder ob er nur jemanden fürs Bett sucht. Ich wäre bereit alles aufzugeben. Er auch, wenn es das sein soll. Was man ja nicht weiß, jetzt, nach 6 Wochen. Klaro. Ich weiß, eine Garantie gibt es nie. Aber diese Ungewissheit, was daraus wird, macht mich wahnsinnig. Spielt er mit mir? Allerdings denke ich auch, was für eine Gefahr ich für ihn und seine Beziehung bin, könnte ich schließlich alles auffliegen lassen. Das muss er ja genauso wissen.
Ich fliege nächste Woche Freitag in den Urlaub. Vorher wollen wir unserem Hobby nachgegangen sein. Da er nun kränkelt, ist nicht klar, ob es klappt. Macht er einen Rückzieher, will er nicht mehr?
Wie haltet ihr diese Ungewissheit aus?
Mir wäre es schon lieber, würde er unser Treffen nächste Woche absagen. Dann würde ich sagen alles klar, war nett mit dir, lassen wir es sein, Du willst es nicht, ich will zu viel, whatever. Ich würde versuchen, im Urlaub wieder ruhig zu werden und zu Hause noch mehr Kraft aufzubringen, um meine Ehe zu retten, die ich jetzt gerade eigentlich nicht mehr will, für die ich jahrelang soviel gegeben habe und nichts zurückbekommen habe.
Ich weiß, ich bin egoistisch und ich muss abwarten, was sich ergibt. Auch Leute, die Single sind und Partner kennen lernen wissen nicht, was wird mit ihm/ihr?. Nun musste ich auch 9 Jahre keine Leute kennen lernen. Wird man dabei immer so furchtbar? Ich kann mich selbst nicht ertragen, wie ich von morgens bis abends an ihn denke. Immerhin ist er ehrlich und verspricht mir nicht das Blaue vom Himmel.
Wie habt ihr diese Schwebephase überstanden?

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6. Juni 2016 um 17:28

Absprung
Hallöchen, ja, ich weiß, in so einem Zustand der Verliebtheit sollte man sowieso keine großen Entscheidungen treffen.

Ich möchte geliebt werden. Und nicht alleine sein. Trotzdem weiß ich, mit meinem Mann werde ich nicht glücklich und mit dem Kollegen hab ich auch keine Garantie.
Natürlich könnte er ein Absprungsmann sein, wer weiß das schon.

Immerhin, mein Arbeitskollege steckt in der gleichen Situation. Alles aufgeben, oder alles so lassen? Es ist nicht leicht. Aber ich werd irgendwas machen müssen.

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4. September 2016 um 16:23

Ein paar Monate später...
... Sitze ich zu Hause auf dem Sofa, und zwar allein.
Nachdem ich ewig gezweifelt hatte, ob ich das Richtige tue, Herz und Kopf sich stritten und ich dem Kollegen deutlich machte, dass es mir ernst ist und wir es lieber sein lassen sollten, wenn er nicht will (doch, ich sei nur so ungeduldig) habe ich mich darauf eingelassen und mir die Zukunft mit ihm ausgemalt. Wir haben uns getroffen, Zeit miteinander verbracht, geschmust, geknutscht usw. Zwei Wochen, nachdem ich also alle Zweifel aufgegeben habe, hat er mir dann gesagt, er sei nicht in mich verliebt. Zu dem Zeitpunkt haben wir schon 12 Wochen am Stück getextet. Was für ein Schlag ins Gesicht, wenn man endlich vertraut.
Das ist nun zwei Wochen her und ich habe in der Zeit viel von anderen Kolleginnen gehört.. Die eine hat - während sein Ehefrau im Sterben lag - was mit ihm angefangen und er hat sich derweil in die Nächste verguckt, die ihn aber nicht verheiratet wollte (die Frau starb nicht). Mit dieser textet er täglich, wusste ich nicht, dass Mann zu sowas in der Lage ist, die beiden sehen sich auch häufiger, was bei ihm und mir immer ein Manko war. Sie hofft seit 2 Jahren, dass er sich trennt. Stattdessen hat er noch was mit mir angefangen. Was für ein Schlag auch für sie.

Nichtsdestotrotz habe ich vor einer Woche auch meinen Mann verlassen. Unabhängig von dem anderen. Ich liebe ihn nicht mehr, es klappt einfach nicht.
Jetzt bin ich alleine und was soll ich sagen? Es ist natürlich nicht leicht, denn ich habe irgendwie zwei Baustellen: ich habe verlassen und ich wurde verlassen. Trotzdem bin ich zuversichtlich, obwohl es hart ist. Nach dem Regen kommt die Sonne.

Wer hätte gedacht, dass ich mal in so eine Situation geraten würde? Niemand. Mein Leben sah bis auf ein, zwei Ungewissheiten vorherbestimmt aus.. Es kommt immer anders als man denkt.

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