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Hinwegsehen über Gewalt und Demütigung?

29. Oktober 2012 um 11:12

Hallo alle zusammen,

ich bin neu hier, würde mich aber sehr über Eure Meinungen freuen, da ich echt verzweifelt bin.

Seit 5 Monaten kommt es zwischen meinem Freund und mir gelegentlich zu Ausschreitungen wenn wir streiten. Sicher 1x im Monat werden unsere Streits sehr heftig, und mein Freund rastet dann ziemlich aus. Er fängt dann an, mich auf das tiefste zu beschimpfen und nimmt mich an den Armen und schüttelt mich. Dabei ist sein Griff allerdings so fest, dass ich am nächsten Tag blaue Flecken habe. Oftmals reißt er mich auch an den Haaren.

Ich bleibe dann in dieser Situation meist sehr ruhig, sage ihm, dass er mir weh tut und mich los lassen soll, aber das hilft nicht. Er ist wie in Trance.

Am Ende unseres Streits ist er am Boden zerstört, weint, entschuldigt sich, sagt mir wie leid es ihm tut, dass er so austickt und wie sehr er sich dafür selber hasst, weil er mich eigentlich so sehr liebe. Aber er meint auch, dass ich ihm provoziere und oft nicht merke, wenn er mir "Zeichen" gibt, dass es für ihn zuviel wird. Ich setze mich mittlerweile viel mit dem Thema auseinander, lese auch viele Psychologie Bücher und versuche meine Art der Kommunikation zu ändern (Gewaltfreie Kommunikation). Aber wird das je helfen? Ich weiß es nicht....

Es ist jetzt nicht so, dass er mich schlägt, aber er wird schon handgreiflich und ich bin mit dieser Situation ehrlich gesagt überfordert. Ich bin in einer glücklichen Familie aufgewachsen ganz ohne Gewalt und habe auch in früheren Beziehungen so etwas noch nie erlebt.

Eigentlich war ich immer eine Frau die gesagt hat, dass sie sich so etwas nie gefallen lassen würde und jetzt? Jetzt habe ich diesen Mann an meiner Seite, den ich sehr liebe, von dem ich weiß, dass dieses Verhalten aus seiner Kindheit herrüht, die sehr schwierig und leider nicht so perfekt war wie meine und wenn er dann weint und sich entschuldigt, dann verzeihe ich ihm. Immer und immer wieder. Und manchmal schäme ich mich dafür, dass ich zu schwach bin um meine eigenen Prinzipien umzusetzen.

Das Problem ist auch, dass es immer wieder passiert. Die Handgreiflichkeiten werden nicht schlimmer, es ist immer das selbe Schema, dennoch fühle ich mich mittlerweile gedemütigt in diesen Situationen und missachtet. Vor allem wenn er mich dann auch zu schimpfen anfängt. Ich habe dann das Gefühl, dass er jeglichen Respekt verloren hat. Er meint, dass sei nicht der Fall und er sage das aus Ärger und Wut heraus. Aber das macht für mich keinen Unterschied.

Ich bin mittlerweile verzweifelt, seelisch am Ende. Denn glücklich sind wir beide nicht in dieser Situation. Es hängt wie ein Schatten über uns.

Ist so ein bisschen ein festerer Griff in Ordnung? Manchmal zweifel ich schon an meiner Einstellung zu "Was ist normal und was nicht?"
Andererseits habe ich Angst, dass es schlimmer werden könnte. Dass die Grenze überschritten wurde und ich irgendwann mal eine Ohrfeige bekomme.

lg funnysunflower

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29. Oktober 2012 um 17:37


Sobald er handgreiflich wird ist es ein körperlich Übergriff und das ist sicher nicht ok

Aus der Situation gibt es nur einen Ausweg: Er muss eine Therapie machen. Offenbar verliert er ja die Kontrolle über seine Handlungen wenn er das eigentlich nicht will. Also auf zum Psychotherapeuten.

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31. Oktober 2012 um 0:10

Die Antwort darauf kennst du
Er tut dir weh und dafür gibt es keine Entschuldigung. Spätestens hier wird eine Grenze überschritten die du nicht tolerieren solltest.
Natürlich könnten wir jetzt darüber diskutieren worauf sein Verhalten resultiert und ob du eventuell deinen Beitrag dazu leistest, aber für mich persönlich stellt sich diese Frage nicht.
Er allein ist für sein Handeln verantwortlich.

Die einzige Frage die du dir noch stellen solltest ist, ob es dir oder jemand anderen gelingt ihm die Grundzüge der Menschlichkeit beizubringen.

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1. November 2012 um 11:07

Nein.
"frauen neigen leider öfters dazu unbewusst zu provozieren. das weiß ich von mir selbst und ich habe länger gebraucht um das einzusehen. "
Einfach nur nein. Da gibt es nichts einzusehen. Wenn er gewalttätig wird, ist er derjenige, der Hilfe braucht. Natürlich gibt es auch emotionale Gewalt, aber das steht auf einem völlig anderen Blatt, und solch eine Verallgemeinerung ist in jedem Fall falsch.

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1. November 2012 um 11:15

Hilfe.
Dein Freund braucht Hilfe, und du auch. Ob das normal ist oder nicht, ist bei Beziehungsfragen immer schwierig, aber Gewalt gegen andere auszuüben ist nicht normal und es ist in jedem Fall etwas, gegen das er etwas tun muss, wenn ihr damit beide unglücklich seid.

Körperliche Übergriffe- und dazu gehört Schütteln und an-den-Haaren-ziehen musst sich niemand gefallen lassen und gehören nicht in eine Beziehung zwischen Erwachsenen Menschen. Verhält er sich seinen Kollegen in der Firma gegenüber auch so, wenn die sich streiten? Ich denke nicht. Das ist also nicht normal.

Wenn man gewalttätige Eltern hatte nimmt man natürlich Dinge aus der Kindheit mit, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Ungesunde Dynamiken und Gewalt als Reaktion gehören bei einigen dazu, das ist aber noch lange keine Entschuldigung, selbst gewalttätig zu werden. Er braucht also dringend professionelle Hilfe, um das in den Griff zu kriegen, und in Streits solltest du dich in Sicherheit bringen, bevor es eskaliert, denn solche Situationen können eskalieren.

Leider sind gewalttätige Personen sehr gut darin, andere emotional zu manipulieren, um sie zum Bleiben zu bringen oder sich selbst die Schuld an den Übergriffen zu geben - das muss bei deinem Freund nicht so sein, es kann aber sein, dass es etwas ist, was er aus der Kindheit mitgebracht hat.

Ich würde dir dringend raten, nicht einfach in dieser Situation zu bleiben. Du brauchst Hilfe, ihr braucht Hilfe. Trennt euch, wenn er eine Therapie gemacht und seine Kindheit soweit verarbeitet hat, dass er nicht mehr gewalttätig ist, könnt ihr immer noch wieder zusammenkommen.

Im Moment ist er eine Gefahr für seine Partner und sollte nicht in einer Beziehung sein, da er bei anderen physischen und emotionalen Schaden anrichtet.

Viel Glück.

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11. November 2012 um 22:25

Nein!
Du bist nicht verpflichtet, irgendwelche zeichen deines freundes zu deuten, nur damit er nicht austickt. Allerdings ist dein freund verpflichtet, seine zeichen selbst zu deuten, damit er dich körperlich nicht angeht, sondern vielleicht einfach den Raum verlässt, wenn es ihm zu viel wird.

Schütteln, festhalten, bis die Arme blau sind und Haare ziehen ist gewalt. Punkt. Da gibt es keine Entschuldigung und keine Ausrede für. Nicht du solltest dir Hilfe suchen, sondern er.

Egal wie sehr du ihn verbal provozieren magst, er hat dich körperlich nicht anzugehen! Wenn er das nicht in den griff bekommt, was offensichtlich der Fall ist, so sollte er ganz fix eine Therapie machen. Er überschreitet bereits eine Grenze, die nächste ist eine Ohrfeige, ein blaues Auge oder ine gebrochene Nase, weil du seine Zeichen nicht gesehen hast. das musst du auch nicht - das ist seine Aufgabe, diese Zeichen besser zu bemerken, zu kontrollieren und ggfls. den Raum zu verlassen.

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