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Harte Arbeit - aber wie lange noch?

13. Oktober 2007 um 0:43

Nach einigen seltsamen beziehungen und verliebtheiten, die emotional sehr geladen waren und teilweise in gewalt oder psychoterror ausgeartet sind, lebe ich nun seit über einem jahr in einer schönen, aber für mich nicht einfachen beziehung. Nachdem ich von den ständigen streitereien im job und auch privat die nase voll hatte, habe ich mir bewusst eine auszeit genommen und nur teilzeit gearbeitet in einem streßreduzierten job. ich war ausgeglichen, hatte keinen streß mehr und genug zeit, das gehirn einzuschalten und angemessenzu reagieren. meine kindheit war von abstrusen leistungsforderungen und emotionaler kälte geprägt, dass zieht sich durch meine familie. für mich stellt das keine lebensqualität dar, ich will so nicht leben.

aber so wie jetzt fühle ich mich auch nicht wohl. ich bin eher dominant, mein partner eher zurückhaltend und harmoniebedacht. er lehnt sich an, nutzt mich als antrieb und motivator - was mir aber nicht besonders gefällt, da ich damit nicht gut zurechtkomme. einerseits hätte ich genügend ideen, ihm auf die sprünge zu helfen, andererseits muß er seinen weg selber finden. dass hat jetzt noch nichts mit gewalt zu tun, aber das gleichgewicht ist erheblich in schieflage. ich verdiene genug für zwei, er tut sich schwer, auf ein existenzminimum zu kommen. er bewundert mich - ich lehne das aber ab, ich bin beruflich einigermaßen erfolgreich, möchte deswegen aber keine "führungsrolle" in meinem privatleben. mich kostet es unheimliche arbeit, andere menschen nicht als konkurrenten, sondern als team zu sehen, ich bin mir nicht sicher, ob mir das immer gelingt.

in unserer beziehung setze ich die akzente, da er lange, lange zeit wartet und zögert bzw. nicht offensiv entscheidet. nun ist es aber schwer, einem passiven menschen mit vergleichsweise wenig antrieb die plattform für solches verhalten zu bieten. halte ich mich aus seinen lebensentscheidungen heraus, hat es für ihn den anschein der ignoranz. höre ich zu, erzählt er mir immer wieder von seinen ständig kreisenden gleichen gedanken, das führt zu nichts. schlage ich lösungen vor, ist er erst total begeistern und steigt dann tage später halbherzig ein.

ich habe alle freiheiten, dürfte sogar fremdgehen, will das aber nicht. sein verhalten artet teilweise in übertriebene bewunderung aus.

nun überlege ich, ob eine räumliche trennung für einige zeit (er zieht wieder
zu seinen eltern, wo er vorher gewohnt hat) hilft. ich hoffe ja, dass er dann nach einiger zeit ohne meine anwesenheit (auslandsjob ist schon in aussicht) seinen weg geht und wir uns später wieder treffen, wenn die kräfteverteilung ausgeglichen ist.
ich liebe ihn und hänge sehr an der beziehung, genieße auch den alltag, der so wunderschön ist. ich habe aber auch angst, dass alles noch weiter in die schieflage gerät und ich irgendwann wieder mit bösen beschimpfungen, körperlicher gewalt, ausrastern konfrontiert bin.

im moment sehen unsere auseinandersetzungen noch gesund aus, d.h. jeder darf sich erstmal den frust von der seele reden ohne den anderen zu beleidigen und danach wird ein kompromiss gefunden. ich stecke auch gerne zurück, einerseits aus respekt, andererseits, weil ich ein anderer mensch werden will.

im berufsleben fühle ich mich momentan aber total unterfordert, wie zur tagesbetreuung, und habe nach einem jahr in diesem job die kündigung eingereicht, nachdem man mir zwei mal eine andere stelle zugewiesen hat, die mich auch nach einarbeitung und den möglichen erfolgen einfach nicht glücklich gemacht hat. irgendwie bin ich ein streß-junkie auf entzug. sobald ich eine möglichkeit habe, da wieder einzusteigen (hitzige debatten mit verwandten) bin ich wieder in meinem element und ich kann mich hinterher selbst nicht mehr leiden.

meinen mitmenschen scheint mein verhalten (einerseits durchsetzungsstark, andererseits zurückhaltend und eher schüchtern - der kontrollierte teil, um die anderen nicht ständig über den haufen zu rennen) ein seltsames rätsel zu sein.

wie lange dauert es, solches verhalten dauerhaft in den griff zu kriegen und trotzdem noch die lebensfreude zu empfinden, die die gelebte durchsetzungskraft mit sich bringt?

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13. Oktober 2007 um 9:13

Oha...
Was Du schreibst, kommt mir sehr vertraut vor.

Vorab, keine Ahnung wie lange es dauert... ein Leben lang?

Zur Zeit stecke ich in einer schweren Krise, denn nach vielen Beziehungsdramen dachte ich dazugelernt zu haben, als ich an meinen Ex geriet. Er war so anders, so nett, folgte mir blind, aber er war schwach bzw. meine Art machte ihn schwach, das glaube ich heute zumindest. Ich fühlte mich chronisch unterfordert, steckte all meinen Elan in meine Arbeit, um dort einen Ausgleich zu finden. Unfair, aber als ich über Trennung nachdachte, warf ich ihm innerlich vor mit ihm den Langeweiletod zu sterben, wenn ich diesen Schritt nicht tue.

Ein neuer Partner folgte, ein Goldstück, er steht mit mir auf einer Ebene, er ist der erste Mann, den ich sein lassen kann, wie er ist und der mich sein läßt. Er schont mich aber auch nicht und steht mir zwar bei, aber nimmt mir meine Probleme nicht, genauso gibt er mir seine nicht ab.... perfekt..., durch ihn kann ich ganz nah bei mir selbst sein und das fordert mich so sehr, dass ich momentan kurz vor dem Zusammenbruch stehe, denn da ist ja auch noch der Job, der mich sehr vereinnahmt. Bisher war es ein Ungleichgewicht zwischen Privat- und Berufsleben, immer Streß, kam beides zusammen, habe ich mich von einem Bereich getrennt, um im anderen zur Höchstform aufzulaufen, das alles war prima, um mich vom Tiefsten... mir selbst abzulenken.

Nächstes Jahr werde ich eine Therapie beginnen

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