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Haben wir eine chance - soziale unterschiede wie himmel und hölle

27. Oktober 2010 um 20:10

Hallo Zusammen,

ich bin Lara (28 Jahre), bin ledig und habe eine kleine Tochter. Ich brauche dringend fachmännischen Rat in einer Herzensangelegenheit.

Vor ca. 12 Wochen habe ich mich eigentlich aus langer weile in einem Chat angemeldet. Ich lernte viele nette Leute kennen, u.a. einen jungen Kerl (26 Jahre). Anfangs haben wir sporadisch ab und an geschrieben, irgendwann sind unsere Gespräche persönlicher und intensiver geworden. Mit der Zeit stellten wir fest, dass wir so unterschiedlich wie Himmel und Hölle sind. Ich führe im Gegensatz zu ihm ein spießiges Leben (Kind, Job, große Wohnung usw.) er verkappte Kindheit (Schläge, Missbrauch?), Hartz4, Alkoholabhängig, macht illegale Sachen, lebt in den Tag hinein. Trotz dessen oder vielleicht auch deshalb haben wir nächtelang geschrieben und uns unterhalten. Ich mag ihn unheimlich gern und er löst in mir irgendwie einen Beschützerinstinkt aus. Er sagte, dass ich die einzigste Person bin, der er jemals soviel von sich anvertraut hat. Irgendwann sind wir vom Schreiben ins Telefonieren übergangen. Mittlerweile ist es so intensiv, dass wir seit ungefähr 2 Wochen täglich ca. 4-6 Std. telefonieren und ich anfange durchzudrehen, wenn ich ein paar Stunden nichts von ihm gehört habe.

Ja jetzt zu meinem eigentlichen Problem: Ich scheine mittlerweile echt mehr Gefühle für ihn zu empfinden als mir eigentlich recht ist und dränge auf ein Treffen. Er sieht mich vordergründig als seine Ersatzmama und sagt vernünftigerweise, dass er erstmal sein Leben auf die Reihe bringen muss, bevor er ernsthaft eine Beziehung eingehen möchte. Seine momentane Einstellung: Ihm gefällt es so wie es ist, ich bin 24 Std. für ihn erreichbar, er kann sich bei mir ausheulen, ich gebe ihm Halt und Sicherheit und bin das Liebste was er je kennengelernt hat. Es ist so, dass er nie wirklich Zuneigung, Liebe und Geborgenheit hatte. Es fällt ihm z.B. unheimlich schwer zu sagen Ich hab dich lieb, sagt er weiß nicht ob er jemals so was wie Liebe empfunden hat und ich was besseres, als ein Verbrecher wie ihn verdiene. Sein Selbstwertgefühl geht also gegen Null. Es gibt Gespräche zwischen uns, wo ich der Meinung bin er hat auch Depressionen, wenn er z.B. die gerade genannten Aussagen trifft. Anderseits gab es des Nachts Telefonate, wo er ganz gut über seine Gefühle sprechen kann, ich spüre das er nach Nähe, Liebe und Anerkennung schreit und er sich wünschte ich wäre bei ihm Bett. Ich muss auch dazusagen, dass wir schon, ja ich glaube man sagt ... dazu, hatten und er mehrfach sagte, dass er so gern mit mir schlafen würde. Ich dränge ihn, bei fast jeden Telefonat, dass er endlich sagt wann wir uns Treffen. Er allerdings möchte Anfang nächster Woche zum Arzt, sich in eine Klinik einweisen lassen, einen kalten Alkoholentzug und eine Psychotherapie machen. Von der Idee her finde ich es wirklich klasse und sagte ihm auch, dass er meine volle Unterstützung dabei hat, ich ihn allerdings vorher gern kennengelernt hätte, einfach um zu Wissen ob da mehr ist als Freunschaft. Er aber möchte das ich ihn nicht so bedränge, ihn die Therapie machen lasse und wir uns danach erst Treffen, wenn er wieder etwas mehr Stabilität in sein Leben gebracht hat. Im gleichen Atemzug sagt er, dass er das ohne mich nicht packt und er meine Unterstützung braucht, ich momentan seine wichtigste Bezugsperson bin. Anderseits gehen die Telefonate meistens von mir aus, von allein meldet er sich selten. Oft schon waren wir zum Telefonieren verabredet, wo er dann aber stundenlang bei Freunden hängengeblieben ist und mich dann nachts betrunken und zugekifft anrufen hat. Sein Leben enthält keinerlei Struktur. Ich fange an ein Problem damit zu bekommen, dass ich zu 1000% für ihn da bin und von ihm so gut wie nichts zurückbekomme. Ich verstehe und akzeptiere es, dass er momentan mit sich selbst genug zu tun hat, er nie wirklich gelernt hat was Geben und Nehmen heißt. In kleinen Schritten fängt er an zu verstehen was ich damit meine, z.B. wenn wir zum Telefonieren verabredet sind und ihm was dazwischen gekommen ist, schreibt er eine SMS. Ich weiß das dies eigentlich selbstverständlich ist, für ihn allerdings eine Meisterleistung.

Ja und nun sitze ich hier und warte wieder auf seinen Anruf. Es tat gut mal alles von der Seele zu schreiben und ich danke all denen, die meinen Text bis zu dieser Stelle gelesen haben. Ich weiß manchmal echt nicht vor und nicht zurück, ich weiß nur, dass ich diesen Kerl unbedingt kennenlernen möchte. Ich möchte noch mal erwähnen, dass er wahre Muttergefühle in mir auslöst und mein größtes Ziel es ist, ihn auf den richtigen Lebensweg zu bringen.

Wer kann mir mit guten ernstgemeinten Ratschlägen weiterhelfen, vor allem in Bezug darauf wie ich mich verhalten soll?

Im Voraus schon mal ganz liebe Dank an alle.

Lara

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28. Oktober 2010 um 9:11


Du bindest dir da ein Problem ans Bein - und mit diesem Problem wirst du niemals glücklich geschweige denn eine erfüllte Partnerschaft führen können. Wobei mir irgendwie noch gar nicht so richtig klar ist, was du wirklich willst?! Willst du ihn retten und deinen Mutterinstinkt stillen, oder willst du ihn lieben, ihm beibringen zu lieben?? Ich verstehs noch nicht so... und es hört sich für mich so an, als seist du nicht ausgelastet... konzentrier dich auf deine Tochter. Es wäre völlig verantwortungslos, dir solch einen Kerl ins Haus zu holen. Was tust du deiner Tochter damit gutes? NIX - du wirst nur weniger Zeit für sie haben, es wird dich runter ziehen und ganz zum schluss hast du noch nicht mal was davon gehabt... ausser ganz viel leid!!!!

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28. Oktober 2010 um 10:00

Vielen dank für die zahlreichen antworten
Wow ich bin echt von den Socken, dass ich soviele Antworten erhalten habe.

Zunächst möchte ich kurz auf meine Tochter eingehen, von welcher ich beim ersten Posting nichts erzählte, weil sie mit dem eigentlichen Problem nichts zu tun hat. Meine Tochter wächst wirklich sehr behütet und liebevoll auf. Sie besucht gern die Kita und am Nachmittag bis sie ins Bett geht erhält sie meine volle Aufmerksamkeit. Telefonate mit ihm finden abends ab 20:00 Uhr statt oder dann, wenn die Kleine bei Oma oder Papa ist. Sie ist das wichtigste in meinem Leben und ich achte sehr darauf, dass sie davon nichts mitbekommt.

Trotz dessen, habe ich ihn kennengelernt und bin nicht gewillt ihn einfach fallen zu lassen. Ich weiß das ich meine Tochter, nicht vor ihm, aber vor seinem Umfeld schützen muss. Allemal so lange, bis er sein Leben "auf die Reihe" bekommen hat. Ich merke das er mich braucht, also bin ich für ihn da, das ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Ich bin kein Mensch der weg schaut. Das sich dazu auch noch mehr Gefühle meinerseits entwickelt haben, war wirklich nicht geplant, aber wer plant schon Gefühle. Ich weiss auch, dass es, so wie es im Moment ist, keine Grundlage für eine Partnerschaft ist.

Mein Anliegen bzw. meine Frage an euch war eigentlich, wie ich ihn noch mehr unterstützen kann bzw. wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll.

Danke nochmals an alle!

Lara

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28. Oktober 2010 um 10:18
In Antwort auf jakki_12282824

Vielen dank für die zahlreichen antworten
Wow ich bin echt von den Socken, dass ich soviele Antworten erhalten habe.

Zunächst möchte ich kurz auf meine Tochter eingehen, von welcher ich beim ersten Posting nichts erzählte, weil sie mit dem eigentlichen Problem nichts zu tun hat. Meine Tochter wächst wirklich sehr behütet und liebevoll auf. Sie besucht gern die Kita und am Nachmittag bis sie ins Bett geht erhält sie meine volle Aufmerksamkeit. Telefonate mit ihm finden abends ab 20:00 Uhr statt oder dann, wenn die Kleine bei Oma oder Papa ist. Sie ist das wichtigste in meinem Leben und ich achte sehr darauf, dass sie davon nichts mitbekommt.

Trotz dessen, habe ich ihn kennengelernt und bin nicht gewillt ihn einfach fallen zu lassen. Ich weiß das ich meine Tochter, nicht vor ihm, aber vor seinem Umfeld schützen muss. Allemal so lange, bis er sein Leben "auf die Reihe" bekommen hat. Ich merke das er mich braucht, also bin ich für ihn da, das ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Ich bin kein Mensch der weg schaut. Das sich dazu auch noch mehr Gefühle meinerseits entwickelt haben, war wirklich nicht geplant, aber wer plant schon Gefühle. Ich weiss auch, dass es, so wie es im Moment ist, keine Grundlage für eine Partnerschaft ist.

Mein Anliegen bzw. meine Frage an euch war eigentlich, wie ich ihn noch mehr unterstützen kann bzw. wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll.

Danke nochmals an alle!

Lara

Gerade mit einer tochter im haus...
... würde ich mir nicht 10 mal, auch nicht 100 mal, eher 1.000 mal überlegen, wen ich ins Zuhause lasse und wen nicht. Eine derart verkorkste Type wie Dein Internet-Mann käme keinesfalls zu mir nach hause.

Wenn Du unbedingt einen Liebhaber brauchst (was ich voll verstehen kann) dann mach es ausserhalb.

Ich versteh auch nicht, wie man mit jemandem schlafen will, wenn man 'Muttergefühle' hat. Wie passt sowas zusammen?Kannst Du mir das erklären?

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28. Oktober 2010 um 11:35

Ich hab nur gelesen bis...
ALKOHOLSUCHT. Und dann war die Sache für mich entschieden. Ich hdachte, du erzählst jetzt, er sei so ein Freigeist, ein Lebmann, ein Weltenbummler oder so. Aber stattdessen ist er einer, der wohl nicht viel auf die Reihe kriegt.
So einer sollte nicht in der Nähe deiner Tochter sein, finde ich.

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28. Oktober 2010 um 12:29

Du
solltest Dich für sein Leben nicht verantwortlich machen

Das tust Du schon, in dem Du ihm erklärst, dass er sich zu entschuldigen hat, wenn er nicht anruft.

Wenn Du seinen Leiden zuhörst, hat kein Mensch was dagegen, aber wenn Du ihn erziehst, tust Du Dir selbst (und auch Deiner Tochter) Schreckliches an.

Mach Dein Ding, aber halt Dich aus seinem Leben raus

Soll heißen, komm von Deinem fürsorglichen Muttertrip runter, schalt ein paar Gänge runter

Wer weiß, ob er wirklich zu sein Leben ändert. Denn, wenn er es nicht macht, bist Du füchterlich enttäuscht. Wenn Du Dir aber sagst, es ist sein Leben und seine Verantwortung, nimmst Du Dir selbst ein Stück Last von der Schulter.

Verstehst, was ich sagen will

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28. Oktober 2010 um 12:43

Wie meine tochter
Hallo Schneckchen, hab deinen langen Text gelesen und musste an meine Tochter denken, es hätte fast von ihr stammen können. Somit denke ich, weiß ich, worüber ich hier schreib. Ich muss zum Teil gleich im voraus den anderen Textern recht geben. Einfacher wäre es sicherlich, du konzentrierst dich auf dein Leben, lässt ihn sein Leben erst mal leben, entweder mit Therapie oder ohne. Anderenfalls hab ich es bei meiner Tochter gesehen, wie hilfreich eine stabile - oder sagen wir besser entstehende - Beziehung sein kann. Sie hat ihm den ausschlagenden Grund und vor allem die Kraft gegeben, die Entgiftung endlich durchzuziehen. Muss dazu sagen, steckt wohl in unserer Familie, dass wir so ne Art Helfersyndrom haben. Ich selbst hab oft mit ihm gesprochen, dass er es jedoch in erster Linie für sich selber machen muss, denn auch die Beziehung kann irgendwann mal krieseln und was dann, wird er dann wieder rückfällig. Es ist keine leichte Aufgabe, sich so einen Partner auszusuchen, es ist für ihn sehr wichtig, dass er ein Ziel vor Augen hat. Andererseits stellt sich mir aber - gerade bei euch - die Frage, wieviel Kraft hast du, um sie ihm zu geben, was bekommst du zurück. Das ist zumindest bei meiner Tochter (bzw. bei ihm) anders. Kindheit, Gefühle .... - genau wie bei dir beschrieben. Es brauch Zeit und vor allem Geduld, er hat sich schon geändert, es sind viele Lernprozesse, die er durchleben muss. Auch meine Tochter hat ein kleines Kind, ihr Freund spielt wunderbar mit ihr. Aber so wie du sagst, dass von seiner Seite aus noch nicht allzuviel kommt, würde ich wohl doch vorerst etwas Abstand wahren, vielleicht auch zu deinem Schutz, bevor du dich in etwas stürzt, Energien investierst, die sich am Ende in Luft auflösen und du keine Kraft mehr für dein Kind hast. Ich weiß, dass das niemand hören will, aber es ist nun mal so, dass die Psyche unter solchen Gegebenheiten leidet und es einen Zeitpunkt geben könnte, an dem man nicht mehr kann. Versuch dir wirklich Zeit zu lassen und erzwinge bitte nichts. Den Willen muss er ganz von sich aus haben, alles andere wird nicht viel bringen.

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28. Oktober 2010 um 12:56

...
Ich denke, du solltest dich mal ganz ehrlich fragen, warum du dir statt eines Partners auf Augenhöhe einen Menschen in deinem Leben wünscht, der vorrangig Muttergefühle in dir auslöst. In meiner Überzeugung zumindest schließen sich Partnerschaft und Muttergefühle aus.

Ich denke, es fühlt sich bestimmt toll an, für einen Menschen etwas Besonderes zu sein und mehr Vertrauen geschenkt zu bekommen als all die anderen Menschen in seinem Umfeld. Aber damit ist doch auch ein riesiges Machtgefälle verbunden, was meiner Ansicht nach keine Basis für eine Partnerschaft ist.

Außerdem kennst du diesen Mann nicht. Auch wenn er in euren Gesprächen immer absolut ehrlich zu dir war, wirst du den echten Menschen erst in der Realität kennenlernen. Jetzt ist zwischen euch immer noch jede Menge Platz für Interpretation und Projektion von eigenen Wünschen.


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